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Der Israelit · 1908-06-18 · Heft 25 (18.6.1908) · page 51

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 25 (18.6.1908)
Date
1908-06-18
Page
– (sequence 51)
Language
German
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begriffen ist, mit der größten wissenschaftlichen Strenge nach diesen Regeln induktiv zu erforschen. Es war nicht ein dunkler Trieb, welcher, von hoher geistiger Begabung getragen, ihn unbewußt in diese Bahn lenkte. Mit klarem Bewußtsein, die Tragweite seines Verfahrens völlig erkennend, verwarf er die hergebrachte Art und Weise, das Judentum aus vorgefaßten Theorien erklären zu wollen. Gleich am Anfang erklärte er, wie er die Thora lesen wolle. „Wir wollen ja das Judentum erkennen, müssen uns drum in's Judentum versetzen und uns fragen: was werden Menschen sein, die den Inhalt dieses Buches, als ihnen von Gott geoffenbarten Lebensboden und Regel erkennen.“ — „Nur erst wann Sie also das Judentum aus sich erkannt, es erkannt haben wie es sich selber gibt, und es dann in sich unhaltbar und verwerflich gefunden, dann mögen Sie, wenn Sie wollen, den Stein darauf werfen.“ Als Hirsch zuerst auftrat, hatte die Wissenschaft schon lange die a priori - Konstruktion der Naturerscheinungen aufgegeben. Daß dasselbe auch in der jüdischen Religionsphilosophie geschehen müsse, wurde zuerst von Hirsch gefordert. Als er 1836 seine „Neunzehn Briefe über Judentum“ herausgab, sprach er sich alsbald über die Methode, die er zu befolgen sich entschlossen hatte in unzweideutiger Weise aus: — „Zwei Offenbarungen liegen vor dir — Natur und Thora. Für beide gibts nur eine Methode der Forschung. Wie in der Natur die Erscheinungen dir als Fakta dastehen, und du nur rückwärts Gesetz jedes einzelnen und Zusammenhang aller zu erspähen strebst; Beweis der Wahrheit oder vielmehr der Wahrscheinlichkeit deiner Annahmen nur wieder die Natur selber ist, an deren Erscheinungen du deine Annahmen auf Probe zu nehmen hast, und dir der höchste von dir zu erzielende Grad von Gewißheit bleibt, sagen zu können: es verhält sich alles so, als ob deine Annahme wahr wäre: d. h. alle beobachteten Erscheinungen lassen sich nach deiner Annahme erklären; wie darum auch nur eine widerstrebende Erscheinung deine Annahme auch unhaltbar macht, und du deshalb zuvor alle dir nur mögliche Erfahrung über die deiner Forschung vorliegende Erscheinung zu machen hast, damit sie dir, womöglich, in ihrer Totalität vorliege; wie endlich, auch wo und so lange du noch nicht Gesetz und Zusammenhang irgend einer als Faktum vorliegenden Erscheinung erspähen konntest die Erscheinung selbst doch als Faktum bleibt. — ganz so die Forschung der Thora. Faktum ist sie uns wie Himmel und Erde; als Faktum liegen ihre Bestimmungen vor uns“ usw. Es ergibt sich, wie „modern“ Hirsch war in der Methode, die er in Anwendung brachte und während seiner langen segensreichen Tätigkeit mit eiserner Konsequenz durchführte. Als er die Lieberzeugung erlangt hatte, daß die Symbolik eine Wissenschaft sei, welche ihm „richtig begriffen, die Bedingung zur Lösung der höchsten Probleme jüdischer Erkenntnis in sich zu fassen erschien“, befürchtete er, daß sie „wie sie gemeinhin verstanden und geübt wurde, die bedenklichsten Gefahren für die jüdische Wissenschaft bergen, und zugleich oft zu sehr zu einem bloßen Spiel des Witzes und des „Geistreichseins“ herabsinken möchte.“ Ehe er daher seine Ideen über die den einzelnen Erscheinungen des Judentums zu Grunde liegenden Symbole anwandte, versuchte er erst „den Begriff und die Aufgabe einer jüdischen Symbolik festzustellen und die richtige Methode für die Lösung dieser Aufgabe zu zeigen.“ Er stellte seine „Grundlinien einer jüdischen Symbolik“ auf. Es ist dieses eine kurzgefaßte aber meisterhafte Darstellung derselben Methode, welche in modernen Zeiten von allen wissenschaftlichen Forschern als die allein richtige anerkannt und angenommen ist. Demzufolge erkennt er auch hier die Grenzen, welche selbst die genaueste Beobachtung und die scharfsinnigste Logik bei der Darstellung einer Wahrheit in solchen Fragen nicht überschreiten können. „Hier (in der symbolischen Deutung) wie dort (in der Hermeneutik eines Schriftstückes) wird sich kein Resultat mit mathematischer Gewißheit finden lassen. Allein wir werden mit entschiedenster Gewißheit Falsches abweisen und für eine positive Annahme uns mit dem Motive zu entscheiden haben, nach sorgfältiger Erwägung verhalte sich alles in Betracht zu ziehende so, daß diese Annahme „die richtige sein könne.