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Der Israelit · 1908-08-13 · Heft 33 (13.8.1908) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 33 (13.8.1908)
Date
1908-08-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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#*• M KM JA D er JHraeltt. Ihr Gebet nicht verrichten und ohne Gebet nicht essen tyolltev. Ganz anderwar der Wirkungskreis des Plotzker R«w in Berlin. Denn hier waren seine Zuhörer nicht bloß russische Chasfidim, die selbst da- Studium ösr Lbora eifrig pflegten, sondern hier kamen zu seinen stark beruhten Schiurim am Sabbath-Nachmittag im Beih Hamtdrasch (der Hörsaal war oft zu klein) deutsche MAnner, die da- Gotteswort liebten. Der Plotzker R w verstand sie zu fesseln, zu überzeugen, zu begeistern. Er War populär in seinen Borirägen und drang deshalb bis in das Innerste. So wurden seine Gedanken der Grundstein einer neuen Anschauung, die fich manche seiner Hörer zu eigen machten. Hierin zeigte sich die ganze Größe feiner Persönlichkeit, daß fie den Zauber seiner Liebe, der Verehrung, der Ueber^eugang zur eigenen Freude und Genugtuung zurückempfing. Co lebte der Plotzker Raw mitten im modernen Getriebe der Groß nabt als echter, rechter, altjüdischer tadik, -er die Thora lernte un) ausübte in allen stunden seines Lebens. Ob die Vorsehung ihm Uebersluß spendete, ob schwere Sri icksaisschläge ihn trafen, er ward nicht übermütig und nicht verzagt. Er hielt den Prüfungen stand, sein Gottvertrauen war nie und nimmer erschüttert. — Nach alter, jüdischer Sitte wird ein lebender Rabbi, wenn er zu Ruf und Ansehen gelangt ist, nicht mit seinem Namen, sondern noch seinem Wohnort, seiner Kehilla, genannt) gleichzeitig die beste Ehrung für die Gemeinde, die es verstanden hat, sich solchen Rabbi tu wählen, denn durch ihn wird fie berühmt. Diesen Adelstitel hat auch Falk Auerbach im Bolksmunde fich erworben, und er war und blieb innerhalb und außerhalb seiner Gemeinde -er Plotzker Raw. So leuchtet feine Gestalt herüber aus der Zeit, in der hohe Gelehrsamkeit, reiches Wissen verbunden war mit großer Bescheidenheit und Bebürfi.islofigkeit, die es ermögUchie, selbst von Wenigem noch anderen abzugeben, wie Gott es befiehlt. Solche Charaktere werden seltener und seltener, daher ist es wichtig und lehrreich, die von - «n- Gegangenen so gut wie möglich im Bilde und zum Vorbilds festzuhalten. Das Andenken deS Plotzker Rl w fei gesegnet und wird gesegnet sein auch für fernere Geschlechter." Charlottenburg, 7. Aug. Gestern verschied nach dreiwöchentlichem Krankenlager in feiner Wohnung BtSmarckstraße 40, Herr Dr. Isidor Blum. Ein , tragisches Geschick waltete über dem Leben dieses Mannas. Nachdem er lange Jahre hindurch fich vergeblich bemüht hatte, in einer von Juden am dichtesten belohnten Gegend der fich mir rapider Schnellig eit ausbreitenden Stabt durch eine Synagoge ein Zentrum zu schaffen, und er jetzt mit Aufbietung aller seiner Kräfte und Aufopferung seines ganzen Vermögens dieses Ziel erreicht hatte, ist er wenige Wochen vor der Weihe des von ihm errichteten Gotteshauses in die Ewigkeit ein, egangen. Ein Leben voller Mühe und Verkennung, reich an Undank und Enttäuschung hat in diesem Hause, in dem Dr. Blum ein prachtvolles Gebethaus errichtete, geendet. Es muß dem Token nachgesagt werden, daß er fich von dem von ihm mehr als ein Jahrzehnt, ohne jegliche Entschädigung geletteten Religionsunterricht, der ihm vielen Undank