Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1908)
- Date
- 1908-07-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sette 12. «r. i Der JSraettt. s. Jultt isee. krament auf sich wirken zu lasten, um als Mensch sich als „Ebenbild Gottes" zu erkennen und das Ideal des göttlichen Urbildes in sich zu erleben. Goldschmidt beweist nun seine These mit soviel Gründen, daß seine Darlegungen viel Bestechendes . haben. Recht frisch ist auch das zweite Kapitel dieses Abschnittes geschrieben: „Das Leben unter dem Gesetze." Man könnte alles unterschreiben, was der Verfasser hier ausführt, wenn man nicht immer unter dem unangenehmen Eindruck stände, daß er offenbar eine von Gott uns gegebene Gesetzgebung nicht im Auge hat, sondern die Gesetze als Produkt einer historisch gewordenen nationalen Kultur anspricht. Recht klipp und klar spricht sich der Verfasser freilich niemals darüber aus und das verstärkt den peinlichen Eindruck. Originell ist die Forderung, die Gvldschmidt aus seiner Theorie, daß in Wahrheit das Christentum partikularistisch, das Judentum aber universalistisch iA entwickelt. Das Judentum soll energisch Mission treiben. Nur schade, daß er uns keine nähere Aufklärung darüber gibt, wie das nun eigentlich gemacht werden soll. Sind aber derarttge Ausstellungen mehr harmlose Utopien, so sind die Theorien, die der Verfasser im zweiten und vierten Abschnitt verficht, durchaus ebenso abenteuerlich wie gefährlich. (Fortsetzung folgt.) Palästina, Monatsschrift für die . . . . schließung Palästinas. Herausgegeben dom Verlag „Palästina", München, Pettenkoferstr. 25. 5. Jahrgang, 1908, Heft 1—3. „Bon der Zeitschrift „Palästina", die in dieser Form erst seit Beginn des Jahres erscheint und fich von den vier ersten Jahrgängen durch kleineren Umfang und populäre Darstellung unterscheidet, liegen die ersten drei Hefte vor. Wir gedenken in Zukunft den Inhalt je dreier Hefte zu Ende des Vierteljahrs an dieser Stelle zu besprechen, möchten aber dieser unserer ersten Kritik einige Bemernmgen über die Vorgeschichte der Zeitschrift voraussenden, weil fie auf das Verständnis der deutschen Juden für die Palästinaforschung ein sehr interessantes Schlaglicht wirft. 1904 begann „Altneuland, Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinvs, herausgegeben von der zionistischen Kommission zur Erforschung Palästinas" zu erscheinen. 1905 und 1906 erschien fie weiter unter diesem Namen, fie erhielt 1907 den Titel „Palästina, Organ für die wirtschaftliche und kulturelle Erschließung -eS Landes", und schon Ende 1907 mußte die nur mangelhaft unterstützte Zeitschrift ihr Erscheinen einstellen. Die vier Bände, die heute in eleganter Ausstattung erhältlich find (Palästina-Kommtsfion, Berlin W., Uölandstr. 175), bllben kein Sammelbecken für hunderte von Etnzelberichten auS Jerusalem oder dilettantischen und poetischen Darstellungen, wie fie die schier unübersehbare Palästina« literatur jahraus jahrein in b ängstigender Fülle produziert. ^ie haben vielmehr einen dauernden ^viffenfchafttichen Wert. Unter der Leitung von Professor Marburg und Dr. Sosktn, zweier Männer, die auch von der deutschen Regierung als Kolonialsachverständige geschätzt fiitfr und zu Rate gezogen werden, zweier gründlichen Senner des Landes, besonders in agronomischer Begehung, — wurde die Monatsschrift sehr l ald auf ein so hohes Niveau gehoben, daß las ernsteste und wissenschaftlichste Palästinablatt, die Bierteljah.schrift des „Palestine Exploration Fund", die sonst fast die gesamten