Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1908)
- Date
- 1908-06-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sette 12. Ro. 26. Der Israel«. -rung einer bestimmten, nämlich -er kausalen mchtungsweife aller Dinge, Geschehnisse, Erlebnisse, die überhaupt in -en Geist -es Menschen Eingang finden und von ihm Ansgang nehmen können. Es ist nichts, kann nichts, darf nichts in der geistigen Welt des Menschen sein, ob eS nun von außen in sie hereingeholt oder aus ihren eigenen schöpferischen Tiefen emporgetaucht ist, vor dem der Mtellekt Halt machen und sich zurückziehen müßte, ohne seine Methoden darauf angewandt, es zu einer möglichst lückenlosen Kette von Ursachen und Wirkungen umgeschmiedet und also sich untertan gemacht zu haben, soweit es eben geht.Aber so gewiß das alles ist, ebenso gewiß ist die kopfmäßige, wissenschaftliche, intellektuelle und auf alles und jedes Anspruch habende Betrachtungsweise nur eine neben anderen. Und fie macht sich gefährlich schädlich und lächerlich zugleich, wenn sie sich zur alleinigen in die Höhe redet oder auch sich nur als die ausgibt, neben der die anderen Monde seien, während sie selber die Sonne bedeute. Die Sache ist weit eher in der Umkehrung richtig." (Fortsetzung folgt.) VN Pijutim als Unterrichtsstoff. Bon Prof. Dr. A. Berliner in Berlin. Die Anregungen des Herrn A. in den letzten Nummern der Päd. Warte verdienen eine besondere Beachtung, für die ich durch einige Ergänzungen ebenfalls eintreten möchte. Ich wollte auch den jüdischen Vereinen, in welchen das hebräischevElement gepflegt wird, die Lektüre dieser Synagogal-Poesien empfehlen. Sie wird bildender, weil auch erziehender wirken, als das ermüdende Lesen mancher Moralschriften Der Gewinn, ein Verständnis, oft auch eine richtige Erkenntnis dieses Gebetrituals zu erzielen, wird um so höher anzuschlagen sein, je weniger von erster maßgebender Stelle aus, die Beteiligung an den Pijutim, höchstens am Neujahr und Versöhnungstag, zur Geltung gelangt. Wo aber, wie in manchen Gemeinden, der Rabbiner eine kleine Schaar Getreuer um sich sammelt und in der sogenannten noaipn den Sabbat- und Festaottes ienst brevi manu erledigt, gewinnt es den Anschein, als wenn die Pijutim nur noch für den vnlgus übrig bleiben sollten. Hiermit, wird aber ein Keim zu Reformen gelegt, die im Laufe der Zeit immer weiter führen. Einen Beitrag zur Wertschätzung der Pijutim wird der Prediger leisten, wenn er auch aus diesen zuweilen seine Texte wählt. Einige Fingerzeige hierfür dürften nicht als überflüssig erscheinen. So z. B. für natpn tPfo die Worte: neu — miw1} «im — *?k kjw tnv roi^on npi-m —?Ki. Nach Sachs: „Gott hasset Lug — er weilt in unserem Munde, Er heischt, vergebens ach! der Wahrheit Kunde, Drum bleibt noch fern von uns die Gottesherrschaft." Für 11D2 DT z. B. die Worte aus jeder Strophe des herzerheben den Pismon nr d'tis:) m\ Für ro ro z. B . .roTnyjnvn -,12 nvnro v'nxir> mm* "jKtwa oonT romV oniK yotpnV „Sie strömen Lob und Preis, dem Hort geweiht, Der kennt, was ruht im Schoße später Zeit, Doch seine Stimme mache Wonne kund, Erbarm' Dich ihrer, die Dir reih'n den Pflanzenbund. Ferner verschiedene Anfänge der roayiPin, wie z. B.: nein 'JK DIR und einzelne der herrlichen Strophen im otw für mxy 'a'vs? und im für riDS, für letzteres auch Verschiedenes aus den Poesien, welche aus unserer alten Dichterschule der jüdisch-deutschen Vorzeit stamme«. Am royiattr aus dem unübertroffenen Strophengepränge der Zehnworte, an beiden Tagen» — Wie auch an den Sabbaten des Jahres, an welchen das Jozer erscheint, einzelne Stellen für eine Homiiie verwendet werden können, erzieht sich meistens ungesucht. Andachterregend und herzerhebend klingt's mir noch heute nach, wie der selige Rabbi Dr. § Hildesheimer aus der am 5. Sefiraabbat feiner Predigt die Worte zu Grunde legte: — mroa nnt? p idsr dk '2inp — maiM nn« p ids dr 'Wi — n^vn R? DK Slön*» 'V1 — motp pjn nnir jht1? dk — nyatw nom ms ma ir — ■Anm SiW nnK *Ao *An •A n'nn rAua *otaa .