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Der Israelit · 1908-07-02 · Heft 27 (2.7.1908) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 27 (2.7.1908)
Date
1908-07-02
Page
– (sequence 22)
Language
German
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W Seite 22. Nr. 27._ für Gcld qessßeben im Dienste des Heiligtums. Und mo fi'isse Einnahmen sind, da hört das fatsche Interesse an einer Sache von selbst auf. Die Lehrer aber, denen es ernst ist mit li.rer Emnnoh, die rein dastehen wollen vor ihrem Gewissen, die müßten beispielgebend vvrangehen und die Brautpaare an gesetzeskundige und gesetzestreue Rabbiner verweisen. Wir sind auch überzeugt davon, daß ein jeder dieser Rabbiner gern aus irgend welches Honorar zu gunsten des Lehrers verzichtet. Sicherlich aber dürfen wir auf eine Reihe gesetzestreuer und gesetzeskundiger Lehrer Hinblicken, die zur Vornahme von Trauungen nach Ablegung einer entsprechenden Prüfung autorisiert werden können. Jedenfalls kann das Eine jeder Lehrer tun. Sobald ihm eine Trauung übertragen ist, uberweist er zur Bearbeitung die Personalien einem gesetzestreuen Rabbiner, nimmt auf dessen Rat die Trauung an oder lehnt sie ab und verfährt im übrigen nach der Anweisung des Rabbiners. Das wäre das Wenigste, was man verlangen kann, und wir glauben, das ist ein Vorschlag, den jeder ohne falschen Stolz annehmen darf. Und damit wäre schon viel gewonnen. Wie immer auch die Bolksmeinung sich zu diesen Ausführungen stellen wird: So wie bisher . darf es in gesetzestreuen Kreisen auf dem Lande nicht weitergehen. Zu einem Nachruf, zu einer Beerdigung ist kein Rabbiner Aötig, wohl aber zu einer Trauung. Es ist ein ernstes Anliegen des Volkes, das wir da besprochen haben. Die Heilighaltung der jüdischen Ehe, die Reinerhaltung der jüdischen Familie, die Weihe des jüdischen Volkes soll ihm erhalten bleiben und der „Bau für alle Zukunft" muß den Geschlechtern nach uns überantwortet werden, so stark und fest, wie wir ihn von den Vätern übernommen haben. Aone, gesprochen rum Hndenken an Rabbiner Samson Raphael Rlrsch gelegentlich der >oo. Wiederkehr reines 6eh«rtstager. Köln, 21. Juni. Wenn diese Stunde dem dankbaren Gedenken eines wahrhaften Gerechten, Samson Raphael Hirschs V'ST, geweiht ist, so wüßte ich unser» schwachen Worten, die wir ihm widmen möchten, kaum ein besseres als Motto vorausznschicken, als ben j einleitenden Vers des gestrigen Wochenabschnittes : nN "jnVyns t^k rne* * *o jnnt* ->2i rman tvk* rmaan ^as Via rman „Wenn Du die Lampen austeuchten lassest, sollen der Richtung des Leuchters zu die sieben Lampen leuchten". In dem Ausdruck ny2L* im Unterschiede von nn: ny2ir liegt die einheitliche Zusammengehörigkeit dieser L'chter. Sie erklärt sich aus der herrlichen Auffassung von der Beoeutung des Leuchters, in welchem Rabbiner Samson Raphael Hirsch die symbolische Darstellung des nachmaligen jesajanischen.Wortes erblickt nv, na'ai norn nn *n nn rby nmi 'n ntm njn rrn miaai nxy „Es tvird auf ihm ruhen der Geist Gottes, der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist der Ueberlegung und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.') Sowird dastehen „das Reis, das aus Mais Stumpf als Menschheitserlöser hervorgehen wird und die Blüte, die aus seinen Wurzeln sich entfaltet",*) sie wird die innigste Bereinigung aller menschlichen Fähigkeiten darftellen, des praktischen Scharfblickes mit der x) Jesajas 11, 2. *) Jesajas 11, 1. Der Israelit. theoretischen Vernunft, der praktischen Energie mit der theoretischen Besonnenheit, des praktischen Gottesbewußtseins mit der theoretischen Erkenntnis, daß auf dem also entwickelten Menschengeifte der Gottesgeist seine Ruhe nehme. Diese endliche Blüte des jüdischen Geisteswesens und alle die Blüten, die der jüdische