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Der Israelit · 1908-07-30 · Heft 31 (30.7.1908) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 31 (30.7.1908)
Date
1908-07-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Nr. 31. Der Israelit. 30. J«lt 1908. als in der bisherigen Weise das Studium der Thora durch Unterstützung ihrer Lehrftätten zu pflegen und die Aneignung allgemeiner Bildung wie bisher privatim zu betreiben, alle anderen Maßnahmen aber so lange zurückzustellen, bis der allmächtige Lenker der Zeiten auch uns wieder geordnete ruhige Verhältnisse beschieden hat, welche die erste Bedingung eines friedlichen ersprießlichen Aufbaues sind. LS»*. orrespondenzen und Machrichten. Detttsttzr» KeUH. Berlin, 26. Jul'. Als nach den Oktober- Pogromen vom Hilfsverein der deutschen Juden und von der „Großloge für Deutschland" die unglücklichen Kinder, die infolge der Pogrome verwaistwaren, zur Versorgung übernommen wurden, mußten 27 Waisen aus den verschiedensten Gründen in Odessa Zurückbleiben. Nunmehr sind auch diese Kinder nach Vereinbarung des Hilsvereins der deutschen Juden mit dem Ruffo Jewish Committee in London und der Großloge für Deutschland versorgt worden. Zehn der Kinder sind vor mehreren Wochen bereits nach Ameri a befördert worden und 17 trafen am Mittwoch, den 22. Juni in Berlin ein. Zehn Knaben und sieben Mädchen im Alter von 3 — 11 Jahren — nur ein Knabe ist 15 Jahre alt — kamen in direkter Fahrt aus Odessa über Alexandrowo auf dem Bahnhof Friedrichsstraße hier an. Zwei russische Damen führten die kleine Karawane. Die Kinder sind samt und sonders elternlosentweder haben sie bei den russischen Maflacres beide Eltern verloren oder sie hatten nur noch Mutter oder Vater zur Zeit der Pogrome und diese letzte Stütze ist ihnen alsdann durch Mord entrissen worden. Von einem Mädchen lebt freilich noch die Mutter. Sie ist aber infolge des. Pogromes wahnsinnig geworden. Nett gekleidet und gut aussehend, — ein Zeichen der trefflichen Fürsorge des Odeffaer Comitees, an dessen Spitze Frau Dr. Lubow Driso steht — kamen die Kinder in Berlin an. Sie wurden in Empfang genommen von den Vertretern des Hilfsvereins der deutschen Juden und der Großloge für Deutschland. Nachdem die kleine Schar im Büro des Hilfsvereins der worden war, wurden deutschen Judeu gespeist die Kinder nach der anstrengenden Fahrt, die sie alle gut überstanden hatten, in ihre Quatiere gebracht. BRhrend des mehrtägigen Aufent-? altes in Berlin, der nötig wurde, um die perönlichen Angelegenheiten der Kinder, ihre Papiere etc. in Ordnung zu bringen, nahmen, sich die Vertreter des Hifsvereins und der Großloge namentlich die Herren Geheimrat Maretzn, Siegmund, Berget und D. Wolf der Kinder in der liebevolsten Weise an. Am Montag Abend reisten 5 Kinder in Begleitung nach Brüssel, wo dank der Bemühungen des Herrn Konsuls Franz Philippson für die Erziehung der Kinder in bester Weise Vorsorge getroffen ist. Auch für die übrigen Kinder hat der Hilfsverein und die Großloge gute Pflegestellen besorgt, und es ist zu erwarten, daß alle diese Kinder ebenso wie die Waisenkinder, die vor 2 Jahren übernommen wurden, sich in bester Weise entwickeln werden, und d iß ihnen nach den trüben Ta,en eine heitere Zukunft beschieden sein wird. Karlsruhe, 21. Juli. Herr Rechtsanwalt Dr. Leopold Friedberg, Sohn des verstorbenen Synodalpräsidenten Dr. Friedberg, ist zum Gehülfen des Geheimrats Mayer bei der Führung, der Oberratsgeschäfte ernannt worden. Die frt* ein Hamburger Blatt lancierte offiziöse Notiz, Herr Dr. Friedberg sei „allen Richtungen" genehm, läßt darauf schließen, daß