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Der Israelit · 1908-07-16 · Heft 29 (16.7.1908) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 29 (16.7.1908)
Date
1908-07-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Dene 12. Wx. 29. Der JSraeltt. 16. Juli 190 ». wäre ja auch merkwürdig, wenn seine Worte zutreffend gewesen wären. Die Religionsschule ist ja von verhältnismäßig jugendlichem Alter und ffe hat so sehr unter der Ungunst der Zeit und der Berhältniffe gelitten, daß sie einen Vergleich mir unseren staatlichen Schulen kaum aushalten kann. Wohl kann man sag n, daß die Produktion an Lehrbüchern sür die jüdischen Schulen eine mehr als reichliche ist, aber an innerem Gehalt und praktischer Verwertbarkeit steht sie weit hinter der profanen zurück. Und das kann nicht Wunder nehmen. Wir wissen, daß zum Beispiel die in der Volksschule eingeführten Lehrmittel auf vielen Bezirks-Lehrerkonferenzen eine äußerst eingehende, sachliche Besprechung erfahren. Der hessische Landes-Lehrerverein besitzt ferner eine eigene Commission zur Prüfung neuer Lehrbücher, die von Zeit zu Zeit ihre Berichte im ,,Hessischen Schulboten" veröffentlicht. Was will es demgegenüber bedeuten, wenn wir auf unseren Konferenzen die Neuerscheinungen besprechen. Es ist ja immerhin ein Fortschritt gegen früher, aber der praktische Wert dieser Referate ist ein mehr als problematischer. Ein sicheres Urteil über ein Lehrbuch kann man eigentlich erst dann gewinnen, wenn man es in der Schule erprobt, oder da dies nicht in allen Fällen angängig, mindestens recht gründlich durchgearbeitet hat. In der Regel geschieht dies aber nur von dem Referenten und sein Urteil erfährt deshalb nur selten eine wesentliche Korrektur. Es wird ihm daher immer viel Subjektives und zuweilen sogar eine geunffe Einseitigkeit anhaften. Diese Befürchtung liegt umso näher, da es uns an einem sicheren Maßstab für die Beurteilung eines jüdischen Schulbuches fehlt. Ein Werk, ähnlich der „Geschichte der Methodik des deutschen Volksschulunterrichtes" von Kehr, das in so gründlicher Weise die Entwicklung der Methode eines jeden Lehrfaches an den Lehrbüchern nachweist und oft bei jedem einzelnen, aber mindestens bei jeder Gruppe von Lehrbüchern auf deren Vorzüge und Mängel aufmerksam macht, ist für uns ja kaum denkbar. Wir besitzen ja noch nicht einmal eine auch nur mäßigen Ansprüchen genügende Methodik, denn daß die von Maybaum nicht nur vom religiösen, sondern auch vom pädagogischen Standpunkte aus fast wertlos ist, darüber herrscht wohl nur eine Sttmme. Aber noch ein anderer Umstand erschwert die Gewinnung eines objektiven Urteils, das ist das Fehlen einer ständigen Lehrmittelausstellung, wie sie unseren christlichen Kollegen zu Gebote steht. Ihnen ist ein Vergleich mit den bisher erschienenen besten Lehrmitteln eines Faches jederzeit möglich Und so können sie mit Sicherheit bestimmen, ob ein neues Lehrbuch wesentlich Neues bietet oder einen Fortschritt bedeutet. So darf es uns nicht in Erstaunen setzen, daß in den verschiedenen Konferenzen der jüdischen Lehrervereine die widersprechendsten Urteile über ein Buch abgegeben werden, ohne daß man den einzelnen Referenten Voreingenommenheit oder Mangel an Gründlichkeit zum Vorwuif mach n kann. Für den Verfasser aber bleiben aus diesem Grunde die Besprechungen wertlos, und so fehlt bei uns die lebendige Mitarbeit aus der Praxis der Religi onsschule heraus. Und es ist doch sicher richtig, was ^)r. Goldschmidt-Offenbach in seinem Vorwort zu „Urbild und Ebenbild" sagt: „Ein Schulbuch kann überhaupt nur durch das Zusammenarbeiten eines größeren Lehrerkreises seine Vollkommenheit erreichen) der Einzelne verfügt nie über den hierzu nötigen Reichtum an Erfahrungen." Sollen Bücherbesprechungen von allgemeinem Nutzen sein, so müßten wir uns darauf beschränken, die den meisten von uns bekannten Lehrmittel in eingehender Weise zu behandeln, und