Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1908-07-02 · Heft 27 (2.7.1908) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 27 (2.7.1908)
Date
1908-07-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449298-2449326--64664-2507264
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 6. Nr. 27. DerMraEt. Gott zur grimmigen Wüstenfratze, die alten Israeliten durchweg zu allen Zeiten zu Heiden, und wenngleich die Urkunde des Moses und die anderen biblischen Schriften den ganzen Wahnwitz mit jeder.Zeile Lügen strafen — tut nichts, das System darf an alten Pergamentrollen nicht zu Schanden werden!" (S. 434) Doch setzen wir unser Pensum fort. S. 135 schreibt Verfasser: . . dies ist der vollendete Antagonismus zwischen Hosea und dem nationalen Prophetenlum: Hai doch auch die mörderische Waffe des Jehu eben der Großmeister des israelitischen nationalen Prophetentums, Elisa, geweiht und gesegnet." S. 187. „Diese absolute Erhabenheit Gottes — die vor Hosea bloße Ahnung, bei Jesaias aber bereits vollends ausgearbeitetes System war :c." „An diesem Bild erdienste nahm selbst der Prophet Elia keinen Anstoß: wenigstens befindet sich in dem Berichte über ihn keine Spur davon. Hosea ist der erste Prophet, der gegen den Skonodulismus auftritt. Amos schweigt hierüber rc." - Und das „mosaische" nwyn n*? niion? Ist etwa auch der 'JD in noyo, die Offenbarung des Dekalogs eine mittels großer Fiktionen in die graue Vergangenheit zurückdatierte Fabel? Höchst wahrscheinlich! Wenigstens nach dem weisen Dafürhalten des Herrn Verfassers. Denn schon diese Sätze reichen hin, um Herrn Dr. Kecskemöti, den ehrwürdigen 21 der neologen Gemeinde in Großwardein, als einen blinden, kritiklosen Nachbeter der nach Graf-Reuß-Wellhausen benannten äußersten radikalen historisch-kritischen Schule zu kennzeichnen, deren Dogma darin besteht, daß „die mosaische Gesetzgebung nicht als Ausgangspunkt, sondern als Ergebnis der geschichtlichen Entwickelung ru betrachten und die Entstehung der Bücher Moses, sowie des größten Teils der geschichtlichen, prophetischen und didaktischen Bücher des A. T. in die nachexilische Zeit zlt verlegen sei." Und bei einem solchen Credo eines neologen Rabbiners, dem es vor einigen Jahren bald gelungen wäre, Mitglied des hochwürdigen neologen „Rabbinates" in Budapest zu werden, haben noch die „frechen" Orthodoxen den Mut, von zweierlei Judentümern zu phantasieren! Von einem Judentum, dem das göttliche Wort eben göttlich ist, und von einem solchen, dem diese Bezeichnung zu einer inhaltslosen Phrase gewor- Aber der Berfaffer kann auch geistreicheln, wie dies S. 139 beweist. Dortselbst schreibt Verfasser: „Jede Orthodoxie glaubt von sich, ger fungieren konnten, so wie heute die akademisch vorgebildeten Rechtsanwälte. Wenngleich nun der Erzähler, als ein durch» die Kultur seiner Zeit hindurchgegangener Mensch, mit respektvoller Bewunderung die Superiorität eines durch Gymnasium und Universitäts-Studium durchgedrillten Gehrrns pflichtschuldigst anerkennt, und obgleich er auch weiß, daß er ein Zeugnis für den einjährig-freiwilligen Militärdienst, das Abiturium eines humanistischen Gymnasiums und, in weiterer Reihenfolge — die akademischen Prüfungen, mit oder ohne gute Zensuren, zur höheren Menfchheitswürde erst hinanführen können, so möchte er dennoch, um die historische Gerechtigkeit nicht zu verleugenen, nicht unerwähnt lassen, daß die beiden gerichtlich bestellten Verteidiger, denen die genannten Qualifikationen völlig abginaen, dennoch öfter eine rhetorische Begabung an ben Tag legten, die manchem Justizrat von heute ju ivürischen wäre. Bevor wir in unserer Erzählung weiter fortfahren, muß auch erwähnt werden, daß die beiden, im Bolksmund als „Ferkelstecher" und „Winkeladvokaten" bezeichneten Verteidiger, die nur eine Volksschule besucht und niemals an den Brüsten einer Geistesmilch spendenden Alma mater gesäugt worden waren, an jenem denkwürdigen Morgen mit einer solchen Wärme und einer solchen demosthenisch-ciceronischen Beredtsamkeit für ihre Klienten