Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1908)
- Date
- 1908-07-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449298-2449329--64724-2507327- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
/" , 23. Juki 1908. aber, daß sie bloß einen Juden heiratet. Dies scheint nun dem Herrn Graf ein gar zu großer Preis zu sein. Nach einigen Tagen aber kommt er dennoch mit d« Erklärung, er sei um des geliebten Mädchens willen selbst zum Judentum überzutreten bereit. Hieraus folgt nun der hochseierliche GipfelpunK der Erzählung. Das Mädchen spricht: „Ich wollte bloß Ihre Liebe auf die Probe stellen. Sie haben dieselbe glänzend bestanden rc. rc.-Nunmehr habe ich schon Vertrauen zu Ihnen . . . und nun verfüge über mich . . . Vielleicht aber soll ich . . . (zum Christentum übertreten) P" Der Herr Graf errät ihren Gedanken und unterbricht sie: „Nein, meine Geliebte, auch du wechsele nicht deine Religion. Warten wir das Jnslebentreten des neuen Gesetzes ab (die staatliche Zivilehe). ES bleibe jeder bei seiner Religion . . ." . . . Und sie sind schon längst ein Paar. Solche jüdische Belletristik wird unter der Aegide der Direktoren des Budapester Rabbinerseminars und der dortigen Lehrerpräparandie (letzterer geht hierin — wie bekannt — 'S*? inD'lP, da auch er eine Tochter an einen "IDUPD verheiratet hat) und unter dem Präsidium des Pester neologen Oberrabbiners Dr. Kohn betrieben! S. 150 beginnt eine Arbeit von Dr. Ludwig Blau, Professor am neologen Rabbinerseminare mit der Ueberschrift: „Das alte und das neue Judentum". Dieselbe in eine Glorifikation der modernen „jüdischen Wissenschaft" auf Kosten des „ehemaligen" „unantastbaren" Talmudstudiums. Natürlich ist dem Herrn Blau Grätz der Repräsentant jüdischer Wissenschaft und Kompert der der jüdischen Belletristik. Lassen wir ihn lieber bei seinen Spielen. Wie sagte doch einmal R. Jakob Ettlinger y'w. Was für eine Farbe die Quaste derjenigen Pfeife hatte, aus der Raschi rauchte, dies weiß vielleicht Zunz besser als ich/ was aber Raschi lehrte, das verstehe ich. Ein kurze Besprechung der folgenden Jahrbücher und unsere Schlußbemerkungen zu unseren Ausführungen behalten wir uns mit Gottes Hilfe und freundlicher Einwilligung der löblichen Redaktion für einen späteren Zeitraum vor. orrespondenzen und Machrichten. Derrtsttz«« MeUtz. Berlin, den 19. Juli. Der Vertreter des Hilfsvereins der Deutschen Juden und Leiter des Centralbureaus für Jüdische Auswanderungsangelegenheiten, Herr Paul Laskar, Hamburg, ist vor kurzem von einer mehrwöchentlichen Studienreise, die er im Interesse der jüdischen Emigration nach den Bereinigten Staaten unternommen hat, zurückgekehrt. Herr Laskar wurde von den dem Hilfsverein befreundeten Organisationen, namentlich von den Bnei-Brith Logen in Amerika auf das Freundlichste empfangen. Die Reise führte ihn zuerst nach New-Aork, wo er sowohl auf der Einwandererstation Ellie-Jsland wie bei den verschiedenen Jüdischen Organisationen eingehende Studien über alle Berhältnssse der Jüdischen Emigration zu machen in der Page war. In einer längeren Konferenz mit der Einwanderungskommission Det Israelit. _ Watchhorn wurden die Wünsche und die Bedürfnisse der jüdischen Emigranten besprochen. Von Rew-Aork begab sich Herr Laskar nach einer Reihe anderer Einwanorunaszentren so u. a. nach Philadelphia, Chicago, Minneapolis und Duluth. In Washington hatte Herr Laskar auch eine Audienz bei dem Handelsminister Oskar Strauß und konnte dem obersten Chef