Neuerscheinungen der Palästinalileratur mit Stillschweigen zu übergehen pflegt, es für nötig erachtete, Inhaltsangaben der in „Altneuland" erscheinenden Artikel zu veröffentlichen. Es sei ausdrücklich bemerkt, daß von irgend einer tendenziös zionistischen Art der Darstellung nicht bas geringste zu verspüren war, ja, daß bei der Lektüre der drei Bände überhaupt kaum ersichtlich war, daß das Organ von Zionisten herausgegeben wurde. Ohne Rückficht aus irgend welchen Parteistandpunkt wurde die gesamte moderne Palästinaforschung gepflegt — kolonisatorische wie technische, rechtliche wie sanitäre, geographische wie politische, wirtschaftliche wie kulturelle — ganz besonders aber die Erforschung deS Landes in landwirtschaftlicher Beziehung. Kaum 4 Jahre hielt fich daS Blatt. Was die deutschen Juden für die wiffenschastliche Erforschung Palästinas an Geldmittel geopfert haben, ist fast genau auf NM zu schätzen. Bebentt man, was die Engländer bei den Ausgrabungen in Gezer, der jüdischen Grenzstadt Palästinas, und in Jerusalem, was die Oesterretcher in Taanak in der Ebene JeSreel und in Jericho, die Amerikaner in Samaria/ die Deutschen im Ostjordanland — zum großen oder größten Teil mit Hilfe privater Subventionen — geleistet haben, und hält man dem gegenüber, daß fich in Deutschland eine jüdische Wissenschaftliche Paläfttnazeitschrtft nicht länger als vier Jahre zu halten^ vermochte, so leuchtet ohne weiteres ein, daß das Verständnis der deutschen Juden fiir und ihr Interesse an der modernen wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas sowie ihre Kenntnis vom Lande auf einer kläglich niedrigen Stufe stehen muß — eine übrigens im Leben sehr leicht und sicher kontrollierbare Tatsache. Dabei bot die Zeitschrift — um auch diesen Entschuld! gungsgrund auszuschalten — neben rein wissenschaftlichen Originalarbeiten, wie etwa Berichten über Landesvermessung oder meteorologischen Beobachtungen, auch halb populäre und gänzlich populäre Aufsätze über die Lanöesnatur, den Stand der Kolonien, den Handel, das Bahnwesen Mid andere allgemein interessierende Fragen. Um auch weiterhin ein gewisses Mißtrauen zu beseitigen, etwa der Zeitschrift infolge ihres Namens „Altneuland" (bekan tlich der Titel eines Herzlschen Romans) entgegengebracht werden könnt«», erhielt fie später den Namen „Palästina". Man hätte glauben sollen, daß wenigstens jetzt das Organ von den vielen Freunden von .Erez Jisroel, die sich zumal im Lager der gesetzestreuen Juden finden sollten, oder von der aut jüdisch gesinnten Presse oder den an Palästina interessierten Vereinen und Institutionen Förderung erfahren hätte. Weit gefehlt! Man könnte darüber zweifelhaft sein, ob seine genettschen Beziehungen zum Zionismus das Blatt vielen deutschen Juden unsympathisch, oder belanglos, oder gefährlich erscheinen ließen, oder ob sich auch die besten Leistungen Sbie mauerdicke Verständnislosigkeit nicht durchsetzen m: Nehmen wir lieber das Letztere an — denn im ersteren Falle müßte unser Tadel noch um einige Grade verschärft werden. Tatsache ist jedenfalls, daß sich der recht kleine Ureis von Abonnenten fast ausschließlich aus Zionisten zusammensetzie. — Wie dem auch sei, die in den vier Bänden niedergelegten Art eiten haben einen dauernden Platz in der Palästtnaltteratur. Seil Anfang des Jahres erscheint nun anstelle der alten Zeitschrift eine neue, die den gleichen Namen trägt, die aber in ganz und gar populärer Form gehalten ist, und deren Jahresabonnement nicht mehr 6 Mk., sondern 2,53 