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Der Israelit · 1908-07-02 · Heft 27 (2.7.1908) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 27 (2.7.1908)
Date
1908-07-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Crzid^utig und £»el? PiJ^ojtK^* Beila Das jütürcde Cebrmeminar Hi Köln. Nene Zeilen verlangen neue Männer- und wohl dem Geschlechte das Männer, die ihre Zeit mit ihren neuen Bedürfnissen und Anforderungen Verstehen, nicht nur besitzt, sondern das sie auch auf den richtigen Platz zu stellen weiß. ES ist tatsächlich eine neue Zeit für die jüdischen Lehrerseminarien gekommen. Auf der einen Seite wird seitens des Staates unablässig an der Hebung der Lehrerbildungsanstalten gearbeitet - die besten Lehrkräfte werden dahin entsandt, die auserlesensten Männer werden zur Leitung derselben berufen. Da dürfen auch wir Juden nicht Zurückbleiben. Unsere Anstalten müssen stets auf oer Höhe ihrer Zeit und ihrer Aufgabe stehen. Jq, noch mehr: wir müssen das, was uns an materiellen Mitteln fehlt, durch größere Regsamkeit zu ersetzen suchen. Aber auch nach einer anderen Richtung hin ist eine neue Zeit angebrochen. Früher genügte es, wenn der angehende Lehrer ausreichend mit theoretischem jüdischen Wissen versehen war/ die praktischen Kenntnisse holte er sich gewöhnlich auf seinen ersten Stellen. Es gab ja so viele O'arn draußen im Lande, die mit Freuden bereit waren, den jungen Lehrer im Kantorat zu unterweisen, und man war so genügsam in dieser Hinsicht! Heute sind diese Dilettantenkantoren fast ganz verschwunden, heute muß das Seminar fertige Lehrer hinausschicken, fertig insofern, als sie, sogleich von allem Anfang an allen an sie gerichteten Ansprüchen — und diese sind indes auch in die Höhe gegangen — vollkommen entsprechen. Neue Aufgaben erfordern aber auch a r b e i t s - freudige Kräfte und wir begrüßten es deshalb mit doppelter' Freude, daß, als vor etwa 4 Jahren die Reorganisation des Kölner Seminars in die Wege geleitet wurde, es junge, tatkräftige Männer waren, die ihr anderweitig erprobtes Wissen und Können in den Dienst der jüdischen Lehrerhildung stellten, von deren glücklicher Gestaltung ja das Wohl unserer Gemeinden, unserer Kinder und damit unsere Zukunft abhängt. Mit erhöhtem Interesse mußte man deshalb dem Bericht des Kölner Seminars entgeaenfehen und der vor einigen Tagen von dem Seminardirektor, Herrn Rabbiner Dr. Carlebach erstattete Seminarbericht, der die Zeit vom 1. Oktober 1904 bi§ 1. Oktober 1907 umfaßt, enthält |n der Tat des Lesenswerten nicht bloß für Jen Füchmann, sondern auch für den Laien so vieles/Ääh man diesen Teil der Mitteilungen des Kölner Seminars mit großer Befriedigung aus der Hand legen kann. * Der Geist zwar, in dem die Anstalt geleitet wrxd,. ist der alte geblieben, der Geist, der seine Kraft schöpft aus den Qnellen der Thora, und der kein höheres Ziel kennt als die innige und harmonische Verbindung von l£"»K "jmr oy min, und mit Dankbarkeit gedenkt der Bericht der verdienstvollen Männer, die bisher in jahrzehntelanger, schwerer und verantwortungsvoller Arbeit diesen Geist in der Anstalt gehegt und gepflegt haben. Aber eine Reihe wichtiger Reformen wurden mit Erfolg durchgeführt, von denen wir zwei der wichtigsten ausführlicher besprechen wollen. Die erste Neuerung ist gewissermaßen für die preußischen Seminarien ein Novum. Diese sind bekanntlich dreikursig. Das Kölner Seminar hat nun als erste Anstalt in Preußen einen Fortbildungskursus eingerichtet, den feine Schüler nach abaelegtemVolkssch ullehrerexamen auf die Dauer eines Jahres besuchen müssen. ein einer nach Beendigung des Kurses vor dem ehrerkollegium abzulegenden Prüfung haben die Zöglinge den Nachweis zu führen, „daß sie nicht nur die für einen Jugendbildner notwendige Allgemeinbildung, sondern in Berücksichttgung der Zeitverhältniffe, unter denen wir leben, das für einen modernen, bewußt jüdischen Menschen erforderliche Rüstzeug an Thorawiffen sich erarbeitet und somit das ihnen gesteckte Ziel erreicht haben, den jüdischen Gemeinden wissende und wertvolle Lehrer der Religion werden zu können, befugt und befähigt, die Jugend