Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1908)
- Date
- 1908-08-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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mm . v ', r> ■ - l1^.4u;■ I J-I, M-Ul^muiy, W -VT?* .*' rr'¥t,w "rnr Feuilleton-Beilage zu Nr. 32 des „Israelit". Der knlrel. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzuug) 'euilleton „Und vor zwei Jahren haben Sie solch' grausige Lehren in dem Pentateuch gefunden?" „Ich weiß wirklich nicht —- ich erinnere mich nicht —" „Aber bittewoher wissen Sie denndaß das Alte Testament derartige Lehren enthält?" „Der hochwürdige Pater Anastasius iss ein großer Gelehrterer kennt nicht nur das Neue Testamentsondern auch das Alte Testament auswendig- Wort für Wort." „Und der hochwürdige Herr hat Ihnen derartige Lehren aus dem Alten Testament angeführt?" Der Doktor schüttelte den Kopf. „Ob sich der hochwürdige Herr da nicht geirrt hat? — Sehen Sie hier, lieber Edwin —" Er hatte in dem auf dem Tische liegenden Buche geblättert und deutete mit dem Finger auf eine Stelle. „Bitte lesen Sie dieses, laut, bitte." Edwin las. „So weißt Du denn, daß Gott -ein Gott ist, der Gott, dem man vertrauen kann, der den Bund und die Liebe denen bewahrt, die ihn lieben und Seine Gebote hüten, bis ins tausendste Geschlecht." „Hat Pater Anastasius Ihnen diesen Satz nicht gesagt?" „Nein" erwiederte Edwin errötend. „Ich könnte Ihnen noch viele ähnliche Stellen zeigen. Bitte, lesen Sie hier." Edwin las: „Gott bleibt immer Gott, Kraft übend, sein Werk liebend und gewährungsbereit, lange geduldend und liebreich und wahrhettreich." „Diesen Satz auch nicht?" „Auch nicht" sagte Edwin gepreßt. „Und nun bitte, lesen Sie hier. Edwin las: „Und den Fremdling sollst Du nicht kränken und nicht drängen, dtnn Fremdlinge seid ihr gewesen em Lande Egypten. „Und nun hier." „Und wenn bei Dir sich aufhält ein Fremder in eurem Lande, sollt ihr ihn nicht kränken. Wie der Eingeborene bei euch, sei euch der Fremde, der sich bei euch aufhält." „Von allen diesen Sätzen hat Ihnen Pater Anastasius nichts gesagt?" Edwin schüttelte verneinend den Kopf. „Das kann ich mir denken, denn sonst hätten Sie nicht von dem Rachegott des Alten Testaments und von dem Haß und der Lieblosigkeit, die den Juden gegenüber den Nichtjuden geboten ist, reden können. Einer von uns muß sich geirrt haben, entweder Sie haben den Pater Anastasius nicht richtig verstanden, oder der Pater Anastasius hat die Lehren irgend einer andern Religion mit denen des Alten Testaments verwechselt, oder ich war so vernagelt, daß ich die Lehren vom Rachegott und von der Lieblosigkeit, und dem Haffe, die das Alte Testament enthalten soll, nicht in demselben gefunden habe. Es wäre nun mir und vermutlich Ihnen sehr interessant, zu wissen, wer von uns sich geirrt hat — habe ich nicht Recht?" „Gewiß," sagte Edwin leise. „Ich Möchte Sie daher sehr bitten — Sie werden doch dem hochwürdigen Herrn antworten? „Selbstverstä Mich." „Wollen Sie ihn dann ersuchen, Ihnen gefälligst die Stellen bezeichnen zu wollen, an denen von dem Rachegott der Juden die Rede ist und von dem Haß und der Lieblosigkeit, die denselben geboten sind. Wollen Sie? „Wenn Sie es wünschen, gewiß." „Wünschen denn Sie es nicht auch? „Nun ja freilich. Aber dann möchte ich bitten, Herr Doktor, mir gefälligst die Stellen enaU angeben zu wollen, die ich jetzt gelesen abe, damit der hochwürdige Herr im Alten Testament selbst Nachlesen könnte." „Da haben Sie Recht, man muß nie verlangen, daß uns jemand etwas aufs Wort glauben soll, wenn wir dasselbe durch Tat oder Schrift, oder durch sonst etwas beweisen können. Ich glaube, wir zwei haben in unserer Anschauungsweise viel Aehnlichkeit mit einander. Meinen Sie nicht?" „Ich weiß es nicht" versetzte Edwin mit einer gewissen Schüchternheit lächelnd „ich kenne die Anschauungsweise des Herrn Doktor zu wenig." „Ich kenne Sie nicht mehr als Sie mich kennen, aber ich glaube, Sie streben nach Wahrheit und wünschen Ihren Mitmenschen nützlich zu sein oder zu werden. Denselben Wunsch und dasselbe Streben habe auch ich." „Ja, wenn wir's so nehmen — Aber bitte, Herr Doktor, Sie wollten mir die Stellen angeben —" „Also notieren Sie, die erste Stelle finden Sie 5. B. M. 7, 9., die zweite Stelle 2. B. M. 34, 6, die dritte Stelle 2. B. M. 22, 20 und die