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Der Israelit · 1908-08-06 · Heft 32 (6.8.1908) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 32 (6.8.1908)
Date
1908-08-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Skr. 33. «eite 10. Der JSraeltt. 6. August 1908 die Lektüre der „Neunzehn Briefe" — jedesmal von kleineren Refera en begleitet — fand allgemeinen Beifall und bot, vielleicht noch mehr, als EinzelvortrSge dies vermög n, willkommenen Anlaß zur Aui spräche und Diskussion über alle Fragen und Verhältnisse, über die fich der gesetzeStreue jüdische Akademiker klar zu werden chat. Einen genußreichen Abend bereitete uns auch Bbr. »lull. math. Emil Goldschmtdt mit einem Bortrage über «BoraussetzungSlose Wissenschaft und Judentum." Größtes Gewicht wurde natürlich auf Vervollkommnung, besonders der jüngeren Mitglieder in Y'tf) und gelegt, und wiesen die Q'HIJW in ’irPjn£>\ und HiWD — von den Bbr. Bbr. Dr. Dachauer, Dr. Klein uno stud. Phil. Adler geleitet — stets erfreulichen Besuch auf. Doch nicht genug mit dieser internen Bereinsarbeit, konnten wir eS in diesem Semester auch ermöglichen, die „Freie Bereinigung" in ihren Bestrebungen für ländliche Wohlfahrtspflege mit Rednern zu unterstützen, und die Tätigkeit unsrer Wanderredner in den Orten der Umgegend zeigt, daß ernstgemeintes Wollen und Begeisterung für eine ideale Lache auch hier schönste Erfolge gezeitigt hat. Können wir so mit Recht befriedigt auf das verflossene Semester zurückblicken, so hoffen wir gleichzeitig, daß auch das kommende uns recht zahlreichen Zuzug von Vundesbrüdern bringt, die mit uns arbeiten, mit uns kämpfen wollen, zu erreichen, was wir erstreben: nvit*rm nnnp'vn?- e t t m ri t Für das Wintersemester wurden in den Vorstand gewählt : stud med. Dr. Leop. Herz (Hall), 1. Vorsitzender, stud. math. Em l Goldschmtdt (Äfchaffenburg), Schriftführer, Ernst von Manstein, Kassenwart. Ferienadreffe: Hotel zur Glocke. Bern, 30. Juli. Mit einer weihe- und stimmungsvollen S ijumfeier auf n^n rDDD hat der „Verein jüdischer gesetzestreuer Studenten "»yiDDrin Bern" das Sommersemester, das erste seines Bestehens, am 37. Tamus befchloffen. Ausgehend von der reich erprobten Wahrheit, oaß Verständnis der Tauroh Liebe zur Tauroh erweckt, hat der Tachkemoni den Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf das Thorastudium verlegt. Die erste Satzung seines Statuts verpflichtet die Mitglieder des Vereins fich täglich im Vereine lokal zu einem gemeinschaftlichen ^Q2°Schtur zusammenzufinden. Es sollte dieS aber kein Schtur fein, den man nach harter Tagesarbeit tn körperlicher und geistiger Erschlaffung bei sanften Schlun merpausen absolviert, sondern frisch und froh versammeln fich die Komnulitonen täglich um die Mittagsstunde zu einem gemeinsamen getstesanregenden Lernen. Und es war ein Lernen, wie in Telsch und Preßburg; ein Lernen mit scharfem Eindringen in den Lehrstoff mit Herausarbettung der in tiefem Gedankenschacht geborgenen Geistesschätze. - olch ein Ersoffen der Tauroh erweckt die Liebe zur Thora und die Liebe zur Thora soll die Wehr und Waffe abgeben im Kampfe gegen Entstellung, Verdrehung, Verunglimpfung derselben. Außerdem wurde jeden Sabbath in unserem Stammlokal, in der Pension Stern, ein