Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1908)
- Date
- 1908-07-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449298-2449329--64727-2507330- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
WWWUW^G, «t 30 «eite 10 Set IDAWüU. 88. Juli 1906 „Ganz gewiß aber wird diese Intoleranz nach meiner Überzeugung niemals vom amerikanischen Äolk anerkannt oder von einer Regierung berSck^ichtigt werden, die die Gefühle des amerikanischen Volkes repräsentiert." Zwei Jahre später ernannte Cleveland auf Befürwrtung von Karl Schurz den jetztigen amerikanischen Handelsminister Oskar Straus zum amerikanischen Gesandten in Konstantinopel. Auch nachdem Cleveland in das Privatleben zurückgetreien war, trat er wiederholt für die Jubelt ein. Auf dem in New-Iork abgehaltenen Entrüstungsmeeting aus Anlaß der Kischinewer Greuel sagte Cleveland u. a.: . . . „Möge das Volk der Vereinigten Staaten in jevem Teil des Landes sich in solchen Versammlungen wie diese zusammentun und ftrchtlos der zivilisierten Welt erklären, daß es argen jede vermeintliche Zivilisation protestiere, me mittelalterliche Verfolgungen gestattet, gegen jrbe falsche Aufklärung, die Haß und Grausamkeit gegen irgendeine Menschenrasse verteidigt und gegen jede Art von Regierung, die irgendein Menschliches Wesen des Rechtes beraubt, in Sicherheit zu leben und in Frieden zu arbeiten." Auch bei der Feier des 250jährigen Jubiläums der jüdischen Anfiedlung in den Bereinigten Staaten war Cleveland einer der Hauptredner, M die Gelegenheit benutzte, anzuerkennen, daß die Duldung und Gleichberechtigung, die den Juden in den Vereinigten Staaten zugestanden worden find, reichlich dem Lande vergolten worden seien. , Bemerkt sei noch, daß Cleveland im Jahre 1897 durch sein Veto die in der Haupsache «gen die jüdischen Einwanderer gerichtete Vorlage gtt Falle gebracht hat, nach welcher die Einwanderer einer Bildungsprüfung unterworfen werden sollten. Es gehörte viel Mut und Ueberzeugungstreue zu einem solchen Schritt: denn der Entwurf war im Repräsentantenhause mit 195 «gen 16 und im Senate mit 52 gegen 10 Stimmen angenommen worden. Die Begründung seines Vetos war so meisterhaft, daß seitdem ein ähnlicher Vorschlag keine Aussicht auf Erfolg hat. Uerni$cftte$. Berlin, 22. Juli. Nachstehendes Vorkommnis, deffen Wahrheit verbmut wirb, ist als ein Symptom der VMMione» in VlaUbenssachen aus gewissen «reisen Berlins festzunageln. Herr L. Fr. sehm fich nach dem Titel eines Kommerzienrats und sucht hierfür bei dm Maßgebenden Kreisen «nklang zu schaffen. Dies gelingt - auch — ein jüdischer Kommerzienrat, der zugleich »lted der Repräsentanz der jüdischen Gemeinde ist, von der Behörde eine vertrauliche Anfrage, infolge derm er Herrn Fr. etnlädt, um von ihm näheres über «ewe Personalien und Qualifikation zu vernehmen. Nachdem bieS geschehen, bemerkt Fr. noch schließlich, daß er «kurst sei. DieS wird Ihre Angelegenheit weder be- «ebern, noch hindern, bemerkt der Kommerzienrat. Aber, fügte er hinzu, wie kommt eS denn, daß wir uns noch «nutzten BerjöhnungStage in der Synagoge Lützowstraße Nebeneinander befanden, Sie sogar mit dem wetßsetömen Süppchen auf dem Kopfe? Ja, antwortete Fr, dies leiste ich mir noch alle Jahre, wenn ich auch getauft bin/ „So — dann werde ich dafür sorgen, baß an Sie kein Shnazenplatz mehr vermietet werde", schloß die ganze Unterjerlin, 20. Jnlt. Der Htlfsverein der Deutschen Juden hat gemeinsam mit dem Frankfurter Komitee 10000 Mk. zur Verfügung gestellt, um den Geschädigten w einer Reche von russtschen Städten zu helfen, die in der l.tztm Zeit durch schwere Brände heimgesucht worden swd. Außerdem hat der Htlfsverein dem Chacham Bafchi van Jerusalem telegraphisch 400 Fr. überwiesen zur Linderung der Not der au« Urfa stammenden jüdischen Ktten in Jerusalem, die ebenfalls von einer schweren dkatastrophe heimgesucht worden find. Berlin,!S. Juli- In der Altersversorgungsanftalt der hiestgen jüdischen Gemeinde ist am Freitag Fräulein Friederike Wolfs'im Alter von 107 Jahren gemnben. Glogn«, IS. Juli. Graf Pückler-Kl.