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Der Israelit · 1908-07-30 · Heft 31 (30.7.1908) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 31 (30.7.1908)
Date
1908-07-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 31. Sette 7. 30. Juli 1908. , müssen jeden von der Unmöglichkeit überzeugen, in Rußland gegenwärtig Unterrichtsanstalten zu gründen, in welchen Thora und allgemeines Wissen gepflegt wird und zwar aus den zwei hier angesührten Gründen. Erstens im Hinblick auf die Regierung und zweitens wegen des inneren religiösen Verfalles und der Terrorisierung mit welcher die Bannerträger dieses religiösen Nihilismus jede Regung der Gesetzestreuen seit nun 70 Jahren im Keime ersticken. Die Maßnahmen der Regierung zeigen in allerjüngster Zeit zwar einige schwache Lichtpunkte, die sich in allerdings nicht absehbarer Zeit noch verstärken können und so die Hoffnung nicht ausschließen, es könne auch den Juden Rußlands einmal das Maß von Freiheit und Selbstständigkeit bewilligt werden, das sie unabhängig von der Willkür kurzsichtiger, engherziger Beamten macht. Viel drohender und verhängnisvoller ist dagegen der innere Verfall, der seit sieben Dezennien von Tag zu Tag zunimmt. Wie seine Wortführer trotz aller verletzenden Zurückweisung der vollständigen Assimilation zusteuern, wie sie jede jüdische Regung lahm legen, wie sie die breitesten Volksschichten vergiften und ihr eigenes Heiligtum bei der Regierung verleumden und verdächtigen, wie diesem Jammer abgeholfen werden soll, dafür gibt es, so weit Menschenaugen sehen können, kein Heilmittel, hier kann lediglich Gottes Erbarmen die rettende Hilfe bringen, die Menschen nur sehnsüchtig erhoffen können. Diese ernste Sachlage nötigt den Gesetzestreuen Rußlands einen heißen, doppelten Kampf, nach innen und nach außen auf. Wie verschiedene Länder hinsichtlich des Klimas, so sind sie auch in der Pflege ihrer geistigen Güter verschieden. Man kann in einem nordischen Klima keine Tropengewächse erzeugen, wenn man nicht ganz besonders komplizierte Veranstaltungen dieserhalb trifft. So kann man auch nicht ohne weiteres von einem Land auf das andere schließen und z. für Rußland Anstalten, in welchen Thora und allgemeines Wissen gelehrt wird, deshalb verlangen, weil es in Deutschland auch geschieht. Eines schickt sich nicht für alle. Die geschilderten ungünstigen Berhältniffe machen es für Rußland zurzeit unmöglich. Uebrigens sind die Pflege der Kultur und die Aneignung allgemeiner Kenntnisse im jüdischen Rußland nicht so verwaist, wie man vielleicht in Deutschland vielfach glauben mag. Die Frage, ob das^ Studium des modernen Wissens und die Aneignung europäischer Kultur statthaft, wünschenswert und notwendig ist7 diese Frage, die vor 5O Jahren eine der brennendsten war, hat heute längst aufgehört eine Frage zu sein. Sie fromme Distriktsrabbiner Tr. S. als Leumundszeuge bezüglich dieses Punktes geladen. Seine Zeugnisabgabe gestaltete sich zu einem mähren CVA ttMlp. — Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte das zahlreiche Auditorium seinen überzeugenden Worten. Er entwarf ein eindrucksvolles Bild von der Ehrenhaftigkeit des B.; speziell bezügl. der religiösen Gesinnung wies er nach, daß es absolut ausgeschlossen sei, daß B. am Sabbath fahre; desgleichen dürfe es schonmit Rücksicht auf das Geschäftsrnteresse des auf das religiöse Vertrauen feiner Kunden und Rabbiners angewiesenen Metzgers als ausgeschlossen gelten, daß er am Sabbath schreibe. In der Tat bezeugte auch ein christlicher Gerichtsbeamter, daß er niemals am Sabbath von B. eine -Unterschrift erhalten habe. Als der Zeuge geendet, da atmet: alles wie befreit auf, da wußte man, der Angeklagte werde, wie er jetzt schon moralisch rein dastehe, auch vom Richtertischc einen Freispruch erlangen. Was wollte es noch besagen, daß di: Schreibsachverständigen sich des längeren über den Haken des u und die Schleife des r «. dergl. m:hr verbreiteten, man hatte die Ueberzeugung, der weitere Gang sei' nur reine Form, die eingehalten werden müsse, in der Tat ist die Verhandlung zu Ende und mit einem glänzenden Freispruch seitens des Gerichtshofes endete dann auch die Sitzung. nanp a np-ra wn vvvv now 'n "id# na 2i : nibjrb Tpnsi 10b twm nwjto it tdwi i^riD rav iov na pw dth _ a. .jn ia (Deutsche tut» Jude« im russische« Polen.) George