öffentlicher Vortrag von einem Ve.einsmitgliede gehalten. Nach dem Bereinsstatut müffen diese Borträge von tiefer Religiosttät wie von strenger lc. issenschastlichkett getragen sein. Sie sollen einerseits jüdische Lebensanschauung pflegen, andererseits Wissenschaft im Lichte jüdischer Denkungsart darstellen. Die Themata zu diesen Borträgen werden dem Spezialstudium des Vortragenden entnommen, wodurch wissenschaftliche Gründlichkeit, wie reiche Abwechslung in den zu behandelnden Fragen gesichert erscheinen. All düse Bedingungen und Voraussetzungen und dre Hoffnungen, die wir in dieselben setzten, wurden erfüllt. Es wurden Borträge gehalten über: „Prolegomenan zu den Taame-hamizvkaus" von cand. phil. Ludwig Krauß- „Responsen der Geonim" von cand. Phil. Benjamin Lewin- „Je hu da Sa-Lewi und sein Kufari" von stud. Phil. Moses eidel- „Die Eleaten und der Talmud" von cand. phil. Salomon Horowitz- „Das Matan- Tauroh-Problem" von cand. phil. Ludwig Krauß - „Dte Sabbathruhe in den Hasmonäer- Kriegen" von cand. phil.Samuel Halevy- „Spinoza ein Acher des siebzehnten Jahrhunderts" von cand. phil. Ludwig Krauß- „Geist und Stoff" von cand. med. BenjaminKrupernik- „Responsen der Geonim" Fortsetzung) von cand. phil. Benjamin Lewin- „Die Seele" von cand. phil. Ludwig Krauß. Alle diese Borträge wurden bei Wahrung ihres wissenschaftlichen Charakters in populäre geschmackvolle Gewandung gehüllt. Einige derselben wurden in hebräischer Sprache gehalten. Der Vorsitz wurde von Herrn cand. phil. Benjamin Lewin in hebräischer Sprache geführt. Wir haben das Bewußtsein, Pofitives geleistet zu haben, und das Vollgefühl der Freude, das stch stets nach getaner Arbeit einstellt, kam denn auch bet der Sijum- Feier zur Geltung. Es war eine eigentümliche „Schlußkneipe", an der stch Studentm zusammenfanden, um unter geistreichen mtfTnin und schönen hebräischen Liedern ein Fest der Thora zu begehen. K. Personalien. Pretzburg, 28. Juli. Am 15. Ta uns starb in der benachbarten Gemeinde St. Georgien der dortige Rabbiner Samuel L. Rosenbaum y'm tm Alter von 7LJahren. Der Tod dieses Großen als p*o und pi-ra weitbekannten Mannes bedeutet einen empfindlichen Verlust für bas gesamte orthodoxe Judentum Ungarns. Seine Beschäftigung, der er im Kreise vieler treu zu ihm haltenden Schüler Tag und Nacht oblag, war bas Studium der Thora. Aber auch weit über die Grenzen < er Stadt hinaus war die Zahl seiner Verehrer unter dm DHCP, die fich mit rilvrw an den bescheidenen einsamen Gelehrten wandten, groß. In Preßburg gebotw und von seinem Vater, dem bekannten Mosche Leb. Litsch Rosenbaum V'ttf, dcm Verfasser vieler bekannter halachischer Schriften, y$ minn, erzogen, sag der Verstorbene schon in frühem Alter zu Füßen des großen Meisters des -®io 27)2 7>p2 bis er an. Stelle des weltberühmten p'M □"IDE als Rabbiner nach Sr. Georgien berufen wurde, wo er 50 Jahre hindurch segensvoll wirkte. Sein streng gesetzestreues, konsequentes und zielbewußtes Auftreten brachte ihm viele Verehrer ein, aber auch viele erbitterte Feinde im neologen Lager, deren schärfste Waffen aber an der unantastbaren strikten Charakterfestigkeit des Mann s zurückprallten. Seine Liebe zu den DnirQ war sprichwörtlich, seine Aufopferung für die Armen, die seine