-Tschirne tft vom Glogauer Amtsgericht entmündigt worden. Den zu dem Verfahren hatte die Staatsanwaltschaft «stellt. DaS Bericht kam zu dem EntmündtgungSdefthluffe, weit Graf Pückler geisteskrank fei und ihm die Mhigkett abgehe, sein Vermögen zu verwalten und vermögenSrechtliche Angüegenhetten zu erledigen. Schade nur um die an diesem Manne seiten« der Abwehrvereine vergeudete Verteidigungskraft. Liffa, 15. Juli. Die jüdische Bevölkerung unserer Stadt ist in steter Abnahme begriffen und beträgt zurzeit »twa 980 Seelen. Im Jahre 1840 waren eS noch 4300 Bafel, 31-Juli. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde har den Bau deS neues GemeindehameS nunmehr bNn Baumeister Wergeben, und ihm treck erheoltcher Mehrkosten die Berpslichtung auferlegt, an Sabbathen und an den jüdischen Feiertagen dm Bäu rühm zu lassen. WaefchiM, 20. Juli. ES pergeht kein Tag, der nicht vom Rayon die HiobSpöst irgend eines größeren ober kleineren Schadenfeuers bringt. Vorige Woche wurde das Stäbchen G r a b o w i tz bet Lublin fast vollständig etngeäfchert. Auch sämtliche Synagogen und Klausen mitsamt den heiligen Utensilien wurde ein Raub der Flammen. 400 jüdische Famllten find obdachlos. Auch vier Menschenleben find zu beklagen. — Einige Tage darauf richtete eine FeuerSbrunst in Kobrin erheblichen Schabm an und forderte ein Menschenlebm. — Soeben läuft Bericht aus Wochanowka bet Berbitschew ein, daß das ganze Städtchen in Flammen steht. Fast überall a>elt es fich um Brandstiftung. Die Unterstützungstees im Lande find machtlos, dem Elende gegenüberzutreten und auf Htlfsakttonen vom Auslände angewiesen. London, 18. Juli. In Montrael (Kanada) hat die Boltzeidtrektton beschloffm, um Uevelständen abzustellen, die fich im Verkehr mit den jüdischen Einwanderern dadurch ergaben,, daß die Polizisten mit der Sprache und mtt den Sittm der ersteren nicht vertraut find, mehrere jüdische Pvlizetbeamte anzustellen. Bochum, 15. Juli. Der Zentral-Armen-Berband der Synagogengemeinden Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Geisenkirchen, Hagen, Hamm, Hoerd:, Mülheim-Ruhr, Steele, Ruhrort, Wattenscheid .rnv Witten hielt hi;r seine 27. Generalversammlung ab, auf der die genannten Gemeinden zahlreich vertreten waren. Der Vorsitzende des Vorortes Herr Bankier Schüler begrüßte die Erschienenen mit herzlichen Worten. Ueber das H i l f s w c r k für die russischen Rückwanderer hatte Liebenseld-Bochum das Referat übernommen und gab der Versammlung Kenntnis von den Verhandlungen, die in Gemeinschatt mit maßgebenden Herren aus Hannover und Köln von. Vorstandsmitgliedern verschiedener größerer Gemeinden Westfalens gepflogen waren, um eine wirksam; Hilfeleistung für die rückwandernden Russen in di: Wege zu leiten. Herr Feilchenseld-Köln teilte anschließend an das Referat Liebenfelds die Gründe mir, die es wünschenswert erscheinen lassen, eine Organisation zu schaffen, welche die Beförderung der Rückwanderer von der rheinischen Auslandsgrenze durch direkte Fahrkarten von Aachen bezw. Köln bis Hminover in die Wege leiten soll. Für die Rheinprovin;, ist eine derartige Organisation bereits geschaffen, dir von der Alliance.Jsraslite und dem