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Der Israelit · 1908-08-13 · Heft 33 (13.8.1908) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 33 (13.8.1908)
Date
1908-08-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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~ Kt. 88. Der JSraeltt. «fette 8 18. August IMS. Mitte liegt zwischen den beiden Auffassungen, welche einerseits der Volksfreund - Verfasser, andrerseits der Vorsitzende des HP2 'ivv- Vereins vertritt. Der Volksfreund-Artikel geht von dem großen regulativenPrinzip der jüdischenLehre 21VN1 irn aus, jenem das ganze Rechtsleben ethisterenden Grundsatz, der bis in die modernste Zeit hinein in den Kodices der Völker beispiellos dastand, und er verurteilt von diesem jüdischen Standpunkte aus jede Konkurrenz-Beschränkung des wirtschaftlich Schwächeren in Bausch und Bogen als unsittlich. Das ist zweifellos einseitig und entspricht sogar, da der *?122 rwn tjdk nicht nur für die Prinzipale gilt, nicht ganz der jüdischen Anschauung/ ist ja die Konkurrenzklaufel in ihrem berechtigten Kern nichts anderes als ein Schutzwehr gegen eine — oft unbeabsichtigte — „Grenzverrückung" durch ehemalige Vertrauenspersonen, die außerordentlich naheliegt. Andererseits aber glauben wir nicht, daß die Frage der KonkurrenzLausel lediglich auf wirtschaftlichem Gebiet liegt und nur nach wirtschaftlichen Erwägungen entschieden werden darf. Es gilt vielmehr, die ethisch-religiösen und die wirtschaftlichen Momente sorgfältig gegeneinander abzuwägen, wenn man die rechte Lösungfinden will. Und hier hat man unsres Erachtens vom jüdischen Standpunkt keinen Anlaß, mit der Stellung, welche die moderne Rechtsprechung zu der Frage einnimmt, unzuftieden zu fein und weitergehende Forderungen zu stellen, als sie in dem jetzt allgemein adoptierten Begriff der „guten Sitte" geborgen liegen. Jm allgemeinen wird kein vernünftiger Geschäftsmann sich einreden, sich durch die Klausel vor Konkurrenz schützen zu können, und doppelt und dreifach sollten sich gesetzestreue Prinzipale davor hüten, religiösen Gehülfen ihren ohnehin schon schwierigen Kampf um wirtschaftlichen Fortschritt durch unnütze Chikanen zu erschwerenwenn aber die besonderen Verhältnisse einzelner Branchen und Betriebe dazu geführt haben, daß sich die Arbeitgeber durch maßvolle Schutzbestimmungen gegen die unmittelbare Ausbeutung von Geschäftsgeheimnissen zu wahren suchen, so liegt es unseres Erachtens, wie der heuttge Artikel zutreffend aussührt, keineswegs im Interesse der natr m'Dtr, dagegen Sturm zu laufen. Daß derartige Schutzbestimmungen nicht zu einer Existenzgefährdung für die Angestellten führen, dafür sorgt ja erfreulicher Weise die Gesetze, und nur wenn diese versagte, hätte ein an die im nav 'IDV-Berein organisierten Gehülfen Sinn und Berechtigung. v«5 jüdische Brot. Bon A, Mannheimer in Dettelbach. (Schluß.) In dem Bittgebete, das sich an das Lesen dieses Abschnitts schließt, offenbart sich das innige Gottvertrauen und der jüdische Familiensinn, das ganze Empfinden der jüdischen Volksseele in geradezu rührender Art. Das Gebet lautet: O. Gott, der Speise jedem Geschöpf bereitet und Kleidung allen Kreaturen, der ihnen Nahrung spendet, gib auch mir meinen Unterhalt, nähre und verpflege mich, die Meinigen und ganz Israel in leichter, nicht in schwerer Art, auf erlaubte, nicht in unerlaubter Weise. Gib Nahrung, die nicht mit Schande und Beschämung verbunden erscheint, daß wir nicht auf die Gabe derer von Fleisch und Blut, sondern auf deine volle und weite Hand angewiesen seien,' eine Nahrung, bei der wir uns mit deiner heiligen, reinen und vollkommenen Lehre beschäftigen können, um die Mizwaus mühelos zu erfüllen. In Frieden laß mich an meinem Tische, in Ehre bei meiner Familie weilen, kein menschliches Joch verspürend, nur deine Obergewalt. Möchte ich das Glück haben, auch Arme einzusühren, allen Menschen Liebe, allen Würdigen npix zu erweisen und nie zu straucheln durch unwürdige Menschen. Amen! Wahrlich, würde man dieses Nahrungsgebet allenthalben kcnnen, so manches Vorurteil