Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1908)
- Date
- 1908-07-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27. Seite 7. rren Aniter- Und l^ach bedes Fr. tder- »lten i ch - men ein? m?'. Mis hres- >ffen, rden. sichti- 'eiten t den das; der rchule Dbernverc unmw ünd-; verd)tbe" rt der tt und durch Amt einer Resulßlich chaupt mähen >ie re* >ung. nderes prüfen Porten Falles zwirn «, daß rgelegt it ein* llt ist.; Bor- Neuen Sburg: r ,Ne- Zahrzum erufen dahin l der >tt jetzt ■2.outtl908. wußte, gesetzestreue Juden ihren Lebensunterhali: durch redliche Arbeit selbständig zu erwerben. Die Unterrichtssprache wirb das Hebräische sein. Arabisch als Landessprache soll vom zweiten Schuljahre an gelehrt werden, und eine europäische Sprache nur in den oberen Klassen und nur in dem Umfang, wie es die Handelsbeziehungen Jaffa's resp. Palästinas erfordern Auf diese Weise hofft der Misrachi, die strebsamen und tüchtigen Elemente, welche heute infolge der zu hoch bewerteten Kenntnisse der europäischen Sprachen im Unterrichtsplan der palästinensischen Jugend zur Auswanderung verleitet werden, zur Seßhaftigkeit in Palästina zu erziehen. Ein erweiterter Schulrat soll demnächst gebildet werden. Demselben werden neben den bisherigen Initiatoren anerkannte führende Männer des gesetzestreuen Judentums angehören. (Wir begrüßen das neue Unternehmen mit aufrichtiger Befriedigung und hoffen, daß es dem redlichen Eifer der Männer, welche das Projekt bisher erfolgreich gefördert haben, auch weiter gelingen wird) unter Ueberwindung der nicht geringen Schwierigkeiten eine mustergiltige, von alt jüdischem Geiste erfüllte Lehranstalt in Palästina zu schaffen. Die enge Fühlung mit dem verehrten Oberrabbiner in Jaffa und die Mitwirkung auch solcher gesetzestreuen Gesinnungsgenossen/ die außerhalb der zionistischen Partei stehen, sprechen jedenfalls für den Ernst der Absichten, von denen der Misrachi bei diesem Unternehmen geleitet ist. D. Red. Frankfurt a. M., 2. Juli. Das Bureau der „Freien Vereinigung für die teressen des orthodoxen Judentums" ersucht uns, bekannt zu geben, daß infolge der überaus großen Zahl der aus dem In- und Auslande eingegangenen Bewerbungen um Ueberlassung von Exemplaren des Choreb eine zeitraubende Sichtung des Materials notwendig ist, sodaß die Verteilung erst in etwa vierzehn Tagen erfolgen kann. Berlin, 29. Juni. Zwischen den Sephardim und den Jemeniten in Jerusalem waren vor einiger Zeit erhebliche Zwistigkeiten ausgebrochen, die auch wiederholt die Oeffentlichkeit beschäftigten. Herr Dr. Paul Nathan hat sowohl auf seiner ersten wie auf seiner zweiten Orientreise sich bemüht, die Streitigkeiten zu schlichten und eine friedliche Verständigung herbeizuführen. Nunmehr erhält der Hilfsverein der Deutschen Juden einen von den hervorragendsten Mitgliedern der yemenitischen Gemeinde Unterzeichneten Brief, in dem die Jemeniten erklären, daß alle Mißverständnisse zwischen ihnen und den Sephardim erfreulicherweise beseitigt seien und daß sie alles tun werden, um dauernd in gutem Einvernehmen Mit den Sephardim zu bleiben. Hamburg, 24. Juni. Das Repräsentantenkolleginm der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt gestern eine Sitzung unter Borsitz des Herren Jakob Alexander ab. Der Vorsitzende gab zunächst Kenntnis von einem Schreiben des Gemeindevorstandes, in dem dieser mitteilt, daß eine neue Stiftung, die „Joseph Wolff Israel (gen. Joseph Wolff) und Ehefrau Julie, geb. Bachrach, Stiftung" hier errichtet worden sei. Der Vorstand der mit einem Kapital von 30000 Mk. dotierten Stiftung besteht aus den Herren Oberrabbiner M. Hirsch, S. W. Israel und N. H. Öffenbura. Ein Antrag des Gemeindevorstandes auf Regulierung der Gehälter der festangestellten Lehrer und Lehrerinnen an der Israelitischen Töchterschule, Karolinenstraße, wurde einer Kommission zur weiteren Prüfung überwiesen. Dagegen