Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1908)
- Date
- 1908-07-02
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449298-2449326--64677-2507277- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 27.. 2. Juli 1908. Der JSraelit. ein ägyptischer Jude seiner Frau gegeben hat, Schophars, darunter seltene aus schwarzem Horn und eine Menge anderer Ritualgegenstände. “! Einen der wichtigsten Teile der Sammlung bilden natürlich die Manuskripte, Seftr Thoras und Megilloth. Sie sind in überreicher Anzahl und in kostbaren Stücken vertreten. Miniaturthorarollen, -eine Thora mit Haftaroh und Megilloth. Biele haben kostbar geschnitzte Holzstäbe und sind unvergleichlich schön geschrieben. Mehrere enthalten die vollkommene iAbb. 7. CharoffeS Behälter. in bildlichen Darstellungen, die sich inbezug auf künstlerische Vollendung in^nichts von nicht jüdischen Arbeiten der gleichen Zeitepoche unterscheiden. Ausgestellt sind nicht weniger als ungefähr 90 Megilloth, die zusammen einen der größten Schätze der Sammlung bilden. Erwähnen möchten wir noch eine Megillah, deren Textseiten immer mit dem Worte Hamelech beginnen, worin also eine außerordentlich kunstvoll kombinierte Berechnung find schon lange in ihrem Sammelwerte erkannt und deren gibt es vielein öffentlichen und Privatsammlungen. Die Ausstellung enthält einige gute gedruckte und geschriebene Exemplare. Zum Schluffe sei noch der Manuskripte und seltenen Drucke gedacht, die in großer Menge in der Ausstellung vorhanden sind. Da finden wir das Fragment einer italienischen Handschrift aus dem Jahre 1494, das zwei Seiten eines Testaments eines frommen Juden enthält, eine sehr schöne Pergamenthandschrist mit vollständigem Gebetritual, ausgestattet mit wunderbaren Initialen, Randleisten und echten Miniaturen in Gold, Rot, Grün und Blau, dem Jahre 1454, ein Machsor aus dem Jahre 1597 — ein sehr vornehmes Pergamentmanuskript — und schließlich eine Miniaturhaggadah in einer ganz sonderbaren und ungewöhnlichen Form. Sie besteht aus 64 kreisrunden Blättchen, die fächerartig zusammengefaltet sind. Es dürfte schwer halten, ein Gegenstück dazu zu finden. So bietet die Ausstellung eine überwältigende Fülle des Neuen und Interessanten. Der jüdische Gelehrte und Kunstfreund wird hier ein wahres Dorado jüdischer Kunstschätze finden, aber auch der Laie wird nicht ohne innere Anteilnahme an diesen Zeugen einer Vergangenheit Vorbeigehen, die bei allem äußeren Drucke doch eine solche Fülle innerlichen Lebens barg, wie es sich in den hier ausgestellten Schätze» ausspricht. Der Abb. 8. Tallts. Besitz der a«-stekle«de^ Gesellschaft. der TextverteiKmg lag, und eine andere überaus vornehm ausaestattete Megillah, in großer ele- * ganter Quadratschrift mit reichem farbigem Säulen- und Bignettenschmuck und großer Phantasieillustration am Schluß. Diese - Megillah wurde nach einer hebräischen Aufschrift im Jahre 1669 gebruckt und gehörte einem gewissen Mardochai Pinto, offenbar einem Angehörigen der bekannten h-lländischen Judensamllie de Pinto. In einer Randglosse ku den Segenssprücheu befindet sich zu beiden Seiten ein Gedenkschreiben des Pinto, der Gott dankt, daß es ihm vergönnt war, diese Megillah, die so schön mit Farben, „teurer als Gold und Silber ausgestattet ist", zu erwerben, Unter den Megilloth befindet sich auch eine lokale Megillah, ein bisher unveröffentlichtes Pergamentmanuskript enthaltend einen Dankpfalm der jüdischen Gemeinde in Padua in großer vornehmer hebräischer Quadratschrist mit farbigen Vignetten und Säulen. Darin wird in klassischem Hebräisch die Errettung der Judengemeinde im Jahre 5444 (1684) am 10. Elul von der Geschr einer Ritualmordanklage beschriebe«. Das überaus interessante und wertvolle ManuWpt verdiente sehr wohl herausgegeben und Wnnentiert