in altjüdischem Geiste zu erziehen, mit Verständnis und Wärme den fynagogalen Gottesdienst zu leiten und geeignet, das Ansehen in den Familien sich zu erringen, das dem Religionslehrer zu einer ersprießlichen Tätigkeit in Schule und. Gemeinde nicht fehlen darf." Wenn wir noch hinzufügen, daß diese Fortbildungs„schüler" an der Seminarübungsfchule und der Religionsschule der Adaß-Jeschurun- Gemeinde ausreichende Gelegenheit haben, sich praktisch zu betätigen und daß das Seminar die gesamten K o st e n für die in dem Fortbildungskurs verbrachte Ausbildungszeit trägt, so hätten wir das Wesentlichste dieser wichtigen Neuerung mitgeteilt, die uns lebhaft an oas praktische Uebungsjahr erinnert, das die angehenden Aerzte in Spitälern und Kliniken zubringen müssen. Wir sind überzeugt, daß die Gemeinden dem Kölner Seminar für diesen.Fortschritt lebhaften Dank zollen werdendieses würde sich freilich am meisten freuen, wenn sich die Anerkennung in Form materieller Unterstützung betätigen würde, denn deren bedarf es sehr. Doch davon später. Als Schlußstein der ganzen Reorganisation hat die Anstalt seit dem Frühjahr 1907 eine eigene Seminarübungsschule erhalten, deren Lehrplan in allen seinen Teilen dem der städtischen Volksschulen entspricht. . Ueber die Wichtigkeit dieser Schule brauchen wir kein Wort zu verlieren. Bor etwa 50 Jahren mußte Kehr in seiner „Praxis der Volksschule" die Notwendigkeit und Nützlichkeit der Seminarübungsschule Nachweisen - heute gibt es nur noch wenig staatliche Seminarien, an denen sie fehlt. Die Seminarbericht schließt, soweit er sich auf Schulverhältniffe bezieht, mit einem erfreulichen Ausblick. Bisher mußten sich nämlich die Zöglinge des Kölner Seminars an fremden Anstalten der Abgangsprüfung unterziehen, und dieser Umstand war seiner Entwicklung recht . hinderlich, denn er bedeutete eine ungeheure Erschwerung der Arbeit für Lehrer und Schüler. Mit besonderer Freude begrüßen wir deshalb die Mitteilung, daß an maßgebender Stelle die Verleihung des Rechts, die Entlassungsprüfung an der Anstalt selbst ablegen zu dürfen, in nahe Aussicht gestellt worden ist. Damit wäre auch nach außen hin der Beweis erbracht, daß das Kölner Seminar allen staatlichen Anforderungen entspricht, und die schweren materiellen Opfer wären auch nach dieser Richtung hin nicht nutzlos geblieben. Damit sind wir an der leidigen Geldftage angelangt. Von dem Kassenbericht, den der Rendant für die Jahre 1903 bis 1906 inklusive erstattet, läßt sich nämlich leider nicht das Gleiche sagen, wie von dem Seminarbericht. Sein Inhalt ist nichts weniger als erfreulich, denn die Rechnung pro 1905 schließt schon mit einem Defizit von ca. 11000 Mk. ab, das sich im Jahre 1906 sogar auf ca. 17 600 Mk. erhöht. Der Stand der Finanzen ist also recht unbefriedigend. Er ei klärt sich aber auf sehr einfache Werse, wenn man in Bettacht zieht, daß die vorgenommene Reorganisation, die Vermehrung der Lehrkräfte, die Verlängerung der Ausbildungszeit, die Errichtung der Seminar-Uebungsschule, die zu zahlenden Pensionen die Ausgaben bedeutend — fast auf das doppelte — gesteigert haben, während sich die Einnahmen fast gleich geblieben sind, ja teilweise sogar einen kleinen Rückgang aufweisen. Es ist eine Ehrenpflicht des gesetzestteuen Judentums, daß es alle Kräfte aufbietet, um diese Anstalt, das einzige orthodoxe Seminar in Preußen, finanziell unabhängig zu machen, und es ergeht deshalb an alle Freunde der Anstalt, insbesondere aber an ihre ehemaligen Zöglinge, deren Zahl 300 nahezu beträgt, der ebenso herzliche wie dringliche Appell, durch direkte und indirekte Zuwendung materieller Hilfe das Seminar stützen und fördern zu helfen. Dieser Aufruf darf zweifellos der wärmsten Sympathien all derjenigen sicher.sein darf, die der Überzeugung si-id, daß nur ein auf gesetzestreuem Boden stehendes Seminar imstande ist, jüdische Lehrer ausznbilden, wie sie unsere Gemeinden bedürfen, Lehrer, die die Fahne des traditionellen Judentums Hochhalten und mit ganzem Herzen sich ihrem schwerem Dienste weihen. Kein Opfer darf für deren Ausbildung

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