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Der Israelit · 1908-07-30 · Heft 31 (30.7.1908) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 31 (30.7.1908)
Date
1908-07-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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fte. Bi. «rite 10. Der Mraüit. 30. Juli 1908 wird diese Thorasatzung nur an Festtagen ausgeübt. Die Herren Lehrer und Schüler des ersten Mischen Gymnasiums, die sich entschloffen, am VabbachGottesdienstabzuhalten, vernichten aber auf denKohanimsegen. Oberrabbiner Kuk '"2 weilt derzeit in Rechowoth, und so hat sein Vertreter Rabbi I. H. Halewi gegen diese Reform protestiert. Me Herrn Lehrer fühlen sich durch diesen Protest sehr geehrt, indem sie daraus schließen, daß ihr soMiges religiöses Verhalten keinen Anstoß erregt. Daß für die jüdische Religion in diesem Mischen Gymnasium, besten Unterrichtssprache die Hebräische ist, kein Plätzchen und kein Stündchen übrig ist, daß Thora und Propheten als historische Schriften bloßköpfig gelehrt und gelernt werden, daß nach Ansicht dieser Panhebräer die jüdische Glaubenslehre überhaupt nur Privatsache der Eltern sei — gegen diesen unerhörten Nihilismus haben die religiösen Führer bisher noch nicht mit aller Seelenkrast öffentlich protestiert. Nicht um Reformen handelt es sich in diesem jüdischen Gymnasium. Es ist -er vollendete Nihilismus auf religiösem Gebiete, wie ihn noch keine europäische Reformgemeinde anerkannt hat, der anf h«ligem Boden zur Herrschaft erhoben wird. Tüvtrri. Alexandrien, 15. Juli. Die Frage der Nachfolge unseres Heimgegangenen geistigen Oberhauptes, Rabbi Elia Hazan, wird bereits eifrig erörtert, und es hat eine Gemeindeversammlung ür dieser Angelegenheit zu Anfang dieses Monats stattgefunden. Die vertretungsweise Besorgung der Rabbinatsgeschäfte ist dem Sekretär des verstorbenen Chacham Baschi einstimmig übertragen worden. Es kommt bei der Wahl vor allen Dingen darauf an, zu verhindern, daß nicht etwa durch westeuropäische Einflüsse die Stelle durch einen zwar modern gebildeten, «cker nicht auf der Höhe talmudischen Wistens «yd religiöser Gewissenhaftigkeit stehenden Kandidaten besetzt werde. Amerika. New-Aork, 10. Juli. Bei keinem Anlasse zeigt es so sich sehr, welchen Einfluß die Juden in Amerika besitzen, als bei der Präsidentenwahl. Die Juden bilden in Amerika keine politische Partei, sind in allen Parteien und Fraktionen zu finden und bemühen sich derjenigen Partei, in welche sie ihre Ueberzeugung geführt hist, nach Möglichkeit nützlich zu sein. Der sprichwörtlich gewordenen Verläßlichkeit des jüdischen Parteimannes ist es zuzuschreiben, daß man . in Amerika, wo man die Parteitreue hoch einzuschätzen weiß, den besonderen Wünschen der Juden Rechnung zu tragen, bestrebt ist. Ein gemeinsamer Wunsch der amerikanischen JudÄr aller Parteirichtungen ist es, daß die schändliche Behandlung jüdischer Reisender in Rußland ein Ende nehme. Die Amerikaner kommen in dieser Forderung den Juden nicht nur aus wahlpoÜtischen Gründen gerne entgegen, sondern hauptsächlich deshalb, weil sie in der unwürdigen Behandlung amerikanischer Juden an der russischen Grenze eine Mißachtung des amerikanischen Paffes und eine Herabwürdigung des auierikanischen Bürgerrechtes erblicken. So hÄden denn sämtliche Parteien, die in den Wahlkampf um die Präfidentenschaft treten, in Ihre «Platform" auch einen Punkt ausgenommen, der sich auf die Abänderung der Behandlung jüdischer Reisender in Rußland bezieht. Am deutlichsten spricht die diesbezügliche Forderung der demokratischen Partei,. deren Präsidenten- Kanditat Bryan ist. Die betreffende Stelle im Wahlprogramm lautet: „Wir verpflichten uns, zu fordern, daß unsere Bürger Zuhause wie im Auslande geschützt werden. Wir verpflichten uns, die gesetzlichen Mittel anzuwenden, durch welche unseren Bürgern ohne Unterschied der Raffe und des Glauoens und ohne Rücksicht darauf, ob sie im Lande geboren oder hier naturalisirt wurden — alle die jenigen Rechte und Privilegien erwirkt werden können, welche ihnen auf Grund unserer Verträge mit anderen Staaten zurommen. Sollten sich einige Staaten weigern, unsere Bürger wegen ihrer Raffe oder Religon hineinzulassen und unsere Päffe anzuerkennen, fordern wir, daß Amerika mit diesen'Staaten