eintraten, daß mancher juristisch vorgebildete Rechtsanwalt neueren Datums hätte die Segel vor ihnen streichen müssen. Ich habe später noch emigemale die glänzende Eloquenz einiger Juristen bewundern dürfen, — gottlob nie in eigener Sache — aber besser wie die beiden Winkeladvokaten in der dem Fasching von 1865 vorausgehenden Woche, wo sie ein armseliges altes Judenweibchen und einen . daß der Herr Gott selber ihre minutiösen Gesetztem aufgerichtet oder diktiert hat, und daß von dem Heilighalten dieser Gesetze (warum nicht „Gesetzlein"?) die Wertschätzung Gottes und der Menschen abhängig ist." Ach, welch köstliche Ironie! Wie ein modernes Festmahl nicht ohne Champagner, so kann auch keine modern-ueologe Arbeit ohne einen tüchtigen Seitenhieb aus die Opfergesetzgebung ablaufen. Dieser modernen Errungenschaft läßt auch der Verfasser Recht widerfahren, indem er S. 142 schreibt: „ . .und als der Prophet (Hosea) auch dies dem Volke zu künden wagte, daß nicht Ad . . oi seine Opfer benötige, sondern die Priester rc." (Bergt, hiergegen Hirsch, Ges. Schrift II. B. S 234—240, wo das richtige Verhältnis der Propheten zu den Opfern mit markanten Zügen gezeichnet wird. Wie auch D. Hoffmann. „Die wichtigsten Instanzen gegen die Graf-Wellhausensche Hypothese." S. 91—93.) „Bilderschmuck in den Synagogen", betitelt sich eine in diesem Jahrbuche enthaltene Arbeit von Dr. S. Krauß, ehemals Religionslehrer an der isr. Lehrerbildungsanstalt in Budapest. In dieser Arbeit schreibt er S. 227: „Es unterliegt fast gar keinem Zweifel, daß die Cherubgestalten zur Bewachung der Bundeslade berufen waren, schon aus assyrischen Beispielen läßt sich hieraus schließen, denn die Eherubgeftalten der Juden waren bloß die Nachahuumg der ersteren ... Cherubim . . . mit flammendem Schwerte, bewachen den Eingang zum Paradiese — ganz so wie die assyrischen Paläste von mächtigen Stiergestalten gehütet werden." Merkwürdig. Sollte also der einzige Gott selbst in die Kunstschule der Assyrer gegangen sein, denn nach Mitteilung des Exodus, Kap. 25, 1. iök^ npjD 'n im soll allerdings Gott se ber dem Moses die Anfertigung der Cherubim anbefohlen haben. Oder aber sollte die ganze Darstellung von der Errichtung der Stiftshütte und der Anfertigung ihrer Gerätschaften in Exodus gar nicht von Moses stammen, sondern die mit assyrischen Einflüssen geschwängerte Fiktion eines viel später lebenden — nachexilischen — Schriftstellers sein?! Letzteres ist nämlich eine, bei dem von mir in diesen Blättern (1907, Nr. 29, S. 3 u. 4) bereits gebührend beleuchten „wissenschaftlichen" Standpunkte des Herrn Dr. Krauß, durchaus nicht unmögliche Annahme! Und dieser Anhänger und Vertreter der Graf Wellhausensch en Religion Israels hat Jahre hindurch als Relijionslehrer der künftigen jüdischen Lehrer gewirkt! Hat auch zahlreiche Lehrer orthodoxer Gemeinden in jüdischer Religion, in seiner jüdischen Religion unterrichtet. Er, dem selbst die Bücher Mosis ein Konglomerat von Falsifikaten und Interpolationen sind? Und noch eine andere Frage an die Herren Redakteure dieses Jahrbuches, die begeisterte Anhänger der Unifikation sind. Das Vtf 'n TJT1 HDkS ntPD Ex. 25, 1 wird von dem altväterlichen orthodoxen Juden wie folgt übersetzt: „Und es sprach Gott zu Moscheh wie folgt." Nach der unergründlich tiefinnigen Exegese des bewährten Schülers von Dr. W. Bacher und des bewährten Gesinnungsgenossen von Dr. Fr. Mezei muß aber dieser Vers eigentlich folgendermaßen ausgelegt werden: „Die Cherubgestalten an der Bundeslade waren ' bloß eine Nachahmung der assyrischen Beispiele!" — Stimmen nun diese zwei Uebersetzungen völlig überein? Gibt es also noch immer nur ein Judentum?! U. A. w. g. yr LVr Q. orrespondenzen und Eachrichten. Deutsches |Uid?. Frankfurt, 30. Juni. Das hiesige Misrachi-Bureau schreibt uns: „Vor etwa Jahresfrist hatte die Leitung des Misrachi beschlossen, eine Mittel sch ule in Palästina zu gründen. Nach genauer Orientierung und in Berücksichtigung der Urteile maßgebender Persönlichkeiten in Palästina, endlich auch