^nR „Sind auch meine Verwandten dahin, bist Du mir doch geblieben/ sind auch meine Blutsfreunde geschwunden, lebst Du mir ja noch." ücherscha«. The Ritual of Eldad Ha-Duni, reconstrncted and edited from manuscripts and a Genizah fragment with noles, an introduction and an appendix onthe Eldadlegends byMax Sch 1 oessin g er, Ph. D. Leipzig. New-Iork 1908. Rudolf Haupt. 182 S. Preis geh. 10 M. Ueber den „Daniten", Eldad der im 9. Jahrhundert in Kairowan austauchte- und durch Vorweisung eines Schacht- Rituals, das zum Teil mit dem talmudischen übereinstimmte, zum Teil von ihm abwich, und seine Erzählungen von den verlorenen am Sambation wohnenden jüdischen Stämmen, davon einem, dem Stamme Dan, er anzugehören vorgab, großes Aufsehen erregte, find die Meinungen sehr geteilt, Die eimn halten ihn für einen Karaiten, welcher durch seine Schlachtregeln, die er auf göttliche von Moses überlieferte Tradition zurückführte, ie talmuüische Tradition in Mißkredit setzen woute, die andern sehen ihn hingegen als einen Anti-Karaiten an. Andere bestreiten wiederum die Authentte der Schriften Eldads, deffenPersönlichkeit eine zweifelhafte für uns sei/ manche meinen die Schlachtregeln enthielten das Ritu l des Schächtens der Falaschas. So find die Meinungen weit geteilt, und doch muß zugestanden werden, daß zuviel schriftliche Zeugnisse vorliegen, daß es mehr als gewagt erscheinen dürfte, die wohl rätselhafte Persönlichkeit Eldaos in das Fabelland zu verweisen und die Auihentie seiner Schriften vollständig abzuleugnen. Inmitten der verschiedenen Untersuchungen über Eldad und seine Schriften find unter den Schätzen der Genizah, die nach Oxford gekommen find, zwei Eldad- Fragmente entdeckt worden, welche der Verfasser vorliegenden Buches mit den Steher bekannten Schriften Eldads verglichen um durch eingehende und gewissenhafte Untersuchung mehr Licht in diese Frage zu bringen. Der Berfasier kommt zu dem Schluß, daß wir zwischen dem halachischen und dem legendarischen Teil zu unterscheiden haben: der halachische Teil, der in den bisher bekannten Recenstonen variiert, namentlich in der des Gutachtens des Zemach Gaon und vielfach entstellt ist, rührt von Eldad selbst her, während der legendarische nicht als von ihm herrührend betrachtet werden kann/ er ist der Held der Erzählungen, aber nicht der Berfasier. Der halachtsche Teil mit seinen fremdartigen Ausdrücken ist innerhalb der Einflußsphäre des palästinensischen Talmud und der arabischen Sprache entstanden. Damit wäre dann auch wohl der Ausdruck p)R DIdS")/ wie die Eldadsche Schrift in Tosaphat, R. Baruch usw. angeführt wird, gerechtfertigt, und eS ist nicht notwendig, wenn eS auch nicht geradezu unrichtig wäre, wie Grütz will, die Worte V# nisSn als Miro 1DK nach den Anfängen der einzelnen Sätze zu beuten. DabdieSchlachtregew8^^SMfpskäAnenstfchem Einfluß beruhe und darum meist erschwerend find — was letzteres, nebenbei gesagt, R. Baruch veranlaßte, ihre Verbindlichkeit Si verwerfen — darauf ist schon früher hingewiesen. Der erfasier suchte die Beweise noch zu ergänzen, und zwar aus Jeruschalmt Chullin. Für ihn ist eS nämlich, wie er in einer Rote bemerkt, ganz irrelevant, ob der von FriMävder veräffenttichte Original sei,; was ja von angesehenen Autoritäten bestritten wird, oder : ein auS Zitaten reconstruierter Traktat, immerhin seien eS doch Stücke aus dem verloren gegangenen Jeruschalmt / nun so sicher ist dieS allerdings nicht, wenn die Gegner recht haben/ aber es sei, wir wollen es darum nicht Unterlasten zu bemerken, daß die Parallelstellen im 1. Eldad und Jeruschalmt nicht ganz identisch find/ nach Eldad ist die durch eine Frau vollzogene rupTNP geradezu!