Herr Dr. Mayer seinem jungen „Gehülfen" die Nachfolge Rosins zugedacht hat. Näheres bleibt abzuwarten. (Befkevveidj* Wien, 20. Juli. Am 29. Juni 1908 ist auf Bemühen des Präsidenten der Kultusgemeinde in Essek, Herrn Dr. Hugo Spitzer, ein Verband der jüdischen Kultusgemeinden in Kroatien und Slavonien gegründet worden. Die konstituirende Versammlung fand am 29. Juni in Agram statt, in Anwesenheit von Delegierten fast sämtlicher Gemeinden Kroatiens-Slavoniens Die Gründung des Verbandes wurde nach einem groß angelegten Referate Dr. Spitzers einstimmig beschloffen. Nach dem beschlossenen Programm soll der Verband als Zentralstelle der gesamten Judenheit im Königreiche Kroatien und Slavonien fungieren und die Interessen der einzelnen jüdischen Kultusgemeinden fördern und vertreten. Der Verband will ferner auf geeignetem Wege die Anerkennung von seiten der Kgl. kroat.- slav.-dalm. Landes - Regierung erwirken und das Recht, den amtlichen Verkehr zwischen der Kgl. Landesregierung und den einzelnen Kultusgemeinden zu vermitteln, Gutachten über sämtliche das hierländjsche Judentum betreffenden Gesetzentwürfe, Verordnungen und Erlaffe der Behörden abzuaeben, Anträge zu stellen und sowohl einzelne jüdische Gemeinden als auch einzelne Juden vor den Verwaltungsbehörden in allen auf die Zugehörigkeit des Betreffenden zum Judentum oder zu einer jüdischen Gemeinde bezüglichen Fällen zu vertreten. Der Verband will diesen Zwei durch Reorganisation der jüdischen Kultusgemeinden erreichen und dadurch, daß er die Erteilung des jüdischen Religionsunterricht regelt. Jedoch soll er in religiösen Fragen nur,,beratend"(?) eingreifen. Der Verband soll des ferner« Institutionen zur Versorgung der Gemeindebeamten und ihrer Hinterbliebenen, ' Anstalten für die Krankenpflege, Waisenerziehung und Armenversorgung, sowie zur Hebung der Bildung unter den Juden und der Erziehung der jüdischen Jugend für Gewerbe, Landwirtschaft und technische Industrie schaffen resp. unterstützen. Auch soll der Verband leistungsschwache Gemeinden unterstützen und bei Streitigkeiten als Schiedsgericht fungieren. Man sieht, daß man bei Aufstellung des Programmes mit wortreichen Verheißungen gerade nicht gekargt hat. Hoffentlich läßt sich auch ein Teil derselben zum Nutzen und Frommen der verbündeten Gemeinden ausführen. Voraussetzung ist jedoch vor allem, daß der Verband weder in die inneren Angelegenheiten der Gemeinden eingreift, noch sonst in irgend einer Weise sich als obere Religionsbehörde aufspielt. Rußland. Petersburg, 28. Juli. Seit Jahren ist man hier daran, die im ganzen Reiche zerstreuten jüdischen Privatlehrer in einer Organisatton zu vereinigen. Es handelt sich, was von vorneweg bemerkt sei, weder um die Melamdim noch um die an staatlichen Schulen angeftellten Lehrer, sondern um die modernen hebräischen Privatlehrer und Inhaber der sogenannten dvwvd o'i-iti, die jetzt in jeder Stadt wie die Pilze aus der Erde schießen und das Erbe des alten Cheder, der Pflegestätte für Thora und Talmud anzutteten suchen. Man braucht nicht gerade bildungsfeindlich zu sein, um die Hohlheit eines Teiles dieser reformierten Chederschulen zu erkennen. Wird doch oft genug selbst in der linksstehenden, hebräischen Presse über, diese neuen Schulen, die' mit einigen Ausnahmen von ungeeigneten Elementen geleitet, weder Thora noch prüf a n e Wissen verbreiten, Klage geführt nnd unums wunden zugegeben, daß sie nur einen schlechten Ersatz für den alten Cheder, bei all den Mängeln, die dem letzteren noch anhaften, bieten. Die Organisation dieser Lehrer ist nun dennoch zuftandegekommen und hat