Hilfsverein deutscher Juden durch größere Zuwendungen gefördert wird. .Die im vorigen Jahre ausgesprochene Befürchtung, daß sich die Zustände in Rußland und Rumänien vorab nicht bessern würden und dadurch eine Abmchme der Rückwanderer anzunehmen sei, hat sich in vollem Umfange bestätigt. Die Zahl der Unterstützungsnehmer blieb die gleiche wie im Vorfahr und betrug 2197 Personen, und zwar 1667 Männer, 257 Frauen und 273 Kinder. Die Ausgaben betrugen im abgelaufenen Geschäftsjahr 5085 M., macht für jede Person durchschnittlich 2,31 Mk. Ihrem Berufe nach waren 821 Handwerker, 270 Arbeiter 250 Kauileute, 212 Hausierer, 94 Lehrer, Rabbiner und Künstler und 550 ohne Beruf. Heimatsberechtigt waren hiervon 273 in Deutschland, 379 in Oesterreich-Ungarn, 1450 in Rußland und Polen und 89 in anderen Ländern. Von den Unterstützten hatten 273 ein Alter von 1 bis 14 Jahren und 22 waren älter als 80. Bei Festsetzung der Geschäftsführung für dasnächste Jahr wurde dem Vororte Bochum die Befugnis zugesprock'n, falls der ausgestellte Etat nicht ausreichen sollte, von den Gemeinden des Verbandes eine Erhöhung der bisherigen Pslichtsumme von 15 Prozent zu erheben. Straftburg, 17. Juli. Für letzten Dienstag war nach Nancy eine Delegterrenversammlung einberufen, welche beraten sollte über die zu treffenden Maßnahmen zur Bekämpfung der „Wandervettelei". Die Einberufung war gleichzeitig ausgegangen von den Vorständen der Zentralkaffen in Nancy und Metz. ES wäre richtiger und jüdischer, die häßliche, den jüdischen Namen vloßstellende Bezeichnung ..Wanderbettler" für die zum allergrößten Teile tiefunglücklichen Opfer einer, unmenschlichen Politik endlich fallen zu laffen und einfach von Armenunterstützung zu sprechen. Der sozialpolitische Effekt könnte ja derselbe sein. Personalien. Dr. Joseph I. Heinemann /'st- Hamburg, 17. Juli. Wie ein Blitz durchfuhr am Sonntag, 10. Juli, eine Trauerkunde unsere Stadt, die die ganze Khilloh gleich chmerzlich traf. Der beliebte Lehrer an der hiestgen Talmud-Thora-Schule, Herr Oberlehrer- Dr. Joseph Julius Heinemann war am Schabbos Mittag in Bad Ktfftngen, wo er seit zwei Tagen zur Kur weilte, plötzlich am Herzschlage verstorben. Fast drei Jahrzehnte lang hat der Verblichene an der Talmud-Thora mit unermüdlichem Fleiße und seltener Hingabe gewirkt. Hier unterrichtete er hauptsächlich in den höheren Klaffen im Hebräischen. Seit den lebten Jahren hatte er sich ausschließlich diesem UnterrichtLaegenständ zugewandt. Und wie verstand er eS, den Schülern die Stunde interessantzu machen. Wie hingen sie an seinem Munde, wenn er . in der jüdischen GeschichtSstunde . begeistert von unfern Voreltern sprach. Wie interessant waren seine Thilltm- Stunden, sein Jeschajohu-Unterricht! Auch im übrigen der deutetsetn Htnscheioen für die Schule einen gro ßen Verlust. Er war nämlich der Gründer der jetzt sehr vebeutendrn Schülerbibltothek, die er vis zu semem Lebensende tu musterhafter Weise leitete. Wenn der Schüler aus der Schule heraustrat, auch dann brauchte er auf die Unterweisungen dieses Gelehrten noch nicht ganz zu verzichten. Denn Jahrzehnte hindurch wirkte er in seiner bekannten uneigemmtztgen Weise im hiestgen Mekor Chajim-Berein. Wie beliebt seine Vorträge hier waren, davon legt wohl am besten der rege Besuch Zeugnis ab, der bet seinen Jeschaiohu-Borträgen am Sonntag nachmittag stets zn verzeichnen war. Mit welchem Fleiß hat. da der mir einem selten guten. Gedächtnis aüsgestattete Lehrer die verschiedenen Meforfchim und Midraschim zusammengerragen, um fie in seiner herrlichen Vortragsweise seinen Zuhörern möglichst mundgerecht zu machen. Erst