Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1908)
- Date
- 1908-06-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Nr. 26. tum sich auf der von dem unvergeßlichen Meister geschaffenen Grundlage aufbaut. Das war der zweite große Eindruck. Die Sun me aller Gefühle, die da zum Aus' druck gebracht wurden es waren die Gefühle eines ganzen Botketz, das seinem großen Genius einen Huldigungsktanz wand. Doch nicht ihm,nicht seiner Per on, dem Schöpfer Vielmehr. ViTT^ inODflD Es mögen Monate und Jahre vergehen, doch fest wie ein Denkstein wird der heutige Tag in unser aller Erinnerung unvergeßlich bleiben. Geloben wir uns, es nicht beim Erinnern zu belassen, es umwfltze.i in Tal und einstmals unsern Kindern und Kmdeskindcrn mit Stolz und ohne zu erröten, von unserem Meister erzählen zu können. Die Gegenwart versinkt im Ze lenmccre Uud über Menschenwirken rauscht die Flut, Doch ehern stellt der Gottheit hohe Lehre. literarisches. Die Hirsch-Centennarfeier hat eine Reihe literarischer Beröstentlichungen gezeitigt, die hier kurz angezeigt seien. In erster Reihe nennen wir den von Dr R phael Breuer-Frankfurt als Huldigungsgruß für S. R. Hirschy'jtf veröffentlichten statt! chen Sammelband „Unter seinem Banner , der neben zahlreich n Essays über die verschiedensten modernen Probleme auch mancherlei interessantes Material zur Biographie Rabbiner Hirsch's enthalt. — Die Sondern»mmer des „Israelit" hat mit ihrem reichen Inhalte einen über Erwarten großen Anklang gefunden, sodaß die Auflage nahen vergriff n ist. — Ein schmuckes Bändchen legt der Verband der Sa bbathfr eunde mit dem von ihm veranstalteten Sonderdruck der Sabbathartikel aus dem „Jeschurun" auf den Büchertisch. Das Büchlein ist anläßlich der Cente. narfeier als Erinnerungszeichen sämtlichen Schülern und Schülerinnen der Unterrichtsanstalten der Frankfurter Religionsgesellschaft übergeben worden. — Endlich sei noch eine von der Firma Loewenthal-Fra kfurt in den Handel gebrachte Jubiläums - Ansichtspostkarte erwähnt, die starke Verbreitung fand. — In dem am Schlüsse der Hirschnummer des Israelit veröffentlichten Gedicht von Herrmann Schwab: „Die letzte Predigt" ist durch Verschulden des Setzers eine Zeile ausgefallen. Die be, treffende L telle lautet richtig: „Die Arme streckt er aus und ruft es nieder So weich und innig zu der großen Schaar -Dann sprechet p#, meine Brüder, Das letzte p*, sprechr's durch ganze Jahr." und Nachrichten. orrespondenzen Deutsches Keich. Stuttgart, 22. Juni. Der heutige Staats- Kzeiger veröffentlicht den Entwurf einer neuen anirchenverfassung der israelitischen Religionsgemeinschaft, wie er von der Oberkirchenbehörde auf Grund der von den Kirchenvorsteherämtern, den Rabbinern, Lehrern und einer Anzahl Notabeln abgegebenen Aeußerungen festgestellt worden ist. Es soll auf diese Weise der Entwurf, bevor er an die Stände gelangt, zur öffentlichen Diskussion gestellt werden. Gleichzeitig mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes soll der bisher in Kraft befindliche dritte Abschnitt des Judengesetzes vom 25. April 1828 aufgehoben und durch ein neues Staarsgesetz mit etwas freierer Tendenz ersetzt werden. (Wir werden auf den Entwurf eingehend zurückkommen. Red.) Königsberg i. Pr., 16. Juni. Ein beispielloser Akt von brutaler und empörender Roheit hat sich am Sonnabend nachmittag in unserer Stadt zugetraaen. Drei jüdische, Knaben hatten sich nachmittag an den Pregel begeben. Sie spielten dort eine Zeitlang mit dem kleinen Hündchen eines Kahnschiffes, der mit seinem Fahrzeug in der Nähe der Eisenbahnbrücke ankerte. Diese harmlose Spielerei mißfiel einem vorüberkommenden elegante Herren derart, daß er sich ohne weiteres auf eines der Kinder, das zehn Jahre alte Söhnchen _Der Israeli». eines kürzlich aus Rußland hier