ich schlage als solche vor: die biblische Geschichte und die moy von Stern, die Religionslehre von Bamberger, die Siddur- Uebersetzung von Einstädter, sowie die Pentat uch- Uebersetzungen von Wohlgemuth und Bamberger. Ein kurzes Referat über ein Lehrbuch würde fruchtbringender sein und eine lebhafter: Anteilnahme der Konferenzbesucher ermöglichen als die bisher geübte Manier, die Neuerscheinungen auf diesem Gebiete zu verfolgen. Für heule nötigt mich mein Thema, noch einmal den alten Weg einzuschlagen. Um über die bereits erwähnten Bedenken hinwegzukommen, habe ich mich bemüht, mehr die allgemeinen Gesichtspunkte hervorzuheben. Ich habe mich auch vorzugsweise auf jene Lehrbücher beschränkt, die den hebräischen Teil des Religionsunterrichts behandeln. Selbstverständlich habe ich auch solche Bücher in den Kreis meiner Betrachtung gezogen, die eine wesentliche Umgestaltung erfahren haben, wie die Fibel von Rahmer und dessen ms,? n^sn beide neu bearbeitet von Abraham-Berlin. Ich hoffe Ihnen dadurch ein einigermaßen anschauliches Bild von dem gegenwärtigen Stand der Methode des U>bersetzungsunterrichts geben zu können und ich halte diese Aufgabe für ersprießlicher als die jetzt so beliebten Erörterungen über die Notwendigkeit einer Umgestaltung dieses Unterrichtsfaches. Lehrbücher sind nämlich gleichsam der Niederschlag der methodischen Bestrebungen einer Zeit. Ans ihnen kann man viel besser als aus Vorträgen und Zeitungsartikeln einen Ein- und Ueberblick über den gegenwärtigen Stand ,der Methode gewinnen, weil sie anschaulich wirken und eine, Nachprüfung erleichtern. Junges „Dorfteich" beispielsweise hat im naturkundlichen Unterricht eine ganze Literatur ausgelöst, teils gelungene, teils mißlungene Versuche zutage gefördert, die den Unterricht nach den dort niedergelegten Ansichten nutzbringend zu gestalten versuchten. Bei ihnen hat sich sofort gezeigt, wie weit die Forderung Junges auf Bildung von Lebensgemeinschaften durchführbar war. Einen gewissen Ruhepunkt haben die recht lebhaften Auseinandersetzungen auf diesem Gebiete durch die bekannten Lehrbücher von Schmeil gefunden, in denen man insofern eine glückliche Lösung erblicken kann, als sie der physiologischen wie der biologischen Seite des naturkundlichen Unterrichts in gleichem Maße gerecht werden. Aehnlich verhält es sich mit unseren jüdischen Lehrbüchern, nur daß es bei uns mit den Fortschritten viel langsamer geht. Wir befinden uns da eigentlich noch in einem Uebergangsstadium und es bleiben auch uns jene Wehen nicht erspart, die der deutschen Volksschule am Ende des 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts manches Hemmnis bereiteten. Die Schule der Philantropiften kannte die Schriften von Amos Comenius nicht, und Pestalozzi gesteht offen und ehrlich, daß er von beiden nichts gewußt bat. Auch bei uns schien jeder Autor von vorn anzufangen, besonders soweit es sich um den Uebersetzungs-Unterricht handelt. Ja, der aufmerksame Beobachter konnte sich häufig des Gefühls nicht erwehren, daß wir uns in einem bedenklichen Zirkel bewegten und nicht vorwärts kamen. Erst in der jüngsten Zeit, nach jahrzehntelangem Stillstand, macht sich ein kleiner Fortschritt bemerkbar. Ihn zu förbern ist vor allem Aufgabe der Fachpresse, und sie lvirdihr gerecht, indem sie einerseits gute Leistungen anerkennt, schlechte aber als solche kennzeichnet und zurückweist, andererseits aber einer Unterschätzung des Wertes einer guten Methode entgegentritt, wie sie sich gerade in jüdischen Lehrerkreisen häufig breitmacht. Wenn man der Forderung unser Weisen s. A.: n'ö^n n« DIN lö1?' oViy? msp "p"Q gerecht werden will, so kann man dies nur, wenn man sich der besten Methode zu befleißigen sucht. Indem ich nun zu den einzelnen Merkchen übergehe, beginne ich naturgemäß mit den Fibeln. Da ist vor allem die Rahmersche Lesefibel, völlig neu bearbeitet von Abraham-Berlin, d. h. um es recht zu