Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1908)
- Date
- 1908-07-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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DerZDraeltt. W. Juli IS«. gelte 6. Sir. BO. der zu unendlichen Höhen emporgerückt scheint. Der Gesang ist längst verstummt. Jetzt aber — ist es ein Erraten meiner Gedanken oder Zufall? — schlagen wieder Laute an mein Ohr, so weich, so schaurig ernst, so melodisch? ton “jna! Wie sie dazu kommen, das zu singen? Und heiß wallt s in mir auf, wird in mir die Erinnerung lebendig an jene ersten unvergeßlichen Tage/ die mich dem Judentum zugeführt, an jene n2V-Lieder, die dem geblendet an der Schwelle stehenden Jüngling ein ermutigendes K2n 7TQ zuzulispeln schienen, an jene rvivm, mit ihrer Fülle großartiger, gottatmender Gedanken! Und wir, wir können noch in Verlegenheit sein, können zweifeln, was imstande ist, das Band der Zusammengehörigkeit zu schlingen um jüdische Brüder? Wir haben unsere mvor, bald wehmutsvoll erschütternd, bald wieder jubelnd und jauchzend, und wir singen — von der filia hospitaJis, der feine ist aequalis? Muß das fein? Und selbst — wie wir auch dem politischen Makkabäertunk unserer Tage gegen übersteyen mögen — jene ergreifenden Klänge des ZionSliedes, in denen ein großer Teil unserer Glaubensbrüder, in innigem Zusammenhang mit einer 3000jährigen Vergangenheit, sich ausgeweint und Freude und Leid, das tiefschmerzliche Sehnen und die freudigsten Hoffnungen der jüdischen Seele niedergelegt hat, sollten sie nicht jüdischer sein, nicht mächtiger, nicht hinreißender wirken als „In die Kneipen laufen Und sein Geld versaufen"? Und das fühlt doch jeder, und warum hat doch noch niemand mit starker Hand diesen Knoten zerhauen? Muß ich den Anstoß dazu geben? In meinem Innern wird es heller und ruhiger, die Augen, die vorhin noch unter dem Drucke, der auf der Seele gelastet hatte, mit Tränen gefüllt waren, lächeln nunmehr. Und lächelnd denke ich bei dem Flimmern in der Luft an den Fall, daß sich die Milchstraße noch mehr verdichte,- von unsichtbarer Hand wird ein Gespinnst verfertigt, in dem die zitternden Sterne zu Silber- und Goldfäden gewebt werden,' und tiefer, immer tiefer neigt sich's zur Erde herab! Und auch unten dringt das Licht in alle offenen Gründe, in die heimlichsten Schlupfwinkel. Fern im Walde. Der kraelltircd-«ikgarkc-e Citeraturpereiit (3. B. 3. G.) Von Rabbiner Ph. Fischer in Tevavünja. in. Des uns zur Verfügung stehenden Raumes wegen, müssen wir uns bei der Besprechung der gegenwärtig vor uns liegenden 4 Jahrbücher des Jmit, nämlich vom Jahre 1897—1900 bloß auf die trockene Registrierung der unsere Behauptungen in der Einleitung zu dieser Arbeit (Nr. 24, S. 11) aufs entschiedenste und glänzendste beweisenden Stellen beschränken, und die vom jüdisch-traditionellen, gesetzestreuen Standpunkte aus auftauchenden Reflexionen über dieselben dem freundlichen Leser überlassen. Jahrbuchjl897. Redigiert von W. Bachers und I. Bänoczi. S. 53 in der Arbeit: „Jüdische Sagen" von Dr. D. Leimdörfer in Hamburg: „-und die dritte Aufgabe (der B. B. Sagen) ist die, daß sie das aus edler Wohltätigkeit bestehende praktische Judentum re." Also weg mit den zahlreichen, das ganze menschliche Dasein umspinnenden Gesetzen von Bibel und Talmud, weg mit dem bändereichen Jad Chasakah und Schulchan Aruch. Das praktische Judentum besteht bloß aus edler Wohltätigkeit. Also doziert uns der würdige Amtsnachfolger von Salomon und Kley in einer gnadenreichen Stunde der Erleuchtung. S. 74 frischt Herr Dr. Leimdörfer eine zu Tod gerittene Lüge auf, indem er schreibt: „Bei der Konstituierung des deutschen Rabbiner-Verbandes sagte der sel. Dr. Joel folgendes: Was ich Religion nenne, das wird von meinem Kollegen Hildesheimer nicht dafür anerkannt; dessen ,Judentum^ wieder sinder keine Gnade in den Augen des Drehburger Rabbiners, wie auch die Religiosität des letzteren nicht bestehen kann vor dem /heiligen^ Rabbi in Sadagora." Die Tendenz