Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1908)
- Date
- 1908-06-18
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2449298-2449324--64620-2507218- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
dem Verfolg meiner Arbeiten sogar behutsam sein. Nicht, das können Sie mir glauben, wird mich irgend unbegründeter Tadel, Schmähungen, ja selbst Einschüchterungen, die mir geworden und noch vielleicht werden können, einen AugenblicK anstehen lassen, das zu thun und zu sagen, was mir als Pflicht und Recht erscheint, denn das wissen Sie Lieber, ich war selbst bei Herausgabe der Briefe mehr auf Tadel, Widerspruch und Hohn vorbereitet,, als auf Beifall von irgend einer Seite. Nur eins könnte mich von der Herausgabe meiner übrigen Arbeiten abhalten, wenn ich mich überzeugen sollte, daß ich der heiligen Sache, der sie gewidmet sind, mehr schaden als nützen würde, und die Meinung, die einige meiner Freunde gegen mich behaupten, bedarf doch meinerseits der sorglältigsten gewissenhaftesten Prüfung. Und die Prüfung durch mich selbst ist ungeheuer schwer. Wenn ich mir die Einreden meiner Freunde nach bester Ueberzeugung widerlegt habe, dann entsteht und muß immer in mir der Zweifel entstehen, ob nicht vielleicht an dieser meiner Ueberzeugung der Schmerz mit teil hat, der unnennbare Schmerz, zur Zerrüttung der heiligsten Sache vielleicht schweigen zu müssen. Wer löst mir den Zweifel, ob ich dann auch unparteiisch genug über meine eigne Arbeit zu urteilen vermag. Ich arbeite indessen fort an ihrer Vollendung. Ich werde prüfen und wieder prüfen, vor Gott prüfen und danach handeln. Hafte ich nur einen der Sache und der Zeit kundigen Freund hier, der redlich und warm für die Sache fühlt und aller Persönlichkeit vergißt, mit dem ich mich besprechen könnte. Aber ich bin in einer Wüste. Könnten Sie doch Ihren Plan recht bald ausführen, mich zu besuchen, wie wollten wir alles besprechen! Ich darf Ihnen ja wohl gestehen, lieber Josaphat, dieser Zweck hatte nicht geringen Anteil an meiner Einladung diesen Sommer; ich weiß, Sie werden mir über dieses Geständnis nicht zürnen. Adieu, mein lieber Josaphat, möge mir bald die Freude werden, Ihnen mündlich die Achtung versichern zu können, die für Sie hegt Ihr Freund III. tsnvi rnw:«L Josaphat an Hirsch. Frankfurt a. M. onsetrc yis*? o uv Mein lieber Reb Schamschon! Hoffentlich wird dieses Sie und Ihre liebe Familie gesund und wohl antreffen, was ich Ihnen n"D unserseits auch versichern kann. Um Ihnen zu antworten, weshalb ich von hier aus schreibe, und besonders, da ich weiß, daß Sie ein warmes Interesse an all meinen Verhältnissen nehmen, fange ich mit meiner Wenigkeit an. Wie Sie wissen, war in Halberstadt meine Hauptbeschäftigung nT3jf Vjn rninn by t6-i:i im* -icn 'Tiro ny izbb) nV'tfn. doch den Kreis derselben zu vergrößern war deshalb nicht gut möglich, weil die nbv.p dort zu klein und zu unbemittelt ist. Durch rTD'C, die gewiß ll'OVN 10 sind, wohne ich seit mehreren Monaten mit Familie hier und denke auch hier wohnen zu bleiben. Auch hier habe ich mehrere junge Leute, denen ich niPHpl VrrrinD Unterricht erteile und habe die Hoffnung, daß ich immer n"JD mehr Zuwachs bekommen werde und n"2pn möge meinen Wunsch, eine tüchtige rO'V' zu gründen mm VDTlb in Erfüllung bringen jen. Nun zur Hauptsache. Sie werden gehört haben, daß sich hier in der jüdischen Gemeinde eine neue, aber dennoch alte fromme Gemeinde gebildet hat; die achtbarsten und reichsten Leute, die Familie Rothschild an der Spitze, gehören dazu. Auch werden Sie wissen, daß Herr Dr. Sachs in Berlin] zum m gewählt worden ist. Wie nun allgemein das Gerücht verbreitet