Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 26 (25.6.1908)
- Date
- 1908-06-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. Der JSraelU. «ette 3. 25 Juni 1908. Chaluha. Unser Jerusalemer Korrespondent hat vor vierzehn Tagen über Ankunft und Empfang des als Vertreter der holländisch-deutschen Chaluka nach Jerusalem entsandten Herrn Rabbiner Horoviez berichtet. Daß sich an die Errichtung des neuen Bureaus, das zum ersten Male der westeuropäischen Orthodoxie eine ständige Vertretung in der heiligen Stadt schafft, mancherlei Hoffnungen und — Befürchtungen knüpfen, ist nur zu natürlich, und es wäre müßig, diesen mehr oder minder in der Luft schwebenden Gedankengängen der Freunde und Gegner nachzugehen. Die Zukunft allein kann lehren, welche Erfolge das neue Regime für die Förderung der materiellen und sittlich-religiösen Wohlfahrt unsrer palästinenstschen. Brüder zeitigen und in welchem Maße unsrem Hoffen, den Hoffnungen der ganzen gesetzestreuen Judenheit, Erfüllung beschieden sein wird. Nur zwei Mißverständnissen muß hier von vornherein mit Nachdruck entgegengetreten werden. Eine Korrespondenz des de^isb Ovroniele erweckt den Anschein, als sei die Aufgabe des Herrn Rabbiner Horoviez vornehmlich in einer starken Beeinflussung der ungarischen Kreise in Jerusalem zu Gunsten moderner Bildungsbestrebungen zu suchen. Das beruht offenbar auf einer Verwechslung der Nationalität des Herrn Horoviez mit seiner Mission. Diese letztere erstreckt sich in allererster Linie auf den holländisch-deutschen Kolel, ist ferner, soweit sie darüber hinausgeht, wirtschaftlicher Natur und von den maßgebenden Rabbinern Jerusalems längst gebilligt. Viel schlimmer liest sich ein Willkonnngruß, den das Organ der Familie Ben-Jehuda) die „Haschkafa" in Jerusalem, dem neuen Leiter des Chalukabureaus entbietet und der offenbar darauf berechnet ist, den Ankömmling als Vertreter eines neuen Geistes für die jungjüdischen Kreise in Beschlag zu nehmen. So aussichtslos dieser plumpe Versuch angesichts der geschloffenen Persönlichkeit des Herrn Rabbiner Horoviez auch ist, und so sicherer wirkungslos abprallen wird tut der Einsicht und Sachkenntnis der Jerusalemer Rabbinen, so soll doch an dieser Stelle noch einmal ausgesprochen werden, daß die fortgesetzte intime Fühlung mit den geistigen Leitern der jüdischen Gemeinden Jerusalems und die Anerkennung der rabbinischen Autorität die unerschütterliche Grundlage bilden auch für die künftige Wirksamkeit der Chaluka. Die Aenderungen, die an dem Systeme dieser Chaluka, nicht infolge des von der Haschkafa vergötterten luftigen „Zeitgeistes", sondern auf Grund sehr deutlich wahrnehmbarer wirtschaftlicher nto sprach Gott d. h., sagen unsere Weisen -jnyft: schicke sie, daß sie in deinem Sinne ihres Amtes walten. Die Q'^no aber haben nicht 'n s"y, auch nicht rWD njnS sondern DDüy njn und S-)pn njn dem Volke das zu bieten gesucht, was es von ihnen zur Begründung feiner Zaghaftigkeit wünschte und erwartete. Und wovor schracken die Kundschafter zurück, was gab ihnen den Grund zu ihrem B richte, der das schwache Volk mit Grauen und Entsetzen erfüllte? „Sie gingen im Süden hinauf und gelangten bts Chebron und dort waren Achiman, Scheschai und T h a l m a i" erzählt die Thora. Es ist auffallend, wie eingehend hier die Schrift die von den □’fcnD Angeschlagene Route schildert und die Stelle ihrer Tätigkeit durch Benennung der dort ansässigen Riesenmenschen noch näher bezeichnet. Und Dort! Wußten sie es vielleicht, was dort ihrer Späheraugen harrte? Lag vielleicht gar Abficht darin, daß fie gerade die Schreckensgegend aufsuchten, in der fie geeignetes Material für ihren Bericht, für die im Geiste bereits entworfenen Schauerbilder zu finden hofften? Unsere Weisen lasten es vermuten und zwar durch eine finnige etymologische Erklärung der Riesen-Namen: wnso nvp - ’W roy to' jkd •»n« - •pio d'd'ti nro - 'Dbn „licht-man?: Brüder, wer von euch wollte es mit mir ausnehmen? Scheschai (Schajisch Marmor) war hart und fest wie Marmorstein. Talma i, (oon Telem) Dessen Riesenschritt liefe Furchen in der Erde hinter ieß." (Midroschrabba und Tanchuma). Es waren also Namen, die der phänomenalen Größe und Kraft der Anaktm entsprachen und zwar solche, die der h e b r ä i s «b en Sprache, a'so der Sprache der Knnd- Verschiebungen als notwendig erachtet werden, sie müffen im Jntereffe der Armen zur Durchführung gelangen, selbst wenn Ben-Jehuda und seine Gesinnungsgenossen diese Aenderungen als quasi religiöse „Reformen" ausschreien und sie sogar billigen sollten! 