sofort in Verhandlungen trete, auf daß sie diese unsere Bürger genau so behandeln, wie jeden anderen amerikanischen Bürger. Wir fordern, daß der amerikanische Paß in den Händen eines amerikanischen Bürgers in der ganzen Welt als Beweis dafür angesehen werde, daß er amerikanischer Bürger ist nnd als solcher auf alle festgesetzten Rechte und Privilegien Anspruch hat." Dr. H. Pereire Men des, Rabbiner der portugiesischen Gemeinde in New-Aork veröffentlicht jetzt in den hiesigen Blättern einen „offenen Brief", durch welchen die eigenartigsten Zustände, die im Mount Sinai Hospital von New-Aork herrschen, bekannt werdend' Der Hauptangriff richtet sich gegen die Leiter des ausschließlich jüdischen Krankenhauses, die ganz offen sich gegen die Koscherbeköstigung der Patienten ausgesprochen haben. Dr. Mendes sandte den Direktoren vor einiger Zeit einen Brief in welchem er darauf hinwies, daß die Patienten sich wiederholt darüber beklagten, daß sie mit Trefe-Speisen gefüttert wurden. Das Hospital, sagt Dr. Mendes, führt einen jüdischen Namen, wurde von Juden für Juden erbaut und die jüdischen Speisegesetze werden dort viel weniger beachtet, als in den christlichen Svitälern, in welchen für die jüdischen Pattenten jüdische Wärter und rituell zubereitete Speisen vorgesehen sind. _ Dr. Mendes verweist schließlich darauf, daß in England selbst in den konfessionell-christlichen Krankenhäuser streng jüdisch geführte Küchen für jüdische Pattenten bestehen. Der offene Brief Dr. Mendes hat in ganz Amerika Aussehen erregt. Es ist tieftraurig und charakteristisch für die jüdischen Verhältnisse im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten, daß solche Proteste erst erhoben werden müssen. vermischter. Frankfurt a. M.. 29. Juli. Herr Stadtrabbiner Kirchenrat Dr. Krön er, Stuttgart, ersucht uns, bekannt zu geben, daß die Firma Feigenheimer in Stuttgart und Wtldbad mit ihrer Fleichwarenfabrtkation schon seit zwei Jahren nicht mehr seiner Aussicht untersteht. Schwavach, 15. Juli. Bon den beiden prämierten Absolventen des hiestgen Progymnafiums war der ieine ein israelitischer Schüler, Zögling des hiestgen Talmud-Thora-Institutes,. Es sei hierbei bemerkt, daß auch im Borjahre einer der beiden prämiierten Schüler ebenfalls ein Talmud-Thora-Zögling war. Ein ehrendes Zeugnis für diese Anstalt sowohl wie ein Beweis für die vorurteilsfreie Denkweise im Rektorat und Lehramt deS Gymnasiums. Diese zeigt fich übrigens auch darin, daß den jüdischen Schülern an jedem ro# gestattet ist, dem Mußaf-GotteSdienste, der naturgemäß in die Unterrichtsstunden fällt, bis strm Schluffe beizuwohnen. Im Stundenplan wird nach Möglichkeit darauf Rückficht genommen, daß den Schülern durch dieses Versäumnis kein Nachteil erwächst. Emde«, 25. Juli. Die anttsemittschen Kund- Sebunaen auf Borkum scheinen jetzt hier auf energischen ötberstanb u stoßen. Wie das ,, Leerer Anzeigeblatt" erfährt, verlangte kürzlich ein Badegast in einem Hotel das „Boxkumlted". Der Letter der Musikkapelle weigerte fich aber, es zu spielen, worauf die Antisemiten einen Mordsspektakel vollführten. Tags darauf wmde dem Badegast bedeutet, eS wäre bester, wenn er die Insel verließe. Früher pflegte man jüdische Kurgäste zum Berlaffen der Insel zu bewegen. Nun sucht man durch umgekehrte Maßnahmen die ausgebliebenen Juden heranzulocken. Hoffentlich ohne Erfolg. Straßburg. 30. Juli. Die „StraßbUUer Post" errinnert daran, daß heute vor hundert Jahren Napoleon I. das Dekret erließ, wonach diejenigen Juda», die keinen festen Namen trugen, binnen drei Monaten einm Familien» namen und einm Bornamen anzunehmen hatten. Diese neuen Namen wurden in bestimmte Register eingetragen^ die jedoch heute zum großen Teil leider aus den Gemeindearchtoen verschwunden find. Haag, 26. Juli. Hier beging ein Herr Arke mit seiner Frau die Feier der goldenen Hochzeit. Kaum war der alte Herr vom Almemor in der Synagoge Wagner st raße, wo er zur Feier des Tages Ehrenfunktilmen verrichtete, nach seinem Platz zurückgekehrt, alSer zusammensank und plötzlich verstarb. Der Vorfall verursachte in der Gemeinde begreifliche Erregung. Budapest, 27. Juli. Eine soeben veröffentlichte amtliche Stattstik weist die folgende prozentuelle Beteiligung der Judm in den öffentlichen Schulen der Haupfftadt Ungarns aus. In den Volksschulen gab es 23 Prozent, Bürgerschulen 55 Proz., Gymnasien 40 Proz., Realschulen 48 Proz., Mädchenschulen 57 Proz., kaufmännische Lehrlingsschulen 58 Proz., an der tterärztlichen Akademie 55 Proz., an der philosophischen Fakultät 21 Proz., an der juridischen 35 Pr.