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Der Israelit · 1908-07-30 · Heft 31 (30.7.1908) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 31 (30.7.1908)
Date
1908-07-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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£rzid?umj und Lei? Die ry. generaiverrammlung des bayfisebett Cebreroerelu* in Rothenburg a. d. llanver. Die diesjährige Konferenz der bayrischen Lehrer stand entschieden unter einem günstigen Stern. Natur und Geschichte weben um das freundliche Tauberstädtchen einen Zaube, dem sich niemand so leicht entziehen kann. Für uns Juden kommt noch die Erinnerung an die hehre Gestalt des;raat9inD D//"»no hinzu, der ja nicht nur lerne ragende Geistesgröße, sondern auch ein bewmrdernswürdiger Charakter war, und so ein leuchtendes Vorbild für jeden Lehrer fein kann. Nicht zu vergessen auch das gastfreundliche - Haus unseres lieben Koll gen Hoftnann. sowie das liebenswürdige Entgegenkommen der dortigen jüdischen Bevölkerung und der christlichen Kollegen, das besonders bei dem geselligen Zusammensein -am Vorabend der Konferenz zu tage trat. Da zeigte man uns einen Gymnasiallehrer, der sich § weilen an den Schiurvorträgen der Ansbacher Ortbildungskonferenzen beteiligt, also eine ehenswürdigkeit allerersten Ranges, die sicherlich auch aus dem Frankfurter Judentag Furore gemacht hätte. Doch Scherz bei Seite,'der verdienstvolle Leiter des genannten Kursus, Herr Rabbiner Dr. P. Kohn.kann wirklich stolz aus einen solchen Schüler sein und noch mehr auf den Erfolg der Rothenburger Tagung sein, denn bei dieser Gelegenheit zeigte sich auf das glänzendste, wie innig das Verhältnis zwischen Rabbiner und Lehrer in diesem Kreise ist und der jubelnde Beifall, mit dem er begrüßt wurde, : ist ein Beweis dafür, daß die bayrischen Lehrer sinne und seiner Kollegen Mitarbeit dankbar anerkennen und seiner Klugheit und seinem diplomatischen Geschick volles Vertrauen entgegenbringen. Nachdem unter Führung eines christlichen Kollegen die Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigt worden waren, begann die Tagung in dem festlich geschmückten Saale des evangelischen Bereinshauses mit den üblichen Begrüßungen seitens des Vorsitzenden, des Herrn Rabbiners Dr. Kohn-Ansbach, des Herrn Kollegen Hofmann- Rothenburg, des dortigen Kultusvorstandes, des Vertreters des Bezirkslehrerveins und endlich des Delegierten des benachbarten württembergischen Vereins, des Herrn Kollegen Preßburger-Creglingen, dessen Hinweis auf Schul- Direktor Ludwig Stern V'ST alle Verehrer dieses wackeren Mannes besonders sympathisch berührte. Der von dem Vorsitzenden erstattete Jahresbericht zeigt, daß die Verwaltung in den besten Händen liegt und daß sie nach allen Seiten hin eine rege Tätigtest entfaltet. Das Vereins- Vermögen wächst in erfreulicher Weise; es beträgt ca. 130000 Mark. Dann kam der dou: die Denkschrift, zu deren Lob man wahrlich kein Wort mehr zu sagen braucht. Die Mittelsranken bekamen wegen ihrer sogenannten Separa ionsgelüste eine schlechte Note,- Besserung haben sie aber nicht versprochen. Herr Dr. Braunschweiger, der sein 25jähriges Jubiläum als Kassier und zugleich seinen 70. Geburtstag feierte, war Gegenstand lebhaftester Ovationen. Auch Herr Kollege Wertheimer-Hardheim erhielt Beweise allseitiger Sympathie gelegentlich der Erwähnung seines 25jährigen Dienstjubiläums. Ein Antrag Heimann- Plauen, der dahin ging, denjenigen Mitgliedern der Kasse, die derselben weniger als 10 Jahre angehört, bevor sie ins „Ausland" und damit ihrer Ansprüche an dieselbe verlustig gingen, die gezahlten Beiträge zurückzuerstatten, wurde bedauerlicher Weise glatt abgelehnt,' auch Vereine können nur durch Schaden klug werden. Stürmisch begrüßt begann hierauf der Verfasser der Denkschrift, Dingftlder-München, feinen Bortrag: „Die rechtliche und materielle Besserstellung der israelitischen Religionslehrer in Bayern". Wie er einleitend bemerkte, wollte er nur einen Kommentar zu der Denkschrift geben. Der war nun zwar hochinteressant, aber recht unerfteulich für die Lehrer. Der Referent hatte das Judenedikt von 1813 und sämtliche die Verhältnisse der Juden betreffenden Ministerialverfügungen genau geprüft und war zu dem Resultat gekommen: Der jüdische Religionslehrer