Baum der Erkenntnis getrieben, all die großen Männer, die die Annalen der jüdischen Geschichte verzeichnen, haben es verstanden, neben der Forschung die Tat zu pflegen und über dem Leben umfassender Pflichtbetätigung Ue Pflege derTaurohwissenschaft nicht zu vergessen. Als nrun ny3tr als große Einheit haben sie das Menschenleben erkannt, als große Einheit das vielseitige Denken und Schaffen, als Einheit die Kraft des Geistes und des Körpers, denn einer umfassenden Einheit dankt die Vielheit ihr Dasein und strebt sie zu: 'n rrn TTy nnai der Einheit des. göttlichen Wesens, das Seine Rühe nehmen möchte, auf dem Menschen-Wirken. Als Einheit liegt vor uns das Denken und Schaffen von Samson Raphael Hirsch. Wie der Leuchter im Tempel, so steht sein Name da im Heiligtume seines Volkes, um mit seinen eigenen Worten zu reden: „Ein vom Wurzelstock bis zur Blüte aus einem Stück vollendeter goldener Baum/") Die Wurzel sein Denken, die Blüte sein Schaffen : aus einer Quelle, zu einem Ziel hin. 1. Am 24. Siwan 5568 19. Juni 1808 im Hamburg geboren, bereitete Samson Raphael Hirsch sich schon früh nach kurzer Zugehörigkeit zum Kausmannsftand zu den Füßen des seligen Chacham Bernays auf seinen künftigen Beruf vor. Dieser Lehrer, der zuerst Torah mit Bildung verband, übteeinen nachhaltigen Einfluß auf seine Welt- und Lebensanfchauung aus und durfte wohl auf Samson Raphael Hirsch als seinen verständnisvollsten Schüler Hinblicken. Nach Absolvierung der vorbereitenden Studien begab sich Hirsch nach Mannheim, um dort unter Leitung des nachmaligen Oberrabbiners zu Altona, R. Jakob Ettlinger Vst, talmudischen Studien obzuliegen. In den Schriften dieses Gelehrten, besonders in seinem Werk 'ay nnaö, finden wir schon zahlreiche Töne, die dann später im Denken und Wirken Hirschs zu mächtigen Akkorden anschwellen. Bon Mannheim aus bezog er unsere rheinische alma mater in Bonn und unterhielt dort freundschaftliche Beziehungen zu einem jungen Studiengenossen, seinem spateren Antipoden Abraham Geiger. Im Alter von 22 Jahren erhielt er 1830 die Berufung als Rabbiner nach Oldenburg. Nie hatte er es zu beklagen, so früh ins Leben getreten zu sein. Das ftühe Ringen stählt die Kraft, der frühe Kampf erzeugt den Mut, das Bewußtsein der Verantwortung reift den Ernst und die Notwendigkeit zu wissen mehrt das Wissen. Was beweist das besser, als der Umstand, daß schon 1836 die „Neunzehn Briefe" erschienen und das als „Voranfrage wegen der Herausgabe" des damals schon fertiggestellten „Choreb". Brauchte doch der achtzigjährige Greis an der zweiten Auflage der „Neunzehn Briefe" keinen Strich zu ändern.4) So einheitlich abgerundet liegt der Lebenslauf Rabbiner Hirschs vor uns, „vom erwachenden Bewußtsein bis zum letzten Atemzug." Schon 1837 erschienen dann „die Versuche über Jisroels Pflichten". In diesen Versuchen des jugendlichen Verfassers, die das ganze in der Diaspora gültige Gebiet der Halachah umfassen, kommt bereits die Auffassung der Gesetze zum Ausdruck, wie sie in dem erst viele Jahre später verfaßten Pentateuchkommentar niedergelegt sind. Damals war schon auch sein sprachliches System die Grundlage, auf dem sein Gedankengebäude sich erhob. Noch kurz vor dem Abschied aus Oldenburg erschienen am 1. Chanukkahtage 5601 1841 die „Jüdischen Anmerkungen zu den Bemerkungen eines Pro- *) Kommentar zu 4. B. M. 8, 4 4) Mendel Hirsch: „Samson Raphael Hirsch und die Jsr. Relic,ionsgeseüschaft zu Frankfurt" 1897, S. 191. ___ 2. Juli 1908. testanten über die Konfession der 22 Bremischen Pastoren." Gelegentlich eines Kirchenstreites war von einer Seite, die das „Neue Testament" über das „Alte Testament" zu erheben bestrebt war, das Judentum und sein Gesetz herabgewürdigt worden. Da trat der junge Hirsch unerschrocken auf den Plan, um ebenso gründlich