-z., an der medizinischen 51 Proz., an dem Äpothekerkurs 31 Proz. und am Polytechnikum 46 Proz. jüdische Schüler bezw. Hörer. Kiew, 25. Juli. Zufolge des Erlaffes betreffend die Religionsfreiheit in Rußland sind in Kiew allein in den letzten zwei Jahren 61 getaufte Juden wieder zur Religion der Väter zurückgekehrt. In Petersburg und Moskau übersteigt die Zahl der Rückk hrenden die der neuen Taufen bei wettern. Allerdings ist die Rückkehr zumJtidenmm, wenn auch straflos, doch mit der sofortigen Ausweisung aus dem Innern des Landes verbunden, worauf es aber die reuevoll Zurückkehrmdm gern «ckommrn lassen. ..-u Riga, 24. Juli. Hier starb vor. kurzem der bekannte Millionär Berlin, der fich im öffentlichen Leben nicht besonders betätigte und zu Lebzeiten auch nicht als besonderer Philanttop hervortrat. Nun erfährt man nach Eröffnung des Testamentes, daß der Verstorbene nicht weniger als 300 000 Rubel für wohltätige Zwecke hinterlaffen hat, wovon 200 000 Rubel auf öie WohlsahrtSinstitutionen und auf die nach der testamentarischen Bestimmung neu zu schaffenden Anstalten. in Riga entfallen. Der Rest von 100000 Rubel ist für Wohltätigkeitszwecke in anderen Städten Rußlands bestia mt. Warschau, 25. Juli. Nach der neuesten Statistik beläuft fich die Zahl der hiestgen jüdischen Einwohner auf 265122 unter einer Gesamtbevölierang von 764 611 Seelen Das Jahr 10V7 weist insgesamt 21200 Geburten auf, darunter 6628 jüdische. Jerusalem, 15. Juli. Die österreichische Post hat im Stadtviertel Meah-Schearim eine Filiale errichtet ungedruckte Rezeptffe in hebräischer, deutscher und französischer Sprache eingeführt. Auch die Kundmachungen der Hauptpost erscheinen in hebräischer und deutscher Sprache. Die hebräischen Drucksachen find auch mit dem österreichischen Adler geschmückt. Das Hebt ätsche als Umgangssprache findet immer größere Verbreitung Selbst ntchtjüdische Geschäftshäuser tragen hebräische Firmentafeln. Jaffa, 15. Juli. Ein armer Schneider aus Schedlitz hat hier in den W.llen seinen grausamen Tod gefunden. Erst nach zwei Tagen fand man seinen Leichnam^ Bloß der Kopf war intakt geblieben. Der Verunglückte hinterläßt eine Witwe mit 6 unmündigen Waisen, die der Unterstützung edler Glaubensbrüder wärmstens empfohlen werden. veleinrmren. München, 23. Juli. Leider komme ich erst heute däzu, Ihnen von' der Jubiläumsfeier zum' Gedächtnis Samson Raphael Hirfch's in München zu berichten. Ueber die Veranstaltung der „Bereinigung jüdischer Akademiker" haben Sie bereits ein Referat gebracht. Offiziell wurde des festlichen Tages in der orthodoxen Synagoge durch eine Festpredigt des Herrn Rabbiner Dr. Ehrentreu gedacht. Der Redner gab in seiner schlichten, von jeder Phrase und jedem Ueberschwung freien Art unü Weise ein eindrucksvolles Bild von der überragenden Größe des Meisters, dessen wissenschaftliche und praktische Leistungen für die Wieoererweckung des gefetzestreuen Judentums heute von der Gesamtheit in dankbarer Verehrung gewürdigt werden. Die Rede machte allgemein ttefcn Eindruck. Burgkundstadt, 21. Juli. Auch unsere Gemeinde hatte eine Hirschfeier. An einem der letzten Sabbathe nahm Herr Dr. Goitein die Gelegenheit wahr, das Ain. denken S. R. Hirschs zu feiern. Er gab unS entreffliches Bll) seines Lebens uüd Wirkens und zeichnete ihm als einen unermüdlichen Kämpfer der Thora, als einen mit dm seltensten und schärfsten Setstesgaven ausgerüsteten Verfechter unseres ttaditonellen Judentums. Herr Dr. Gottein legte es hauptsächlich der Jugend dringendst ans Herz, sich S. R. Hirsch zum Borbtlde zu nehmen und fich mit dessen Werken recht vertraut zu machen. Haiusfurtb (Schwaben), 26. Juli. Einer Anregung unseres Rabbiners, des Herrn Dr. Mannes in Schwabach, der am letzten Sabbath unsere Gemeinde mit. einer Anwesenheit beehrte, folgend, wurde auch hier, wie n zahlreichen anderen Ortschaften Bayerns, die Grüdung. einer Ortsgruppe des „BervandeS der Sabbathfreunde*

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