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Der Israelit · 1908-06-25 · Heft 26 (25.6.1908) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 26 (25.6.1908)
Date
1908-06-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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WWW SS DerJSraeltt. nannte empftchl, wönächp MtAWlich„die JnteArität -es Friedhofes für ewige Zeiten gesichert", tatsächlich nur dem Chewravorstande das Mißtrauen ausgesprochen werden sollte. Die Debatte -nahm einen stellenweise sehr erregten 'Verlauf; die Freunde der Chewra und diejenigen, die sich Mer Mitgliedschaft nicht nur gelegentlich erinnern, wußten ihre Interessen auch ohne papierene Resolution gesichert und so wurde bei der namentlichen Abstrmmung die Kuhsche Resolution mit geraden überwältigender Majorität abgelehnt, bei den Neuwahlen die bisherigen Funktionäre wiedergewählt. Und so wäre der bewegte Kampf der letzten Wochen zu Ende. Wir hätten uns des Kampfes rm Interesse des jüdischen Lebens unserer Gemeinde gefreut, wäre er in ruhiger und sachlicher Form geführt worden und wenn seine Urheber wirklich von dem Interesse an der Sache sich hätten leiten lassen. **) So aber war es ein Kämpf mit unschönen Mitteln, Kampf um des Kampfes willen, und dieser Kampf ist unjüdisch. Ungarn. VI. kandeshongreß 9er ungarifdien Sionifien. Budapeft, 12. Juni. Sonntag den 7. und Montag den 8. Juni tagte in Budapest der VI. Landeskongreß der ungarischen Zionisten, an welchem 87 Delegierte teimahmen. Nachdem die Konferenz Bormittags 11 Uhr mit einer Begrüßungsrede des Vorsitzenden Herrn Dr. Oestreicher eröffnet worden war sprach am Nachmittage Herr Ingenieur Armin Beregi über „Zionismus in Ungarn." In einem Rückblick auf die Geschichte des Judentums, will der Redner konstatieren, daß sowohl in dieser Geschichte als in der mit derselben eng verknüpften Religion, in den Gebeten und bei den Festen, kurz überall die jüdische Nationalität, das jüdische Volkstum im Vordergründe sei. Er sieht im Zionismus die einzige Lösung der Judenfrage. Mit dem Hinneis auf die Kolonien und auf die gehobene Industrie Palästinas, und mit einem Aufruf an die Judenschaft Ungarns, sich der zionistischen Bewegung anzuschließen, schloß Herr Beregi seine Rede. Hierauf referierte Herr Samuel Bettelheim aus Preßburg über die „Jnnerpolitische Lage der ungarischen Juden" Auf die Gegensätze in den Anschauungen, die das Judentum in sich schließt, hinweisend, und nach einer scharfen Verurteilung der Reformbewegung schilderte der Redner das Judentum als ein Kunstwerk von hohem Werte, welches uns von unseren Ahnen, von Geschlecht zu Geschlecht vererbt wurde, dessen Rekonstruktion aber nach seiner Meinung einzig und allein den Juden mit feinerer historischer Empfindung d. h. den Zionisten anverrrautt!) werden kann. Darum dürfte auch die zionistische Tribüne den Anspruch erheben, das Forum für alle Geschehnisse des jüdischen Lebens zu werden. Der Redner geht noch auf die Trennung der ungarischen Juden ein und nennt die vor 40 Jahren geschehene Losreißung der Orthodoxie eine heroische Tat, eine unbewußte Aeußerung des nationalen Selbsterhaltungstriebes, wie er sich heute seiner Wege und Ziele bewußt im Zionismus äußert. ('?) In längeren Ausführungen' verbreitete er sich dann über die von neologer Seite angeftrebte Einigung der Judenheit Ungarns, und meint, man könne es gewiß der Orthodoxie nicht verdenken, wenn sie der Versicherung der Neologie, daß sie die Gewissensfreiheit Hochhalten werde, gründlich mißtraut. Die religiösen Gegensätze hält er indes nicht für so unüberbrückbar als sie gerne geschildert werden. Irr letzter Zeit sei die Orthodoxie in ihrem Wesen neologer **) Datz dies nicht der Fall war, darauf scheint der Umstand zu deuten, daß die Angriffe, ohne