nach Rücksprache mit den Leitern der großen Organisationen, welche das Schulwesen in Palästina beeinflussen, hielt der Misrachi Jaffa für geeignet, dort eine Schule zu eröffnen. Nachdem sich auch Herr Oberrabbiner Kuck-Jaffa mit dem Projekte einverstanden erklärt hat, soll die Eröffnung der untersten Klasse baldmöglichst erfolgen. Die Schule soll, dem Prinzipe “pn DJ? min entsprechend, ihren Zöglingen eine gründliche Bildung aus Tnach und Schaß vermitteln und sie zugleich befähigen, als pstichtbegreisen jüdischen Junggesellen zu verteidigen hatten, habe ich, — abgesehen von der Logik und Reihenfolge, die ja auch nicht die stärkste Seite moderner Juristen bildet, — selten Advokaten sprechen hören. Doch da hier von zwei Advokaten die Rede war und nur erst eimt geschildert worden ist, sei mm ergänzend hinzugesügt, daß der Verteidiger des angenagten Mannes, der Rechtskonsulent Jsak Selig war. Auch er trug seine Gesichtszierde genau so gepflegt, wie sein christlicher Kollege Wolf und beide taten so, weit alle Beamten des kleinen Hessenreiches also taten, eben weil auch der allergnädigfte Landesvater, Ludwig der Dritte, Großherzog von Hessen und bei Rhein, solchermaßen seinen Bart zu tragen geruhte. (Forts, folgt.) €ine rellgisnsgrseirllcb wichtige festste»««-. Bon hochgeschätzter Seite empfangen wir folgende Mitteilung: „Es ist in gesetzestrenen Kreisen wenig bekannt, daß zunr Annähen der Knöpfe an Kleidungsstücke seitens der Schneider durchweg aus Flachs hergestellter Zwirn benützt wird und zwar mit Rücksicht auf die Stärke und Haltbarkeit, die dem Flachs zwirn allein eigen ist. Es werden als Zwirngattungen zum Armähen von Knöpfen teils der sogenannte Strängezwirn, teils in Knäueln aufgewickelter Zwirn und schließlich auch Rollenzwirn verwendet. Die beiden ersten Gattungen bestehen durchweg aus Flachs. Was den Rollenzwirn anbelangt, so gibt es auch solchen aus Baumwolle, doch wird letzterer aus den anqedeuteteri Gründen zum Annähen von Knöpfen bisher so gut wie niemals verwendet. Um vollkommene Sicherheit zu erlangen, hat der Schreiber dieser Zeilen sämtliche Zwirngattungen und zwar in Proben aus drei verschiedenen Fabriken durch das Königliche Materialprüfungs-Amt der Technischen Hochschule zu Berlin einer chemischen Analyse unterziehen lassen, die das Resultat ergab, daß sämtliche Proben ausschließlich aus Flachs bestanden. Da nun von Wolle freie Kleiderstoffe überhaupt kaum Vorkommen, so ergibt sich durch das Annähen der Knöpfe mit Zwirn faxt in alten Fällen die religionsgesetzlich verbotene Schaatnesmischung. — Es wird nach dieser Feststellung nichts anderes übrig bleiben, als in jebem einzelnen Falle prüfen zu lassen, ob eine der oben genannten Zwirnsorten beim Annähen verwendet ist und bejahenden Falles die Knöpfe abtrennen und mit Baum wollen zwirn neu befestigen zu lassen. Bei dieser Gelegenheit sei der Hinweis gegeben, daß das Lifiöre-Band, das in die Nähte eingelegt wird, wie es die Schneider in den Geschäften einzukaufen pflegen, ebenfalls aus Flachs hergestellt ist. Es ist daher auch in diesem Punkte besondere Vorsicht notwendig. (Auch eine Nefovm.) In der „Wiener Neuen Nationalzeitung" schreibt ein. Herr aus Nikolsburg: „Ick erinnere mich einer sehr interessanten ,Reform", die einst vor mehr als einem halben Jahrhundert Samson Raphael Hirsch, als er zum mährischen Landesrabbiner nach Nikolsburg berufen wurde, in unserer Gemeinde einsührte. Bis dahin rief der Schammes die Gemeinde immer: „in der Schunl"! Rabbiner Hirsch gab den Auftrag, von jetzt ab zu rufen: in die Schuul!"" wußt durch % sein. ten eurof und bezie! Auf same folge eurof paläj leitet erzie! G bilde bishk ner ( aufri redli bish« lrnge ring, altj Palä dem Mit, geno stehe Absi Untr der t e r i ersuc über Aus! laffu raub soda! erfol dim vor brocl besch auf reise und Nun Judi glied netei alle Sep daß Eint 4 tan tiscl mite: Der Schi mitti SBol] Juli worb von den; Jsro des an strotz Prüf auf i Tem stirn« Bild stank Mt; Plan

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.