einbrachte, nicht verbittern ließ, sondern trotz aller schmerzlichen Erfahrungen unentwegt bemüht war, die jüdische Jugend im religiösen Geist zu erzieh, n. Und viele der galizischen Kinder hat er auch noch weiter unterrichtet, wenngleich es ihm nur selten gedankt wurde. Noch bevor er erkrankt war, beschlichen ihn Todesahnungen. AlS die Gedächtnistafel» in der neuen * ynagoae angebracht wurden, wandte er fich während der Aufrichtung an feine neben ihm stehende Gattin, die ihn in seinem frommen Unternehmen eifrig unterstützte, mit den Worten: „Wessen Namd wird zuerst wohl auf . diese Erinnerungstafel kommen? Ich glaube, es wird mein Name sein," Letzte er wehmüüg hinzu. So hat fich denn seine Ahnung erfüllt. Diejenigen aber, die neben seinen menschlichen Schwächen die vielen edlen Eigenschaften, seine tiefe Frömmigkeit und seinen lauteren Sinn gekannt haben, werden ihm ein ehrendes Gedenken bewahren. Hoffentlich wird die von ihm erbaute Synagoge auch in dem Geiste des Stifters ihren Zweck erfüllen, und s in Name mit Ihr verknüpft blechen. •r/'D^n Gietze«, 9. August. Am ptfl 5QV starb plötzlich und unerwartet in Bad Ems Frau Helene Grünwald, die Gatttn teS-1. Vorstehers unserer Gemeinde. Cie war in deS Wortes wahrster Bedeutung eine htPX- Eine lange Reihe von Jahren wirkte fie als Vorsteherin im Frauenveretn „Einigkeit" und war zuletzt dessen Präsident». Sie teUctc den Verein zield wußt und milde und half tn der Stille und in der Verborgenheit, wv es nottat und wo auf Dank nicht gerechnet werden konnte. Mit der trauernd.»' Familie verlieren auch die Armen und Notleidenden in der Verstorbenen eine große Stütze. -n"22ön BoUtveiler i. Cls , 10. Aug. Am Vorabend des 1VN2 rQW verstarb hier nach langem schwerem Leiden im Alter von 59 Jahren, die Gattin unseres ehrwürdigen Rabbiners L. H. Schüler. Mit dem vom Schmerze tiefgebeugten Gatten beweint unsere Gea einde den Verlust dieser edlen Frau. Die Verstorbene, eine Tochter des berühmten btilW' 1)11) pnü/ des Oberrabbiners R. Salamon Klein y'tfl, Ko!mar, war ein Musterbild echt Mischer Frauentugend, eine n« in des Wortehöchster Bedeutung. Durch ihre Herzensgüte, die fie immer ynd immer wieder zu npTS und QYTDn ITlV'DJ «Wvtteh, war fie die Zierde ihrer Fmnilte. Obwohl dte Dahtngeschiebene vor 3 Jahren öSreuetstm, tvUs btt 18. August 1908 Mensch besitzt, des Augenlichtes beraubt wurde, verlor fie des Lebens Würze, den Humor eines vertrauensfesten HerzenS, nicht mit welckem fie nick t nur fich und ihre Angehörigen, sondern auch alle Mitmenschen im Unglück zu trösten und erfreuen wußte. Sie lebte nach den Worten de- Psalmisten myiD 1^1. Stets fröhlich lachmd verstand ste durch ihren freundlichen Verkehr cm. alle einzuwirken und unter ihnen QVn nxi^ und Menschenliebe zu pflegen. Bon ihrer all. emeinen Beliebt heit legte daS große Leichenbegängnis, daS an, Montag Nachmittag stattfand, beredtes Zeugnis ab. Im Trauerhause richtete im Namen der Gemeinde, der Verwandten und Bekannten, der Freund der Familie, Herr Rabbiner Dr. Zivi, Winzenheim, an feinen ehrwürdigen Lehrer und Meister, der auf tie Schulter seines einziges Sohnes, Herrn Rabbiner Dr. Salamon Schüler^ St. Ludwig, gestützt an der Bahre feint* heißgeliebten Gattin stand, tiefempfundene Trostworte. Der Trauerzug bewegte fich; ach Jungholz. Dem Saxge folgten außer der Familie der teuren Heimgegangenen sämtliche Rab btner der Umgebung, die Vertreter der hiesigen geistlichen und bürgerlichen