und sachlich, als glänzend und feurig, ebenso wahr und offen, als mutig diese Angriffe zurückzuweisen und zu zeigen, wie allen und allem voran das Judentum das Leben der Tat, die Lehre von einem gottheiligen Menschen- und Volksleben kennt. Es betont der Gotteinheit gegenüber die Lebenseitlheit, die Gestaltung und Weihe des ganzen Lebens durch ein Prinzip, das Prinzip der Einheit Gottes. Und einer Welt entgegen, die auf einen Vorzug pocht, den sie vor der jüdischen Gottesbibel voraus zu haben wähnt, schleuderte er die Worte: „So lange in dem so stolz seiner Freiheit sich rühmenden Staatenverein auch schon die leiseste, herausgewittertste Hautschattierung, Menschenadel und Menschenachtung raubt, so lange freie Städte ihre Mauern, Zünfte ihre Rechte, Gesellschaften ihre Zirkel, Menschen ihre Rechtsachtung noch einem — Juden versagen, und was jedem Wurm gestattet ist, sich nähren und sein häusliches Nest bauen, dem Juden noch meistens verkümmert ist, so lange noch Menschen über Menschen seufzen, daß man ihnen versage, was man sich erlaubt, so lange mache man noch nicht viel Rühmens von „unserer Zeit" und „unserem Bewußtsein", so lange hat unsere Zeit noch nicht die ersten Elemente jenes Gotteinheitsgedankens ganz betätigen gelernt". 5) Diese Worte hatten ihre Wirkung nicht verfehlt und fanden bei hochgestellten Persönlichkeiten volle Anerkennung. Nach elfjähriger Tätigkeit im ersten Wirkungskreis wurde Hirsch am 13. Mai 1841 zum Landrabbiner von Aurich und Osnabrück mir dem Sitz in Emden gewählt. In den Jahren 1844 und 1845 verfaßte er dort die „Mitteilungen über die neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Literatur". Es sind zwei Broschüren, die ebensosehr von wissenschaftlicher gründlicher Arbeit zeugen, als sie für die Geschichte und das Wesen der Reform von großem Werte sind. In denselben verfolgt Hirsch dieselbe Methode, die er später anwendet, um Graetz seiner Oberflächlichkeit und Unwahrhaftigkeit zu überführen. Nach fünfjährigem Verweilen in Emden folgte Hirsch 1846 einem Mordechai Baneth und Nachum Trebitsch auf dem Rabbinatsitz von Nikolsburg, um am 30. Juni des folgenden Jahres von den Rabbinen zu Boskowitz und Elbenschütz als Landrabbiner von Mähren und Schlesien installiert zu werden. In Emden trauerte man förmlich, selbst die christliche Kaufmanschast sandte eine Deputation, um den Rabbiner zum Bleiben zu bewegen. In Mähren frohlockten 30 000 Juden seinem Kommen entgegen, so bekannt war sein Name bereits geworden.7) Als Scheidegruß aus Deutschland begleitete Hirsch ein Widmungswort, das lautet: „Dem Herrn Landrabbiner Samson Raphael Hirsch, dem geistvollen Kämpfer für das geschichtliche Judentum, dem unvergeßlichen Lehrer, dem väterlichen Freunde in Liebe und Dankbarkeit zugeeignet." Diese Widmung findet sich an der Spitze der Schrift „Gnostizismus und Judentum" von Dr.Hirsch—später: Heinrich — Graetz. Einige Jahre später hatte Graetz allerdings in seinem Geschichtswerk seines „unvergeßlichen" Lehrers Erwähnung zu tun, vergessen. Eine Ironie des Schicksals, daß er in der Lapidarinschrist dieser Zueignung Hirsch das schönste Denkmal setzen mußte. In Mähren arbeitete Hirsch für die seinem Rabbinat unterstehenden 50 Gemeinden eine Verfassung aus, die auch das gesamte Schulwesen vom Elementarunterricht bis zur jüdisch-theologischen Fakultät umfaßte. Die Reaktion verhinderte die Ausführung. Hirsch war ftir einen ») S. 32. 7) „Israelit" 1889, S. 46. den ten und die c archo M st und tvenr Bäte storb Rabl befini Rabk uners heit, Entsc der 3 wiesei der v samkc ihm \ erwoi Lauft zugett eigene Leben scheid, der 2 -Glanz *8, di uns d berief Hirsch licher als F die do die do lose, c neu 2 Da kl Form« sinnur Herzei T.a) Kremste *) ,

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