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Der Israelit · 1908-08-13 · Heft 33 (13.8.1908) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 33 (13.8.1908)
Date
1908-08-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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6ette ». Nr. 33 Der JSraeltt 13. «u ust 18«. eine Körperschaft wie den „Hilfsverein der deutschen Juden" einfach ignorieren zu wollen! Hier muß ein Mißverständnis vorliegen, das vielleicht besser hinter den Kulissen durch direkte Verhandlungen zwischen Berlin und Paris aufgeklärt worden wäre. Wir resümieren. Eine Verständigung zwischen den Hilfsorganisationen zum Zwecke raschen Eingreifens im Falle der Nor scheint uns wünschenswert, nicht aber ein enger, permanenter Zusammenschluß mit einheitlicher Spitze. In die Verständigung müssen alle auf dem Gebiete der internationalen jüdischen Wohlfahrtspflege tätigen Körperschaften einbezogen werden und es dürfen dabei die russischen Juden, vor allem die mit den Bedürfnissen des Volkes zu allererst vertrauten russischen Rabbiner nicht fthlen. Wir glauben, daß es bei ruhigem Vorgehen noch immer möglich ist, eine solche Verständigung heicheizuführen, und es würde sich dazu am besten auf der bevorstehenden Konferenz über Kolonisationsangelegenheiten, bei der, wenn auch nicht alle Organisationen, so doch JCA und Hülfsverein wenigstens, vertreten sein dürften, Gelegenheit bieten. ME Koch«mmöfch<m. VIe „Liberale Vereinigung“ bei 9er Arbeit. Nur naive Gemüter konnten einige Zeit glauben, es sei den Herren von der „Liberalen Bereinigung" in der Tat ernst mit der Versicherung, „keinen Einbruch bei den Orthodoxen" begehen zu wollen, wie Herr Dr Bogelstein sagte, oder —, wie sich Herr Dr. Goldschmidt neuerdings ausdrückt — nur da zu arbeiten, „wo das Alte schon niedergerissen ist". Wir haben wiederholt nachgewiesen, daß diese ganze Konstruktion, die das Odium der leichtfertigen Friedensstörung und des planlosen Negierens von der „Liberalen Vereinigung" abwälzen soll, an ihrer inneren Unwahrheit scheitert. Denn es liegt einmal im Wesen des Geistigen, daß es sich nicht in vorsichtig dosierten Giftflaschen verabreichen und je nach Alter, Geschlecht und Stand mit Wasser verdünnen läßt. Wenn die „Liberale Vereinigung" die vollzogene Leugnung überall als eine berechtigte Tatsache hinnimmt und damit alle bösen Geister des Zweifels und der Verneinung entfesselt, dann hat sie es wahrhaftig nicht in der Hand, den Zutritt zu den heiligen Hallen, in denen ihre „höllischen Latwerge" als Lebenselixiere verkauft werden, nur „Indifferenten" oder „Aufgeklärten" zu gestatten. Immerhin gab es einen Prüfstein, an dem man erkennen kann, ob die Herren wenigstens subjektiv an die Wahrheit ihrer eigenen Versicherung glaubten, und diesen Prüfstein liefert: die Art der Agitation. Jndifferentismus, Taufseuche, Skepticismus haben zugestandenermaßen ihren Hauptsitz in den großen städtischen Zentren, und dort allein fordern sie ihre Opfer. Man hat dagegen nie gehört, daß in süddeutschen Dörfern etwa die jüdischen Gemeinden der Taufe zum Opfer gefallen, oder daß auch nur die Synagogen am Sabbat der gähnenden Leere überantwortet, jüdische Überlieferung und jüdische Sitte als veraltet beiseite geschoben worden wären. Wollten die Liberalen wirklich nur aufbauen und nicht niederreißen, dann mußten sie ihre Agitation auf die Städte beschränken und es ängstlich vermeiden, die Brandfackel der religiösen Revolution in friedliche Landgemeinden zu schleudern. Dieses unverantwortlichen Vorgehens aber macht sich die „Liberale Vereinigung" neuerdings schuldig. Sie überschwemmt