wurde der Antrag auf Gewährung der für voriges Jahr bewilligten Teurungszulage auch für das Jahr 1908 einstimmig angenommen. Beim nächsten Punkt, Bildung des Wahlaufsatzes für eine vom Vorstände der Talmud-Tora-Schule zu erwählendes Mitglied der Schulverwaltung, wies Herr Dr. Plaut in eingehender Weise darauf hin, daß es Der JSraelit. unbedingt notwendig sei, den Anforderungen der modernen hygienischen Wissenschaft auch innerhal! des Schulwesens Rechnung zu tragen, und empfahl deshalb dem Schulvorstand einen Wahlauffatz von drei Aerzten zu präsentieren' Nach kurzer Debatte erklärte sich das Kollegium hiermit einverstanden, und es wurden die Herren Dr. Ernf Kalmus, Dr. Moritz Cohn und Dr. Iwan Michae auf den Wahlaufsatz gebracht. Die Anträge des Gemeindevorstandes auf Erhöhung der Subvention für den Verein zur Bekleidung armer Schüler der „Talmud-Tora-Schule" auf 250 Mk. p. a. sowie die Gewährung einer jährlichen Subvention von 150 Mk. sür die Gabriel Rießer- Vereinigung zur Förderung der Wissenschaft des Judentums wurden einstimmig angenommen. Braunschweig, 26. Juni. Eine Vorführung des Schlichtens nach jüdischem Ritus fand am Montag nachmittag im städtischen Schlachthaus statt. Auf Einladung des Herrn Bankiers Meyersfeld wohnten die Vorstandsmitglieder des hiesigen Tierschutzvereins dem Schächten bei, das durch den Kultusbeamten der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herrn Rosanowski, vollzogen wurde. Auf Einladung des Herrn Geh. Hofrats Blasius waren auch vier Herren der Tierschutzvereine in Wolfenbüttel und Harzburg erschienen. Gleichzeitig mit dieser Schächtmethode konnten die erschienenen Herren auch das Schlachten großer Tiere, darunter eines starken Bullen, nach vorheriger Betäubung durch den hier eingeführten Blitzbetäuber sehen und waren dadurch instand gesetzt, sich ein Urtei über die Vorzüge bezw. Nachteile der beiden Arten des Schlachtens zu bilden. Im Anschluß daran fand eine Vorftandssitzung des Tierschutzvereins auf Bocks Terasse statt, in welcher zunächst Herrn Rosanowski Gelegenheit zu einem Vortrag über das Schächten gegeben wurde. Ungarn. Verlorenes Kampfmittel. (Bon unserem Korrespondenten). Budapest, 28. Juni. Kultusminister Graf Apponyi hat in Angelegenheit der fremdsprachigen Schulen an sämtliche Schulinspektoren des Landes einen Erlaß gerichtet, welcher die Anlegung eines Stammbuches anordnet, in dem die Schulen mit ungarischer Unterrichtssprache und diejenigen mit fremder Unterrichtssprache separat aufgeführt werden sollen. Hinsichtlich der Feststellung der Sprachenkategorie erklärt der Minister, daß nur die Sprache, in der die weltlichen Lehrgegenstände unterrichtet werden, nicht aber die des Religionsunterrichtes in Betracht komme. Dnrch diese ministerielle Enunziation sind nunmehr unsere neologen Glaubensbrüder um ein beliebtes Kampfesmittel gekommen. War es doch stets ihre Art die Orthodoxie in ihrer Gesamtheit als unpatriotisch zu denunzieren, weil in einem Teile der orthodoxen Gemeinden dort, wo dies aus pädagogischen Rücksichten zweckmäßig erscheint, der Unterricht in fcn&n ttfDin in deutscher Sprache erteilt wird. Unsere „lieberalen" von Frieden erfüllten Freunde im neologen Lager wissen ganz gut, daß die einzelnen orthodoxen Schulen im Lande den Wettbewerb mit den Schulen der anderen Konfessionen aufnehmen, können, ja sie in mancher Beziehung sogar übertreffen. Dessenungeachtet richteten sie gegen die orthodoxen Schulen, wo ja sämtliche profane Lehrgegenstände ausschließlich in ungarischer Spache erteilt werden, unqualifizirbare Angriffe, nur um das Ansehen der Orthodoxie herabzusetzen. Kasch au, 25. Juni. Wie auch seinerzeit m „Israelit" .mitgeteilt war, ist vergangenen Winter anläßlich der Gemeinde-Neuwahlen in der hiesigen orthodoxen Gemeinde eine Meinungsverschiedenheit entstanden, die den Frieden in der Gemeinde empfindlich