gegen den brotsuchenden Juden müßte verstummen. Begleitete sein Geist unsere Brüder hinaus in's Leben, so manche traurige Erscheinung der Zeit müßte schwinden, eine Gesundung des äußeren und inneren Lebens würde Platz greifen! Das Brot aber wirkt im jüdischen Leben weit hinaus über den Rahmen des Alltäglichen. Es verklärt auch die Sabbath- und Festesfreude. Wenn in den jüdischen Häusern die Sabbathlichter erstrahlen im Kreise stillbeglückter Menschen, dann ruhen auf dem Tische vorschriftsmäßig auch die Doppelbrode, n2PD orfy gleichfalls an das Wunderbrot in der Wüste erinnernd. Schon am Rüsttag zum Sabbath sondert die Hausfrau, welche es ernst mit ihren heiligsten Pflichten nimmt, die „Teighebe" ab, die n^n. Wurde ja am Freitag, — nach einer sinnigen Bemerkung der Waisen — die Frau als heilige Hebe dem Adam entnommen. Am Pesachfeste gibt das Brot der ganzen Feier den Namen, M2D.1 in, Fest der Mazzot. Auf dem Sedertisch steht es im Mittelpunkt der mannigfachen Betrachtungen. Alle Gedanken der abendlichen Familienfeier konzentrieren sich auf das '2)) On^, das Sklaven- und Freiheitsbrot. Auch das Fest der Gesetzgebung kennt ein besonderes Brot. Aus neuem Weizenmehl gebacken brachte man zwei Brote dar, onV 'IW, die als Erstlingsfrüchte dem Feste den Namen onzan oi' gaben. Wer die hohe Wertschätzung kennt, welche man im Judentum seit den ältesten Zeiten den befruchtenden Niederschlägen beimißt, der kann nicht erstaunt sein, oaß wir ein „Tau- und Regengebet" besitzen, das eine Perle synagogoler. Liturgie darstellt. Wir meinen nVsn und otra nSsrv Am l. Pesachtage nnd am Schemini-Azeres wird die freudige Stimmung der Wallsahrtsfeier plötzlich abgelöst, durch feierlichen Ernst. Die Szenerie wechselt. Bor der helligen Lade erscheint der weiße Vorhang und der Borbeter intoniert mit der Melodie der cpktu v'D' das Gebet um Tau oder Regen. Der synagogale Dichter setzt den seaenspendenden Tropfen in Beziehung zu allen Verhältnissen im menschlichen Leben und Wirken. Wir durchwandern mit ihm die 12 jüdischen Monate und. Sternbllder, wir bestiegen unter seiner Führung die taufrischen Höhen der Berge Palästinas, wir wellen im Geiste bei den 12 Stämmen und erquicken uns mit ihnen an der Fülle der Täler und Fluren. Die groß aimelegte Kompositton klingt aus in die feierliche Bitte: nVVp1? 871 ro'rjf, zum Segen und nicht zum Fluche, ptiV 871 1-21«^, zur Sätttgung nnd nicht zum Mangel, tfVt D”r6, zum Leben und nicht zum Tode! Und mit dreimaligem Amen bekräftigt die Gemeinde jeden dieser Wünsche, die in ihrer universalistischen Fassung rühmliches Zeugnis oblegen von Israels Gemeinsinn, von unserer Menschenliebe, die den Gesichtskreis sich nicht einschränken läßt durch die Sorge um's eigne Brot. Ein eignes Licht auf die jüdische Denkart wirft auch die Tatsache, daß wir da, wo die höchsten geistigen Anliegen Gegenstand unserer Wünsche sind, gleichzeitig um reichliche Nahrung bitten. Wenn nach Vortrag eines Thoraabschnittes, der mündlichen Lehre entlehnt, man das „Lernkaddisch" spricht, so beten wir in dem nicht nur für das geistige Schaffen der Lehrer und Schüler allerorten, wir erbitten für diese Träger und Fortpflanzer )es Gottesgesetzes auch „reichliche Nahrung", Kirn K21TD. Der Doppelfürsorge, die dem Leiblich-geistigen Menschen ward, will und kann ich auch der Jude nicht entziehen. Askese, klösterliche Weltflucht und Zölioat ist nicht jü- Jakob ausgestoßen und Israel den Plünderern pretSgefleöqi?" Uptz drinyen aus 6 m dumpfen Mauern antwortet eine helle Kinderstimme: 11 'fl tebkl ■pbn V2H2 128 „Wir haben gegen Gott gefehlt und wollten nicht In seinen Wegen wandeln!" Der Rabbi aber, begeistert von den lugen Worten des Kleinen, wich nicht eher von dannen, alS bis er daS hoffnungsvolle Kind um schweres Geld auS der Gefangenschaft befreite. ES war ein finniger Gedankenaustausch zwischen Rabbi und Sind. „Warum — fragte sich der Rabbi angesichts des unschuloig im Ge ängnis schmachtenden Kindes — hast du unS doppelt gestraft? Warum mußtest du deinerseits 3pjn riDKD^ über Jakob deine sttafende schwingen