ist rechtlos dem zuständigen Rabbiner und seiner Gemeinde gegenüber. Verstärkt wurde diese Ueberzeuguna durch die wiederholten Besprechungen des Vortragenden mit dem Dezernenten im Ministerium. Obwohl der Letztere der Tätigkeit und dem Verhalten der jüdischen Religionslehrer das allerbeste Zeugnis ausstellte — noch nie ist eine Klage über einen solchen an das Ministerium gelangt — so zeigte er doch nicht die geringste Geneigtheit zu ihren Gunsten einzugreifen, weder nach der rechtlichen noch nach der materiellen Seite hin. Man gewinnt, nebenbei gesagt, den Eindruck, als ob die bayrische Regierung, entgegen ihrer früheren Gepflogenheit, den jüdischen Interessen gegenüber eine etwas unfteundliche Stellung einnehme. Noch unerfreulicher war das Bild von der materiellen Stellung des jüdischen Religionslehrers. Gekennzeichnet wurde sie durch die Tatsache, daß von 119 Lehrern des rechtsrheinischen Bayern nicht weniger als 15 unter 500 Mark Gehalt beziehen, also noch weniger als ungelernte Tablöhner, die ja der untersten Lohnklaffe angehören. Dieser pekuniäre Tiefstand ist ja nichts Neues, obwohl man eigentlich erst aus der Denkschrift die Misere in ihrer ganzen Nacktheit zahlenmäßig erfuhr. Verschärft wird die Lage noch durch das drohende Gespenst des Eingehens vieler Elementarschulen. DerMinisterialreferent hatte als Ausweg die Neuerrichtung jüdischer Volksschulen in den jüdischen Mittel¬ und Großgemeinden bezeichnet, aber leider ist dieser Weg nicht gangbar. Dingselder sprach in München und Nürnberg vor einer zahlreich besuchten Versammlung, um für diesen Plan Propaganda zu machen und holte' sich nach eigenem Geständnis eine glttte Absage. Aehnlich erging es bei den von anderer Seite unternommenen Versuchen in den Mittelgemeinden. Bleibt alsletzter Weg nur die Inanspruchnahme des „Landesvereins", wie sie die Denkschrift in so eingehender und schön begründeter Weise vorschlägt. Der Referent forderte zu lebhafter Mitarbeit auf, damit das gesteckte Ziel auch erreicht werde. Als er geendet hatte, da brach ein Beifallssturm los, wie wir ihn bei Lehrern noch nicht erlebt haben, ein Beifall, als ob Dingselder ihnen die allerangenehmsten Dinge gesagt hätte, als ob das Ziel schon erreicht sei. Und er hatte doch vor jedem Optimismus gewarnt Aber nicht das, was er gesagt, sondern wie er es gesagt hatte, entschied oen Erfolg seines Referats und auch der kühlste Zuhörer mußte sich gestehen: Der Beifall war ein wohlverdienter. In der Debatte trat kaum ein neuer Gedanke zu tage,, es sei denn der Vorschlag des Herrn Seminarlehrer Anfänger-Würzburg, bei der Regierung die Festsetzung des Minimalgehalts auf 1200 Mark zu beantragen. Herr Dr. Kohn- Ansbach wies aber darauf hin, daß dieser Antrag, auch wenn er durchginge, von sehr problematischem Werte sei. Von der gleichen Seite wurde darauf aufmerksam gemacht, daß zwar die meisten Gemeinden in ihrer Opferwilligkeit bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit gehen, daß es aber auch „leistungsunwillige" gebe; ihnen wurde svgar von sehr ruhigen und friedliebenden Männern mit der Boykottierung gedroht. In einer einstimmig angenommenen Resolutton stellte sich die Versammlung auf den Boden der Denkschrift und beauftragte die Verwaltung, bei der demnächst stattfindenden Tagung des Ausschusses des Landesvereins die Interessen des Vereins im Sinne der Denkschrift zu vertreten. So verlief die Konferenz ohne jeden Mißton. Selbst als der Vorsitzende das seltsame Verhalten der Pfälzer Kollegen erwähnte, die unter vollständiger Verkennung ihrer eigenen Interessen bis auf einige rühmliche Ausnahmen nicht einmal die Fragebogen beantwortet hatten und einige Entrüstngsrufe laut würden, schlug die Stimmung sofort um, als darauf hingewiesen wurde, daß man sich durch Einsetzung der -Quote von 7000 Mark als Bedarf für die Pfalz „gerächt" habe. Zum Schluß noch eine kleine Erinnerung. Es war notwendung und nützlich, daß über die äußeren Verhältnisse der Lehrer einmal in aller Ausführlichkeit gesprochen und debattiert wurde,- nur ein von den drückendsten materiellen Sorgen befteiter Lehrerstand kann in Schule nnd Gemeinde Beftiedigendes leisten. Aber unser alter Kassier hat wirklich recht, es heißt auch: •ib&ii

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