Cleirrow, der bekannte reichsdeutsche Publizist, der seit einer Reihe von Jahren in Petersburg lebt und das Studium des russischen und pol- '_Der Israelit. _. ist längst praktisch entschieden. Die Heranwachsende jüdische Jugend sucht sich fast allenthalben ein gewisses Maß allgemeiner Kenntnisse und modernen Wissens anzueignen auch in denjenigen Kreisen, die mit ungebrochener Treue an Thora und Mizwos festhalten. Aber man treibt diese Studien privatim, durch fachmännisch gebildete Hauslehrer, da es eben keine Schufen geben kann, die jüdische und allgemeine Bildung harmonisch vereinigen. Diese Bestrebungen werden wie bisher ihren Weg gehen und ihr Ziel auch ohne spezielle Veranstaltung und Unterstützung erreichen. Die große Frage, welche die Gesetzestreuen Rußlands heute beschäftigt, gilt der schweren Sorge, wie das Judentum, wie unsere heilige Thora in unserer alles Bestehende wegschwemmenden Zeit zu erhalten sei, damit sie unverkürzt den folgenden Geschlechtern weiter gegeben werde. Das ist bei allen wirklich Gottesfürchtigen der Gegenstand ihrer unablässigen Erwägung. Viel, unsäglich viel Thora und Gottesfurcht hat der reißende Strudel der erregten jüngsten Jahre bereits fortgerissen. Gelingt es, die Thora zu erhalten, diese Säule zu festigen, daß sie nicht durch die Brandung der Zeiten ins Schwanken kommt, dann ist auch zu hoffen, daß die wahre veredelnde Bildung Hand in Hand mit der jüdischen mit der Zeit ihre erwünschte, gebührende Würdigung und Verbreitung finden werde. Die bisherige Schilderung, welche an der Hand der ganzen geschichtlichen Entwickelung der letzten 60 Jahre nachzuweisen versucht, daß. eine Vereinigung von Thora und allgemeiner Bildung in besonders dafür zu gründenten Lehranstalten, so berechtigt, so wünschenswert und notwendig sie auch sein mag, zurzeit aus äußeren Rücksichten tatsächlich unmöglich ist, gibt die Auffassung wieder, die das Gros der maßgebenden Gemeinden und ihrer Führer vertritt. Daß bei den Millionen, aus welchen sich die russische Judenheit zusammensetzt, auch noch andere Strömungen sich geltend machen, ist so selbstverständlich, daß es nicht erst gesagt zu werden braucht. Es gibt wie im politischen, so auch im religiösen Leben, Richtungen, die sich für Ziele und Zwecke begeistern, trotz der Tatsachen, die sich ihrer Verwirklichung entgegenstellen. Auch in unserem Falle fehlt es nicht an extremen Bestrebungen, welche der allgemeinen Bildung mit Dreingabe der Thora, das Wort reden und ebensowenig an solchen, die nur für Talmud-Thora einstehen und noch heute jede Aneignung profanen Wissens abweisen. Zwischen diesen Extremen bewegt sich die Richtung, deren Standpunkt die bisherige Darstellung zu schildern versuchte. Diese Stellung zwischen zwei so schroffen Gegensätzen bringt ihr von beiden Seiten viel nischen Lebens zu seiner Aufgabe gemacht hat, schreibt in seinem soeben veröffentlichten ersten Band „Die Zukunft Polens" u. a.: „Es bleibt uns noch, von den Deutschen und Juden zu sprechen. Beide Nationalitäten haben ausgesprochene Züge gemeinsam. Sie sind auf allen Gebieten der sozialen Arbeit tüchtig. Es ist eine Tatsache, daß viele Deutsch: der Polenisierung verfallen, was bei den Juden nicht der Fall ist. Letztere haben zwar eine höchst entwickelte Anpassungsgabe, aber Rassenbewußtsein und Glaubensbekenntnis schützen sie vor völliger Assimilierung. Beide Nationalitäten haben der polnischen Gesellschaft das übermittelt, was ihr am meiste»! fehlt: organisatorische Kräfte, Disziplin. Die Bevölkerung des Königreichs Polen betrug 1862 etwa 4,972,000 Seelen. Von dieser Zahl waren 76,2 v. H. oder 3,789,250 Slaven (Polen und Russen), 6,2 v. H. oder 259,000 Litauer, 12,8 v. H. oder 640,330 Juden und 5,6 v. H. oder 281,980 Deutsche. Die Volkszählung von 1897 ergab 78,5 v. H. oder 7,387,000 Slaven, nämlich . 