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Der Israelit · 1908-08-27 · Heft 35 (27.8.1908) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 35 (27.8.1908)
Date
1908-08-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8. Nr. 35. Der Israelit. 37. August 1908. Altertumskunde ist die jüdische Wissenschaft gut vertreten. So werden die Herren Oberrabbiner Prof. Dr. Simonsen, Oberrabbiner Dr. Lerne r-Altona, die Professoren Haupt, Günzberg, Men des aus Amerika, Dr. Kaminka-Wien, u. v. a., die Ergebnisse ihrer Forschungen auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft zur Vorlesung bringen. Es sind außerdem auch die berühmtesten nichtjüdischen Lehrer der semitischen Sprachen hier anwesend. Auch die Sektionen für ' Gri echen land und Orient weisen in ihrem Programme einige Borträge jüdischen Inhalts auf. So von Prof. Lombros aus Athen: „Ueber die Juden Griechenlands im Mittelalter,'" von Prof. Merk: „Ueber armenische Bibelhandschriften/" von Dr. Belleli- London: „Ueber ein Manuskript der Griechischen Bibel-Version in Venedig." Am Montag kam in dieser Sektion die sensationellen Veröffentlichung Dr. Gaster's über das Samaritanische Buch „Jo su a " zur Besprechung. Dr. Jahuda unterzog das Buch inbezug auf seine Authenzität und seinen historischen Wert einer vernichtenden Kritik. Herr Dr. Güster war wohl angemeldet, aber beim Bortrage nicht anwesend. Am Montag sprach Herr Dr. Kaminka über „die Komposition des Scheeltot desR.Achai" und „die Rethorik an der Babylonischen Hochschule" Unter den vielen Geschenken und Stiftungen, die dem Kongresse von Gönnern der Wissenschaft zuteil wurden, bemerkt man auch einen von der Firma Drugolin in Leipzig gewidmeten alten Kalender, der in hebräischer Sprache und rabbinischem Style interressante Humoristika enthält. Die Kongreßteilnehmer sind hier mit großer Achtung und Freude von der Bevölkerung empfangen worden, und genießen die weitgehendste Gastfreundschaft des Hofes und der Stadtbehörden. Bemerkt sei noch, daß infolge der dankenswerten Intervention des Prof. Simensen das Komite für eine streng rituelle Abteilung bei den Banquetts gesorgt hat. Bulgarien. Sofia, 24. Aug. Als Hochburg des Antisemitismus in Bulgarien gilt die Stadt Rustschuk, von wo aus die giftigen Pfeile gegen die Juden mit mehr oder weniger Erfolg abgeschossen werden. Bis zur Hauptstadt reichen sie'nur selten, da die Hof und Regierungskreise, sowie die besseren Volksschichten unentwegt den Juden freundlich gesinnt sind. Rustschuk war es auch Vorbehalten, die einzige antisemitische Zeitung im Lande herauszugeben, die aber, als ihre Sprache immer eindeutiger und ihre Hetzen immer bedrohlicher wurden, seitens der Behörden unterdrückt wurde. Nun existiert aber in dieser Stadt noch ein geheimer Antisemitenbund, 'der im Stillen wirkt und unter der der Kultur noch abseits stehenden Landbevölkerung gegen die Juden zu agitieren sucht. Das Verhalten der Behörden und der Polizeiorgane diesem hetzerischen Bestreben gegenüber ist in allen Fällen ein musterhaftes, und der Umstand, daß die einzige Antisemiten - Vereinigung ihre Tätigkeit im strengen Vertrauen und im Geheimen entfalten muß, ist doch mehr erfreulich als besorgniserregend. Indes fehlt es an einzelnen antisemitischen Anrempelungen auch in der Hauptstadt und in anderen Städten Bulgariens nicht. So erhielt der Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis vor einigen Tagen ein anonymes Schreiben, das unter Todesdrohungen von ihm die Herausgabe eines seit einigen Tagen spurlos verschwudenen christlichen Dienstmädchens verlangt. Auf die anonymen Briefschreiber