irgendwie eine friedliche Verhandlung oder Besprechung zu versuchen, gleich in der „Selbstwehr" veröffentlicht wurden. geworden*), ebenso wie die Neologie orthpdyxer geworden wäre (?) Das Judentum Ungarns, sagte er, habe daher das Recht von beiden Organisationen zu verlangen, daß sie unbeschadet ihrer inneren autonomen Verwaltungen eine gemeinsame polisische Oberbehörde schaffen mögen, welche dem Judentum im öffentlichen Leben diejenige Achtung gebietende Stellung verschaffen möge, welche gegenwärtig durch die Spaltung des Juoentumes nicht erreimt werden kann. Zum 4. Punkte der Tagesordnung : „Die zionistische Organisation" referiert Herr Dr. Ludwig Dömäny, darlegend, daß sich der Zionismus trotz aller Altfeindungen stetig entwickelt. Er bespricht das Gutachten der neologen Landeskanzlei bezüglich der Statuten der zionistischen Organisation, weist auf die Unrichtigkeit und Unaufrichtigkeit deffelben hin und spricht die Hoffnung aus, daß das ungarländische Judentum im Zionismus dereinst eine kraftvolle Organisation finden werde. Als letzter Redner sprach Dr. Sigmund Alt über die „Jüdische Presse". Der Redner führt aus, daß unsere Presse genau so überschätzt wird, wie unser Reichtum. Denn obzwar es wahr sei, daß der größte Teil der Journalisten und ein großer Teil der Zeitungsinhaber, speziell in Ungarn und in dem benachbarten Oesterreich Juden sind, können wir doch wahrnehmen, daß diese Pr sie jedes Interesse mehr zu wahren bereit sei, als das der Juden. Er empfiehlt die Schaffung einer nationalen Preffe für die Juden in Ungarn. Hierauf gelangt eine Resolution zur einstimmigen Annahme, die im Zionismus die einzige Lösung der Judenfrage erblickt und in der gegen die Verdächtigungen, daß die Bewegung gegen die heiligen Gefühle des Patriotismus und der Religion verstößt, ein energischer Protest eingelegt wird. Am zweiten Verhandlungstage wurden die Rechenschaftsberichte erstattet, die alle einstimmig angenommen wurden. Budapest, 17. Juni Eine Abordnung des Landesvereins israelitischer Lehrer erschien heute nachmittags beim Grafen Albert Apponyi, um ihm für die beruhigenden Erklärungen zu danken, die er in der jüngsten Konferenz der Unabhängigkeitspartei über die durch Einführung des unentgeltlichen Volksschulunterrichtes den Gemeinden entstehende materialle Einbuße gegeben hat. Der Führer der Abordnung war der Vizepräsident des Vereins Philipp Csukassi, auf dessen Ausführungen der Unterrichtsminister erklärte, er erachtete es für seine Pflicht, sich der jüdischen Schulen anzunehmen, weil das Judentum ganz unorganisiert und daher schwach ist. Die Frage der jüdischen Schulen erfordert eingehende Erwägung. Vorerst sei es ein großer Fehler, daß diese Schulen ganz und gar von den Schulgeldern leben und nicht die finanzielle Unterstützung von seiten des gesamten Judentums genießen - daher kommt es, daß ihnen, ungleich den Schulen der anderen Konfessionen, keinerlei Fonds zur Verfügung stehen. Hier befindet man sich einer Zwangslage gegenüber die Hilfe heischt. Er wolle nach zwei Richtungen helfen: den Schulen, so weit es geht/ den Lehrern auf jeden Fall. In einem Sonderparagraphen des Gesetzes wolle er aussprechen, daß der Staat in gewissen Fällen auch über 15 Kr. hinaus den Ausfall an Schulgeldern ersetzt. A^dem konfessionellen Charakter der Anstalten soll nicht gerüttelt werden. Jene Schulen, die bisher keinerlei Staatssubvention erhalten haben, mögen jetzt darum einkommen; sie werden die Hilfe erhalten. Zum Schluffe versprach der Minister, er werde für jene Lehrer, die infolge der Reform ihre Stelle verlieren sollten, sorgen. Rußland. Petersburg, 15. Juni. Das bekannte Organ des „echtrussischen" Verbandes, die Rußkoje *) Sollte das wahr sein, so wäre es bas best? Argument gegen die Ulnsikationsbestrebungen