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Der Israelit · 1908-08-20 · Heft 34 (20.8.1908) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 34 (20.8.1908)
Date
1908-08-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 34. Seite 5 F .Willi« Bl "»r 20. Au ust 1908.__ lichem Ermessen ein gut Stück der geistigen Zukunft des Judentums überhaupt abhängt. Möchten sie sich ermannen, in stolzer Offenheit der Welt, der Regierung ihres Landes ihre politischen und religiösen Ideale vor Augen führen. Vor der Sprache der Wahrheit, vor dem entschlossenen Auftreten einer großen, bewußt gesetzestreuen Phalanx werden die Gegner verstummen, und auch die Staatslenker schließlich einsehen, daß in der Förderung dieser Ideale die beste Garantie für eine friedliche Fortentwicklung des Staatslebens gegeben ist. JVu$ der Werkstatt moderner fteligionspdilosopden. Bon Dr. I. Wohlgemut!) in Berlin. (Schluß.) Die nächsten drei Abschnitte des K e y' s ch e n Buches: „Der Lebensglaube", „Das Glück als Pflicht", „Die Evolution der Seele durch Lebenskunst", wollen die Lebensanschauung der neuen Religion geben. Es wäre töricht, hier mit der Verfasserin streiten zu wollen. Wir) die Anhänger der positiven Religionen und vor allem des gesetzestreuen Judentums, stehen dem Ausgangspunkt ihrer Deduktionen so unendlich fern, daß an eine Verständigung gar nicht zu denken und eine Kritik darum überflüssig und verfehlt ist. Aus ihrer Stellung zum Gottesbegriff folgt ohne weiteres, daß sie die Verbindlichkeit der Ethik, wie sie auf dem Grunde der positiven Religionen erwuchs, nicht anerkennt. Aus ihrer monistischen Grundanschauung, aus der Entwicklungslehre ergibt sich ihr dann die Pflicht, sich auszuleben. Auf dies berüchtigte und brutale Wort laufen letzten Endes all die wunderschönen Parodien, die guten Einfälle und geistvollen Antithesen, die originellen Bilder und vhilosophischen Zitate hinaus, die wir auf nahezu dreihundert Seiten von Ellen Key lesen. Das Aergerliche dabei ist, daß man sie niemals recht fasten kann, daß sie aus allen Gärten die schönsten Pflanzen nimmt und in ihre Beete setzt, daß sie all die Forderungen der Ethik, die wir als die edelsten anzusehen uns gewöhnt, mit ihrem Ideal des „Lebensglaubens", des „Glückes als Pflicht" für vereinbar hält, während doch da in Wahrheit unversöhnliche Gegensätze herrschen. Es klingt ausgezeichnet, wenn sie sagt: „Die neue Religion ist die Religion der Lebensbejahung" (S. 239). „In dem Maße, in dem die Natur eines Menschen lebensvoll ist, schöpft er seine Der JSmeltt._ Handlungsweise unmittelbar aus sich selbst", „Der Lebensglaube weiß, daß er zur Religion befreit worden ist", „Der Lebensglaube ist — wenn er von der Seele des Einzelnen in das Ganze ausströmt — ein auf das Erdenleben gerichteter Schaffensdrangs, „Die Frage, die junge Augen von Feuer und Tränen erstrahlen läßt, ist die: Wie soll eine Menschenseele lebendig bleiben?" Es läßt sich wirklich nichts dagegen einwenden: Nehmen wir aber einmal ein SÄck in größerem Zusammenhang, wo Ellen Key offenbar beabsichtigt, ein Fazit zu ziehen. Auf S. 270—272 heißt es: Der Lebensalaube weiß nichts vom Himmel. Aber er weiß, was fich an der Pforte des Himmelreiches begibt. Wenn der lebensfrohe Mensch vor dieser steht, dann fragt ihn der heilige Petrus, wie er auf Erden gelebt. Und wenn der Mensch antwortet, daß er auf freudebeschwingten Füßen durch die lieblichen Gefilde der Erde gewandelt, daß er