Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1908-08-13 · Heft 33 (13.8.1908) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 33 (13.8.1908)
Date
1908-08-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449298-2449332--64784-2507390
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 12. Nr. 83 Der Israelit 13. August 1908. wenn ihm andererseits gezeigt wird, wie er ">nn YHä den Ansprüchen gerecht werden kann, die in manchen Gemeinden nach dieser Seite hin an ihn gestellt werden. Wir halten es in der Tat für eine Aufgabe des „Bundes g. j. Lehrer" dafür Sorge zu tragen, daß ein Abdruck jenes Artikels in die Hände der sämtlichen jüdischen Lehrer kommt Sie mögen sich dann auch selbständig ein Urteil darüber bilden, ob Herr Rabbiner Dr. Wolf ihnen irgendwie zu nahe getreten. Man muß es nämlich in der Kunst der Verdrehung schon weit gebracht haben, um darin einen Angriff auf den Lehrersta nd zu erblicken. Da der Artikel sich auch ausdrücklich nur an die gesetzestreuen Lehrer richtet, so bestreiten wir unserem Gegner das Recht, für diese in einer ausschließlich religiösen Angelegenheit das Wort zu führen. Wir sind aber gerne bereit, die Diskussion mit jedem Kollegen wieder auszunehmen, der sich zu unserem religiösen Standpunkt bekennt. Nur soviel sei schon heute gesagt: Es ist gar nicht wahr, daß von unserer Seite irgend ein Gegensatz zwischen dem „trauenden Lehrer" und dem Lehrer als Schächter konstruiert worden ist. Wer die einschlägigen kennt und sich die Autorisation von zuständiger Seite erworben, darf trauen und schlachten, wer weder die Kenntnisse, noch die Autorisation besitzt, darf beides nicht. Aber der Unkundige ist bezüglich der Trauungen noch in einem gewissen Vorteil. Sobald er eine nVtftP gemacht und sich so überzeugt, daß der Trauung religiöse Hinderungsgründe nicht entgegenstehen, darf er sie nach Anweisung des Thorakundigen selbständig vollziehen/ ohne darf er aber noch kein Huhn schlachten. Zum Schlüsse noch ein ergötzliches Beispiel, mit welcher Rabulistik unser Gegner seine Sache führt: Wir hatten bei der Besprechung der „Denkschrift" rühmend die Entschiedenheit hervorgehoben, mit welcher sie die jüdische Volksschule fordert und ebenso lobend erwähnt, daß sich die Thesen Dingfelders von jeder Verbeugung vor der Simultönschule freihalten. „Mit Verlaub! Das ist nicht war," behaupten die „Bl. f. Erz. u. Unterr." und versuchen keck und kühn nachzuweisen, die auf dem 3. Verbandstage in Kassel gefaßten' Beschlüsse und die Thesen Dingfelders besagten „klipp und klar" dasselbe. Da wollen wir doch Spasses halber beide einander gegenüberstellen: Dingfelders Thesen lauten: Die Kasseler Beschlüsse lauten: 1. Nur die jüdische Volksschule vermag den religiösen Geist des Hauses und der Gemeinde der Heranwachsenden Generation zu vermittetn; 2. nur die jüdische Bolksule veraiag harmonisch e Setten des Geistesleben xu übermitteln und den Zwiespalt zwischen religiösen und profanen Lehrgegenständen zu vermeiden/ 3. in der jüdischen Volksschule bewahren wir unsere Kwder vor bitteren Erfahrungen, die die weichen Seelen bedrohen; 4. vor staatlichen und religiösen Autoritäten hat fich die jüdische Volksschule bewährt. 1. Die allgemeine Staatsschule, an der Kinder aller religiösen Bekenntnisse von Lehrern ohne Unterschied der Religion unterrichtet werden, ist auch für die deutschen Lehrer jüdischen Glaubens die zu erstrebende Schulform. 2. Bis zur Durchführung der allgemeinen Staatsschule find die jüdischen Volksschulen . . . wahlberechtigt. 