j. t b e r Art. Red. - .. . ■ ' ' " ' Snämja, brinKjetzt etwa jÄe WoK <m ttster Stelle ein Verrekchnis aller derjenigen Peiffsnen, die an den Judenhetzen beteiligt, gerichtlich verurteilt und dann begnadigt worden waren. Natürlich fehlt es auch nicht an sonstigen Hinweisen auf die Gnade des Zaren, und eS wird so systematisch der Eindruck erweckt, daß Teilnahme an der Ermordung von Juden straflos sei. Was aber das Traurigste ist, dieser Eindruck entspricht durchaus den Tatsachen. Denn jeder Tag bringt neueBeanadigungen,und auch die Farce des gegenwärtigen Prozesses in Bialystok ist^durchäus überflüssig, denn die Herren Pogromteilnehmer werden ja doch begnadigt, was das genannte Blatt jetzt schon triumphierend der Welt verkündet. In D winsk (Dünnaburg) wütete am 12. Jnni eine Fe. ersbrunst, die mehr als eine Million Rubel Schaden angerichtet hat. Ganze Straßenreihen wurden binnen wenigen Stunden ein Raub der Flammen. Das ganze Viertel Gajok, das von den ärmsten Juden bewohnt war, fft abgebrannt. Tausende jüdische Familien sind broduyd obdachlos. Der Bialysfoher Pogromprojeß. Bialystok, 12. Juni. II. Die Verhandlungen nehmen heute ihren Fortgang. Es werden eine Reihe weiterer Zeugen vernommen, die sich in Widersprüchen verwickeln und zum Teil ihre Aussagen. wie aus einem Buche ablesen. Der Kapitän Kalmansow, der am kritischen Tage eine Abteilung Soldaten befehligte, besteht darauf, bei den Juden Mauseraewehre gesehen zu haben, mit denen sie die Kaserne beschossen. Warum diese Schüsse nicht die geringste Spur an der Kasernenmauer hini erlassen haben, weiß er nicht zu erklären. Er gab keinen Befehl zum Feuern Nur in einem einzigen Falle habe er es stillschweigend geduldet, daß die Soldaten einen Schützen abführten. Ob der letztere gerade Jude war, kann er nicht mit Bestimmtheit sagen, auch nicht, was seine Soldaten mit dem Opfer gemacht haben, da er sich weiter nicht mehr um die Sache bekümmerte. Der Pristaw Bandriak behauptet, sich noch an alles klar und deutlich erinnern zu können. Den jüdischen Feldscher Schlot me Suschitzki habe er gezwungen, einem auf der Straße liegenden verwundeten Christen Hilfe zu leisten, habe sich aber weiter um das Schicksal des Juden nicht bekümmert. — Suschitzki fand man nachher in einer Blutlache furchtbar verstümmelt tot auf der Straße. Als Rechtsanwalt Skaritin einige Fragen an den Zeugen stellt, verweigert dieser die Antwort, worüber ein scharfer Wortwechsel zwischen dem Vorsitzenden und den Anwälten der Juden entsteht. Die Stimmung ist sehr gespannt. Nach kurzer Pause wird der Pristav des ersten Reviers Kustotzki vernommen. Er hält es für möglich, daß bei der allgemeinen Panik auch Unschuldige von Polizei und Militär getötet wurden. (!) Er selber hatte das Malheur, überall zu spät zu kommen. So kam er auch nicht mehr zeitig genug, um die Ernrordung der Geschwister apidas, der alten Frau Kap und noch anderer Juden in seinem Revier zu verhindern. Im Hause des jüdischen Bäckers Pris habe er verdächtige Gestalten gesehen, die cr alle, sowie die ganze Familie Pris arretierte. Wie es kam, daß mail nachher diese Arrestanten im Polizeisofe ermordet auffand, darüber weiß er keine Auskunft zu geben. Auf dem Markte sah er )ann zwei flüchtende Juden, die von einer großen Menge verfolgt wurden. Auch da wäre es zu 'pät gewesen, denn bevor er noch Zeit hatte, »inzuschreiten, war der eine der Flüchtlinge tot, )er andere schwer verwundet. Er ließ sie dann ins Krankenhaus schaffen. Er hätte seine Pflicht vollauf getan, behauptet der Zeuge, indem er alle Ermordete und alle geplünderten Häuser verzeichnete. — — Auf die Frage eines Anwaltes, warum er nicht lieber das Unglück abgewendet suchte, statte es gewissenhaft zu

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