alle ihre Freuden genoffen und geliebt habe, dann lächelt der heilige Petrus, aber er fragt weiter: „Trägst du auch anderer Bürde, littest du ihr Leid, de* flügette auch ihr Kummer und ihr Schmerz deinen Schritt?" Muß der Mensch darauf Nein antworten, dann werden die Augen des heiligen Petrus streng und er sagt: „Kehre zur Erde wieder! Denn die Hälfte ihrer Herrlchkeit hast dort zurückgelaffen. Und ohne die ganze Herrlichkeit der Erbe kannst du nicht in den Himmel eingehen." Wenn der vom Lebensernst gebeugte Mensch der Pforte des Himmelreiches fich naht, dann ftagt der heilige Petrus, wie er auf Erden gelebt. Und antwortet er, baß er eigene Pflichten erfüllt und anderer Bürde getragen habe, bann leuchten die Augen des heiligen Petrus, aber er fragt weiter: „Gingst du auch mit freudebeschtomgten Füßen durch die lieblichen Gefilde der Erde? Spiegelte deine Seele den Glanz jedes Glückes wieder, dem fie begegnete? Konntest du spielen und lächeln?" Muß der Mensch dann Nein antworten, dann umwölkt fich die Kinderstiri e des heiligen Petrus, und er sagt: „Kehre zur Erde wieder! Denn die Hälfte ihrer Herrlichkeit hast du dort zurückgelaffen,' Und ohne die anze Herrlichkeit der Erde kannst du nicht in den immel eingehen." Aber naht ein Mensch, der auf beide Fragen fteubig sein Ja antwortet, dann öffnet der i eilige Petrus die eine der Pforten des Himmelreiches und sagt' „Ziehe ein, du guter und getreuer Diener des Lebens tn deines Herrn Freude Und kommt schließlich ein Mensch, der spricht: „Leidend lernte ich, baß der Zweck des Lebens das Leben ist . . bann öffnet der heilige PetrvS beide Pforten des Himmelreiches mit den Worten: „Ziehe ein, du der Sorgen Besieger, in daS Reich deiner Seligkeit!" Um mit dem letzten zu beginnen: Daß Petrus uns als Monist vorgestellt wird, und darum dem beide Pforten öffnet, der „gelernt hat, daß der Zweck des Lebens das Leben ist", der sich mit dem Glaubensbekenntnis von Ellen Key indentifiziert, kann man ihr natürlich nicht übelnehmen. Aber schon hier ist schwer zu verstehen, warum der Betreffende das „leidend gelernt" haben muß. „Der Stifter der Religion des Lebensglaubens ist Goethe", wird bald darauf bemerkt. Es ist uns nicht bekannt, daß Goethe soviel für seinen Glauben und in der Betätigung für feinen Glauben gelitten. Und Goethe, der ist doch nach der Verfafferin für die beiden Pforten sicherlich der Würdigste. Ellen Key konnte sich natürlich nicht dem Einwand verschließen, den man allen eudämonistischen Theorien gegenüber mit Erfolg erhoben hat, daß das Leid auf Erden nicht getragen und nicht bekämpft werden kann mit Hilfe des Lebensglaubens, der letzten Endes aus egoistischem Trieben quillt. Die Mutter, die mit der Todeswunde im Herzen weiter schafft und wirkt um ihres Kindes willen, das Kind, das auf sein Lebensglück verzichtet, um den Eltern eine Stütze zu sein, sie alle folgen nicht der „Pflicht des Glückes", sie streben einem anderen Ziele zu, als ihre „Glücksanlagen auszubilden." Ellen Key sucht das hinweg zu interpretieren. Das Leiden und Dulden für Andere ist für diese Individuen eben die glücklichste Betätigung ihrer Anlagen. Ihr Selbst erfährt dabei die höchste Lebenssteigerung. Das ist der bekannte Kniff des Utilitarismus, alle altruistischen Neigungen auf den Egoismus zurückzuführen. Nein, nach der Gesamtauffaffung des vorliegenden Werkes müßte der Glückliche, dem stets des Lebens Sonne geschienen, der, mag er auch unendlich viel