Hilfe suchten, grenzenzelos. Die Trauer um den Tod dieses seltenen Mannes ist bei uns und im ganzen Lande eine große und tiefempfundene. An der Beerdigung, die vergangenen Freitag in Preßburg stattfand, haben fich Tausende aus Nah und Fern beteiligt. Mit den trauernden Hinterbliebenen — ein Sohn und fünf Töchter — beweint die ungarische orthodoxe Judenhe.t einen ihrer Größten. , ♦□'wnn jrx “pro Qms ana* mpon Würzburg, 3. Aug. Herr Dr. MoseS Staun» fchweiger, Verfasser der Geschtchtswerke: „Geschichte der Juden zur Zeit des Mittelatters in den Bereinigten Staaten" und „Die Lehrer der Mischna" feierte in vergangener Woche seinen fiebzigsten Geburtstag unter warmer Teilnahme vieler Freunde und Verehrer. Der Gefeierte kann auf eine langjährige segensreiche und ideale Tätigkeit sowohl. als Lehrer an der israelitischen Gemeindeschule hier, als auch als Religionslehrer an hiestgen Mittelschulen zurückblicken, wobei er fich die Liebe und Dankbarkeit seiner Schüler sowohl als die Anerkennung seiner Vorgesetzten und der Eitern erwoi ben har. Unmittelbar nach Beendigung seines Studiums trat er in die Lehrtätigkeit dahier ein. Seine rabbinischrn Kennwisse erwarb er stch an den tu Altona und hier. Mit dem Eintritt in den Lehrberuf blieb ec noch ein eif.iger pDiy und reger Forscher unserer heiligen Schriften. Das Vertrauen seiner Kollegen berief ihn schon vor mehr als 25 Jahren i. die Verwaltung des „Israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern" und ü ertrug ihm den verantwortungsvollen Posten des L ereins-Kassiers, den er während des langen Zeitraumes in hingebenster, uneigennützigster Weise bekleitdete. Nach einer solch unermüdlichen, gewissenhaften vterundvierzigjährigen Tätigkeit als Lehrer an der israelitischen Schule darf es nicht Wunoer nehmen, wenn die Schulvorstandschaft sein Gesuch um Penfionterung für das beginnende Schuljahr genehmigte und ihm ein ehrendes Ruhegehalt zuerkannte. Sowohl von der städtischen Schulbehörde al§ auch von der Schulvorstandschaft wurde ihm in den schmeichelhaftesten Worten die Anerkennung seiner Wirksamkeit ausgesprochen. An den Mittelschulen wird Herr Dr. Brau..schweizer seine Tätigkeit noch fortsetzen. Möge demselben ein recht langer, yerterer und schöner Lebensabend beschieden sein und möge sein ideales Stteben und Wirken noch recht lange der Mitwelt er,alten bleiben! •T)2'W2 naP» TW Klein Eicholzheim (Baden), 30. Juli. Am my n2IP bat man in unserer kleinen Gemeinde einen Mann zu Grabe getragen, der es verdient, auch in diesen Blättern genannt zu wer.en. Herr Jsaac Lißberger, der den Seinigen nach längerem schwerem Leiden im Alter von 61 Jahren durch den Tod entrissen wurde, war ein guter pflichtgetreuer Jehudi. Trotz seiner Leiden, die ihn seit Jahren an der Ausübung seines Berufes verhinderten, versäumte er keinen Gottesdienst und keine Nirrv 121/ so schwer ihm auch dieses fiel. Mit gottergebener Geduld und Demut trug er jahrelang seine Leiden ohne Klage, den Seinigen und allen, ote ihn kannten, ein leuchtendes Vorbild treuer Pflichterfüllung und gottgefälligen Lebenswandels. Durch feinen verträgltchen und friedlichen Charakter war er eine Zierde der Gemeinde, die ihm ihr Vertrauen dadurch bewies, daß fie ihn für lange Zeit in ihre