Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1908)
- Date
- 1908-06-18
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
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Moses, wird gekennzeichnet durch das by -aiv *?a ■pas (mor Cap. 33, 12—23). Hiermit wurde ihm die Anschauung der Einheit Gottes in der Mannigfaltigkeit seines Waltens zuteil, wie sich die einheitliche Güte Gottes in der Mannigfaltigkeit von o'em und nran offenbart, und damit ein Einblick in das Individuelle der göttlichen Führung, von wo aus die Erscheinung des jrn p'ix und des i*? Zivi ytsn kein Rätsel mehr ist, das es nur für den bleibt, dem die tiefe Einsicht in die Individualität des Menschen abgeht. Der einzig richtige Standpunkt für die Beurteilung alles Menschlichen ist eben der tik oipv, d. h. aus der Gott nahen Höhe alles Menschliche zu würdigen und zu versteuern nicht umgekehrt, vom niederen Standpunkte des Menschen die Anschauung Gottes und des Göttlichen zu gewinnen. Gott ist das einzige absolut Gegebene, weder plastisch noch spekulativ hat die Menschheit sich ihren Gott erst zu schaffen. Der Mensch soll nicht von sich aus seinen Gott, sondern von Gott aus sich begreifen. In Gottes ewigem Sein wurzelt unser zeitliches Dasein, aus seinem persönlichen freien Willen und seiner freien schöpferischen Macht stammt unsere Freiheit, unsere Persönlichkeit, unser sittlich-freies Wollen und Tun. Er erblickt in unserem gesegneten Gedeihen und in der Blüte unserer sittlichen Vollendung die Verwirklichung seines Willens und für dieses Ziel unseres Daseins regelt er unser Tun und lenkt er unser Geschick. -Ewiger“ kann den Gottesbegriff nicht zum vollen Ausdruck bringen, denn 'n bedeutet Seinsspender, der auch bei verscherzter Vergangenheit jeden Augenblick bereit ist, aus der Fülle seiner allmächtigen Barmherzigkeit neues Dasein zu verleihen. In die Entwicklung, die er als crpaN auf Gesetz und Ordnung gestellt hat, greift er ein und leitet sie seinem Ziele der Menschenerziehung gemäß. Zwei Faktoren gestalten demnach die Entwickelung der Welt; die in der ursprünglichen Schöpfung gegebene gesetzmäßige physische Ordnung und die mit Rücksicht auf das sittliche Verhalten des Menschen dieser Entwicklung gegebene göttliche Leitung. Die physische Weltordnung läßt sich allerdings der Betrachtung von Himmel und Erde ablauschen, die sittliche Weltordnung aber, d. h. Gottes Walten in der Geschichte lehrt erst die Offenbarung des Namens Ti. Die Identität Gottes in der Natur und in der Geschichte zieht sich durch die ganze Gotteslehre hindurch. Gott, der das Gesetz gegeben hat, gibt auch die dessen Erfüllung bedingende Nahrung, und umgekehrt, Er, der die Nahrung zum Leben spendet, hat auch das Gesetz gegeben, das die Verwendung dieses Lebens bestimmt. Dieser jedem Dualismus in unserem Gottesbegriffe so streng abholde Monismus wird keineswegs gestört durch den Plural in den Attributen und Prädikaten, die sich auf Gott beziehen, wie in i^a di? a cpp^Nn vbt< oder in cranp denn er entstammt der Pluralität im Gottesbegriffe nichtjüdischer Kreise, auf die alle jene Stellen Einblicken, um dadurch zu betonen, daß unser Gott in seiner Alleinheit und Allmacht wirklich das ist, was die polytheistische Weltanschauung von ihren vielen Göttern träumt. Unseren Gottesbegriff aber verdanken wir der uns zuteil gewordenen Offenbarung. Wenn diese uns heute als ein Rätsel, ja als ein Wunder erscheint, so ist dies bloß die Folge der Verschiebung des Verhältnisses, das ursprünglich zwischen Gott und Menschheit bestanden hat. Das so zu sagen Naturgemäße war der innige Verkehr Gottes mit den Menschen, der jetzt uns als Ausnahmezustand erscheint, wie es die Weisen mit dem Worte ausdrücken a^nnna ruw np-p. Folge und Ziel unserer min soll eben die Wiederherstellung des alten Verhältnisses sein und die Sendung der Propheten hat so wenig Übernatürliches an sich wie jener Augenblick, wo am Sinai das ganze Volk zu gehobenen Propheten geworden. Solche vorübergehende