Land und Kleinstadt mit ihrem Evangelium von den „veralteten und abgestorbenen" Vorschriften des Judentums und prahlt mit „sechsundfünfzig Rabbinern" die mit der Würde ihres Amtes — auf dem Lande glaubt man noch an diese Würde — dieser Beschimpfung und Verlästerung unseres jüdischen Heiligtums die Folie verleihen! Glauben Sie etwa, Herr Dr. Goldschmidt, der Sie so ehrlich sind, das Wesen des „Liberalismus" ganz richtig in die Auflösung des überholten Begriffes objektiver religiöser Wahrheit in subjekttves Spiel der Phantasie zu setzen, glauben Sie, daß diese „subjektive" Religion den Männern und Frauen unsrer Landbevölkerung, der. Jugend vor allem, auch nur den leisesten religiösen oder sittlichen Halt zu bieten vermag?? Können Sie es verantworten, daß Sie mit fünfundfünfzig ehrwürdigen Kollegen^ und einem ganzen Ge'olge von Justiz- Kommerzien- und Sanitätsräten in kleine Gemeinden einbrechen und der Jugend die Vorstellung erwecken, es sei vorbei mit dem alten Judentum, vorbei mit seinem Anspruch auf objektive Wahrheit? Glauben Sie nicht, daß diese ländliche Jugend Ihnen ins Gesicht lachen wird, wenn Sie ihr versichern, der „Sabbath" habe doch einen sehr hohen „ethischen Wert"' und das „Zeremonialgesetz" sei doch — trotz objektiver Unwahrheit und Ungöttlichkeit — ethisch relativ recht wertvoll, und die jungen Damen und Herren möchten doch so gut sein und soviel wie nur irgend möglich — Juden bleiben? Fürwahr — wir haben bisher der „Liberalen Vereinigung" nur aus publizistischem Pflichtgefühl hie ünd da ein Wort gewidmet. Die ungeheure Schuld aber, mit der ihre Leiter und Führer ihr Gewissen jetzt belasten, die sollte doch jeden, dem noch ein Fünkchen Liebe zum alten Judentum in der Brust lebt, zu flammendem Proteste gegen diese organisierte Bolksverführung aufrufen. Die Welt möge erfahren, was von den tönenden Friedensversicherungen der „Liberalen" zu Hallen ist, die trotz klaren Bewußtseins der eigenen, von Goldschmidt gut gezeichneten inneren Schwäche, sich nicht scheuen, den Schatz tiefer religiöser Pietät, wie er Gottlob bei allen Mängeln auf dem Lande noch vorhanden ist, dem einmal entfesselten Vereinsehrgeize der „Liberalen Vereinigung" zum Opfer zu bringen und einem nach lebenskräftiger jüdischer Ko st verlangenden Geschlechte — Steine zu reichen statt Brot. Cfhih un9 IDirtfdiaff Wir veröffentlichen an andrer Stelle einen Aufsatz der sich gegen die scharfe Verurteilung der sogenannten Konkurrenzklausel in unsr. r vorwöchentlichen „Volksfreund" - Beilage wendet, und dem wir einige Worte auch von unsrem Standpunkte aus hinzufügen möchten. Wir glauben, daß die Wahrheit ungefähr in der DU Tlort-5abbalde. „Doppelt war die Sünde Israels (nuön rrvn), zwiefach auch seine Strafe B^DD 'D TD 'D) (rmtnan ^>22- Aber ebenso doppelt wird sein Trost sein. Heißt es doch nicht einmal, sondern zweimal ivm 'Dy IDm (Jalkut Jeschajah n*V TDD- ES mutet etwas eigenartig en, baS in Zahlen ausgedrückt zu sehen, was zahllos und unermegltch ist Unendlich groß war der Abfall des Volkes na |iy B1TD nuano 'Dy- Noch größer war fein Leid D'2 >2- Wer aber wollte gar in einfachen oder doppelten Zahlen den vom Propheten vorauSgcfehenen und in glühenden Farven gemalten Trost Zions bezeichnen? Handelte eS sich doch nicht um Za - lenwerte, fonrem um alles. Alles war durch Abfall und Verirrung preiSgeaeben, alles durch FeindeShand zerstört und eine Welt IM, die nach Prophetenwort wieder gewonnen werden soll. — Vielleicht ist es aber auch grabe dieses N lleS, diese Welt deren Verlust und Wiedergewinnung der Weisen Spruch mit gewohnter Tiefe und Präzisttüt und iw großen' Strichen