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Der Israelit · 1908-08-27 · Heft 35 (27.8.1908) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 35 (27.8.1908)
Date
1908-08-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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27. August 190«__ danken sei. Ihre wichtigsten Eigenschaften für -as kommerzielle Leben, — Fleiß, Unternehmungssinn — sowie die kluge Anwendung der neuesten technischen Errungenschaften trugen das Meiste zur Entwicklung der wichtigsten Städte des Südens bei. Außerdem hatten die Juden eine besondere Anhänglichkeit an die Städte, welche sie geschaffen, an den Tac[ gelegt. Die Liste der jüdischen Soldaten im Bürgerkriege stellte die überwiegende Majorität der erwachsenen Juden im Süden dar. Auch hatte der Süden mehr jüdische Senatoren im Senate der Vereinigten Staaten aufzuweisen, als alle anderen Landesteile zusammengenommen. Die Newyorker „Hebrew Immigrant Ait Society“ gibt seit einiger Zeit eine Zeitschrift für jüdische Auswanderer, beziehungsweise Ein- Ivanderer heraus. Das Blatt führt den Titel „The Jewish Immigrant“ („Der jüdische Einwanderer") und soll periodisch erscheinen und sowohl in Europa als auch in Amerika von den verschiedenen jüdischen Auswanderergesellschasten an jüdische Auswander gratis verteilt werden. New-Aork, 15. Aug. Am 12. Juli feierte hier die deutsch-orthodoxe Gemeinde „Chevroh Äadischo Talmud Thoroh" die sogenannte „Reb Lob Schul" in den Räumen der „Biktoria-Halle" ihr ^Ojähriges Stiftungsfest. Bon kleinen Anfängen, mit nur einigen Mitgliedern, arbeitete sich die -Gemeinde zu einer geachteten und rühmlich bekannten Synagogengemeinde empor und bildet nun neben der Gemeinde „Orach Chajim" die einzige orthodoxe deutsche Gemeinde in New-Z)ork. Gegründet von dem aus Pfungstadt stammenden Reb Löb, dessen Namen sie trägt, ist die Gemeinde auf festen, strikt auf unserer heiligen Thora basierenden Grundsätzen und Statuten aufgebaut Sie besitzt eine Synagoge mit Frauengalerie, die auch täglich zum abendlichen Schiurlernen uud am Schabbos zum Gemoroh-Schiur benutzt, wird, hat ein Mikwoh und besteht nur aus solchen Mitgliedern, die strikt den heiligen Schabbos halten. Außerdem unterhält sie eine „Talmud Thoroh", worin unentgeltlich Knaben und Mädchen von einem in Deutschland ausgebildeten Lehrer wöchentlich fünf Mal unterrichtet werden. Die Feier verlief sehr animiert. Nachdem sie von dem zweiten Vorstände, Herrn Benzion Heinemann aus Popenlau (Bayern), in Vertretung des durch Unwohlsein am Erscheinen verhinderten Präsidenten durch eine kleine Ansprache eröffnet wurde, hielt Herr Emanuel aus Hamburg die Festrede, enthaltend die Geschichte der Gemeinde. Ihm folgten dann H. Kutz, Julius Levy, I. Mannheimer, der Vorbeter Jacobson und H. Rofenberg. Nachdem das fröhliche Festmahl mit Benschen geschlossen, folgte Abendgottesdienst, dem sich ein ungezwungenes Beisammensein bis 12 Uhr nachts anreihte. vermischtes. Berlin,.21, Aug. Die Großloge für Deutschland hat dem Hllfsverein der Deutschen Juden als Beitag zu der gemeinsamen Hilfsaktion für die Opfer der Brandkatastrophe in Talschi 1500 Mk. überwiesen. Würzburg, 22. Aug. Bei den Renovierungsarbeiten der Synagoge in Kitz in gen in Bayern stüzten vier Personen von dem Gerüst, von denen ein Lehrling getötet und die anderen drei Arbeiter schwer verletzt wurden. Gablonz, 23. Aua. Alljährlich findet am ersten Montag im Oktober ein Jahrmarkt in Gablonz statt. Da auf diesen Tag (5. Ottober) dieses