3. Beim Ausgehen einer jüdischen Schule in eine andere (fimultane oder christltch-konfesfionelle)Schulform muß die Anstellung mindestens eines jüdischen Lehrers. . statuarisch sestgelegt werden. Auch aus der der Raumersparnis halber etwas gekürzten Form der Kasseler Beschlüsse geht „klipp und klar" hervor, daß sie den Thesen Dingfelders diametral entgegenstehen; jene fordern entschieden die Simultan-, diese die jüdische Volksschule. Der von dem Verbandsorgan zitierte Satz aus der Denkschrift ist nichts weiter, als eine Ergänzung der Dingfelderschen Thesen, macht aber der Simultanschule nicht die geringste Konzession! Wenn der Schriftleiter des Berbandsorgans den „Israelit" beschuldigt, er sei allezeit bestrebt gewesen, das Ansehen der Lehrer herabzudrücken, so wissen unsere Leser, was sie von einer solchen Verleumdung zu halten haben, und wenn jener Herr sich für den Hüter dieses Ansehens erklärt, so wollen wir ihn bei seiner Einbildung belassen/ diese ist ja ziemlich unschädlich. Wenn er sich aber einbildet, er dürfe für „liberale" Ideen inbezug auf Schechita, ptmp, Simultanschule u. bergt, ungestört Propaganda treiben und jede abweichende Ansicht verfehmen, so möchten wir ihm diese Jllussion nehmen, und unser gutes Recht wahren, was hiermit geschehen. Neuerscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Schulbiicber-Citeratur. II. Angenehm berührt die konsequente Durchführung der Akzentbezeichnung von cher ersten Seite an. Ebenso sind im Anhang die übersetzten Kultbezeichnungen wie ,no VHP usw. eine willkommene Beigabe. Empfohlen hätte es sich jedoch,ebendaselbst dasMorgen- und Nachtgebet für Kinder so aufzunehmen, wie es sich in den Rödelheimer Siddurausgaben findet, vorausgesetzt immer, daß man seine Aufnahme in die Fibel überhaupt für notwendig hält, was ich verneinen möchte, trotzdem die Verfasser fast aller Fibeln gegenteiliger Ansicht sind. Daß die Vorlagen zur Erlernung der hebräischen Schreibschrift noch die alte Orthographie aufweisen, ist wohl nur auf ein Versehen zurückzuführen. So halten sich bei diesem Werkchen die Vorzüge und Mängel fast die Wage, und dennoch stehe ich keinen Augenblick an, es warm zu empfehlen, wenigstens für solche Schulen, in denen man spät mit bem Lesen des Hebräischen beginnt. Ich bin überzeugt, daß Herr Kollege Abraham die dem Werkchen noch anhaftenden Mängel beseitigen und es zu einem ganz brauchbaren Lehrmittel gestalten wird. Das Neue darin verdient in der Tat Aufmunterung und Förderung.*) Fast zu gleicher Zeit mit der Abraham'schen Fibel erschien Levys TI12*7 'IM auf dem Büchermarkt, begleitet von zwei anderen Produkten, die von seinem erstaunlichen Fleiße Zeugnis ablegen, von n^ßn '"tytP und mm Weniger wäre auch hier mehr und insbesondere wäre auch bei der Fibel ein Ausreisen recht wünschenswert gewesen. Ich bedaure, sie zuerst besprechen zu müssen, denn während man den Siddur für eine im allgemeinen recht gelungene Leistung bezeichnen und auch dem mm Anerkennung zollen muß, ist die Fibel nicht viel mehr als eine verfehlte Arbeit, als eine Niete. Man mißverstehe mich nicht! Im hebräischen Unterricht spielt die Fibel nur eine ganz unterg e ordnete Rolle und man kann, einiges Lehrgeschick vorausgesetzt, auch eventuell mit einer schlechten Fibel ev. auch gute Erfolge erzielen. Ich kenne Kollegen, die noch die ganz veraltete Fibel von Levysohn in ihrer Schule verwenden und mit ihren Erfolgen ganz zufrieden sind, ja, ich könnte Ihnen eine Schule nennen, wo statt der Fibel die der alten Ausgabe des Rödelheimer Siddur vorgedruckte Tabelle des Olef bss benutzt wurde, ein Verfahren, das ich allerdings nicht empfehlen möchte. So bin ich denn auch überzeugt, daß *T)dS in nicht wenig Schulen Eingang und auch seine Lobredner finden wird. Für mich war bei der Beurteilung dieses Merkchens vor allem die Erwägung maßgebend: Bedeutet es einen methodischen Fortschritt, enthält es irgend einen neuen Gedanken in Bezug auf die Methode des hebräischen Unterrichts? Beide Fragen muß man entschieden verneinen. Es bewegt sich durchaus in dem alten ausgefahrenen Gleise, weist alle Mängel der Abraham'schen Fibel auf, ohne ihre Vorzüge zu besitzen und steht sogar hinter den besseren älteren Versuchen nicht unwesentlich zurück. Levy ist augenscheinlich durch 2 Fibeln beeinflußt worden, durch