8i duo faciunt idem, non est idem. Wir glauben daher, daß die dem überlieferten Judentum feindlich gesinnten Kreise die sich um die „Haschkafa" scharen, durchaus keine Veranlassung haben, in der Neugestaltung der Dinge einen Triumph ihrer Ideale zu erblicken, daß vielmehr das ganze Werk, wie von vornherein geplant war, der Erhaltung und Erhöhung des Thorastudiums, der Förderung echtjüdischen arbeitsfrohen Pflichtlebens dienen und so mit Gottes Hilfe recht eigentlich zum jöttn tn'a werden wird. Der Kampf um$ Grab. Von Dr. Arnold Klei« - Würzburg. (? chluß.) Ebenso einseitig wie das hygienische Argument wird das sog. ästhetische Argument zu Gunsten der Feuerbestattung verwendet. Mit Dramatischer Lebhaftigkeit erzählt der Vortragende in der Propagandaversammlung, wie schrecklich es dort unten im Grabe zugehe, Lichtbilder unterstützen die Schilderung äußerst wirkungsvoll, Photographien von halbverwesten Leichen rufen unfehlbar das gewünschte Gruseln hervor. Ist dann das Publikum von Schaudern und Schrecken vor dem Erdbett erfüllt, in dem seine Vorfahren im Todesschlafe ruhen, dann folgt eine poetische Schilderung der Leichenverbrennung, bei der alles so wunderbar ästhestisch zugeht, bei der schon der Körper zu lichten Höhen emporsteigt. Nun, schön ist die Verwesung nicht, wie überhaupt das Sterben, mit allem was drum und dran hängt, nicht zu den Annehmlichkeiten zählt. Aber auch die Verwesung im Ofen, auch der Verbrennungsprozeß ist recht entsetzlich. Vor allem ist die poetische Schilderung des Emporsteigens der Körperteile in die lichten Höhen der Athmosphäre nur eitles Geflunker. In Wirklichkeit bleibt ein Teil der verdunstbaren Stoffe des verbrannten Körpers mit dem Rauche im Schlot haften. Und der andere Teil, der in Form von Dampf, Gasen und flüchtigen Bestandteilen ins Freie gelangt, fällt vielleicht schon im nächsten Augenblick zur Erde, und wenn es gut geht, können die Pferde, die das Trauergefolge heimfahren, einzelne Bestandteile des so sehr Betrauerten in die Pfützen auf dem Wege stampfen. Ob das so poetisch ist, ist wohl zu bezweifeln. Könnte man ferner den Verbrennungsprozeß im Ofen photographisch festhalten, schaster entnommen waren. Sie waren aber allem Anscheine nach nicht nur der Sprache, sondern auch der Gefühls- und Gedankenssphäre der Kundschafter, ihrer überreichen Phantafie entsprungen. Es waren Namen, die die D'^nD selber erfanden, um durch fie den Schrecken, der fie beim Anblicke der gesuchten Riesengestalten erfaßte, zu bezeichnen und ihn dem Volke gegenüber wirksam zum Ausdrucke zu bringen. Es mag eine schwere Aufgabe sein, die Mafien von Werte oder Unwerte einer Sache durch Worte zu überzeugen. Klingende Namen haben indessen noch nie ihre Wirkung versagt. „Und fie gingen im Süden hinauf, CW) und dort fanden fie, was fie suchten, fanden fie die Schrecken sbilder, denen fie Namen gaben, die fie Achiman, Scheschai und Talmai betitelten, Namen, die wohl schaurig genug klangen, um Grauen zu erwecken, Bestürzung und Verwirrung, und nnrft rP'QH anzurichten. Und die Schreckensherrschaft der Namen hat fich in der Tat zu einer nnrft rp'OD/ zu einem ewigen Jammer, zu einer chronischen Bolksmisere herausgebildet, bei uns wie überall. Auch der Abfall zieht unter klingendem Namen einher und gibt an zu bauen und zu gestalten (Kultur, Reform, da wo ein Werk der Zerstörung errichtet und dem Untergange zugesteuert wird. Das Hochziel, welches uns das göttliche Reltgionsgesetz steckt, wird dem schwachen Menschen immer weiter enttückt, ebenfalls durch Namen, durch Schreckensnamen, die man selbec erfindet, um damit seine Willenskraft zu lähmen und bestürzt zurückzuschrecken, da die Pflicht gebieterisch vorwärts drängt. Uno wie heißen diese Schauerbilder, die daö zaghaft spähende Kundschasterauge