auch dieser Tage idie obrigkeitliche Bestätigung erhalten. Der neue Lehrerverband hat einen Ausschuß von fünf Mitgliedern und ist ermächtigt, Ortslehrervereine im ganzen Rayon zu bilden, Schulen zu eröffnen, Fortbildungskurse einzurichten, Fachzeitungen und pädagogische Schriften herauszugeben, Bibliotheken und Lesehallen zu eröffnen,' Versammlungen zum Zwecke der Volksbildung oder Geselligkeit einzuberufen und Delegiertenkonferenzen abzuhalten. Solche Machtbefugnisse bedeuten für unsere Verhältnisse sehr viel und sind nicht zu unterschätzen. Sie können ,ungeheueren Segen stiften, sie können auch Unheil anrichten, je nachdem, wie sie angewendet und gehanohabt werden. Die Hoffnungen nach dieser Richtung sind zwar, wenn man die Initiatoren und die gegenwärtigen Leiter des Verbandes in Betracht zieht, nicht gerade rosig. Doch ist auch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß es anders kommt, sobald es die Reform-Melamdim eingesehen, daß sie mit der ihnen erteilten Macht nichts anzufangen wissen. Die weiten Schichten der russischen Judenheit haben kein Vertrauen zu den neuen modernisierten D'*Hn. Und alle Anerkennungen und Bestätigungen seitens der Behörde weroen den Verband nicht zu halten vermögen, so lange die Volkssouveränität der russischen Judenheit ihm die Anerkennung und die Mittel versagt. Sie wird aber mit Freuden ihn, wie die von ihm gegründeten und geleiteten Schulen und Anstalten als die ihrigen anerkennen, sobald sie in den Männern, die an der Spitze stehen, ihre Vertrauensmänner erkennt, die das ernste und ehrliche Bestreben haben, kraft ihrer weitgehenden Mandate die Bolkserziehung nach dem Grundsätze von "p*i ny min zu organisieren. Noch ist es Zeit und noch ist die Hoffnung auf eine solche Wendung der Dinge nicht gänzlich ausgeschlossen. Soho[on> in DJilna. Wilna, 26. Juli. Vom Besuche des Herrn Wolffsohn in unserer Gemeinde habe ich Ihnen bereits mitgeteilt. Der Eindruck der Reden und Ansprachen, die zu Ehren der liebwerten Gäste gehalten wurden, wären jedenfalls von des Tages Mühen und Sorgen längst verwischt, wenn nicht das Bankett einen etwas bitteren Nachgeschmack hinterlassen hätte, der nachwirkt und erst jetzt, nachdem er sich durch die Presse auch auf die nicht Beteiligten übertragen, so recht empfunden wird. Als Mentor und Dolmetscher des Herrn Wolffsohn war nämlich auch Herr Sokolow hier anwesendein Dolmetscher der Gefühle seines Präsidenten war der Herr der „Welt" keineswegs. Denn während Herr Wolffsohn schlicht und einfach mit herzgewinnenden Worten das gut jüdische Element in der russischen Judenheit lobte, bescheidener Weise die ihm zuaedachte Rolle eines Protektors oder Erlösers der russischen Juden ablehnte und seine Liebe und Zugehörigkeit zu den russischen Brüdern wiederholt warm und ehrlich beteuerte, hielt es Herr Sokolow für gut, bei dieser Gelegenheit der alten Gemeinde Wilna eine Lektion zu erteilen und eine neue Offenbarung zu eröffnen. Herr Sokolow sprach ein reines Hoolam-Hebräisch — und wenn Herr Sokolow Hebräisch spricht oder schreibt, da nimmt er es bekanntlich mit der Diplomatie nicht gar so genau und läßt dem in der deutschen Umgebung oft mit Mühe zurückgedrängten Redestrom freien Lauf. Herr Sokolow erzählte von den Beobachtungen, die er auf seinen Weltreisen machte, und nach einigen historischen Reflexionen sagte er wörtlich: „Wlr befinden uns nun im „littauischen Jerusalem" und erlaube ich mir zu fragen:- Verdient die Stadt noch' diesen Ehrennamen? mm S> tai T du ra wc Hi wc dir pi H> Bl m B av dr ge tif •eti 21 D ak de

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