Momente der Rückkehr zum ursprünglichen natürlichen Zustande hatte eben die Kraft der mm bewirkt. Nicht in besonderer Ekstase und Verzückung ist die Gottesnähe zu suchen, sondern mitten in unserem irdischen Leben, sofern es sich auf seiner sittlichen Höhe hält (tsrnp "pno mm). Das Wie eines solchen Verkehrs, wie also Gott zu Menschen gesprochen hat, bleibt uns freilich ein ewiges Rätsel, wie denn Sprache überhaupt uns eigentlich rätselhaft bleibt. Keinesfalls ist aber Offenbarung etwa bloßes Erzeugnis der menschlichen Phantasie, denn Gott spricht nicht i n dem Propheten, sondern er tritt aus seiner Unsichtbarkeit heraus und spricht zu ihm. In die Modalität einer prophetischen Offenbarung können wir allerdings nicht eindringen, aber sie gehört jedenfalls nicht in die Kategorie der Schwärmerei, wird auch nicht durch die Vorstufe des nmi:rn d. i. räumlicher und geistiger Vereinsamung gewonnen, sondern das frisch pulsierende, gottgeweihte Leben erlangt die Gottesnähe, wie es auch die Weisen ausdrücken, wenn sie (30b 12h) sagen: pmir “pno maxy “ino kVi “pno üb rrncr nratrn px "pno k*?x n^öa CD'-om nrrir "pno t<bi trto m>p "pno x^n mxo W nr.otf d. h. nicht Schlaffheit oder Trübsinn, nicht Ausgelassenheit, Leichtsinn oder Tändelei, sondern mse- Freude bringt den Gottesgeist auf den Menschen. Auch auf der niederen Stufe der Prophetie, die durch ia -oik cn^na gekennzeichnet wird, ist der Traum nur ein Medium der Mitteilung an den Menschen, denn by nVn mis? nrasrn px v:jn darn vpy maa Gott wählt zu seinem Organ nur einen starken, reichen, weisen und bescheidenen Menschen, damit nicht krankhafte Halluzination für Gottesgesicht ausgegeben werde. Nur ein unabhängiger, für sich selbst nichts erstrebender Mensch vermag die Dinge in jener reinen Objektivität zu verstehen, die der Botschaft Gottes entspricht, nur ein zur Vollendung gereifter Geist versteht das Wort Gottes zu fassen und wiederzugeben. Dies liegt aber weit ab von allem Visionären. Praktische Klarheit ist der Zustand, in dem z. B. Abraham tt'az wird, was gar nicht llpo-^x „Vorhersager“ bedeutet, auch nichts mit Vision und Dichten zu tun hat, sondern es bedeutet wesentlich Gottes Organ zu dem, aber nicht aus dem Gott spricht, um sein Wort weiter zu tragen. So zeigt auch das ganze Verhalten mro’s, namentlich seine Verzweiflung an sich selbst, daß die min durch ihn, aber nicht aus ihm ist. Er behält seine volle Selbständigkeit und seine ungeschmälerte Willensfreiheit, weshalb ja auch unsere Weisen sagen mvyo ntoo5? nraw mv xb mb'iyb womit sie zum Ausdrucke bringen, daß das Menschliche im Menschen bei einem solchen Vorgänge nie völlig geschwunden und zum willenlosen Werkzeug des Göttlichen geworden ist. Können wir auch nichts Positives über die Art und Weise des N’aa- oder onpn rri-Zustandes aussagen, so wissen wir doch jedenfalls, was er nicht ist. Die Vorstellung, daß Gott nur in dem Propheten, nicht aber zu ihm spricht, ist ebenso unjüdisch wie die, daß durch ein Gotteswunder den Einfältigen plötzlich Prophetengabe verliehen werde, denn noan 'nna aS azi *?z 3*?ai nur den macht Gott zum Gefäße göttlicher Weisheit, der bereits die natürliche menschliche Weisheit aus sich entwickelt hat. Der Geist der Prophetie kommt auf den Menschen, ruht auf ihm, ist also etwas, das von außen kommend den Propheten über das Niveau des Normalmenschlichen hinaushebt. Der rvn hingegen ist bloß eine Vermehrung des geistigen Innern, und was infolge solcher Erregung geschieht, geht nicht hinaus über das normale Maß menschlicher Fähigheit, bleibt vielmehr Menschentat und Menschenwort, nur getragen und gehoben von besonderer geistiger Begabung. Dieses führt uns zur Betrachtung des Wesens des Menschen, seiner Seele und seiner Fähigheit des Erkennens. Vor allem ist die Doppelseite von Körper und Geist zu betonen. Was Gott von der Erde zum Menschen bildete, ist irden und verfällt, das eigentlich Lebendige im Menschen entnahm er aber nicht der Erde, das ist vielmehr Hauch von 29