des Einwanderungswesens Zwecke und Ziele der Arbeiten des Hilfsvereins auf dem Gebiete der Auswanderung, die dem Handelsminister nicht fremd waren, näher barlegen. Ueberall hat Herr Laskar feftstellen können, daß die Tätigkeit des Hiifsvereins zu gunften der Emigranten von unseren amerikanischen Glaubensgenossen und auch von den amerikanischen Einwanderungsbehörden dankbar anerkannt und als ein großer Segen für die gesamte jüdische Auswanderung empfunden wird. Die reichen Erfahrungen, die Herr Laskar durch seine Studien an Ort und Stelle und durch seine Besprechungen mit den maßgebenden jüdischen Kreisen und den zuständigen Behörden gesammelt hat, werden ohne Zweifel für die jüdische Emigration gute Früchte tragen. Karlsruhe, 20. Juli. Wie verlautet, wird der Oberrat die von ihm selbst beantragte - und in der Synode mit Feuereifer verteidigte neue Gemeindeordnung nicht in Kraft setzen, obgleich der Entwurf samt dem berüchtigten Ausländerparagraphen von der Synode schließlich angenommen worden war. Angeblich soll die allgemeine Entrüstung über die in dem Entwurf vorgesehene Wahlentrechtung der Ausländer nachträglich so großen Eindruck auf den Oberrat gemacht haben, daß er sein eignes Werk jetzt verleugnet und den ganzen Entwurf unter den Tisch fallen läßt. Uns scheint diese Version wenig glaublich/ man wird vielmehr gut tun, authentische Aufklärung über die Motive dieser merkwürdigen Selbstentäußerung abzuwarten. Daß es in den oberen Regionen der israelitischen „Kirche" tüchtig kriselt, wird durch die Gerüchte jedenfalls bestätigt. Nürnberg, 20. Juli. Durch alle deuschen Gaue geht folgende Kunde: Zur Frage der Beisetzung von Aschenurnen auf israelitischen Friedhöfen hat sich das Rabbinat Nürnberg dahin ausgesprochen, daß es keinerlei Bedenken dagegen habe, auch dagegen nicht, daß der Rabbiner die geistlichen Handlungen vornimmt unter Wahrung der Ritualien. Bon neologer Seite wird der Othodoxie immer der gnte Rat gegeben, sich doch nicht in die neologen Angelegenheiten einzumischen. In ergebenster Befolgung dieses Rates beschränken wir uns auf folgende bescheidene Anfrage: Was versteht das Nürnberger Rabbinat in diesem Zusammenhänge unter „Wahrung der Ritualien?" Hat das' Ritual überhaupt noch eine verpflichtende Bedeutung, so gibt es bei der Beisetzung von Urnen bezw. der Uebergabe des Leichnams an das Krematorium kein Ritual/ denn darüber brauchen wir doch wohl das Nürnberger Rabbinat nicht aufzuklären, daß das bisherige Rituale in der Tat lediglich Erdbestattungen im Auge hatte. Wir vermuten deshalb mit gutem Grunde, daß zu der liberalen Weitherzigkeit des Nürnberger Rabbinats auch ein liberales Krematorium-Rituale werde geschaffen werden müssen, und auf dieses Erzeugnis des religiösen Geistes sind wir ehrlich gesagt sehr neugierig. Ob sich aber für unsere Nürnberger Gesinnunggenoffen weitere Konsequenzen aus diesem neuen, im Bayerlande bisher noch nicht dagewesenen Zustande ergeben, darüber können sie zuständige rabbinische Autoritäten fragen, vielleicht auch juristische Autoritäten/ denn es erscheint sehr fraglich, ob der Begriff „ritualmäßiges Begräbnis", das die Ministerialentschließung von 1863 fordert, auf das Nürnberger Verbrennungsritual noch angewandt werden kann. Rr. 30. Seite 7. Stuttgart, 22. Juli. Der Borstand des Verbandes der Tierschutzvereine des deutschen Reiches hat wie an alle anderen Bundesstaaten so auch an die Kgl. Württbg. Regierung das Ersuchen gerichtet, die Betäubung der