dieser Aeußerung leuchtet jedermann ein. Schade nur, daß diese Behauptung durch und durch verlogen ist. Denn wenn es auch wahr ist, daß in bezug auf moderne Kulturfreundlichkeit ein Unterschied zwischen Hildesheimer und seinem Zeitgenoffen, dem berühmten iLD 2n2 gewesen, so standen sie dennoch inbezug auf den Glauben an die unverbrüchliche Verpflichtungskraft der überliferten Lehre S"2"V 2n22t? min auf einem und demselben heiligen Boden. Auch hat erwähnter Unterschied der gegenseitigen Anerkennung beider Größen in Israel keinen Abbruch getan. Hierfür besitzen wir ein unleugbares Dokument darin, daß der 251D 2N2?P2 in seiner NV2ON zu einem von Dr. Hildesheimer übersetzten und veröffentlichten Büchlein über die drei jüdischen Frauenpflichten denselben — trotz dessen damaliger Jugend — mit dem seltenen Ehrentitel p"pl2K pwn 2-in anspricht, und daß der sel. Dr. Hildesheimer beim Hinscheiden des ibio inj Vj72, da er damals schon in Berlin amtierte, einen Sonderzug genommen, um bei besten m1? anwesend sein und demselben einen Nachruf widmen zu können. So sieht also aus der Antogonismus zwischen Dr. Hildesheimer und seinem Preßburger Kollegen. Und der „historischen Wahrheit" dieses von Dr. Joel entdeckten Antagonismus gleicht auch der Paraüelantagonismus zwischen der vom ILIO 2n2 *?)?2 vertretenen orthodoxen Richtung und der vom Rabbi in Sadagora. (Ueber das Verhalten des fyj2 "'SlD onn zu der chassidischen Richtung sieht man dessen Responsen Orach Chaim, Nr. 16. — Ueber das Verhalten der der modernen Kultur mißtrauisch gegenüberstehenden „Alttalmudisten" zu S. R. Hirsch, dem Begründer der kulturfreundlichen deutschen Orthodoxie, siehe Jubiläums-Nummer des „Israelit", S. 11,45 und 46.) „Tote»gebräuche im alten Israel", lautet der Titel «einer von Dr. L. Kscsketsteti verfaßten Arbeit. Dieselbe entspricht vollends den Erwartungen, die man bei dem bereits früher gekennzeichneten, radikalen Standpunkte des Verfasters zu hegen berechtigt ist. Unter dem Titel: „Die synagogate Ordnung eines alten Codex" schreibt Dr. Julius Fischer, Rabbinatsverweser der neologen Gemeinde in Pest: „Die Gebete muß man auf Grund ihrer geschichtlichen Entwicklung ab kürzen und auch der Landessprache muß matt den ihr gebührenden Platz einräumen in der Reihe der Gebete." (S. 116.) Wir verweisen den Herrn auf ein Studium des Werkes o'Tin "»ns von R. Abraham, gew. Rabb. in Emden, und Responsen. iLlv onn, VI. T., Nr. 84—97, wie auch auf die diesbezüglichen neueren Arbeiten: „Ein ungedrucktes Gutachten von S. R. Hirsch" im „Israelit" 1907, Nr. 48—51, — „Ein Sendschreiben von Dr. D. Hoffmann", Jsr. 1907, Nr. 45 und 46, — „Ein Brief an die Gesetzestreuen Badens von Dr. Woh'gemuth in Berlin", Jsr. 1907, Nr. 31—39. Bon S. 140 beginnt eine Erzählung mit dem Titel: „Im Winter der Kirchenpolitik". Dieselbe behandelt eine rührende Geschichte. Es entwickelt sich eine Liebe zwischen einem vom alten Adel stammenden Grafen und der Tochter eines Budapester Bankiers. Die heiß Angebetete erklärt der Umhersitzenden und Stehendenmm Lachen verzogen. Endlrch raffte er alle seine Kräfte zusammen ww rief laut: „es war schon zu spät geworden." Mit einer hastigen Bewegung holte er sein farbig geblümtes Taschentuch aus der Rocktasche und wischte sich den Schweiß von der Stirn, den ihm die letzte Antwort hervorgetrieben hatte. Als wolle er aber auch jede Gelegenheit, die nicht nur ihn, sondern auch das alte Weibchen neben ihm lächerlich machen konnte abschneiden, frug er schnell weiter: „Und soll ich Ihnen auck noch sagen, was außer der hohen Obrigkeit noch schuld war, daß ich nur erst im sechzigsten Lebensjahr hätte meine Absicht ausführen können?" (Fortsetzung si-lgt.) Die VrMbarmacbllilg «ilgenirkbare« (Ua$$er$ nach der Bibel. In nbtto heißt es:.. ninVb nmn 1812^ -ODN lpnDYi man b» "1^1 vy /mi on onn '2 Es drängen sich hier zwei Fragen aus: erstens eine philologische, man hätte doch statt VTT»1 (er lehrte) VWm (er zeigte) erwartet! Zweitens hätten wir doch