entdeckt? Konkurrenz, Kampf umS Dasein, veränderte Zeiten nsw. Hier haben wir fie wieder, die altbekannten das Bild müßte abschreckender wirken, als das Bild von Erdleichen. Die gewaltige Hitze muß ja die in der Leiche enthaltenen Gase so ausdehnen, daß sie wie ein Ballon aufgeblasen wird und schließlich dem gewalttgen Drucke nachgebend, zerplatzt. Die Bewegungen, die die Gliedmaßen dabei ausführen, müßten in der Abbildung furchtbar abschreckend wirken. Auch der Gedanke, daß der menschliche Leichnam für kurze Zeit gebraten daliegt, kann nur abstoßend wirken. Der römische Volkswitz nannte die Stätten der Leichenverbrennung eulinue, Garküchen. Und wenn auch die Technik Oefen geschaffen hat, in der der Einäscherungsprozeß in kurzer Zeit sich abspielt, so werden doch die Leichen geschändet, ein Umstand, der auf die Phantasie nur unangenehm wirken kann. In so kurzer Zeit übrigens, wie dies in Propagandaschriften und Borträgen behauptet wird, ist in Wirklichkeit die Verbrennung ^nicht vollendet. Sie soll sogar manchesmal 5—6 Stunden in Ansprnch nehmen. Trifft das zu, dann müßte die Verbrennung in der Tat unter ganz abscheulichen Begleitumständen vor sich gehen. Also auch das ästhetische Argument spricht nicht für die Feuerbestattung. Wohl aber gibt es ein durchschlagendes Argument gegen die Feuerbestattung, ein Argument das nicht erst künstlich erzeugten Empfindungen eine Scheinberechtigung verdankt, sondern aus wahren und geheiligten Gefühlen, die in jeder imverdorbenen Menschenbrust leben und weben unbesiegbare Kraft schöpft. Voll heiliger Scheu stehen wir vor der entseelten Hülle eines Mitmenschen; die Majestät des Todes bezwingt selbst wilde Gemüter. Mit Recht verurteilte besseres menschliches Empfinden zu allen Zeiten die Verletzung einer Leiche als einen Akt tierischer Rohheit. Ist auch der Odem entflohen und fordert auch der unerbittliche Gang der Natur, daß der Körper in seine Elemente zerfällt, der Lebende achtet noch in dem der Auflösung anheimgefallenen Leichnam das Werkzeug der unsterblichen Seeleheilig und unverletzlich ist ihm die Leiche. Darum scheinen die Völker, je weiter fie auf dem Wege der Kultur vorwärts geschritten sind, je mehr sich ihre Seelen höheren und edleren Gefühlen öffneten, um so mehr von der gewaltsamen Zerstörung der Leichen abgegangen zu sein. Es widerstrebte offenbar dem menschlicher denkenden Menschen fördernd einzugreifen in den traurigen Naturprozeß, den er ja so gern gehindert hätte. Dem Schoße der Mutter Erde vertraute er seinen Toten an, daß sich dort unten, schonend verdeckt vor menschlichen Augen, die unverhinderbare Zerstörung der geliebten Form vollziehe, aber selbst mochte er nicht mit kalter Hand sie zertrümmern. Wir zertrümmern, verbrennen, vernichten etwas, was uns wertlos ge- Schreckensnamen der d^jhd- „Achima n" lautet der eine, der Wettkampf mit dem auf gleichen unrtschaftlichen Gebieten um Verdienst und Erfolg ringenden Bruder die Konkurrenz, die es heute angeblich unmöglich macht, den Verpflichtungen gegen Gott nachzukommen. „Scheschai" heißt der andere, die Schwere und Härte des Lebens, die mannigfachen Forderungen deL Tages die uns wenig Zeit, Sinn und Geld übrig laffen für die Pflege der idealen Güter zu sorgen. Und ein dritter gefährlicher Feind ersteht im „Talmai", in dieser neuen Lebensauffaffung und -Anschauung, die fich von der niedrigen Scholle nicht zu erheben vermag, die an der Erde Saftet pjo D'Obn 7)Wy, die unter den klingenden Namen Naturalismus, Monismus usw. es besonders auf die durch das Leben nocht nicht gestählten jugendlichen Seelen abgesehen hat. All biefe Namen und Bilder zerschmelzen, verschwinden, so fich ein warmer Hauch des GotteserkennMts in unser Herz schleicht, so wir ohne Zweifel und Mißtrauen im Herzen hinausziehen und dem hohen Ziele, unbeirrt von Bildern die die Phantafie entworfen, von Namen, die die Menschen erfunden, zustreben 7IVI2 njr6 -p - und 'n byfiir$cb$ Erbe. Zur Feier des 100. Geburtstages Samson Raphael Hirschs. Bon seinem Urenkel Samson Hirsch. Die Gegenwart verfinkt im Zeitenmeere, Und über Menschenwtrken rauscht die Flut, „Bergenen und Vergessen", ernste Lehre, Die wahr in der Geschichte r, h';