kostet. Diese dünnen Heftchen mit ihren kurzen Originalaussätzen und ihren Zusammenstellungen der letzten Palästinanachrichten eignen fich naturgemäß zur Vorbereitung von Palästinawissen und -interesse viel eher als die ernstere, wertvollere, gediegenere Vorgängerin des Blattes, die bei ihren Lesern schon einen gewissen Grad von Wissen und Interesse voraussetzen mußte. Selbst für den, der einen großen Teil der Palästinanotizen hier und da zerstreut in den Tages- und jüdischen Zeitungen gelegen hat, ist es von Wert, eine allmonatliche geordnete Zusammenstellung der Nachrichten zu finden, weil er nur >0 ein lebendiges Bild von der Entwicklung der wirtjchaftltchen Verbältnisse gewinnt. Die Ansätze stammen aus der Feder jüdischer und nichtjüdischer Palästinakenner, und auch die Mitarbeiter der alten Zeitschrift liefern neue Beiträge, freilich in einer der Eigenart des neuen Blattes angepaßten Form der Darstellung. Die Mängel, die den ersten drei Nummern noch anhaften, werden bald überwunden, die Zeitschrift selbst wesentlich ausgestaltet werden, wenn das Blatt jetzt die Unterstützung findet, die leider demselben Berfuche in einer mehr wissenschaftlichen Form versagt geblieben ist. Wir werden in unseren späteren Krittken den Inhalt einzelner Aufsätze besprechen. Heute begnügen wir uns mit dem bloßen Hinweis auf einige Arbeiten, die fich in den drei ersten Heften finden. Dr. Strauß-Zürich schreibt über „Das Interesse an Palästina", Rektor Eberhard über „Wert und Wertstetgerung des Bodens im Orient", Srofessör Steuernagel über „30 Jahre deutscher Palästinaorschung", Dr. Friedemann über „Jüdische Kunst im Palästina". 86. Der Miichnatraktat Sabbat, ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Dr. Georg Beer, Professor der Theologie in Sttaßburg i. E. Tübingen, Verlag I. C. B. Mohr, 1908, 8 V Das Wagnis des christlich theologischen Ghmnafialoberlehrers, Lic. theol. Paul Fiebig in Gotha, auSgewählte Traktate der Mischna in besonders das Verhältnis zum Neuen Testament berücksichtigender, mit Anmerkungen versehener Uebersetzung herauszugeben, vollzieht sich in raschem Fortschritte der Arbeiten. 1905 erffnete Joma die Reihe, und jetzt liegt uns bereits das Anfte Heft mit Sabbat vor. Es ist hier nicht der Platz, i>ie persönlichen kirchlichen Anschauungen des christlich theologischen Uebersetzers und Erklärers über die Geschichte und Entwickelung des Sabbaths gebührend zu beleuchten. Tie ganze von diesem Inhalte erfüll e Einleitung, die mehr als 30 Druckseiten stark ist, ist nichts als eine tendenziöse Systematik sattsam bekannter btbelkrittscher Fantasten zur Verherrlichung der Kirche. Die schon längst bloSgelegte Hinfälligkeit derselben wird keineswegs durch den blasphemierenden Ton verdeckt, mit dem der Straßburger Herr Professor einzelne jüdisch reltg _ . . Vorschriften des Sabbaths -behandelt. Dafür tastet in der mtschnaittschen Terminologie noch ziemlich unsicher rQtf übersetzt er konstant mit „Abend vor Sadbath" □nDlN OTDDm heißt bei ihm: andere Gelehrte sagen- M2V DWD fließt er wieder: wegen der Sabbatruhe. Ein geradezu ttaffischeS Beispiel für die Berständnislofiigkeit, mit der er dem Geiste und der Sprache deS jüdischen RMgivNsgesetzeS gegenübersteht, ist feine Darstellung der vorletzten der 39 Hauptarbeiten: V'vOü nDDi"!