und Umrissen zeichnen wollte. Zwei Grundpfeiler find es, von denen das jüdische Pflichtgesetz getragen wird, deren einer uns zu Gott emporhebt, deren anderer unser BerhättniS zu unseren Nebemnenfchen festlegt. Die Pflichten BlpD^> DIU P2 und diejenigen nan!? DIU p2- Aus einer Wurzel emporkeimend, einem Ziele entgegenstrebend bilden fie ein Ganzes, unteilbar und unzertrennlich. Eine jüdische Ethik, die nicht letzten Endes den Gottesgeöanken zur Grundlage hätte, gibt eS im Jubentume nicht, pyotWI 2py nvn heißt es im Wochenadschnttte. Alle Gebote des göttlichen Gesetze-, ob fie insre Pflicht gegen Gott oder gegen Menschen betreffen, find hier zufamm-ngefaßt und in ihrem Verhältnis zu etrander mit 2py Ferse bezeichnet. Es find markannte Trittspuren, ein siche«. führender Fußpfad, der von einer Pflichten- Kategorie zu der ankern, von einem Gebot zum andern Hinüberleiter. nTYQ mSD HIÜD Eine willkürliche Scheidung der Gesetze in vermeintlich wichttge und minder wtchttge, in solche, dir zu beobachten stn , und solche de 2py, über die man BH lapya ruhig hinwegschreiten dürf e, soll eS nicht geben. „Namentlich eine solche Scheidung der sogenannten niltD aipob ma N2V und i-nani? am P2V nwo war v n jeher das Verhängnisvollste für uns. Der Untergang deS ersten Tempels war durch die Hintenansetzung der Pflichtm gegen Gott verschuldet worden, der des zweiten durch die Verletzung der Gebote der Liebe gegen die Nebenmenschen verursacht. Eine heilvolle Zukunft kann unS dann erblühen, wenn wir göttliches Gesetz alS nD'Dfl /ri min ganz fassen und es unterschiedslos zur Erfüllung bringen." (Hirsch Kommentar zu 2py ^v). Und darum w. r die Sünde deS Volkes sowohl bei der ersten wie bet der zweiten Zerstörung, ob fie auch in den Augen eines entarteten Geschlechtes als einfache galt, doch eine doppelte und zwiefache. Denn wie sollte der eine Teil unberührt bleiben, wenn der andere, mit ihm eng verbundene und ihn ergänzende schmählich verletzt wurdewie der eine Grundpfeiler fest gefügt bleiben, wenn der andere erschüttert ist? BV7D22 iavN Doppelte Sünde steht das Prophetenauge ,iavN avN- Doppelte Sünde muß aber naturgemäß auch doppelte Strafe im Gefolge haben. Denn auch die von der weisen ErziehungSwaltung Gottes über Israel verhängten Strafen find zwiefacher Art. Die Strae. die direkt von der Hand Gottes und darum maß- und erbarmungsvoll vollzogen wird, folg nach Erklärung der Weisen rno TDD PHD auf die Pflichtverletzung gegen Gott. Weit schlimmer und verhängnisvoller ist aber bre Strafe, mit deren Vollziehung Menschen betraut werden. Gott ist liebreich und voll Erbarmen, der Mensch aber hart und grausam, darum betet Davi : Bia T21 IW O'm >2 'il TD M D7DD nbica Und es war die bittere Tragik der zweiten Zerstörung, daß U2 l^lND D'iay, daß die Eroberten Jerusalems zur Strafe für ihre Pflichtverletzung gegen die Menschen, Menschen, grausamen Menschen ihresgleichen erbarmungslos ausgeltesert wurden — den römischen Henkersknechten.!p^>, wie es ja auch der Prophet vorauösagt w-naDN baa D'tea 'n TD nnpV 'a Gitttn 58). Rabbi Josua der Sohn ChananjahS ging nach Rom. An der hohen grauen Pforte des Gefängnisses, wo viele seiner GlauvenSbrüder aus Jerusalem schmachteten, blieb er von trüben Gedanken übermanm stehen. „O — seufzte er - B>ma!? tonwvi 2py nvvrch jni 'D „Wer hat . ..-.' M we an! ver grl 21L eth Ze dal S1 de§ Br un nic M in eir pei Fr sch Itd gU sch ab wi jüi S de we bei S G, vo UN dal sch sch we B, sicl stii vo lie zu de: bei E? da el Ja gel tet wo bei ho sch Rc gel de, du stß IW gel pr w t en ge S Li ui se W b i er ei

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