sagen: es ist aus der Hand unseres Kollegen Abraham ein ganz neues Lehrbuch hervorgegangen, das unsere ernsteste Beachtung verdient. Dieie F bel setzt Schüler voraus, die über die ersten Leseschwierigkeiten hinaus sind und auch die großen Anfangsbuchstaben schon kennen. Als Leestoff bienen m ihr fast ausschließlich Wörter und Sätze aus dem Siddur und dem 1. Buch Moses. Sie macht also den Schüler mit dem Wortschätze des ersten Uebersetzungsunterrichls einigermaßen vertraut. Jede Lektion bietet aber auch ein oder zwei übersetzte Vokabeln, die sich häufig wiederholen und nicht nur den Uebersetzungsunterricht vorbereiten, sondern auch als Lesestoff Verwendung finden können. Der Verfasser hat hier eine schon von der Kleinschen Bilderfibel verwendete Idee aufgegriffen und sie in kluger Weise für seine Zwecke benutzt. Er hat dabei freilich des Guten schon ein bißchen zu viel getan und versucht, einen Teil der Formenlehre so nebenbei zu erledigen. Da der Verfasser voraussetzt, daß die Schüler, wie das in den norddeutschen Schulen gebräuchlich ist, erst mit dem 7. Lebenjahre beginnen, so mag das noch zulässig sein) für unsere Verhältnisse bedeutet es eine Perfrühung. Wünschenswert wäre es auch gewesen, ähnlich der Kleinschen Fibel, den Uebersetzungsstoff streng von dem Lesestoff zu trennen. Wenn der Schüler erst mühsam heraussuchen muß, welche Vokabeln und Wortforme! bereits vorgekomnsen sind, so wird ihm die Arbeit gleich von Anfang an und unnötig erschwert und ihm schon der Anfang des Uebersetzens verleidet. Es wäre zu empfehlen, sich eine gewisse Beschränkung aufzuerlegen und das Leichteste aus der Formenlehre in einem Anhang zu bearbeiten, ähnlich wie es die Dreyfus Plautsche Fibel in einer freilich gänzlich mißglückten Weise versucht So verbesserungsbedürftig dieser Teil der Fibel nun auch ist, sie bedeutet immerhin einen methodischen Fortschritt. Als reine Lesefibel betrachtet, steht diese Fibel jedoch hinter der von Bruchfaler zurück,denn siebringt die Leseschwierigkeiten nicht etwa zum Schlußsondern sie treten schon sehr frühzeitig auf. So kommen Wörter mite n^y, rwo schon aus der dritten Seite, das prn vnn schon auf der sechsten, das naU! nns auf der siebten Seite vor. Ebendaselbst findet sich die Uebung für die Halbvokale, dann folgen sich schnell na Niir ya kw und V als konsonantischer Auslaut in Wörtern wie VT l"^N usw. Manche Leseschwierigkeiten, Wie z. B. 1 mit der Nebenfunktion als Cholem finden sich entweder gar nicht oder nur ganz zufällig vorvon einer systematischen Einübung ist bei den meisten keine Rede. So lange die Schüler noch in der Einübung der einzelnen Laute begriffen sind, darf man m. E. die Leseschwierigkeiten nicht so häufen. Was würde man zu einer deutschen Lesesibel sagen, die erwa aus der dritten Seite das Wörtchen „sechs" oder auf der sechsten das Wort „pfeifen" enthielte? (Fortsetzung folgt.) Bund grsetrertteuer jüdischer Cebrer. Der Fortbildungs kursus für Kantoren Hai unter der Leitung des Herr Oberkantor Pesacho-- witsch Montag, 13. d. M. begonnen. Die Unterrichtszeit ist täglich von 8—12 Uhr im Musiksaal der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft, Am Tiergarten 8. A. Hirschberg, Schriftführer. Briefkasten. Tt. in H. Sie scheinen von einer ganz irrigen Voraussetzung auszugehen. Das Andornsche Referat ist der Redaktion des „Israelit" zugeschicki worden und ich habe nur der journalistischen Pflicht genügt. Was ich daran auszusetzen hatte, war ja gerade, daß der Vortrag weder ein klares, noch ein zutreffendes, noch ein Gesamtbild der Lage der jüdischen Lehrer im Reiche gab. Der Bortrag von Goldschmidt-Hamburg geht mich dagegen gar nichts an und ich habe durchaus keine Veranlassung, ihn zu besprechen. Bon einer treuga Dei ist mir nichts bekanM, ich merke nur ein Nachlassen der Angriffe. Ob das nicht die Ruhe vor dem Sturme ist?

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