“ Als „hervorglänzend“ unter den mittelalterlichen jüdischen Religionsphilosophen, welche nicht alle „mit ihren Geistesforschungen rein im Judentum standen und es geistig aus sich selber aufbauten“ hebt Hirsch den Verfasser des Kusri, Jehuda Halevi, und Nachmanides hervor. Man hört manchmal den Ausspruch, daß der Kusri kein philosophisches Werk im strengen Sinne des Wortes genannt werden dürfe; daß er kein philosophisches System enthalte. Wie wenig wahr dies ist, und wie das Verfahren des R. Jehuda Halevi sich aus dem Vorhergesagten erklärt, ist deutlich. Was Nachmanides betrifft, so ist es merkwürdig, daß er sich dessen bewußt war, daß besonders in Bezug auf halachische Forschungen, mathematische Gewißheit nicht erreichbar sei; und in der Darstellung der Grenzen die der Forscher unmöglich überschreiten könne, drückt er sich beinahe ganz so wie Hirsch aus.1) Hirsch machte es sich zu seiner Lebensaufgabe, das Judentum nach dieser Methode zu erforschen. „Einen Weg, sagt er, gibt's zum Heile; — wo gesündigt ward, da muß die Sühne beginnen; — und dieser Eine ist — vergessen die herabgeerbten Ansichten und Nichtansichten über Judentum; nehmen die Quellen des Judentums“j"3n. D“W/ sie für's Leben gelesen, studiert, begriffen; daraus Judentums Ansicht geschöpft über Gott, Welt, Menschheit, Israel nach Geschick und Lehre, und das Judentum aus sich erkannt, aus sich begriffen, aus sich zu einer Wissenschaft der Lebensweisheit erhoben.“ An dieser modernen Methodologie im Dienste der religionsphilosophischen Erforschung des Judentums, hat Hirsch während seiner ganzen Wirksamkeit festgehalten. Und wahrlich, dieser Modernismus verträgt sich vorzüglich mit unserem alten Judentum. Denn dieses Judentum, uralt wie es ist, bleibt ja ewig jung, modern auf ewig. 1 Zur Würdigung der schriftstellerischen Eigenart Samson Raphael Hirschs. Von Dr. Herrn. Deutsch in Fürth. Die Bedeutung Samson Raphael Hirschs '"2?, dessen Säcularfeier man in diesen Tagen allenthalben dankbar begeht, wird jetzt auch von denjenigen erfaßt und gewürdigt, die in ihrer Lebensgestaltung sich nicht zu ihm bekennen. Auf allen Seiten sieht man der großen Bewunderung für den unerschrockenen Geisteskämpfer, den großen Charakter, tiefen Gelehrten und glänzenden Schriftsteller Ausdruck geben. Zu dieser Bewunderung tritt die Dankbarkeit und Treue derjenigen Kreisej die mit ihm auf einem und demselben Boden der Ueberzeugung stehen, die er zu neuem Leben erweckt und zu Erben seines Geistes und seiner Gesinnung gemacht hat. Trotz des Universalismus, mit welchem Hirsch nach Art großer Genies in alle Adern und Zweige des jüdischen und modernen Wissens eingedrungen war, versagte er es sich, die reiche Entfaltung seiner Gaben und Fähigkeiten auf irgend einem andern Gebiete als dem seiner Religionswissenschaft zu zeigen. Ihr galt all sein Denken, sein Streben und Wirken. Ihr sind auch alle seine Werke gewidmet. Nicht als Gelehrter, nicht als Historiker lebt darum sein Bild im Gedächtnis der Nachwelt fort, sondern als Denker und Forscher, der es sich zur Aufgabe gesetzt, die Vorschriften der jüdischen Lehre in ihrem lebendigen Zusammenhänge, in ihren Prinzipien und Endzwecken darzustellen und ihren beseligenden Einfluß auf die gottgewollte Lebensgestaltung nachzuweisen. Wo er in seinen zahlreichen Werken an diese Aufgabe herantritt, da lösen sich in seiner Darstellung die herrlichsten Gedankenreihen aus und fließen Anregungen, welche die Mühe tiefen Eindringens lohnen. Im Gleichmaß der Ideen und in der klaren Durcharbeitung der Begriffe liegt die Tiefe gereifter Ueberzeugungen. Der innere Zusammenhang der Empfindungen des Verfassers mit dem Inhalte seiner Darlegungen leuchtet dabei aus jeder Zeile hindurch. Man merkt es diesen Ausführungen an, daß sie nicht aus kalter Ueberlegung, sondern aus einer alle Seiten der Persönlichkeit gleichmäßig und dauernd erfüllenden Empfindung hervorgegangen sind. Die Höhe der Auffassung wird Überall von der Gabe künstlerischen Gestaltens und kraftvoller Ausdrucksfähigkeit der Sprache, die trotz aller Erhabenheit die Regeln der Gesetzmäßigkeit nie verläßt, unterstützt. Man kann Hirsch trotzdem auf sprachlichem und wissenschaftlichem Gebiete nicht einen Bahnbrecher nennen, weil bisher i) /smi 'n svi by vwn bi ’pibn btt ■noon b^noon nnjci .'idi oru nmr.b int# nimroi rmnsj nwn vjn pur V'r nniDJ nren rrou np’bncs iw L'Ti-bn -iob bn jnv p -imn p* ’SDWi p» thd t->OiQ dnth pddp-2 PNV mö'Vn rwanp zrc drbi ]D nn» p'rrm np'ibno bDD burr /ro^nn -ovDn mimnn jbynb -raon jnjt onwi rojncwn mby p'imn rojroD nrcoa mjrrn rvbbn n«n psjn bDwri nsucn ov iwcn p'm *büdd m .*nD;n nDDnzi D'nb« nti ddh nivoi 'onbD'» Nachmanides Vorrede zu 'n rpenbo- 34

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