Schlachttiere vor der Tötung allgemein anzuordnen. Daraufhin hat die Kgl. Jsr. Oberkirchenbehörde auf Bitten aller Gemeinden des Landeeinen Bericht an das Kgl. Kultusministerium gerichtet und gebeten, darauf hinzuweisen, daß die Juden in der Ausübung eines ihrer religiösen Gebote nicht gehindert werden. Durch Erlaß vom 10. d. M. nacht das Kgl. Kultministerium der Kgl. Oberkirchenbehörde die Mitteilung, daß nach einer Mitteilung des K. Ministerium des Innern vom 3. d. M. die Eingabe der Tierschutzvereine keinen Anlaß zu einer Aendernng der Württbg. Vorschriften über das Schlachten nach jüdischem Ritus gegeben hat. Auch wird für den Fall einer künftigen Aenderung der bezeichneten Vorschriften dem Wunsche der Jsr. Oberkirchenbehörde nach vorgängiger Anhörung seitens des Kgl. Ministerium des Innern Rechnung getragen werden. Köln, 21. Juli. Als einen erfreulichen Beweis konfessioneller Loyalität, zugleich aber auch als ein Ehrenzeugnis für das hiesige jüdische Lehrerseminar, darf es verzeichnet werden, daß die Stadtverordneten-Bersammlung in ihrer letzten Sitzung der genannten Lehrerbildungsanstalt einstimmig und debattenlos einen jährlichen Zuschuß von Mk. 1500 von April 1908 ab bewilligt hat. Schweinfurt, 20. Juni. Im Hinblick auf die in jüngster Zeit mehrfach in diesem Blatte mit Recht gerügte Art der Neu-Anlage eines jüdischen Friedhofs mit zeitlich begrenzter Benutzungsdauer dürfte es wohl interessieren, zu erfahren, daß es in hiesiger Gemeinde dem vereinten Mühen des Rabbinats und der Vorstandschaft nach langen, auf fast 12 Jahre sich erstreckenden Versuchen endlich gelungen ist, die im Jahre 1878 innerhalb des allgemeinen Friedhofs zur Benutzung zunächst auf 90 Jahre erworbene israelitische Friedhofs- Abteilung von der hiesigen Stadtgemeinde käuflich als Eigentum zu erwerben. Dieses glückliche Resultat, das von allen Mitgliedern der Gemeinde, die sich den Sinn für jüdische Pietät bewahrt haben, mit großer Genugtuung und aufrichtiger Freude begrüßt wird und zu dessen Erreichung die Gemeinde bereitwilligst die erforderlichen, nicht geringen Mittel zur Verfügung gestellt hat, ist neben dem wahrhaft liberalen, mustergiltigen Entgegenkommen der beiden städtischen Kollegien vor allem dem wirksamen Eintreten des I. Kultusvorstandes,des königl. Kommerzienrats Heimann zu verdanken, der als Mitglied des Magistrats der Anregung des Rabbinats in jedem Stadium ihrer Entwicklung volles Verständnis entgegenbrachte und wirksame Unterstützung zu sichern verstand, der sich damit aber auch ein neues bleibendes Verdienst um die von ihm seit fast 3 Jahrzehnten geleitete Gemeinde erworben hat. Das Abkommen zwischen der Stadt, Gemeinde und Kultusgemeinoe hat bereits die Genehmigung der königl. Kreisregierung erhalten und die notarielle Beglaubignng des Kaufes ist in der Vorwoche daraufhin erfogt. Weftervsidj. Wien, 15. Juli. In der heutigen Sitzung des Reichsrates brachten die Abg. Dr. Straucher und Gen. (Jüdischer Klub) eine Interpellation ein, betreffend die christlichsoziale Agitation in der Bukowina. In der Interpellation wird ausgeführt, daß, seitdem Dr. Geßmann Mitglied des Kabinetts geworden sei, in der Bukowina organisierte judenfeindliche Parteien entstanden sind, die unverkennbar unter der Pattonanz des genannten Ministers stehen. Die Organe der anttsemittschen Parteien im Lande erklären ausdrücklich, daß sie sich der Patronanz und de werktätigen Förderung des Ministers Geßmanrerfreuen. Sie gerieren sich als Organe einen