zu werden. NatürlichHAen auch nicht Haggadas, wenn hierin dieHmmsttüngauch nur klein ist. Hagadahs Kunstgelehrte möge untersuchen, ob die hier vereinigten Denkmäler etwas Originelles gemeinsam haben, das man als etwas spezifisch Jüdisches in der Kunst bezeichnen könnte. Manche Anzeichen eines solchen jüdischen Stiles scheinen vorhanden zu sein, wenn auch die große Menge des Ausgestellten bei oberflächlicher Betrachtung nur den Stil ihrer Umgebung uyd Zeitepoche wieder^uspiegeln scheint. Und noch eine Frage drängt sich auf: Dieses hier ist zwar das Eigentum einer jüdischen Gesellschaft, aber das werk eines christlichen Mannes. Diese kostbaren Schätze einer jüdischen Vergangenheit mußten von einem Volksfremden ans Licht gezogen werden, um in irgend einem Museum der südischen Allgemeinheit unbekannt und unerreichbar zu schlummern. Wann wird der jüdische Forscher sein Augenmerk den Dingen seines Volkes zuwenden und ein jüdisches Museum den Schätzen seines Volkes die Tore öffnen? Sette 1» euilleton. rd.-c». Der €akel. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung) „Ob du es nun begreifst oder nicht begreifst, was geschehen ist, ist geschehen. Alle Welt war empört über das unqualifizierbare Vorgehen der Mutter. Damals soll man an dem Aufll»mmen des armen reichen Mannes stark gezweifelt haben und dadurch kann möglicherweise das Gerücht von seinem Ableben entstanden sein." „Wie? Du glaubst nicht, daß der alte Schröder gestorben ist?" „Ich kann nur wiederholen, daß ich nichts davon gehört habe. — Aber warte einen Augenblick, vielleicht kann ich dir sofort bestimmte Aus« kunft verschaffen." Er drückte an den Schellenknopf, wenige Minuten daraus trat ein Bedienter in das Zimmer. „Ist Franz noch auf?" „Ich glaube wohl, die Leute sind alle noch auf." „Gut, so sagen Sie Franz, er möchte heraufkommen." Ms der Bediente sich entfernt hatte, sagte der Oberst: „Jetzt werden wir sofort an fait sein, ein Vetter des Franz ist schon seit Jahren im Kontor des Schröder, und wenn der sich auch längst aus dem Geschäft zurückgezogen hat, so werden die im Geschäft Bediensteten doch wissen, ob er gestorben ist." Gleich darauf klopfte es an der Tür, der Reitknecht des Oberst trat in das Zimmer. „Sagen Sie mal, Franz, haben Sie Ihren Vetter, der im Schröderschen Konwr arbeitet, lange nicht gesehen?" ,,O doch, erst heute Nachmittag habe ich mit ihm gesprochen." „Da wissen Sie vielleicht wie es dem alten Schröder geht?" „Grade von dem hat er mir erzählt. Heute Mittag ist ein Telegramm von dem Enkel des Herrn Schröder gekommen, daß er heute Abend ankommen Witt». Der Herr Oberst werden sich erinnern, er soll verschwunden oder entführt worden sein, in allen Zettungen ist davon gestanden. Und als heute Mittag die Depesche gekommen ist, da soll der alte Herr vor Frerwe außer sich gewesen sein, und obgleich er schon seit Jahren nicht mehr ausgegangen ist, seine Leute haben ihn nicht kurückhalten können, ganz allein ist er auf den Bahnhof gegangen." „Das freut mich," sagte der Oberst, „Wetter habe ich nichts wissen wollen, ich danke Ihnen Franz. — Ich habe mir gedacht, daß es ein Mißverständnis ist," fügte er hinzu, nachdem der Diener sich entfernt hatte. Aber was ist Dir, Mex? Du scheinst Dich nicht wohl zu fühlen —" „Da sott sich der Teufel wohl fühlen!" schrie der Baron mit dem Fuße stampfend, „verfluchte, elende Juden!" „Warum fluchst Du den Juden?" fragte der Oberst, „was haben sie Dir getan?" „Betrogen haben sie mich! schändlich betrogen! — Und Du bist noch so naiv an ein Mißverständnis zu glauben! — Schönes Mißverständnis, das!" Er lachte grell auf. „Aber ich begreife noch immer nicht —" „Hölle und Teufel, wie kann ein Mensch so begriffstutzig sein! Wie kann ein Mensch das nicht begreifen! — Die Juden haben ihren Fratzen