Behörden, zahlreiche aus der Ferne herbeigeeille Freünde und die Bevölkerung ur.seres Ortes. Am Grabe schilderte in bewegten Morten Herr Rabbiner Blum, Mülhausen, den schweren Verlust für die Familie. Herzzerreißend und zugleich tröstend sprach noch am Grabe der Neffe der Verstorbenen, Herr Pro vinzialrabbiner Dr. Lalomcn Bamberger, Hanau Kein Auge blieb tränenleer bet den letzten tiefcrschütternden Abschtedsworten, die der ehrwürdige Gatte seiner Gattin, mit der er 40 Jahre Leid und Freud teilte, zurief. Möge die allgemeine Teilnahme der so hart betroffenen ehrwürdigen Rabbinersamilie zum Tröste ge reichen.!onr D'lpDH Köln, 7. Aug. Am vorigen Mittwoch wurde hier die dem jüdischen Lefepublikum rühmlichst b.kann, e Schriftstellerin, Frau BerthaLetser, unter, großer Beteiligung -m Grabe getragen. Dieselbe ist nach kurzem Leiden im Alrer v»n 44 Jahren am vorigen Montag verschieden. Die Verblichene, eine idealgesinnte Frau, hat durch ihre schriftstellerische Tätigkeit auf jüdtsch-fl zialem Gebiete, durch ihre gehaltvollen öffentlichen Bortrage, welche von einer edlen Begeisterung getragen waren und die fie in den jüdischen Ltteraturvereinen in den größeren Städten Deutschlands gehalten hat, fich um die jüdische Sache verdient gemacht. Der Verlust, dieser edlen, rastlos strebenden Frau ist für wette Kreise ein sehr schmerzlicher König im Odenwald, 5. Aug. Kurz vor Ttschobeaw starb hier im Alter von 70 Jahren der in hiesiger Gegend allgemein bekannte und beliebte Benjamin Simon Oppenheimer, dessen Tod nicht nur ür die hiesige jüdische Gemeinde, sondern auch für den ganzen Ort einen großen Verlust bedeutet. Seit vier Jahrzehnten leitete er den Sabbathschiur durch seine Lernvornäge und sein Einfluß war allgemeinbekannt) als wahrhafter Friedensstifter griff cr überall helfend und vermittelnd ein. Unter zahlreicher Beteiligung, der jüdischen und christlichen Bevölkerung der Vereine und Korporationen wurde er zu Grabe getragen. .n//nvy> S hu, 5. Aug. Bo rgen Donnerstag verschied hier Frau Dr. Rosenthal, geb. Jakobi und wurde am Sonntag tn Gegenwart einer nach Hunderten zählenden Menge beerdigt. Sie war eine Tochter des Gründers und eine Schwester des jetzigen Direktors des Sanato.iums, Herrn Jakobi. Frau Dr. Rosemhal nahm seit ca. 35Jahren an der Behandlung der Kranken hervorragenden Anteil. Sie war eine tapfere, kraftvolle, ho I mtelligente Frau, die schon an der Seite ihres Gatten, Herrn Dr. Rose tyat, in Würzburg v sich wacker zum Heile drr Kranken betätigte und selber fromm auch ihre drei Kinder zu braven, guten Jehudim herangebilüet hat. Am G>abe sprach Herr Lr. Weingarten Ems und gab in tiefempfundenen Worten der Trauer der Familie Ausdruck. P. Neuer« t. Böhmen, 10. Aug. Dem hiestgen Rabbiner, Herrn Max Reiser, wurde von Sr. Majestät dem Kaiser die Ehrenmedaille für 40jährige treue Dienste verliehen. Zprechraal. Roznau a. Rh. ist ein von vielen jüdischen Schwerkranken besuchter Kurort, und es kommen hier alljährlich einige Sterbefälle vor. Da hier jedoch nur einige Juden wohnen, wird das mit Hilfe der alljährlich hier weilenden Kurgästen errichtete — leider schon arg verwitterte — rvo von der rwnp rmn in Wal. Me;crlc, wohin die htefige Gemeinde gehört, verwaltet. Dieser Tage ist auch ein von dem „Verein zur Pflege armer Lungenkranker auf dem Lande in Wten" hierhergesandter Pflegling gestorben. Der ercinSarzt Dr. Johann Perl hat nun die nach Wal. Mezeric telegraphisch um e.nen 1D1W und poynD ersucht, da