Jahr fällt, wandten sich 30 jüdische Geschäftsleute mit einer Eingabe an die Stadtvertretung, dieser Jahrmarkt möge auf einen anderen Tag verlegt werden. Die Pouzetsektton wies bas Ansuchen abdaraufhin wandten sich die Gesuchsteller an das Gremium der Kaufleute, welches daS Ansuchen befürwortete. Die Sache kam in der letzten StadtratSfitzung zur Verhandlung^ und es wurde mit Rückficht auf die Aeußerung deS Gremiums beschlossen, dem Ansuchen stattzugeben, somit den Jahrmarkt zu verschieben. Der Tag, an welchem der Jahrmarkt statt am 5. Ottober abgehalten werden wird, wird durch eine öffentliche Kundmachung bekanntgegeben werden. Hofgeismar, 17. August. Rach Versetzung der Herren Lehrer David in Hofge.smar nach Ziegenhatn Der JAraeltt. und Plaut nt Rodenberg (Kreis Rinteln) nach Meerholz find die isr elitischen Schulen in Hofgeismar und Rodenberg wegen allzugeringer Schülerzahl vom 1. Oktober an aufgelöst. Zirndorf, 17. Aug. Die Herren Schwabacher aus Amerika haben bei einem Besuch, den'sie ihrem Geburtsort Zirndorf abstatteten, der israelitischen Kultusgemeinde die Summe von 10000 Mk. zur Renovierung der Synagoge übergeben. Qereinswesen. Die Misrachi-Konferenz. Frankfurt a. M., 26. August. Am Montag, den 24. ds. fand hier im Böriensaals die Konferenz des „M isracht" statt. Anwesend waren etwa 40 Herren aus Deutschland, Rußland, P a l ä - stina und der Schweiz, unter ihnen auch die bekannten Rabbiner Reines aus Lida, F i s ch m a n n aus Bessarabien, W. Ja Witz, Berlin, Rabbiner Kaplan und Rabbiner Dr. Kahn, Eßlingen. Herr Professor W e i l - Frankfurt a. M. eröffnete mit einerwarmen Begrüßungsansprache, zugleich im Namen der hiesigen Misrachigruppe die Versammlung, worauf das Bureau aus den Herren Rabbiner Reines als Ehrenvorsitzenden, Prof. Weil als I. Vorsitzenden, Dr. Frank-Altona als II. Vorsitzenden und I. Hackenbroch uud Braun als Schriftführer bestellt wurde. Den Bericht für das Misrachibureau in Lida erstattete Herr Rabbiner Reines. In oer Besprechung dieses Berichtes fordert Herr Rabbiner Fischmann auf, die Jeschiwoh in Lida, die im Sinne des Misrachi Tüchtiges für das Thorajudentum leiste, weitgehendst zu unterstützen. Herr Dr. Feuchtwanger erstattete darauf den Bericht über das Misrachibureau zu Frankfurt a. M. Einstimmig wird von der Versammlung noch vor Erteilung der Decharge Herrn Dr. I. Fcuchtwanger ein Vertrauensvotum erteilt. In der Diskussion ergreift Herr Dr. Franck das Wort zu einerlängeren Ausführung über den Stand der Misrachi- Angelegenhciten in ihrem Verhältnis zur zionistischen Zentralleitung. Er fragt, ob nach dem Beschuß der Jahreskonferenz, dem hebräischen Gymnasium in Jaffa aus den Mitteln der Partei Land zur Verfügung zu stellen, dem Misrachi noch möglich sei, an der Bewegung teilzunehmen. Herr Levigard - Frankfurt a. M., fragt an, wie es sich mit dieser Landabtretung zu zionistischen Kulturzwecken verhalte. Herr B. Stern meint, man könne die Entscheidung darüber, ob und inwieweit der Misrachi noch unter diesen Umständen mit der zionistischen Organisation Weiterarbeiten darf, den anwesenden Rabbinern überlassen. Zur Sache selbst sei in der Tat in Köln der Beschluß gefaßt worden, dem Gymnasium ein Landstück gegen äußerst geringes Pachtgeld zu überlassen, so daß es gerade so gut als eine' Subvention seitens des A. ü. an die Kulturfraktion betrachtet werden kann. .Herr Dr. B a m b e r g e r-Nürnberg bemerkt, man sei in .Sachen des Gymnasiunrs weit mehr hinter das Licht geführt worden, als in der