ein gewanderten armen Juden Hirsch Großmann stüzrte und ihm mit der geballten Faust mehrere wuchtige Schläge gegen die rechte Schläfe beibrachte. Sofort strömte dem brutal gemißhandelten Kinde das Blut aus Nase und Mund und es stürzte dann unter Todeszuckungen zu Boden. In wenigen Augenblicken war das Leben aus dem kleinen, von Hunger und Entbehrungen geschwächten Körper entflohen. Auf das Geschrei einiger im naheliegenden Flachsspeicher arbeitenden Frauen eilte ein Schiffer hinzu und versuchte den eilig davonftürmenden Unbekannten festzuhalten, doch stieß ihn dieser zur Seite und rannte über die Elsenbahnbrücke hinweg. Die Polizei ist auf der Suche nach dem Totschläger. Doch fehlt bis jetzt von dem vornehmen Herrn, für den die Sache mit der Ermordung des armen Judenkindes erledigt zu sein scheint und sich nicht mehr im mindesten um dieselbe bekümmert, jede Spur. Oesterreich. Wien, 20. Juni. Der Vorfall im „Jüdischen Klub", der auch in Jhrenr Blatte genügend erörtert und beleuchtet wurde, ist nun erledigt und zwar nicht, wie vielfach und oft mit schlecht verhohlener Schadenfreude berichtet, durch Auflösung des Klubes, sondern durch eine Zuschrift des Herrn Dr. Gabel an den Präsidenten, die seine voreilige und inkorrekte Interpellation etwas erklärlicher macht und sie jedenfalls nicht mehr als gemeine Fälschung erscheinen läßt. Selbstredend würde auch dieses an der ethischen Entrüstung des christlich-sozialen Herrn Präsidenten über das „illoyale Verhalten in gewissen Kreisen" nichts geändert haben, wenn nicht durch den feindseligen Toll des Herrn Weißkirchner und die Schadenfreude seiner ganzen Partei doch noch etwas spät das Solidaritätsgefühl der jüdischen Abgeordneten erwacht wäre und sie einen Ausweg aus dieser Sackgasse suchen und schließlich auch finden ließ. Der jüdische Klub übermittelte nämlich dem Präsidenten folgenden einstimmigen Beschluß: „Angesichts der vom Herrn Abg. Dr. Heinrich Gabel dcni Präsidenten des Abgeordnetenhauses abgegebenen Erklärung, sowie der im Hause mehrfach geübten Gepflogenheit, erachtet der Klub die Angelegenheit der durch den genannten Herrn Abgeordneten überreichten Interpellation als vollkommen geklärt und erledigt. Gleichzeitig wird sestgeftellt, daß die Stellungnahme der Herren Abgeordneten Dr. St rauch er und Dr. Mahler keineswegs als gegen die Vertrauensstellung des Abg. Dr. Gabel gerichtet aufzufassen ist." - Somit wäre die Sache wenigstens nach außen hin erledigt. Cs sind große Fehler begangen worden, die aber auch ihr Gutes haben könnten, wenn sie eine Lehre für die Zukunft sein sollten. Die jüdischen Abgeordneten haben es nun an der Hand eines konkreten Beispieles gesehen, wie sich jede Abweichung von dem ihnen von den Wählern vorgezeichneten Wege bitter rächt, und fast will es scheinen, als seien die Herren nun, durch den Schaden klüger geworden, wirklich gewillt, es einmal mit der Vertretung der wahren Interessen ihrer Wähler zu versuchen Die Budgetrede des Herrn Stand, die auf die wirtschaftliche und politische Lage der Juden in Galizien so gründlich einging, zeugt von gutem Willen, Mut und Verständnis und hat viel zur Wiederherstellung des stark erschütterten Ansehens des „Jüdischen Klubs" beigetragen. — Die Mikwohangelegenheit harrt immer noch ihrer Erledigung. Am letzten Sonntag fand wieder im Bethause Machsike Hadas eine Versammlung statt, die nach teilw.'isen recht hitzigen Debatten eine Resolution faßte, die den Zustand der derzeitigen Mikwah als beschämend und unzulässig erklärt und die Kultusgemeinde ersucht, umgehend Wandel zu schaffen. An Versprechungen seitens des Vorstandes fehlte es nicht und es steht zu hoffen, daß man auch bald unter dem Eindruck der immer dringender wer- _2 >. Juni 1908. denden Wünsche, an die Einlösung des Versprechens herantreten wird. Skeptisch stehen wir der auch in dieser Versammlung abgegebenen Erklärung des Herrn Dr. Bloch gegenüber, daß der Kultusvorftand die strengste Beachtung der Borschriften des Schulchan-Aruch bei der Ausführung des beschlossenen Mikwahbaues als selbstverständlich erachtet. Lemberg, 11. Imst. Gestern fand hier eine Versammlung jüdischer Schankwirte aus Galizien statt. 