ist, so wird derselbe nicht herkommen, indem die Berliner ihn nicht gehen lassen werden. Dieses Gerücht, wie ich vernommen, findet Bestätigung. Die Stellung als hiesiger Rabbiner ist eine glänzende, namentlich findet der echt fromme m einen sehr ergiebigen Boden, indem diese Leute alle das Gute wollen und ihr Streben und Sinnen geht nur dahin mBJJn "Pinr6 — Ich habe seit mehreren Monaten die beste Gelegenheit gehabt, die meisten von ihnen kennen zu lernen, es sind cbj3 mn sehr brave Leute NON -LON und NND/2 NTI2 'BON ,0'0^V1 D'WY» — Da aber noch sehr vieles ins Leben gerufen werden muß und zu ordnen ist, so bedürfen sie eines in jeder Beziehung tüchtigen Mannes, ip'iyni. dessen TOD Din ist, eines frommen Mannes, der nDH^nn für n®mpn 13mm hat und dessen Charakter makellos dasteht. Da nun, mein Hirsch!, Sie der Mann sind, in dem alle diese schönen Eigenschaften im höchsten Grade sich vereinigt finden, so glaube ich und gewiß sehr viele mit mir, daß es für hier ein großes Glück wäre, wenn Sie sich verstehen würden, die hiesige Stelle anzunehmen, Sie haben allerdings eine der größten nuavStellen inne, stehen dort lOTD □ /W bw> indessen als Deutscher, und wie ich Sie kenne, würde hiesige Stelle Ihnen mehr Zusagen und ist der dortigen vorzuziehen. Die Leute sind wirklich sehr brav und friedliebend. Ich versichere Sie, Sie werden auf Händen getragen, und was die Hauptsache ist, Sie können sehr viel hier wirken, ja Großes thun. Die Materialien und Mittel sind zu allem im vollem Maße vorhanden, es muß nur ein Mann da sein, der es versteht, sie zusammen zu tragen. — Und das sind Sie, mein lieber Reb Schamschon! Nun muß ich Sie bitten, nur nicht über meine Dreistigkeit und Offenheit zu zürnen. Ich bin immer no.h der alte Gerschon Josaphat, der er war, als wir so vergnügt und innig in Mannheim wissenschaftlich zusammen lebten, eine Zeit, woran Sie wie ich mit Vergnügen immer zurückdenken werden. Verwirklichen Sie meinen Wunsch und kommen her, es bedarf nur Ihres Entschlusses, so sind wir nach so langem Getrenntsein n''V* wieder zusammen. Auch bitte ich Sie, mein lieber Freund! mir hierüber gefälligst Ihre Meinung bald mitzuteilen. Ich werde nicht mehr von Ihrer lieben Antwort Gebrauch machen, als Sie es mir erlauben. Indem ich Sie und die lieben Ihrigen herzlich grüße, verbleibe ich Ihr Sie liebender y'sT m"o mn ion"r^ p BEttnrp pwu ioMN ym\ IV. Hirsch an Josaphat. N i k o 1 s b u r g, «“■nn p'z rrb 'N D1\ Lieber '"z /w\ Das Band, das Sie so freundlich befürwortet, ist also geknüpft, und hoffe ich zu Gott, daß es zu allseitigem Heile gereichen möge. Auf eine unerwartete Weise führt uns nun die Vorsehung einmal wieder in einen Kreis zusammen und läßt uns die. Einnerung der ersten Zeit unseres Jugendstrebens erneuern. Sei sein Name n"a >a allem und für alles gepriesen. Jüdische Jugendvereine. Ein Brief 8. R. Hirsch’s. Frankfurt a. M., 12. Oktober 1860. An den lob!. Vorstand des Isr. Jugend-Vereins in B . . . Sie haben mir, sehr geehrte Herren, durch gefl. Mitteilung Ihrer Konstituirung und Ihrer Statuten eine wahrhafte Freude bereitet. Möge der Geist, der sich in Ihrem Vorhaben ausspricht, in immer weiteren Kreisen unsere Jugend erfassen, und dieses Vorhaben selbst unter göttlichem Beistände zu dauernder, segensreicher Ausführung gelangen. Ihren Statuten habe ich Ihrem Wunsche gemäß die gebührendste Aufmerksamkeit geschenkt und finde weniges zu bemerken. In der Einleitung sprechen Sie als nächsten und ersten Zweck des Vereines die Förderung der eigenen religiösen Bildung aus und zu diesem Ende die Bestimmung: wöchentlich mehrere Stunden Bibelunterricht im Geiste des orthodoxen