man es hoch von den hier weilenden zumeist Lchwerkranken nicht erwarten kann, baß fie fich mit dem riD befassen sollen; die p"n hat es aber nicht für ihre Schuldigkett betrachtet, einen Mann hierher zu senden und gab an, der ivw hätte den Zug versäumt, trotzdem an diesem Tage von Wal. Mezeric nach Roznau zwei Züge verkehrten. DaS nD wurde mm von ebnem Rtchtjuden hinaus geführt und ist ohne UW geblichen. Es ist doch sehr beschämend, daß dir Leitung der p"n nicht genug jüdisches Gefühl besitzt, einem niUD NQ gegenüber ihre Pflicht zu tun. Roznau, 37. Juli. Für die Richttgkeit dieser Angaben übernehmen alle Verantwortung und zeichnen . . - (Folgen 29 Unterschriften.) (Wir erwarten eine Aeußerung der p"n. Red.) Qereinskalender. Verein Mekor-Chajim, Samstag, 15. August, Mikro-Vortrag des Herrn Josef Bamberger. Briefkasten. L. S. in Br. Wir danken Ihnen für die Anregung, deren Ausführung aber, weil technischer Narur^ nicht von uns abhängt. G. E in Ung. Br. Das Gedicht kam zu spät. W. in N. Es handelte sich um ein Ausnahmege'ctz, das natürlich unter dem schönen Namen „Privileg" mehr Ungünstiges als Günstiges enthielt. Ein nähere- Eingehen auf dieses historische Kapitel ist an dieser Stellt nicht gut möglich. A. Z. 20. Die zwei homiletischen Abhandlungen könnten, auch im Falle fie akzeptiert werden sollten, erst nächsten Winter zur Verwendung gelangen Sowohl über diese n ie über den andern Artikel werden wir Ihnen demnächst unsere E> tscheidung zugehen lassen. A. W. in P. Der nach Ihrer Meinung begangene Fehler fand in der literarischen Notiz der letzten Nummer seine Berichtigung. B. in M. Anonymes bleibt unbelückfichtigt. B. tn 4kl. Wir raten Ihnen von einem solchen Vorgehen entschieden ab. Versuchen Sie es erst auf gütlichem Wege. A. W. in M. •n"inn 's nix Der 30. März 1875 war 2UD Jamiltennacbricbten. Geburten: Eine Tochter: Nathan Hamburger <Rosenbaum) hier, Uhlandstr. — N. Rein, (Samuel) Mülhausen i. Elf. Verlebte: Lina Wolf, Hugo Heß, Frankfurt a. M.- Birstein. Vermftblte: Dr. Siegfried Schwar zschild, Bertha geb. Birnbaum, beide dahier. — Philipp Ehrlich, Lina geb. Herz, beide dahier. Verstorbene: Fanny Weil geb. Fuld, hier, Sandweg. 43 Ihr. Sabbat-Anfang u. Ausgang. ORT: Anfang Datum Ausgang UhrlMin. 1908 5668 Uhr iMin. l5.Aug. 18.AW. Sraukfurt o. M. 7 05 8 30 Berlin .... — — 8 21 Müuche» . . . 7 15 8 09 Strastburg . 6 45 8 30 Stuttgart. . . 7 15 33 Pole» .... — — 8 10 Nürnberg . . — — 8 16 Hamburg . . . — — 8 40 Brag. — — 8 06 Für den Reklamenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich: insbesondere ist es ansfchliestlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene« Gmpsehinnge» ittueKet Waren oder sonstige Angabe« religioasgefetz« liche« Charakters auf ihre ZnverlSsfigkeit z« prüfe«. DerHbeiJ ist wirklich wmfeniill lewesn, aber heut muß ich auch wieder büßen. Ich kann nicht mehr im Freien bleiben, ohne nachts zu husten; ich schlafe nicht und bin matt und elend für mehrere Tage. — Wer. liebe gnädige Frau warum nehmen Sie denn keine Fays ächte Soden er Minrral- Pastillen? Ich würde Ihnen empfehlen, ein paar zu lutschen, während Sie so draußen sitzen; dann abends vor dem Einschlafen noch eine oder zwei und Sie sollen s:hep, es quält Sie kein Husten und Sie schlaftzN prachtvoll. Fays ächte Sodener kaust man für 85 Pfg.' die Schädel in jeder Apotheke, Drogerie und BLineralwafferchandlWch« - 1. -r A ** - V'..'

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