wird von der Polizei gefahndet. In Philipoppel suchten wiederum einige antisemitischen Hetzer ein Volksfest, verbunden mit Ausschreitungen gegen die Juden, auf den 6. August anzukündigen. Die Aufrufe wurden aber gleich nach ihrer Bekanntmachung konfisziert und die Rädelsführer verhaftet. N<r1östirr<r. Berr Bnfebi an 9er Arbeit! Jerusalem, 16. August. Die ehrliche Freude, mit der die jüdische Bevölkerung die Herstellung der Verfassung begrüßt hat, beginnt der Bestürzung Platz zu machen, und die besonnenen Elemente sehen mit schwerer Besorgnis der Zukunft entgegen. Kaum ist von Konstantinopel telegraphisch die Abdankung des Chacham Baschi und die Einsetzung des Alliancelehrers Haim Nahoum zum stellvertretenden Großrabbiner der Türkei hierher gemeldet und Herr Ante bi setzt bereits eine regelrechte Hetze gegen den hiesigen Chacham Baschi, Panisel, in Szene. Man weiß, mit welchen Mitteln Antebi seiner Zeit die Herrschaft in der sefardischen Gemeinde an sich gerissen und einen Mann seines Vertrauens zum Chacham Baschi gemacht hatte. Nachdem die Folgen dieses Rechtsbruches beseitigt waren, und Chacham Baschi Panisel sein Amt angetreten hatte, zog allmählich Beruhigung in die Gemüter und man darf mit i gutem Gewissen sagen, daß Chacham Baschi Pani sel dank seines gerechten milden Wesens und seinem tadellosen Charakter, die Shmpathieen aller Parteien genießt und es ist darum geradezu ein Verbrechen jetzt künstlich Zwietracht zu säen und die Absetzung des Jerusalemer Großrabbiners zu fordern! Festes Zusammenhalten unter den hiesigen Juden tut jetzt mehr wie je Not, und die Vertreter der europäischen Gesellschaften sollten es wahrlich nicht für ihre Aufgabe halten, ihre materielle Macht auszunützen und die sowieso schon genugsam gespaltene Jerusalemer Judenheit durch Gewaltmaßregeln in Aufruhr zu bringen.- Jerusalem, 16. Aug. Wir leben hier in fortdauernder fieberhafter Erregung. Ist ja A nteb i der einzige Jude im hiesigen jungtürtischen Komitee und nützt er diese doppelte Machtstellung als Politiker und Vertreter der reichsten jüdischen Körperschaft rücksichtslos aus. Seine Politik geht offen darauf hinaus, den Präses der sefardischen Gemeinde Valero, ebenso wie den Chacham Baschi Panisel zu stürzen, sich selbst an Valeros Stelle wählen zu lassen und zum Chacham Baschi ein willfähriges Werkzeug seiner ehrgeizigen Pläne einzusetzen. Dazu sollen die Zionisten mithelfen, während im jungtürkischen Komitee Antebi erklärt, die Zugehörigkeit zum Zionismus vertrage sich nicht mit einem türkischen Abgeordnetenmandat. Eine gestern Abend von Antebis Leuten abgehaltene Versammlung, m denen natürlich anch Ben Jehuda gehörte, wählte 5 Chachamim und 5 Laien, die sich als Nebenregierung in der sefardischen Gemeinde betrachten. Der maßlos heftige Ton, den man gegen den Chacham Baschi anschlug, veraulaßte viele Teilnehmer die Versammlung zu verlassen. kine Protestkundgebung. Jerusalem, 17. August. Die verwirrten Massen der Bevölterung beginnen sich aufzuraffen. In der Synagoge der „Bothe Machse" fand gestern eine große Versammlung statt, die sich zu einer enthusiastischen Kundgebung für den derzeitigen Chacham Baschi Panisel und zu einem Proteste gegen die Vergewaltigungsversuche Antebis gestaltete. Unter den Anwesenden bemerkte man die offiziellen Vertreter sämtlicher TQ und alle führenden Rabbinen Jerusalems. Die Versammlung faßte folgende Resolution: n"n ri2'vv2 mm my bw nbnin ncoan» n'Din 2« v"' dyq D*m» ^ro tyoaro my bi OV2i 12DV2 miDi ro^nn n?2 nabriD npm bD2 pinrft imim 'n ~oib D'-nnn tmrrn pna pwn 2"in bw (nwe aon iva) idudid w *Ajy*iD in'bit lYmoD dvid