die von Japhet und *) Die jüngst erschienene 2. Auflage weist wirklich wesentliche Verbesserungen auf. Rosenthaler, von Ersterem in positivem, von Letzterem mehr im negativem Sinne. o'Wiy 'S von Japhet war veraltet. Sie wandte noch zur Einprägung der Laute zusammenhanglose Silben^ also die reine Ba-be-bi-bo-bu-Methvde an. Rosenthaler schuf sie zu einer Bilderfibel um, denn sie ist für Schüler berechnet, die gleichzeitig mit dem deutschen Leseunterricht auch Hebräischlesen beginnen. Für diese sind Bilder von einigem Nutzen für die Lautgewinnung, vorausgesetzt immer, daß sie schön und deutlich sind. Das waren sie nun leider in der ersten Auflage nicht/ sie machten im Gegenteil einen recht kläglichen Eindruck, während die 2. Auflage, die vor einigen Wochen erschien, in typographischer Beziehung einen großen Fortschritt aufweist. Rosenthaler verwendet zwar auch noch zusammenhanglose Silben, was Abraham, Klein und andere vermeiden, aber daneben auch ein- und mehrsilbige Wörter. Er hat, van dem erwähnten Mangel abgesehen, eine im ganzen wohlgelungene, streng systematische Fibel geschaffen, die besonders den schwierigen Leseformen ausreichende Berücksichtigung schenkt. Sie ist dabei allerdings etwas umfangreich geworden, 38 Seiten Großoktav nur für den Lesestoff und noch ein Anhang von 18 Seiten, der vorzugsweise in den Uebersetzungsunterricht einführen soll. Levy geht nun zwar auch von Japhet aus, aber er schlägt einen andern Weg ein wie Rosenthaler. Mit Japhet ist er der Ansicht, daß Kürze auch der Fibel Würze ist. „Erfahrungsgemäß", so sagt er in der Vorrede, „ist der hebräische Lese-- unterricht für Lehrer und Schüler vielfach eine Qual/ das Kind muß Wörter lesen, die ihm ganz unverständlich sind und so ertötet man schon im Abc-Schützen die Lust an dem Hebräischen überhaupt." Also, weil der Leseunterricht eine Qual ist, darum rasch über ihn hinweg. Levy kürzt darum die Leseübungen möglichst ab und drängt, im Gegensatz zu Rosenthaler, den ganzen Stoff auf 11 Seiten zusammen. Ob das selbst für Schüler, die die ersten Schwierigkeiten im Lesen ihrer Muttersprache bereits überwunden haben*), muß ich, auf langjährige Erfahrung gestützt, bezweifeln. Festes Einprägen ist gerade auf der Unterstufe die Hauptsache, und unzulängliches Einüben rächt sich später aus das empfindlichste. Ich möchte aber die Möglichkeit offen lassen, daß der Verfasser intelligente Schüler aus besseren Kreisen im Auge hatte, für welche der Stoff möglicherweise genügt. Nicht xu billigen ist dagegen die Verwendung einer Reihe der ausgefallensten Wörter, die teilweise selbst in der Konkordanz nicht aufzufinden waren. Er ist in dieser Beziehung der Antipode von Abraham/ bei ihm liest der Wne Schüler Wörter, die er später gar nicht npeM zu Gesicht bekommt. Gleich jenem bringt er schwierige Leseformen, wie das nmaa nns schon ans den ersten Seiten, andere gelangen gar nicht zur Einübung. Sehr gewundert hat es mich, daß die Levy' sche Fibel, was typographische Ausstattung anlangt, hinter allen besseren Fibeln, wie Bruchsaler, Kroner, Rahmer, Klein, Fuchs, Gabel zurücksteht. Sie verwendet gleich von Anfang an die kleine Schrift, die selbst in seinem Siddur nur mäßig austritt, ja auf der ersten Seite sind sogar 2 Zeilen Pettt zu sehen! Der Grund dafür ist ganz unerfindlich. Levy hat den pädagogischen Befähigungsnachweis nicht erst zu erbringen und ich bin überzeugt, daß die zweite Auflage, eine „vielfach verbesserte" wird und dann auH höheren Ansprüchen genügt.^ __ Briefkasten. H. M Rotschild, Frankfurt a. M. Eine an Sie gerichtete Karte kam als unbestellbar zurück. Der betreffende Bericht war nur ein Stimmungsbild der bayr. Lehrerkonferenz und macht auf Vollständigkeit keinen Anspruch. DaS demnächst erscheinende Protokoll wirb das Vermißte in aller Ausführlichkeit enthalten. *) Solche setzt L. voraus. attiiiiiiiiaiigiMl

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.