/ „wer mit dem Hammer schlägt", zu welcher Uebersctzung er noch die Erklärung hinzufügt: Musterbeispiel für Geräusch machen. Wieviel höher steht da die Uebersetzung teS alten Johann Jakob Rabe, der sich aus BartmoraS Kommentar eingehender zu unterrichten suchte! Ein Hauptfehler der Beerschen Arbeit liegt darin, daß fie mit heißem Bemühen die Uebersetzung aufs Genaueste an den Oriosialwortlaut anzuvassen sucht. Für den Mangel des Eindringens in das Verständnis der einzelnen Sätze bei Beer zeugt seine Auffassung von der Stelle Kap. III.; ■vsn ymn n tcntsf wo pn pu «in bzb nvi« 'n, was er als eine Art Regel betrachtet. Die niD-Strafe heißt bei ihm: Ausstoßung aus der Gemeinde. Rühmend sei das Streben, die einzelnen Kapitel ihrem Inhalte nach mit Ueberschristen zu versehen und die Aufeinanderfolge der Kapitel in innerlichen Zusammenhang zu bringen, hervorgehoöen, desgleichen die lexikalischen und sprachtkchnischen Erklärungen. ''L ' 7 - ttnipn. Lingegangene B lieber. (Besprechung Vorbehalten.) „Jewish Mystics.“ Au appreciation by Dr. S. A. Hirsch, Londoft. (Jewish Quarterly Review). „Zacharias Frankel" als Rabbiner. Rede von Dr. H. A u e r b a ch. (Verlag Louis Lamm,' Berlin.) 1908. „Unter seinem Banner." Ein Beitrag zur Würdigung Rabb. Samson Raphael Htrschs von Dr. Raphael Breuer, Frankfurt a. M. (Gebr. Knauer. Frankfurt a. M.) „Zionistisches A-B-C-Buch "(ZionistischesZentralbüro, Berlin Charlottenburg.) „Palästina." Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas. 5. Jahrgang, l. II. und HI. Heft. (Verlag: „Palästina") München. „Illustrierter jüdischer Fannlienkalender" fiir das Jahr 5668 (1607-1908.) Berlagsöüro, Berlin, Leipzig. „Die Rechtsstellung der Juden im prenstifchen Boltsschulrechte" von Tr. Jsmar Freund. (I. Guttentag, Berlin). .Der Kosmos" von Gutberlet. (Ferd. Schömigh, Paderborn). .Ein neues Religionsbuch" von Rabbiner Dr. Coblenz, Bielefeld. (Quelle & Meyer, Leipzig). Gedenkrede" über Rabbi Mordechat Benet s. A. gehalten von Rabb. Dr. M. Lewi», Nikolsburg. (Bon der Israelitischen Kultusgemeinde Nikolsburg veröffentlicht.) „Pauline Wenge ross" Memoiren einer Großmutter. Bilder aus der Kulturgeschichte der Juden Rußlands im 19. Jahrhundert I. Band. (Nt. Poppelauer, Berlin.) □'tsDwn mw w by n^D:n nvunn nnn von Simon Menachem Lasar, („Hamizpah", Krakau.) Ltterarirche ßotlz. Nürnberg, 30. Juni. Es sei hiermit auf den traurigen Umstand htngewiesen, baß fich in den verschiedensten Werken, sowohl unserer Gebetbücher, als auch unserer sonstigen Literatur auffällige, oft widerfinnige Fehler finden, die immer wieder in den verschiedensten Ausgaben wiederkehren. Beginnen wir mit dem großen Gebetvuche HllDy" von Baer, so findet fich Seite 364^ statt ‘n bü HWD HtfD b» 'n IDtfO Wenn auch in jenem Gebetbuche noch mancher Druckfehler stch findet, so verdient besonders dieser her- Vorgehoven zu werden, weil fich derselbe schon im Heidenhetmschen Machsor tPxsach II.) 1821 auch in allen bei Lehroerger gedruckten, namentlich in denen mit deutscher Ueberetzung befindet. Selbst manche Sulzbacher Ausgabe hat iliefen Fehler nachgedruckt. — Und nun noch ein trauriges Beispiel, — da es von der Oberflächlichkeit, mit welcher oft kasutstische, wichtige Werke gelesen werden ‘ igt — Rab. Äschert im Älfast Band I. Hil. Sepher »ora: Man darf aus alten Thoratetlen nicht Tefillitt ^fertigen: miDII HWnpi? H^p WnpD PTTID vb So"zu lesen in Sulzbacher, Preßburger und noch verschiedenen Ausgaben. Noch einen, auf alle neuen Ausgaben des Tur übergegangenen Druckfehler, möchte nicht un erlassen anzuführen, nämlich in i"2, yüW steht ein Wort das gar nicht existiert. Es soll natürlich heißen: rVDDJ was bekanntlich Gips bedeutet, hier auch auf Kalk angewendet. Nürnberg. S. M. AnSbacher.