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Der Israelit · 1908-07-09 · Heft 28 (9.7.1908) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 28 (9.7.1908)
Date
1908-07-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6. Nr. i Der J»raeltt. 9. Jult 19» 8. Var m$$i$cbe Bildunflsproblem. (Fortsetzung.) Diese „Rabbiner", welche die Geheimnisse aller offiziell unmöglichen Schulen, Vereine, Anstalten und Unternehmungen kennen und verraten, sind der fortwährende Schrecken, der lähmend auf jedem Gemeinwesen lastet. Diese „Rabbiner" werden von der einzigen für diese . Zwecke vorhandenen Fleischsteuer bezahlt. Für die wirklichen Rabbiner, die sich jede Gemeinde selbstredend wählt, sind nicht einmal die rechtmäßigen Mittel zu ihrer Salarirung vorhanden. Zn welchen Behelfen die erfinderische Not greift, wie man Salz, Hefe usw. besteuert, um kopekenweise die für Anstellung des eigentlichen Rabbiners erforderlichen Beträge aufzubringen, wie selbst das heimlicher Weise geschehen muß, wie Die ganze Autorität des gesamten Rabbinerständes durch diese und ähnliche Maßnahmen notwendig schwer leiden muß, das alles sind mittelbare und unmittelbare Errungenschaften der modernen Kultur, die man der russischen Judenheit gewaltsam aufzupropsen versuchte, und die in den „Kronsrabbinern" und dem ihnen anhaftenden Jammer ihre greifbarste Verkörperung gefunden Dem verderblichen Einfluß dieser eigenartigen Kultur-Träger ist es auch zu zuzuschreiben, daß der neu erstandene Wohlstand den jüdischen Institutionen, die seiner so sehr bedurft hätten, nicht nur nicht zu Gute kam, sondern sich sogar von ihnen abwandte uud sie bekämpfte. Wohl hat sich damals mit der Hebung der materiellen Zustande auch die Hebung der Thora und ihrer Jünger vollzogen. Die zu Reichtum gelangten Kaufleute gaben ihrer Verehrung für die Thora und ihre Meister vielfach dadurch Ausdruck, daß sie sich mit hervorragenden Thora gelehrten verschwägerten. Aber diese und ähnliche Symptome der hochachtungsvollen Verehrung, deren sich die Thora damals erfreute, war für unsere Bildungsverbreiter Grund genug, dieser hohen, idealen Gesinnung entgegen zu treten und sie durch eine frivole, alles Heilige in den Staub zerrende Literatur zu vergiften. Die Regierung anderseits, welche damals die allgemeine Aufklärung des Volkes im ganzen Reiche sich angelegen fein ließ, wurde von ihnen geradezu gedrängt, auch in die jüdischen Interna einzugreifen, und dort diese verhängnisvolle Sorte von Bildung zu verbreiten. Sie spielten sich dabei als die Freunde des wahren Fortschrittes bei der Negierung auf, während sie gleichzeitig den jüdischen Reichen schmeichelten und sie beredeten, auf diese Weise mache man sich bei der Regierung und ihren Vertretern beliebt, um alle möglichen politischen Rechte und Vorteile zu erlangen. Durch ihre schamlose Literatur und dieses Liebäugeln mit der Regierung, gelang es ihnen mit oer Zeit die Wohlhabenden in ihre Netze zu locken und auch sie zu Feinden und Bekämpfern des Gott'esgesetzes zu machen! Die Intentionen der damaligen Regierung waren gut, neben Berücksichtigung und Stärkung der Religion wirkliche Bildung und Aufklärung des Volkes auch bei den Juden zn verbreiten. Aber die vollziehenden Beamten, die sich nur auf die Schablone verstanden und nicht die Einsicht und die Fähigkeit hatten, die Absichten der Regierung auszuführen, wurden bald gefügige Werkzeuge in den Händen unserer „Gebildeten." Wie mechanisch und gedankenlos diese Beamten bis hinauf in die höchsten Ministerien oft ihres Amtes walteteten, auch wo cs sich nicht um jüdische Angelegenheiten handelte, dafür nur ein einziges klassisches heileres Beispiel aus jener Zeit. Anfang der sechziger Jahre trat die Regierung mit einer französischen Gesellschaft in Verbindung, der sie den Bau einer Eisenbahn von St. Petersburg nach Warschau übertrug. Bevor der Vertrag unterzeichnet wurde, legte ihn die Regierung sämtlichen Ministerien vor, um