vierte 3. B. M. 19, 34 — Wie gesagt, ich könnte und werde Ihnen noch viele ähnliche Stellen zeigen, aber vor allem möchte ich, daß Sie mir die andern, den obigen Stellen widersprechende zeigen. Ich bin in der Tat gespannt auf die Antwort des Pater Anastasius." „Ich werde ihm noch heute schreiben" sagte Edwin „dürfte ich Ihnen dann vielleicht meinen Brief zeigen,- Herr Doktor, bevor ich ihn absende?" „Weshalb möchten Sie, daß ich Ihren Brief vorher lese?" „Um ganz sicher zu sein, daß ich mich richtig ausgedrückt habe. Ich sehe ja ein, irgend wo muß ein Irrtum sein, da möchte ich wenigstens sicher sein, daß ich denselben nicht noch vergrößere." „Zeigen Sie mir Ihren Brief, ich werde denselben mit Vergnügen lese.», denn ich.gestehe Ihnen offen, ich habe Freude von unserer llnterhaltung. Doch nun legen wir die Theologie für heute beiseite und nehmen wir Mathematik Sagen Sie mir, was Sie zuletzt in diesem Fach genommen haben, dann werde ich mich überzeugen, was Sie noch davon wissen, und was Sie vergessen haben." * * * Malwine hatte eben ihre Toilette beendet als Brandow gemeldet wurde. „Führen S e den Herrn Baron in den kleinen Salon," befahl sie und begab sich dorthin. Der Baron eilte ihr entgegen und zog ihre Hand an seine Lippen. „Guten Morgen Geliebte! Hoffentlich hast Du gut geschlafen, Du blühst ja wie eine Rose." „Schmeichler!" entgegnete sie lächelnd, indem sie seinen Händedruck erwiederte. „Nein, ich bin kein Schmeichler, heute weniger als je, denn ich bin in einer keineswegs behaglichen Stimmung. Ich müßte eigentlich um Entschuldigung bitten, daß ich dich zu so früher Stunde belästige, aber ich wolltenicht zögern, dir den Brief des Pater Anastasius zu zeigen, den ich heute Morgen erhalten habe." „Einen Brief. deS Pater Anastasius? — was schreibt her hochwürdige Herr?" Sie nahm den Brief und las, er hatte sich ihr gegenüber in ein Fauteuil geworfelt und blickte zu ihr empor, gespannt auf den Eindruck, den der Brief auf sie machen würde. (Fortsetzung siehe nächste Seite.) Tamiliennacbricbtee. Geburten: Einen Sohn: Dr. Sandler (StrauS) BreSlau. Verlobte: Recht» Aumann, Siegfried Oppenheimer, Frankfurt a. M.-Paris. — Sara AnSbacher, Max Nenverger, Berlin. — Anni Nelken, Joseph KönigShSfer, Breslau. SterbeflUle: Benjamin Simon Oppenheimer, König i. O-, 70 Jahre. — Karoline Hirsch geb. Strauß, Frankfurt a. M., Kantstr. il. — Baruch Wormser, Frankfurt a. M, Schützenstr I, 23 Jahre. Barmiawohfeiern: Samuel. Sohn des Herrn A. Schiratzki in der Gemeindespnagoge, Börneplatz. — Isaak, Sohn deS Herrn Aron Maringer, Wiesbaden. Sabbat-Anfang u. Ausgang. 7 2 n O 1 ORT: Anfang Dntnm AuSgang mim». 1908 5898 UtrläRin. S.Angnst. N.Aw. *. M. 7 20 8 45 »erlte .... — — 8 37 MS*che« . . . 7 15 — — Stratzbarg . 7 — 8 40 Stuttgart. . . 7 15 s 35 Pose« .... — — 8 30 Nürnberg . . — — 8 20 Hamburg. . . - - 8 55 Prag. — — 8 20 Sfite de« Reklameutetl ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist eS anSfchliestlich Sache der Leser, die i« Reklameteil enthaltene» Empfehlungen i ttnester Waren oder sonstige Angaben religionSgefetz« liche» TharakterS ans ihr« ZnverlSsstgkeit z» prnfe». -> Statt jeder besondere» Anzeige: - Recha AuUmubu Siegfried Oppenheimer Ter lobte (10842 Krankfnrt a. M. Paris-Frankfnrt a. M. Ostendstraße 22. Obermamfiraße 20. B | Landesbuter | > Leinen, und Gebild «Weberei F. V. Grünfeld Rönigl., Grossherzogi. n. Ffirstlicher Hoflieferant Berlin W., Llipil|tntrMI 21?. Grösste Auswahl aller Wäscheartikel für dci Baasbedarf. fliferHim mar üisstattmei. Preisliste mit Abbildungen sowie KostenanseblXge zu Diensten. (?S5») $abt]hr nch wirklich nichts vergessen? Wenn wir dann in unserem stillen Bergnest sitzen, dann fällt euch wieder allerlei ein, was man nötig hätte und doch nicht haben kann — Wahrhaftig, Fays ächte Sodener Mineral- Pastillen fehlen noch! — Na, dann aber schnell — ohne meine Fays ächte Sodener gehe ich nicht wieder in die Sommerfrische, seit ich vor zwei Jahren die böse Erkältung in dem weltfernen Nest durchgemacht habe. Wenn ich Fays ächte Sodener habe, weiß ich wenigstens, daß ich keine Erkältung zu fürchten brauche — Fays ächte Sooemr kosten nur 85 Pfennig die Schachtel und imd in jeder Apotheke, Drogerie oder Mineralwasferhandlung zu haben. Achten Sie aber darauf, daß Sie keine Nachahmung erhalten. . .