Sabbat-Affaire. Handelt es sich doch bei dieser Angelegenheit nicht allein um eine Schädigung der Interessen des Misrachi, sondern auch um eine Gefährdung des Zionismus überhaupt. Das Basler Programm müsse andere Fassung erhalten. Die alte Kultursraktion, meint der Redner, -bestehe heute noch wie dazumal, nur sei sic klüger und vorsichtiger geworden, während der Misrachi wesentlich nachlässiger wurde. Das Verhalten d.'s Präsidenten des A. C. den Bestrebungen des Misrachi gegenüber könne nicht scharf genug verurteilt werden, und es müßte Herrn Wolffsohn klar gemacht werden, daß es so nicht weitergehen könne. Auf jeden Fall sei eine gemeinsame Arbeit mit dem Zionismus nur auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete möglich. Herr Levigard verlangt, daß in allen zionistischen Unternehmungen das jüdische Rrligionsgesetz maßgebend und vorherrschend sein soll, und daß dieser Grundsatz durch ein diesbezügliches Statut festgelegt werden möge. Auf Antrag des Herrn B. Stern wird nun beschlossen, ein ständiges Bureau mit einem besoldeten Sekretär in Frankfurt einzurichten. Herr Dr. Franck-Altona hält nun sein Referat über „Organisation". Ueber „Agitation und Popaganoa" spricht Herr Dr. Bamb erg e r - Nürnberg, und Herr Rüben Cohn- Antwerpen referiert über „Presse". Es wird ,sodann eine Resolution gefaßt, dahingehend, das Misrachi-Zentral-Bureau solle ein Memorandum betreffend Schekel-Inkasso ausarbeiten und durch eine Deputation dem Präsidenten des A. C. persönlich überreichen, da von dem A. C. Mitglied Dr. Brande auf der Jahreskonferenz unrichtige Mitteilungen nach dieser Richtung gemacht worden wären. Herr Rabbiner Reines macht noch einige interessante Mitteilungen über die von ihm geleitete Jeschibo, die den besten Erfolg zeitige. Sie wird gegenwärtig von 230 Schülern beucht, die eine gründlich: Ausbildung im Talmud, nebenbei aber auch in den profan:n Wissrnschastrn erhalten. Die Lehranstalt habe schon SoV 'ijl'U hervvrgebracht, auf die sie, sowie die sie fördernden Sette ». Ro. 35 " - 1 ..' ' Misrachi-Kreise mit berechtigtem Stolz: blicken dürften. Der Jeschibo wurde daher auch ungeteilte Anerkennung, so auch von den berühmten Gelehrten David Ginzburg, der sie besuchte und ihre Lehrweise prüfte zuteil. Herr Rabbiner Reines appelirrt an die gesetzestreuen Gesinnungsgenossen, die Jeschibo möglichst zu unterstützen, und wäre es auch nur, um r'n Rußland den Beweis von der Leistungsfähigkeit des Misrachi zu liefern. An Stelle der gus dem Zentralbureau ausgefchiedenen Herren I. Posen und Sally Geis wurden die Herren Professor Weyl und Professor Sulzvach außerdem die Herren B. Stern und Hermann Struck kooptiert. Zum Schluffe wird noch eine Resolution gefaßt, wonach der Misrachi die Entwicklungsfähigkeit des Basler Programms im Sinne der Grundsätze des gejetzestreuen Judentums anerkennt und es für gut hält, daß dem Basler Programm der Zusatz, „auf Grundlage des überlieferten Judentums" hinzugefügt wert»». Frankfurt a. M., 19. Äug. In dem Jeschitoolokale Schützenstraße 14 versammelten fich am vergangenen Samstag sämtliche Bachurim der Lehranstalt und mehrere Gäste, um den Abschied ihres Kollegen, Herrn Joseph Adler, zu feiern. Der Scheibende hielt einen längere» geistvollen - Bortrag, an dem fich die Bachurim eifrig beteiligten, und schloß mitinnigempfundenen Abschiedsworten an die Jeschiwa, der er, wie er hervorhob, so vieles zu verdanken hätte. Die Bachurim rufen ihrem treuen Freund und Kollegen ein herzliche- Dlftri» i? nach. Strastvurg