6,755,500 Polen, 631,440 Russen, ferner 3,2 v. H. oder 305,330 Litauer, 13,5 v. H. oder 1,267,200 Juden und 4,3 v. H. oder 470,270 Deutsche. Somit habm in diesen 35 Jahren die Slaven, speziell die Polen sich perdoppelt und diese Verdoppelung hat auch das Judentum aufzuweisen." (Bienenzucht «nv H-nisPr-Vnttion in der tttfeL) Bienenzucht und Honigproduktion waren bei den Juden sehr verbreitet. In der Mbel wird oft „wilder Honig" mir» genannt. Eine solche Bezeichnung erlmrbt gewiß den Schluß, daß man neben den wilden Feld-, Wald- und Wiesenbienen auch zahme Hausbienen kannte. Die Wüstenbienen mußten freilich oft mit recht sonderbaren Dingen als Wohnung vorlieb nahmen; Richter 14,8 wirb eitzählt, daß ein Verkennung und Anfeindung ein, die oft das geringe Maß von Aktionssreiheit noch vermindert und zeitweise ganz lahmlegt. Es hat nicht an Bemühungen gefehlt trotz dieser Ungunst der Verhältnisse alles zu versuchen, was eine Wendung zum Besseren herbeisühren könnte und fehlt auch yeute nicht daran. Aber die unüberwindlichen Hindernisse ersticken jede Bewegung schon im Keime. Der Verband „Kneses Israel" gehört zu diesen gutgemeinten Bestrebungen, bei denen aber leider kein praktischer Erfolg vorauszusetzen ist. Auch nach unserer ausführlichen Darstellung aller einschlägigen Berhältniffe dürfte man sich nur schwer einen Begriff von den unüberwindlichen Schwierigkeiten machen, die sich im heutigen Rußland nur dem bloßem Zusammenfinden von treuen Anhängern des überlieferten historischen Judeneums entgegenstellen. Bor etwa 6 Jahren haben sich etwa 80 Rabbiner ^sammengefunden, um vereint über Mittel und Wege zur Erhaltung und Förderung des Judentums in ihrem Kreise zu beraten. Sie erhielten die von der Regierung erbetene Genehmigung eine Versammlung einzuberufen, die dann zur Gründung eines Vereins führen sollte. Sie waren eben in Grodno zusammengetreten als acht Mordgesellen in die Versammlung eindrangen und alle niederzumorden drohten, wenn sie nicht sofort auseinandergehen. Was blieb den Versammelten, die meistens aus Greisen, Gelehtten und jedenfalls aus Männern bestanden, die unbewaffnet und wehrlos waren, was blieb ihnen übrig, als sich diesem brutalen Terrorismus zu fügen? Die eingedrungenen Mördex waren Sozialisten und Anarchisten, die wußten, daß hier nur regierungstteue Männer versammelt waren und die (mit Recht oder Unrecht) von dieser Versammlung unliebsame Konsequenzen für ihre Partei fürchteten. Dieses eine Vorkommnis zeigt, daß man nicht vor Mord und Totschlag zurückschreckte, um Versammlungen mit unfern Radikalen mißliebigen Tendenzen zu sprengen und zeigte ferner, welcher Mut dazu gehört auch nur sich blos zu einer solchen Versammlung einzufinden' Nach dem Programm und der ganzen Tendenz des Verbandes „Kneses Israel" dürfte er von dieser Seite allerdings weniger zu befürchten haben. Aber es fehlt auch auf der anderen Seite nicht an fanatischem Terrorismus, der eben so wenig wählerisch in seinen Mitteln ist und schon heute den ganzen Verband so gut wie lahmgelegt hat. Unter diesen Umständen bleibt den um die Zukunft des Judentums innerhalb der russischen Judenheit redlich Besorgten zurzeit nichts übrig, Schwarm seine Waben sogar in dem Skelett des von Simson erwürgten Löwen gebaut hatte. Besonders gern scheinen dre Schwärme in Felsspalten sich niedergelassen zu haben, vergleiche Psalm 81,17: V21 „Und ich würde dick mit dem Honig ans dem Felsen sättigen". Wenn dann die Sonne allzu heiß auf das Gestein niederschien, brachen wohl hie und da die allerdings noch nicht gedrahteten Waben zusammen und der Hoing floß heraus. 1. Samuel 14,25: „Es war aber Honig aus dem Erdboden. Und als das Volk hineinkam in den Wald, siebe da floß der Honig." Wer dächte dabei nicht an die Bezeichnung Palästinas als des Landes, „da Milch und Honig fließt." Man behauptet allerdings in neuerer Zeit (so Schneller in seinem Buche „Kennst du das Land?") es handele sich bei dieser die Fruchtbarkeit Kanaans preisenden Redewendung nicht um Bienenhonig, sondern um — Kunsthonig! Unbestreitbar ist, daß, wie Fürst (Hebräisches und chaldäisches Handwörterbuch) nackweist, die Juden mit „debafch", gerade wie die Deutschen mit „Honig", zweierlei Dinge bezeichneten, einmal eben das Erzeugnis der Bienen, dann aber auch den aus Weintrauben bis zur Dicke des Syrups eingekochten Most, mit dem ein schwunghafter Handel getrieben wurde. Wenn z. B. die Söhne Jakobs (1. Mose 43, 11) Joseph in Aegypten Geschenke „von des Landes besten Früchten" nntbringen, nämlich außer Balsam, Würze, Myrrhe, Datteln und Mandeln, auch „debafch", so werden wir nicht an Naturhonig, sondern an jenen Kunsthonig zu denken haben, der heute noch ein Hauptarttkel der Ausfuhr aus Hebron und Aegypten ist und von den Arabern „MM" genannt wird.

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