der vor Jahresfrist erfolgte Tod seiner Gemahlin veranlaßte Herrn Dr. Heinemann seine Tätigkeit in diesem Verein einzustellen. Die Wünsche, die den beliebten Lehrer bei seinem Ausscheiden aus dem Verein geleiteten, die Wünsche für einen langen heiteren Lebensabend, haben stch leider nicht erfüllt. Denn kaum ein Jahr ist seitdem verflossen und wir gingen am letzten Dienstag zum Bes Hachajim, um dem geliebtm Lehrer die letzte Ehre zu erweisen.. Zyqkst gedachte-Herr -Dr^DaVtd-SchlefmgS^ im Namen der Schule und des Mekor Chajim-BerelnS in tiefempfundenen Worten der hingebungsvollen Tätigkeit deS Verewigten an diesen beiden Institutionen. Darauf ergriff Herr Senator Fischer, Hannover-Linden, das Wort, um Namens der Familie dem Verstorbenen einen letzten Gruß auf den Weg zu geben. ^Etn dankbarer Schüler. Frankfurt a. M., 22. Juli. Herrn Dr. Israel Roos, Chemiker in Frankfurt a. M. ist vom deutschen Kaiser der Kronenorden 4. Klaffe verliehen worden. 4 * } Birkenau bei Weinheim, 20. IM. Am 15. d. M. beging Herr ZachartaS Darmstädter und seine Ehefrau. Henriette geb. Weinheimer das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Beide Jubtlare stehen im Atter von 83 Jahren. Möge denselben noch ein schöner Lebensabend befrieden sein. Straßburg, 17. Juli. Am letzten San stag verschied nach langem Kramenlager Herr Rabbiner Jakob Glaser im Alter von 60 Jahren. Glaser war etwa. 30 Jahre Htlfsrabviner der hiestgen Resormgemeinde unverdient schon wegen seines umfangreichen talmubischen Wtffens, daß seiner an dieser Stelle gedacht wird. Trotz der Zwiespäittgkett seiner Stellung war er von tteser Frömmigkeit beseelt und hat nohl nur mit innerem Widerstreben den shnagogalen Reformen den Schein der Sankttonterung verliehen. Seine Menschenliebe hat ihm die Sympathien weiterer Kreise erworben. •n'aiun Wettet), 9t Juli. Hier starb nach nur zweijähriger glücklicher Ehe eine edle und wackere, von allendie sie kannten, geliebte und hochgeachtete Frau, Frau Reine Levy geb. Bernard. Als Lehrer und Freund deS trauernden Gatten, Herrn Henri Le.y, war trotz der weiten Entfernung Herr Rabbiner Dr. Cohn aus Basel erschienen, um der Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen und die Schmerzgebeugtm in ihrem schweren Leibe zu trösten. Mit diesem Todesfall wurde der neue Friedhof 'der jüdischen Gemeinde in Vevey etngewetht, für den der Gönner der jüdischen Gemeinde von Vevey, ein Nichtjube, Herr Konsul Nölttng von Hamburg bereitwillig die Mittel hergegeben. Am--Grave sprachen außer Herrn Rabv ner Dr. Cohn noch Herr Bloch im Namen der Gemeinde Beveh und Herr Kantor Lehmann von Lausanne uls Freund der Familie Worte der Trauer und deS Nachrufs. Briefkasten. Abonn. in n"Din . . . sv'ä n"j gleich 6. April 1888; i"Dnfl V2V l"*1 gleich 19. Januar 1886. L. G. in E. Wird geschehen. Besten Dank! C. G. in H. Leider für uns ungeeignet. Manuskript folgt zurück. Eh. K. O. Es handelt sich um DipDn Jiniü/ der nicht überall etngeführt ist, jedoch da, wo er besteht, auch respektiert werben muß. Ueber die Bedeutung dieses Brauches gibt ja die von Ihnen angeführte Stelle im „Israelit" genügend Aufklärung. H. S. in Skotschn«. Die Barmizwoh findet MD '0 statt. Z. Z. in H. M. Ihre Fragen laffen stch von hier auS nicht beantworten: Darüber müffen Erkundigungen an Ort und Stelle eingezogen werden. F. in L. In der russtschen Duma find nur zwei jüdische Abgeordnete, die Herren -Risselowttz und Fried mann. Parlament ist von jüdischer Abstammung, aber kein Jude. Er ist Mttglted der Kadetten- 1 artet und hat noch niemals Gelegenheit genommm, für jüdische Jmeressm einzutreten. As W.; wr