I. E, 23. Aug. Das abgelaufene , Sommersemester war für die hiesige „Bereinigung 'jüdischer Akademiker" eine Zeit reicher BetättgunA Refera e hielten: cand. Phil. M. Breuer über „Die sogenannte jüdische Chuzpoh"; cand. pharm. I. Auerbach über „Baumeister Solneß"- stud. math. S. Meyer über „Entwicklungstheorien und Judentum"- cand. chem. Th. Baer üb«r „Agrikultur und Chemie"- stud. med. Edg. Bloch über „Frauenbewegung und Judentum"- cand. Phil. M. Bloch über „Ein Jahrtausend altjüdischer Geschichte"- cand. Phil. M. Burtenwieser über „Frauenfrage bei den Griechen". Ein DiSkusfionsabenb behandelte das Thema „Nationalität und Judentum". Der 100. Geburtstag Rabbiner Hirschs y'jtf vereinigte die Mitglieder bei einer würdigen Gedenkfeier. Während die Vortragsabende wesentlich der jüdischer Welt- und Lebensanschauung dienten, erzielte ein, von Herrn ccmd. Phil. M. B teuer in dankenswerter Weise geleitete^ rege besuchter Bereinsschiur erheblichen Fortschritt auf dem Gebiete des reinen Taurohstudiums. Wie in den früheren Semestern kam auch die Gemütlichkeit bei den Vereins übenden und bei Ausflügen in die nahen Vogesen und.Schwarzwald voll auf zur Geltung. Für das kommende Semester find in den Vorstand gewählt die Herren cand. phil. M. Breuer, . Borfitzender - stud. math. S. Meyer, Schriftführercand. chem. Th. Baer, Kassenwart. An Herrn Mevep, Studentenplatz 6, sind auch während der Ferien Zuschriften zu adressieren. Hamburg, 20. Aug. Der „Verein zur Förderung ritueller Speifehäuser", der seinen Rechenschaftsbericht pro 1907 veröffentlicht, kann wiederum mit Genugtuung auf ein Jahr stetiger Weiterentwicklung und erfolgreichen Fortschrittes zurückblicken. Die bedeutende Erweiterung der vom Verein regelmäßig zur Veröffentlichung gebrachten Liste der unter ritueller Beaufstchtigung stehenden Speisehäuser, sowie das reguläre Anwachsen der Zahl der Vereinsmitglieder haben von neuem den Beweis erbracht daß sich die Bestrebungen des Vereins in weiten Kreisen einer wohlwollenden und anerkennenden Beurteilung erfreuen. Die Zahl der Mitglieder ist bis jetzt auf 803 gestiegen. Während des Jahres 1907 wurden 112 Mit-?[tieftet neu angemeldet. Die Einnahmen pro 1907 beiefen fich auf Mk. 8744,53 Pf., von denen nach Bestreitung der Ausgaben ein Gewinnsaldo von Mk. 108,08 Pf. übrig blieb. Witzenhausen, 15. Aug. Dieser Tage feierte der hiesige „Israelitische Wohltätigkeitsverein", oem fast sämtliche Mitglieder der jüdischen Gemeinde angehören, bas Fest seines 75jährigen Bestehens. DaS Fest wurde durch einen Festaottesdienst mit Prediigt eingeleitet. Ein Festesien mit Bankett beschloß die in allm Teilen schön verlaufene Feier. Personalien. Frankfurt N. M., 17. August. Am SabbaLH "O 'D feiert der Kantor an der Israelitischen Religionsgesellschaft, Herr Plaut, seine« siebzigsten Geburtstag. Herr Plaut, der fett 27 Jahren mit seltener Pflichttreue in der Gemeinde wirktz versteht auch jetzt noch in voller Körperfrische und Rüstigkeit sein Amt und erfreut fich der Wertschätzung der ganzen Gemeinde. Altkirch, 20. Aug. Unter reger Beteiligung seiner AmtSbrüder, eines großen Freundeskreises und der grämten Einwohnerschaft AltktrchS wurde heute Rabbiner R. Levh zur letzten Ruhe bestattet. Während feiner 34jährigen hiesigen Amtsbauer verstand er es, die Sympathien aller Kreise fich zu erwerben. Sein jäher Tod — er starb unvermutet zu Langenbrücken in Badm, wo er zur Kur weitte — hat daher überall lebhaftes Mitgefühl

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