120 Delegirte aus 80 verschiedenen galizischen Städten waren erschienen, um über die Abwendung der Gefahren zu beraten, welche ihren Erwerb von vielen Seiten bedrohen Es waren zumeist kleine Wirte in einfacher galizischjüdischer Tracht erschienen. Die Versammlung, zu welcher auch ein Regierungsvertreter gekommen war, wurde um 10 llhr Vormittags von Herrn Fett aus Dembitz eröffnet. Der Vorsitzende erörtert die aktuellen Fragen des Schankgewerbes und legt einen Statutenentwurf für eine jüdische Schänkerkorporation vor. Der nächste Redner Herr Frostig erörterte dann zunächst die Frage der Konzessionen nach dem Jahre 1910. Bekantlich werden im Jahre 1910 die Propinationen aufgelöst und die vielen Tausende von Schänken, welche jetzt der Propination angehören, werden ihres Schankrechtes verlustig werden. Laut dem Plane des Landesausschusses sollen dann Schank-Konzessionen nur in begrenzter Zahl ausgegeben werden. So soll in der Stadt aus je 500 und auf dem Lande auf je 800 Einwohner eine Schänke entfallen. Auf dieser Grundlage schon muß eine große Zahl der heutigen Schankwirte ohne Erwerb bleiben. Zieht man noch in Bettacht, daß selbst die wenigen Schanklizenzen vielleicht nicht den wirklichen Schänken, die sich von Kindheit an dem Fache gewidmet hatten, sondern irgend einem Protektionskinde werden verliehen werden, so^begreift man die Gefahr, welche den heutigen Schänken droht. Eine weitere Gefahr besteht in der projektierten Verschärfung der Sonntagsruhe, wonach das Schankgewerbe von Samstag Abend 6 Uhr bis Montag Früh 6 Uhr zu ruhen habe. Eine solche Verfügung wäre mit dem Ruine der jüdischen Schankwirte gleichbedeutend. Gegen diese Gefahr könnte sich nur eine jüdische Fachorganisation schützen. Nach längerer Debatte wurde eine aus mehreren Punkten bestehende Resolution angenomme, in welcher verlangt wird, daß in dem Gesetze über die Konzessionierung ausgesprochen werde, daß bei Erteilung von Konzessionen vor Allem diejenige zu berücksichtigen sind, die schon im Schankgewerbe stehen und sich jetzt keinem andern Gewerbe zuwenden könnten. Die Versammlung protestitt ferner gegen die geplante Verschärfung der Sonntagsruhe, und spricht den Wunsch aus, daß überall im Lande Fachorganisation konzessionierter Schanker entstehen, die jedoch auch die Interessen der nichtkonzessionierten Fachgenoffen zu vertreten hätten. Uebrigens mögen die nichtkonzessionierten Schänker gleichfalls Vereine unter sich gründen, die sich zu einem Landesverband zu vereinigen hätten. Schließlich protestiert die Versammlung gegen die Erhöhung der Branntweinsteuer. Nach Annahme der Resolution wurde ein vorbereitendes Komitee gewählt, dem die Ausarbeitung der Statuten übertragen wurde. Da am darauffolgenden Tage auch in Krakau eine ähnliche Versammlung stattfand, erklärte sich die Lemberger Versammlung solidarisch mit den in Krakau versammelten Berufsgenossen, die gleichlautende Resolution anzunehmen. Olmütz, 10. Juni. Im großen Saale des deutschen Kasinos fand am 28. v. M. die diesjährige Generalversammlung des Mähr.-schlesischen Rabbinerverbandes statt, an der 20 Rabbiner beteiligt waren. Der Obmann Herr Dr. Freimann aus Holleschau eröffnete die Generalversammlung und begrüßte die erschienenen Gäste und Mitglieder. Sodann ergriff der Präsident der Olmützer Kultusgemeinde Herr Dr. Eben das Wort und gab in herzlichen, warm empfundenen Worten seiner Anerkennung für