>1DO, nach Jeruschalmt hat man nur die Gepflogenheit, daß Frauen keine nBTRP vollziehen. Dem Fleiße des Berfaflers verdanken wir nun einen mit Hilfe der Genizahftagmente gut rekonstruierten Text der beiden Recenstonen der Schlachtregeln EldabS, nämlich der ursprünglichen Recenfion, die von Eldad selbst herrührt und derjenigen, wie fie in dem Sendschreiben Zemachs Gaon enthalten ist. Ein ausführliches Glossar erklärt eingebend die im Text vorkommende., fremdartigen Wörter, und ausführliche Noten machen uns mit der weitschichtigen Erdad-Lireratur bekannt. Daß Eldad kein Karäer ist, der die alten Rabbiner düpiert hat, erkennen mx deutlich aus der eingehenden Studie. Dem Buche ist die Photographie eines Blattes deS Genizah-Fragmentes beigegeben. 8. Kommentar zu Kants Prolegomeua. Eine Einführung in die kritische Philosophie. I. Die Grundprobleme der ErkennMistheorie. Bon Dr. Max Apel. Geb. 3 M. Buchverlag der „Hilfe' G. m. b. H., Berlin-Schöneberg. Im Kampf um die Weltanschauung, der auch für uns Juden von höchstem Interesse ist, wirb kein Name häufiger genannt als der Immanuel Kants. Die Kantische Philosophie steht aufs neue im Mittelpunkt der philosophischen Bewegung der Gegenwart/ mit ihren Prinzipien sich vertraut zu machen, ist das erste Bedürfnis jedes philosophisch interessierten Geistes. Aus den zahllosen Büchern über Kant kann man diesen selbst nicht kennen lernen, da diese Werke gar zu oft nicht Kant, sondern den Geist des Verfassers wiederspiegeln. Man muß zum Original greifen, um den Geist Kants selbst als lebendige Macht zu spüren. Nun find die Klagen über die Schwierigkeit der Werke Kants allgemein und auch berechtigt. Aber der Königsberger Weise hat zum Glück selbst seine reiche Gedankenwelt in meisterhafter Zusammenfassung in seinen „Proleaomenen" zu einer jeden künftigen Metaphysik dargestellt, dieser nach Schopenhauer schönsten und faßlichsten aller Kantschen Hauptschristen. Der vorliegende Kommentar setzt fich nun zum Zweck, die auch hier noch vorhandenen Schwierigkeiten allgemeinverständlich zu erläutern, indem er Abschnitt für Abschnitt mit erklärenden Bemerkungen begleitet. Längere geschichtliche Ausführungen, sachliche Einführungen in die Probleme, Beispiele, Anführung und Widerlegung von Einwürfen helfen das Ziel erreichen. □'»TtPn TIP Das Lied der Lieder, übersetzt und erläutert von Willy Wolf. Frankfurt a. M. 1905. Sänger & Friedberg. 8 ® 71 <3. Bereits an anderer Stelle dieses Blattes (Jüdischer Bolksfteund Nr. 5) hat das vorliegende Merkchen eine eingehende prinzipielle Würdigung gefunden. Wir begnügen uns daher hier mit einer kurzen . literarischen' Besprechung. — Der Berfasier versucht das Hohelied i IS' ein Gespräch Gottes, Israels und der Menschheit zu erklären. In konsequenter Weise führt er diesen Gedanken durch, fast immer im Anschluß an jüdischtraditionelle Erklärungen. Er begnügt sich nicht damit, in einzelnen Bildern eine symbolische Anspielung auf Israels Geschick zu sehen, sondern das ganze „Lied der Lieder" ist ihm ein symbolischer Ausdruck der Beziehungen Israels zu Gott und der Menschheit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. UnaHängig von der prinzipiellen Stellung, die mm zur Methode des Verfassers einnimmt, wird jeder vorurteilslose Leser an dem unS vorliegenden Merkchen die konsequente Durchührung des einmal für richttg erkannten GedmkenS bewundern. Erftischend wirkt der begeisterte Ton des Verfassers, vereint mit einer ehrlichen Bescheidenheit. Der Berfasier will nicht um jeden Preis jeden Ausdruck erklären/ da wo ihm im einzelnen eine sichere Erklärung zu fehlen scheint, gibt er es unumwunden zu. An einigen Stellen fühlt er fich außerstmde, eine geeignete Erklärung zu geben. — Es ist eine ehrliche, fleißige Arbeit eines die Wahrheit suchenden Jehudi. Solche Arbeit hat immer ihren Wert. Wir empfehlen fie allen, die nach Verständnis der Heiligen Schrift streben. Sie wird vielen manches, mmchm vieles bieten. N. A.