und außerdem aber auch, was noch weit schrecklicher ist, D'TJiaV^W Israel den entmenschten Mordgesellen, dle silvst die unschuldigen Kinder nicht verschonen, preisgeben?" Das Kind hörte und verstand eS. Und wie ein Echo seiner Gefühle hallte cS au > den finstern GefängniSmanern. dem Rabbi entgegen: UKtsri IT 'il teSn ■An, 112112 128 8*>1 1 b „Doppelte Sünde bedingt doppelte Strafe. Die erste £ träfe aus der Hand Gottes empfingen wir, weil I38ün neil wir gegen ihn, gegen Gott gefehlt haben, die zweite und grausamere Strafe aber weil -£>n TOTD 128 teH weil wir uns die Liebe und Güte Gottes nicht als Muster im Verkehr mit unseren Nebenmenschen nehmen wollten, weil wir nicht in seinen Wegen, nach seiner all.übenden Art mir den Menschen verfuhren" (vOVvl TPIS 'n 11)- Ein Kind, d.rs das Leid seines Volk S dermaßen erfaßt, seine Quelle er annt, bcrcchpgie wahtttch auch zu den Hoffnungen, daß es einstens zu dctt außerlefen berufenen Führern gehören Wrd, die daS Bolt auf den rechten Weg, wieder wessen und chm zeigen, wie und auf welche Weise aus den Trümrkwm neu der Tempel entstehe und anstelle des doppettrn Leites zwiefacher Trost eint ete. Denn auch der Trost ist ein doppelter. (D'DN2Nv □'^©22) Wie § ünde und St afe, so soll auch der vom Propheten verkündete und besungene Trost Zions vor zwiefacher Art sein, von göttlicher und menschlicher, geistiger und materieller. Der niQV, die mit ins Golus gezogen, und nun trau.rnd um Israel, in seiner Mitte weilt, gilt die erste Lette deS Trostes, das erste d m bedrückten, nach Hilfe und Erlösung schmachtenden Volke, das zweite Dkid- Als Rabbi Jauchonon den Sakkai den Staat verloren und die Stadt in Teümmem sah, da war er darauf bedacht, das Fun da ment deS jüdischen Volkes, die Thora-Schulen zu erhalten. Aus diesem Fundamente konnten die Juden im EM weiter bauen, aus dieser Bans hat stch das Judentum durch aller Zetten Stürme erhalten und seine Eroberer, die eS damals vernichtet wähnten, lange überlebt. Aus dics.m Fundamente soll nun auch zu allernä: st b,r erste Trost Zions erblühen, aUS den Ruinen neu daS Heiligtum ergehen, das Heiligtum, da« unzerstörbar und unverwüstlich ist, und in neuer Herrlichkeit erstrahlt, wenn alles Indische wie die Blume verwelkt und verdorrt ift DV? Dipi trpto 1211 yu ^22 T*un V2'. Allein H.nd in Hand mit diesem rein göttlichen Tröste geht auch der menschliche materielle Trost, der uns Zerusa em in neuer Pracht erstehen läßt und Israel als glückliches Volk in setn.r Mneuem Leben erwachten ge- .liebten Heimat zeigt. Als 1H8 '12 von diesem doppelten Toste zu einheitlichem vom Thorageiste etragenen Volksleben erweckt, soll unS der große Tag der C an.m ung und Erlösung finden, der Tag, an welchem an die 71VN2 8-NlVD W2V, an die Arme, vom Schicksal Umstürmte der Ruf ergeht □DDD2D 8in '228 '228* „Ich, ich werde Eu» Trost drtngm, -pIN 83 '3 118 'Dip „Auf und leuchte, da dein Licht au^ging und die Herrlichkeit des einen einzigen Gottes strahlt über Dir auf." K-i> eines Feuilleton. Der frelrpmcd. Von Arthur Kahn. (Forssetzung.) Der Richter unterbrach die kurze Stille, während der Awromchen sich wieder einmal mit seinem Taschentuch über das Gesicht fuhr mit der Frage: „Gab es von da ab noch einmal ein Hindernis für Sie, das Geld zusrmmenzubringen, um die Annahme des Heiratskonsens zu erlangen?" „Jedes Jahr eines oder alle zwei Jhare, grnau weiß ich selber nicht mehr. Als Schenchens Bater nicht lange nachher starb und die Mutter kaum dreiviertel Jcchre daraus folgte, da gab es allerdings viele Kosten zu bezahlen, zu denen mein Schtoager nichts beitragen konnte. Bei dem wollte auch nichts gelingen und dazu mußte ich zweimal Gevatterschaften bei ihm übernehmen, weil kein Mensch bei einem armen Mann sich um die Ehre der Gevatterschaft drängt. Alle Jahr kam ein Kind, aber sonst wenig, zum Leben und da mußte hin und wieder ein ganz klein wenig nachgeholfen werden. So bin ich vrrrundvierzig Jahre alt geworoen und wie ich so nach und nach ernsehe, daß der siebe Gott es anders oi*

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