für die Menschheit getan, niemals des Schicksals zermalmenden Tritt erfahren, an erster Stelle einziehen in das „Reich der Seligkeit". Und wenn die Verfasserin den, der „leidend lernte, daß der Zweck des Lebeus das Leben ist", dieser Ehre würdigt, so ist das ein Zugeständnis, das fie der alten Ethik macht, dem von ihr vielfach verspotteten Idealismus der Alten. Das Gleiche gilt von anderen Stellen der Schilderung. Warum „lächelt der heiliLe Petrus" bloß, wenn der Lebensfrohe erscheint, während „feine Augen leuchten, wenn der vom Lebensernst gebeugte Mensch sich der Pforte des Himmelreiches naht"? Es wird das ja ein bißchen dadurch gemildert, daß im letzteren Fall „die Kinderftimme des heiligen Petrus" sich umwölkt, während beim Lebensfrohen „die Augen streng" werden. Aber unserer Verfafferin entschlüpfen eben unbewußt die alten Wertschätzungen. Doch lasten wir die Einzelheiten. Gegen eine vernünftige Betonung des Glückstrebens hat die posittve Religion, vor allem das gesetzestreue Judentum,nichts einzuwenden. Die Erfüllung der zahlreichen Gebote soll ja eben der Beglückung des Menschen hinieden dienen. Das kann man den Modernen nicht klar machen, denn ihnen ist das Wesen des gesetzestreuen Judentum völlig verschlossen, ebenso wie den Vorkämpfern deS liberalen Judentums, die „das Gesetz" nur als Last und Bürde empfanden. Aber von allem kräftig gewirkt, dagegen fcheint er bis Jericho nicht?gekommen zu sein. Ganz neu und überraschend endich ist das Ergebnis der Ausgrabungen, daß der mykenisch-cyprische Einfluß, besonders auf den Gebieten des Hausgerätes und des Schmuckes rief nach Palästina hineingewirkt hat. Am allerreichhaltigsten find aber endlich die Resultate, die das Bild der inneren Entwicklung der autochonen Kultur Kanaans wieder vor unfern Augen erstehen lassen. Sellin verweist in dieser Beziehung auf das die bisherigen Ergebnisse verarbeitende Buch von Vincent „Kanaan apres Texploration recente“ und schildert in ein paar kurzen Strichen die Entwicklung der einheimischen Kultur von der Zeit der Höhlenbewohner an bis in di: der israelitischen Invasion. 3) Bezüglich der heute vieldiskutierten Frage, ob die Funde etwas pro oder contra Bibel ergeben, ist Ls für Herrn Prof. Sellin gar kein Zweifel, daß die ersteren nicht nur in keinerlei Widerspruch zu den biblischen Berichten stehen, sondern, daß sie sie stellenweise direkt bestätigen und belegen. So auch dl: Schriftstelle in M. I Cap. 14. Auch die biblische Angabe von der allmählichen Besitzergreifung Israels in Palästina sei durch die Ausgrabungen als historische Tatsache erwiesen. (Selbstredend bedürfen wir Juden keiner derartigen Beweise für die Authentizität der Bibel. Allein solch: Worte, in solcher Versammlung gesprochen, müssen uns als erfreuliche Symptome interessieren. Red.) (Das 3vyjährige Jubiläum von Quebeck und die Juden.) Vor Kurzem wurde bekanntlich das 300jährige Jubiläum der Stadt Quebeck (Kanada) gefeiert. An den Feierlichkeiten haben sich auch di: 30,000 Juden, die gegenwärtig in Kanada leben, beteiligt. Nach Kanada find die Juden viel später gekommen als in die Bereinigten Staaten. Der erst: Jude Ahron Hart war ein englischer Beamter, und - kam mit der siegreichen englischen Armee nach Kanada. Mit ihm zusammen kamen noch einige Juden und nachdem diese sich ständig in Kanada niedergelassen hatten, begann dann allmählich eine jüdische Einwanderung nach Kanada. Die ersten jüdischen Einwanderer waren gleich