gern etwas Näheres über diesen merkwürdigen Baum, welcher die wunderbare Eigenschaft besitzt ungenießbares Wasser trinkbar zu machen, erfahren. Warum ist die Bibel so engherzig, uns dieses zu verschweigen? Zur Erklärung möchten wir zunächst daS Wort mö etwa mit Bitterfeld übersetzen. Das Wort Bitterfeld kommt etwa von den Bittersalzen, welche sich in der Umgegend dieser Stadt im Boden finden, ebenso wie bas Wort beS ihm benachbarten Halle v. Lra—«Lr8«--Salz stammt, weil sich Salzlager dort im Boden finden. Das Wasser von Moroy-Bitterfeld war auch deswegen ungenießbar, wett die im Boden befindlichen Bittersalze ins Grundwasser übergingen und dasselbe bitterschmeckend machten. Nim ist es aber eine bekannte chemisch-vhifikalische Tatsache, daß die Holzkohle die Eigenschaft besitzt, wenn sie in eine Flüssigkeit gebracht wird, die in der Flüssigkeit suspendierten oder gelösten Teilchen fremder Körper, ja sogar Kleinwesen in Gestalt von Bakterien usw. zu absorbieren aufzusaugen. Man kann sogar durch die Holzkohle Rotin Weißwein verwandeln, weil dieselbe die suspendierten Farbstoffe, welche die rote Farbe bewirken, an fich reißt! In der Hygiene wird daher die Holzkohle als Filter zur Reinigung und Genießbarmachung verunreinigten ungesunden Wassers sch n längst in ausgedehntestem Maße benutzt. Die sog. Berefeld'schen Handfilter bestehen hauptsächlich aus einem Holzkohlenfilter (Kteselguhr-Verkohlter Pflanzen und Infusorien). Haben Wir uns nun diese Tatsachen klar gemacht, bann steht nichts im Wege, uns die Trnkbarmachung drs ungenießbaren Wassers, von welcher in der Bibel die Rede ist, auf folgende Weise zu erklären: Der Baum, oder was dasselbe ist, bas Holz, wurde in Holzkohle verwandelt und dann als Filter zur Aussaugung der im Wasser gelösten Bittersalze verwandt, wodurch dann das Wasser gereinigt, trinktlar gemacht worden! Daher heißt es „mm", er lehrte ihn, ' (Moses) was er auS dem Holz machen sollte, tamit es als Filter dienen könnte! Daher sst die Gattung deS Baumes nicht angegeben, weil eS gleichgültig, was für eine Holzart eS war, da man jedeSHolzin Holzkoh e verwandeln kann. Ich glaube, mit Recht diese Erklärung als sehr plaufibel bezeichnen zu dürfen. Dr. R a t n e r-Wtesvaden. (Inden in China.) Mr. Hollmann, ein amerikanischer Gelehrter von Ruf, hat vor kurzem eine Studienreise nach China gemacht und interessantes Material über eingeborelkr chinesische Juden gesammelt. Danach existiert in dem Orte Kat Feng Fu bereits seit etwa tausend Jahren eine jüdische Kolonie, über deren Herkunft natürlich nur Vermutungen bestehen. Hottmann glaubt aus einer Tafel schließen zu dürfen, daß die Juden zum ersten Male gegen das Jahr 500 v. d. übl. Zeitr. in China erschienen sind, und daß das westliche Persien ihre Heimat ist, worauf eine Anzahl persischer Worte, mit denen die Sprache der chinesischen Juden durchsetzt ist, hindeutet. Jedenfalls glaubt er nicht, daß sie, wie viele vermuten, von den „Zehn Stämmen" abstammen. Vom Jahre 878 an finden sich zahlreiche Hinweise auf diesen jüdischen Stamm. Ein arabischer Schriftsteller erwähnt sie unter den Sekten, die in einem großen Blutbade bei Khan-Fu aufgerieben wurden. Aber in den Jahren 956 und 958 finden sich Zeugnisse, die von großen Ehrungen der Juden durch chinesische Distriktsbeamte berichten, die sogar 1163 die Errichtung einer Synagoge in Kai Feng Fu gestatteten. Seitdem haben sich die Verhältnisse innerhalb der Sekte sehr verschlechtert. Ein Missionar fand im Jahre 1866 ein völlig verarmtes Volk vor. Erst 30 Jahre später wurde eine Gesellschaft zu ihrer Erhaltung gegründet, und 1902 begab sich aus eine dringende Einladung der Juden in Shanghai eine Wordnung der Juden, bestehend aus 8 Mann, nach dieser Stadt. In ihrer Ausübung der jüdischen Religion sind sie wegen der krassen Abweichungen kaum noch von den anderen Juden als Glaubensgenossen anzuerkennen. Doch kann auch bei ihnen von einerMfsimttierung und Annahme des chinesischen Kultus nicht die Rede fein.