störte. Mit Genugtuung ei nun konstatirt, daß es der Vermittlung der orchodoxen LandeSzentralkanzlei gelungen ist, zwischen den streitenden Parteien eine Einigung zu schaffen, so daß der ersehnte Frieden hergestellt und gesichert ist. Miskolcz, 26. Juni, lieber die von uns bereits mitgeteilte Rabbinerwahl in Miskolcz erhalten wir von dort noch folgenden ausführlichen Bericht: Es gibt in Ungarn bekanntlch einige Gemeinden, die wohl den Namen der Orthodoxie führen, . aber bei jeder sich darbietenden Gelegenheit es nur beweisen, wie wenig sie diesen Namen verdienen. Man pflegt auch Miskolcz zu diesen Gemeinden zu zählen. Hatte doch diese Gemeinde, in der vorwiegend neologe Elemente die Hauptrolle spielen, den im Jahre 1863 erbauten Tempel ganz nach dem Styl und Geschmack der damals nach Ungarn hereingefchmuggelten Reform eingerichtet. Auch fing man an, die Schule ganz nach neologem System zu reformieren, sodaß die Gemeinde sicher undunaufhaltsam dem Abfalle anheimgefallen wäre, wenn nicht in der Nachbarschaft zwei Männer aufgetreten wären, um mit wahrem ttrsi rvn'DD die alte nVnp dem überlieferten Judentum zu erhalten. Es waren die damals in den naheliegenden Gemeinden Sreutpöter und Szikwo amtierenden Rabbi Chaim Szvfer und Rabbi Hillel Lichtenstein, die es sich zur heiligen Aufgabe machten, die Miskolerer Gemeinde für yn ntn’’ zurückzugewinnen. Und das Werk ist ihnen gelungen. Im Jahre 1871 ist es nämlich zur Teilung gekommen, infolge deren die neologe Gemeinde in finanzielle Schwierigkeiten geriet. Der größte Teil des Gemeindeeinkornmens erwächst aus der Koscherfleischsteuer, die naturgemäß nur von den religiösen Mitgliedern entrichtet wird. Die neologe Gemeinde hätte, um ihren kostspieligen Paradegottesdienst erhalten zu können, ihre Gemeindesteuer bedeutend erhöhen müssen. Dazu waren aber die Herren nicht gewillt. So strebten sie wieder eine Vereinigung an und die damalige orthodoxe Gemeinde in Miskolcz ist auch auf den Leim gegangen. Es ist wahr, daß die Herren an Versprechungen gerade nicht gekargt haben. Durch den Tod ihres Rabbiners Fischman wurde auch der Rabbinerposten vakant, man einigte sich auf die Person des als Talmid Chacham und Magid rühmlichst bekannten R. Maier Rosenfeld n"y, man fetzte ein Beth Din ein, das die bestehenden Reformen im Gotteshause und Gottesdienst abzuschaffen anordnete, die ganze Gemeinde wurde offiziell orthodox, und der Jubel ob des Sieges der Orthodoxie war groß- Doch schon bei der nächsten Gemeinderatswahl gelang es den früheren Leitern der neologen Gemeinde durch Pressionen und Gewaltakte aller Art die Herrschaft wieder an sich zu reißen und die Gemeinde allmählich in das alte Geleise der Reform zu bringen. Die vom Beth Din getroffenen Anordnungen zur Abschaffung der Reform sind zum größten Teile noch bis heute nicht ausgeführt. Die wenigen wahrhaft frommen Gemeindemitglieder, die trotz der langen neologen Mißwirtschaft geblieben waren, rafften sich jedoch zu einem heroischen Kampfe auf gegen das Umsichgreifen der Nologie. Ihr Lager wurde mit jedem Tage größer und gewann an Ansehen und Achtung. Bei einer Wahl im Jahre 1903 ist es i)nen gelungen, in der Gemeindeleitung Platz zu bekommen und einen wohltuenden Einfluß auf die Gemeindeleitunaauszuüben. Aber diese Männer blickten in die Zukunft. Der Prediger Dr. Spiro hatte das Versprechen vom Gemeindepräses, nach Ableben des Oberrabbiners auch das Rabbinat zu bekommen, und wurde von der Gemeinde offiziell schon als Rabbiner tituliert, trotzdem er die dazu nötige Autorisation nicht hat. Die Orthodoxen protestierten gegen die Führung dieses Titels seitens )es Herrn Dr. Spiro, und es kam soweit, daß dieser vor einem Beth Din die schriftliche Erklärung abgeben mußte, nie aus das Rabbinat in Miskolcz Ansprüche zu erheben. Ais aber der Rabbinerposten durch das Hinscheiden R. Maier Rosenselds Y't wieder vacant wurde,