wie in Amerika spanische und portugiesische Juden, die mit Anglosachsen in die neue Welt gekommen sind. Das Judentum hat in den katholisch-romanischen Ländern sich niemals ruhig entwickeln können, in den spanischen und französischen Kolonien war ihnen auch nie notte fftulje gegönnt. Biel bMr erging und ergeht es ihnen dort, wo sie unter englischer Obermacht stehen. Die Juden von Kanada hatten viel zu leiden, ehe ihnen die Gleichberechtigung gewährt wurde. Im Jahre 1807 wurde der Sohn des ersten jüdischen Einwanderers Hart in die Legislatur gewählt. Daraus entstand ein heftiger Streit darüber, ob ein Jude das. Recht habe in der gesetzgebenden Körperschaft zu sitzen oder nicht. Das war der Ausgangspunkt zu einem langjährigen heftigen politischen Kampfe zwischen den verschiedenen Parteien, oer erst im Jahre 1831 mit der vollen Gleichberechtigung der Juden endete. Kanada wird trotzdem noch lange nicht jene Anziehungskraft besitzen für die Juden, wie di; Vereinigten Staaten. Zunächst deshalb nicht, weil dem Volkscharakter der Bewohner Kanadas jene breite Toleranz abgeht, die den Juden eine Gleichberechtigung in der Praxis zubilligen würde. (Der bluttrinkenve Europäer.) Tie „Deutsch- Ostafrikanische Zeitung" vom 10. Juni d. I. berichtet: „Eine Reihe von Eingeborenen in Nairobi hatten, nach dem „East African Standard", Furcht, nach Dunkelwerden ihre Hütten zu verlassen, da unter ihnen das Gerücht verbrettet war, daß in Nairobi ein Europäer sich aufhielt, welcher Schwarze tötete und ihnen dann das Blut ausfaugte. Der Sachverhalt scheint recht harmlos zu liegen. Biele Europäer haben die Angewohnheit, falls si: von einem Askariangeredet werden, den Ausdruck zu ge» brauchen: „I want blood“, d. h. zu Deutsch eigentlich wörtlich: Ich brauche Blut. Der Engländer gebraucht diese Phrase jedoch nur in übertragenem Sinne, indem er damit etwa sagen will: Mach, mich nicht bös»! Der aber wörtlich übersetzende Schwarze mutz über diesen Ausdruck einen gehörigen Schrecken bekommen. Der „East African Standard" rät ob dieses Vorfalles für die Zukunft zur Vorsicht." Man sieht, die geistig beschränkten Schwarzen haben immerhin noch eine Unterlage für ihre Blutbefchuldigung in einer mißverstandenen Redewendung, während unsere antisemitischen Kulturträger im Westen auch nicht den Schein einer Unterlage für ihre Blutmärchen nötig zu haben glauben. (Eine alte jüdische Münze.) Wie dem „American Jsraelite" berichtet wird, ist der jüdische Polizeioffizier B. F. Klopfer in Washington im Besitze einer alten jüdischen Münze, die nur wenig bekannt fein dürfte. Klopfer erhielt die Münze von seinem Btter, der fie vor vielen Jahren von einem befreundeten Seemann zum Geschenke bekommen hatte. Professor I. C. Hagey vom Smithsonian Institut in Washington, der die Münze untersucht hatte, behauptet, daß sie von Judas Maccabeus im Jahre 168 vor unserer Zeichnung ausgegebeu worden sei. Sie zeigt schon die Spuren der Zeit aber die Wahlsprüche lassen sich zum Teile noch entziffern. - So entzifferte der Gelehrte den in hebräischer Sprache geprägten Wahlspruch: „Ihr sollt keinen anderen Gott vor euch haben!" Klopfer wurd-e für die Münze schon ein Preis von 200 Dollars angeboren, doch mag er sich des Andenkens an seinen Vater nicht entäußern. Vor Kurzem hat der Londoner Sammler Hiram Montague für eine gleichaltrige Münze den Preis von 3850 Dollars bezahlt. .1 4 Z 1 3 ■t 1

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