h"t D’Dn y'mn iivy dvqpi DD^ di rs jtciddd onnm im b2i 2"nb rrormw in"wrn2 myn twro '?:n wpMPioi - □'■yiD □nmn p\-i iy yr 122^2 'n rum 'n *ro3b nwnpn irnny iyn 'un jn/Ain$ anmts macn pp nmrü ™ ioy 1122^1 imvn „Jv der großen, am 19. Ab 5668 unter Anwesenheit der Rabbiner, Gelehrten und rabbinischen Autoritäten Jerusalems hier stattgehabten Versammlung wird von diesen und im Namen aller treu zu Gott und seiner Thora haltenden Gemeindemitglieder der feste Entschluß gefaßt, mit aller Macht und Kraft für das Rabbinat des Chacham Baschi des R. Elijahu Mosche Panisel einzutreten und der heiße Wunsch ausgesprochen, daß dieser Große auch fernerhin an der Spitze der Gemeinden in Jerusalem und Umgegend stehen möge. Wer noch einen Funken Gottesfurcht im Herzen hat, weiß wie sehr uns daran liegen muß. Die Versammlung spricht auch dem genannten Rabbiner ihren Dank aus für seine der Ehre Gottes und seiner Thora, seinem Lande und Volke geweihten, dem Heile Israels dienenden Arbeit! Es wurde hierauf eine Kommission von 21 aschkenasischen und sefardischen Rabbinern gewählt die" den Auftrag hat, dem' Beschlüsse der Versammlung durch alle gesetzlichen Mittel, eventuell auch im Falle einer Neuwahl, volle Geltung zu verschaffen/ Im übrigen gab die Versammlung ihrem schmerzlichen Bedauern über das Verhalten einiger jüdischer Individuen Ausdruck, welche die neu gewährte Freiheit mißbrauchen und durch unjüdisches Gebühren öffentliches Aergernis erregen. Jaffa, 20. August. Das hier vergangene Woche gefeierte Fest der Konstitution, von dem Ihnen bereits berichtet, war beeinträchtigt durchdie Abwesenheit des bei allen Nationalitäten gleich beliebten, äußerst gerechten und toleranteen Kamaikam, der durch die Jntriguen des Oberkamaikam in Jerusalem verhaftet war und während der Feftzeit im Kerker schmachten muße. Die Aufregung der Bevölkerung, welche sich mitten in der Festesfreude darob kundgab, nahm zuweilen bedrohliche Formen an. Nun ist mit dem alten Regime auch die Macht des fanatischen Oberpaschas gebrochen. Der Kamaikam kam heute, wieder in Amt und Würde gesetzt, hier an und die Freude und Begeisterung, mit der er von der gesamten Bevölkerung empfangen wurde, ist unbeschreiblich. Tausende harrten am Bahnhof seiner Ankunft. Arabische, türkische und jüdische Fahnen wehten in der Luft. Unter den Klängen der vereinigten Militärkapellen und der jüdischen Musikkapelle fuhr der Zug in den Bahnhof ein. Begrüßungsansprachen in arabischer, türkischer und hebräischer Sprache folgten aufeinander. Dann wurde der Beamte vom jubelnden Volke, teils auf Händen getragen, in seine Amtswohnung geleitet. Der Kamaikam dankte tränenden Auges ein übers andere Mal für die hohe Ehrung, die er nicht für seine Person in Anspruch nehmen wollte, sondern als dem Siege des «Rechtes, das nun in der Türkei allen Bürgern gleich zuteil werden soll, geltend, betrachtete. Er schätzte sich glücklich das höchste Fest seines Volkes nun doch im Kreise seiner lieben Mitbürger feiern zu dürfen. Die Festesfreude, die hier langsam einzog, ist von anhaltendem Charakter und macht sich täglich bei jeder Gelegenheit von neuem Luft. Und überall herrscht Liebe, Eintracht und Brüderlichkeit. Qrtnevika. New-Aork, 10. Aug. In einer amerikanischen Zeitschrift „The Hartford Ölobe“ erschien vor Kurzem ein Artikel über die Bedeutung der Juden im Süden der Bereinigten Staaten. Der Artikelschreiber stellt fest, daß der Aufbau und das rasche Aufblühen der großen Handels- und Industriezentren des Südens fast ausschließlich >em regen Unternehmungsgeiste der Juden zu

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