Verwaltung wählte. Er war ein Freunb und Förderer edler und gemeinnütziger Bestrebungen und übte die edle Pflicht von anon flP’Dl in reichstem Maße. Eei der ni? sprach der Ortslehrer, Herr Scheuermann, in Vertretung des Rabbiners warm empfundene Worte. Die Trauer der Familie brachte der Schwiegersohn, Herr Lehrer Mayer tn Niederhöchstadr, zum Ausdruck. Am Grabe, aus dem nVTDpn TTU in BödixHeim widmete Herr Lehrer Fleischmann als Bertreter der ntSTHp mafl/ der der Dahingeschiedene seit langer Zeit angehörte, zu Herzen gehende Abschiedsworte. Wiesbaden, 30. Juli. Dem jüdischen Religions lehrer a. D. Joseph Stern hier wurde der Adler der Inhaber des Königlichen Hausorbens von Hohenzollern verliehen. Jugenheim, 31. Juli. Am Schabbos O'-O"! waren es 25 Jahre, seit Herr Raphael Mandel hrcr als Chasan seine Stelle angetreten hat. Er wußte sich in dieser Zeit die Achtung und Liebe semer hiestgen jüdischen und nicht minder auch der christlichen Mitbürger zu erwerben. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch viele Jahre zum Segen unserer Gemeinde seines Amtes zu walten. Briefkasten. F. W in M. Der letzte Tag zählt mit, somit ist die Angabe des nP richtig. Der betreffende Herr wohnt jetzt in Fulda. Den Aussatz trollen Sie bitte an Herrn Lehrer Ehrmann, Ftiedberg, senden. W. I. in B. Eine derartige Fabrik in Deutschland ist uns nicht bekannt. Lehrer I. St. in B. Wollen Sie stch an das Bureau der „Freien Bereinigung für die Interessen deS orthodoxen Judentums" Frankfurt a. M-, Schützenstr. 14, wenden. Jehudi. Anonyme Zuschriften können nicht Verückstchtigt werden. N. G. in B Kann aus prinzipiellen Gründen nicht Veröffentlicht werden. B. L. in Br. Die Jahrzett ist am 8. September. M. I. in Kr. Wenden Sie fich bitte an dm nächsten Rabbiner, da wir nicht imstande find, den näheren Tatbestand von hier aus zu prüfen. C. I. in M. Gehört in den Inseraten! eil, über welchen nicht wir, sondern die Firma „Hrasenstein & Bögler" hier zu verfügen hat. inderecke Der Keldi 9er Ertöfung- „Mutter, sag' mir liebe Mutter — Ob's den auch gewiß und wahr, Was der Ahn' mir jüngst erzählte. Von dem Kelch, kryftallenklar, Den man droben, hoch im Himmel Stehn vor Gottes Throne sieht? Und wenn hier, bei uns auf Erden Gar zu schwer ein Herz sich müht, Dann der Herr der Allerbarmer Weint um seine Menschenwelt, Und die Träne dann des Höchsten Nieder in den Becher fällt?" „Wahr ist's Söhnlein!" „Sag' o Mutter §st's auch wahr, daß kommen soll inst Messias der Erlöser, Wenn der Kelch von Tränen voll?" „Wahr!" Des Knaben reine Züge Sind umschattet, leid verhüllt. Wieder fragt er:,, Wann Venn, Mutter, Wird der Becher ganz gefüllt?" Und er hebt die frommen Augen Traurig auf zum Mütterlein: „Mag der Kelch wohl ohne Boden, Endlos unser Leiden sein? „Hat noch nicht gefüllt den Becher Unsrer Wandrung Schmach und Pein? Trocknen in der Zeiten Fluge Denn des Kelches Tränen ein?" Und die Mutter, schmerzverloren, Blickt empor — dann gramgebeugt Ueber ihres Kindes Haupt, Weinend sie das Antlitz neigt. Auf die Stirn' des Knaben fließet Zweier Perlen klarer Lauf — „Herr im Himmel, nimm erbarnrend In den Kelch die Tränen auf!" Benjamin Körber, München. kW) ÄÄBSÜi l&i k

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