ihn durch Bemerkungen der einzelnen Ressortminister zu ergänzen Der Minister für Post- und Verkehrswesen hatte zu dem Vertrage nichts zu bemerken. Was könnte auch die Postverwaltung für ein Interesse an einem Vertrag zum Bau einer Eisenbahn haben? Als die Bahn fertig war und am ersten Tag ihres Betriebes ihr die Poslbeutel zur Beförderung übergeben werden sollten, weigerte sich die Bahn Postsendungen anders, als gegen Bezahlung anzunehmen, da sie vertraglich nicht zur kostenlosen Beförderung der Post verpflichtet sei. In dem Vertrag war von der Postbeförderung mit keinem Wort die Rede! Ein halbes Jahr lang nach Eröffnung der Bahn mußte die Post noch wie bisher durch Pferdefuhrwerk besorgt werden. Während ein Reisender den Weg von Warschau nach Petersburg in zweimal 24 Stunden znrücklegte, brauchte ein Brief für dieselbe Strecke zehn Tage! Dieser geistlose verknöcherte Mechanismus ist bis auf den heutigen Tag das Charakteristikum des russischen Beamtentums geblieben. Wie dieser Zustand vvn den jüdischen Aufgeklärten ausgenutzt wurde, kann man sich denken. Sie verwandten sich zu Gunsten jüdischer Studenten für Stipendien aus dem Ertrage der Licht steuer, über welche diese Beamten zu verfügen hatten*) Sie empfahlen aber nur solche Studenten, welche Sabbat und Jomtof durch Schreiben öffentlich entweih t e n. Die Beamten mögen dabei bona kicke gehandelt haben, ihre jüdischen Hintermänner wußten dafür umso besser was sie taten, wenn sie auf diese Weise die gebildeten jungen Leute das älteste Heiligtum der Menschheit zu vernichten zwangen. Das war nur eines der vielen Mittel, welche unsere Aufklärungs-Zeloten anwanden, um das alte Judentum der Väter gegen das Linsengericht formaler Bildung und der daraus erhofften politischen und sozialen Vorteile, zu verschachern I Wer will es den Anhängern dieses überlieferten Judentums verübeln, wenn sie ihre Kinder diese staatlichen Anstalten nicht besuchen ließen und die Aneignung von allgemeiner Bildung durch Hauslehrer auf privatem Wege zu erreichen suchten? Nimmt man zu allem bisherigen die Gefahren, die jeder Wo lstand für jede gute Gesinnung und jeden festen Charakter mit sich bringt, besonders wenn der Wechsel von drückender Armut zu großem Reichtum so jäh und unvermittelt, wie hier, erfolgte, so wird man die geringere Gewissenhaftigkeit und die laxere Pflichterfüllung, die sich selbst bei bisher streng religiösen Familien bemerkbar macht, nicht auffallend finden. Aber der Abfall und der Tre.ubruch unserer Reichen hätte niemals ohne den verderblichen Einfluß der aufgeklärten Fortschrittler solche furchtbaren Dimensionen angenommen. Die Regierung und ihre Beamten hatten diese Vertreter der neuen Kultur durch ihre Schmeicheleien und Verbündeten bereits gewonnen. Dieser verderbliche Einfluß wurde wesentlich verstärkt durch die Rabbinen, welche aus den Rabbinerschulen hervorgegangen waren und mit staatlicher Autorität ausgestattet, ihres Amtes walteten. Ein Teil derselben wurde als Censoren angestellt, ohne deren Genehmigung kein jüdischer Buchstabe gedruckt werden durfte. Dadurch machten sie ihren Einfluß auf die ganze neuzeitliche Literatur in wahrhaft erschreckender Weise geltend. Sie ließen alles frei, passieren, was gegen die Thora und ihre Vertreter gedruckt wurde und verboten alles, was letztere zu ihrer Verteidigung und Rechtfertigung vorzubringen hatten. Sie gründeten Zeitschriften in hebräischer, russischer Sprache und im Jargon und verbreiteten die Giftsaat ihrer Gottesleugnung mit einem unerhörten Raffinement in allen Schichten der Bevölkerung. Sie gaben wie alle Volksbeglücker vor, daß sie nur das Wohl der Gesamtheit im Auge hätten und schmuggelten unter solchen Floskeln die Gleichgiltigkeit und den Treubruch - ' . ' * :-!»!»I Unter Lichtsteuer ist eine staatliche Abgabe für lebes einzelne Sabbatliä t verstanden, deren Ertrag der Bildung und Aufkläruug der russischen Judenheit zu Gute kommen soll l! mit vollen Händen unter das Volk, das gar keine Ahnung von dem tödlichen Gift hatte, das ihm in dieser Form gereicht wurde. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenzen und Nachrichten. Deutsche« KeUtz. die Petition des IUürcburger Lehrer- Seminars. München, 20. Juni. Wir haben über die wohlwollende Aufnahme, welche die Petition des Würzburger Seminars um Staatszuschuß in der bayerischen Kammer fand, bereits gleich nach der Kammersitzung berichtet. Tie Reden, welche bei dieser Gelegenheit vom Referenten, dem Zentrumsabgeordneten Tr. Schädler wie auch von seiten des liberalen Tr. Günther gehalten wurden, scheinen uns indessen bemerkenswert genug, um eine genaue Wiedergabe nach dem amtlichen Stenogramm Ul rechtfertigen. Tr. Schädler führte zunächst als Referent folgendes aus: Zur Begründung führt die Petition aus, die israelitische Lehrerbildungs-Anstalt Würzburg sei 1864 von dem verstorbenen Distrikts - Rabbiner Seligmann Bamberger begründet und seitdem fast ausschließlich durch auf privatem Wege aufgebrachte Wohltätigkeits-Beträge aus den jüdischen Kreisen Bayerns und darüber hinaus erhalten worden. Es sei diesem Gemeinsinn, dieser Opferwilligkeit weiter jüdischer Kreise zu verdanken, daß die im Laufe der Zeit immer gesteigerten Anforderungen an die Anstalt, die sich aus den Auflagen ergeben hätten, die seitens der K. Kreisregierung und auch durch das Ministerium in Bezug auf Umgestaltung des Lehrplanes und der Ausgestaltung der Räumlichkeiten gemacht worden seien, hätten erfüllt werden können. Diese Opferwilligkeit ist ganz gewiß anzucrkennen. Es diene auch die Anstalt der Erfüllung eines dringenden Bedürfnisses innerhalb des bayerischen Judenwms. Das ergebe sich schon daraus, daß sie während des 43 jährigen Bestehens ungefähr 400 Zöglinge als Lehrer entlassen habe, die teils als Voltsschullehrer, teils als Religionslehrer in allen Teilen Bayerns wirkten. Das Bestehen der Anstalt diene den Interessen des bayerischen Staates, indem sie denselben in der Erfüllung der Ausgabe, auf religiöse und sittliche Erziehung der israelitischen Jugend bedacht zu sein, unterstütze. Sie diene auch dem Staat insofern, als, wenn die israelitische Lehrerbildungs-Anstalt nicht bestände, die israelitischen Kandidaten des Lehrerbildungssaches gezwungen sein würden, die staatlichen Seminarien aufzusuchen, um dort Unterkunft zu finden. Es müßte also der Staat infolgedessen für die Erteilung oes israelitischen Religionsunterrichtes in viel weiterem Umfang als bisher Aufwendungen machen. Tatsächlich liegt die Sache so, daß die wenigsten israelitischen Präparanden bei der allgemeinen Uebersüllung der staatlichen Seminare in biejen iInterfunft finden, wenn sie Unterlunft zu finden wünschen, sie vielmehr meistens geradezu gezwungen sind, die israelitische Bildungs-Anstalt in Würzburg aufzusuchen. Es. ist darum die Existenz dieser Lehrerbildungs-Anstalt eine Notwendigkeit, insbesondere auch in Rücksicht aus die intensivere Ausbildung in den Fächern der jüdischen Religionslehre für die bayerischen Israeliten. Nun sind die Vorstandschaft und das Mrratorium der israelitischen Lehrerbildungs-Anstalt den Wünschen und Forderungen der K. Behörden hinsichtlich der Verbesserung und des Ausbaues der Anstalt stets nachgekommen, ohne die großen materiellen Aufwendungen zn achten, deren Beschaffung immerhin nicht leicht war. Vor zwei Jahren nun ist es notwendig geworden, im Interesse der Entwickelung der Anstalt und in Rücksicht auf ihren Fortbestand durchgreifende Aenderungen vorzunehmen. Durch diese ist aber auch die Anstalt an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angekommen. Die Petition weist darauf hin, daß die älteren Lehrer pensioniert wurden, daß neue mit größeren entsprechenden Gehältern angestellt und mit Pensionsberechtigung ausgestattet werden mußten, daß die Anstellung eines Oberlehrers notwendig geworden ist,

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