Judentums zu nehmen; in zweiter Linie steht dann die Unterstützung von N'TNa- In den Statuten stehen diese Zwecke in umgekehrter Ordnung, die Unterstützung steht voran, das eigene Lernen folgt und zwar in weit allgemeiner gehaltenen Fassung: die Mitglieder durch religionswissenschaftliche Vorträge zu erbauen und zu belehren. Nach meiner unmaßgeblichen Ansicht sollten Sie die Bestimmung, wöchentlich mehrere Stunden Unterricht in -j''m zu nehmen, wörtlich in die Statuten aufnehmen. Vielleicht verbinden Sie damit auch das Lernen populär-rabbinischer Schriften wie NIN "N. "MI2N mi3v mit Auswahl etc. Jedenfalls würde ein solches Lernen wirkliches Lernen „an der Quelle" sein, wie Sie es selbst in der Einleitung bezeichnen, während ein Vortrag leicht nur erbauende und belehrende Anregung im allgemeinen bietet, jedenfalls aber nicht den Nutzen eines gehörigen Lernens unserer heiligen Schriften gewährt. Ebenso vermisse ich in den Statuten die ausdrückliche Verpflichtung der Mitglieder zum regelmässigen Besuche der Lehrstunden. Eine solche ausdrückliche Verpflichtung scheint mir nicht überflüssig, ja, ich gebe anheim, ob dieselbe nicht durch kleine in die Vereinskasse zu zahlende Ordnungsstrafen für ohne dringenden Anlaß geschehene Versäumnisse unterstützt werden dürfte. Da die Uebernahme solcher Verpflichtungen ja eine durchaus freiwillige ist, so fällt das Gehässige eines Zwanges weg, mit Eintritt in den Verein legt jedes Mitglied sich eine solche Verpflichtung nur selber auf; mir scheint aber der stete regelmäßige Besuch der Lehrstunden, der Kardinalpunkt Ihres ganzen Vereines zu sein, dem durch die Bestimmungen Ihrer Statuten eine möglichst feste Aufrechterhaltung gesichert werden müßte. Ferner scheint mir in dem Titel V die Befugnis der Vereinsrepräsentanz zu ausgedehnt gefaßt zu sein,indem derselben die gänzliche Besorgung aller Angelegenheiten überlassen ist. Ich rate, das „gänzliche“ „aller“ zu streichen und in einem besonderen Paragraphen zu statuieren, daß in allen nicht bereits durch die Statuten der Repräsentanz übertragenen Angelegenheiten die Ermächtigung von der Generalversammlung einzuholen sei, daß ferner in allen der Repräsentanz zweifelhaften Fragen die Entscheidung durch eine Generalversammlung herbeizufüaren sei, daß in allen Fragen religiöser und wissenschaftlicher Beziehung der Herr Rabbiner um Rat ersucht werden solle, diß aber in letzter Instanz bindende Bestimmungen nur durch Beschluß einer Generalversammlung festgestellt werden können. Hierdurch sichern Sie die Autonomie des Vereines nach allen Seiten. Mit aller Hochachtung gez. Hirsch. UcT Wie Israel seine Grossen ehrt. Ein Gutachten S. R. Hirsch’s aus dem Jahre 1860. An den Touro-Monument-Verein in New-Orleans. Sehr geehrte Herren! Sie wollen freundlichst die Verzögerung meiner Antwort auf Ihre geschätzte Zuschrift vom 6. Juni entschuldigen; ich bin durch die Anhäufung von Amtsgeschäften bis jeizt verhindert worden, dieselbe zu erledigen — und auch noch heute bin ich genötigt, meine Antwort auf die wesentlichen von Ihnen gestellten Fragen zu beschränken, um dieselbe nicht noch weiter zu verzögern. Sie beabsichtigen, das Andenken eines verblichenen Edlen durch die Errichtung einer Statue oder eines Monuments zu ehren, vorausgesetzt, daß solches nicht im Widerspruch mit den religiösen Gesetzen und Gebräuchen der Juden stehe, und Sie beehren mich mit dem Gesuche, mein Gutachten darüber abzugeben: Ob es in Uebereinsümmung mit dem jüdischen Gesetze erlaubt ist, zu Ehren eines verstorbenen Glaubensgenossen eine Statuj von Bronze oder Marmor auf einem öffentlichen Platze einer Stade zu errichten? 36