Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1908-06-18 · Heft 25 (18.6.1908) · page 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 25 (18.6.1908)
Date
1908-06-18
Page
– (sequence 35)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449298-2449324--64602-2507200
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

neues Licht aufgehen müßte und die Welt zuvor in Nacht begraben gewesen sein mußte. In Ihrer poetischen Begeisterung könnten Sie mich auch mit meinem Namensvetter zusammenstellen — und ich armer Simson habe nur gerade soviel Kraft, um mit meinem eigenen Eselskinnbacken höchstens mir selbst einen Streich zu geben. Von dem, der einen Löwen bändigt, von dem der ein ganzes Thor mit eigener Kraft aus den Angeln hebt, von dem der einen Götzentempel zusammen stürz', von dem, der (das) muthwillig genug sein Licht an listige Fuchsschweife bände, nicht einmal von dem, der so geschickt in Räthseln zu sprechen vermag — findet sich in meinen Versuchen keine Spur; wenn gleich noch mancher Löwe seines Bändigers, manch falsch stehendes Thor seines Verse zers, mancher Götzentempel noch seines Zerstörers harret. Ich bin plan und mild und ruhig — keine Spur vom B. U. im armen lockenberaubten Kalkmühltretenden prosaischen Simson der Versuche. Leber meine Art "]'':n-SteIlen aufztfassen? Sie haben wahrlich Recht, daß ich dort keine Lebersetzung zur Exegese geben wollte und konnte, und wo man, wie in Briefen, nicht noch eine Erklärung der Lebersetzung beifügen kann, da muß man ein Wörtchen oft in die Lebersetzung mit zur Erklärung aufnehmen, das eigentlich als unter die Lebersetzung gehörte. Verzeihen Sie mir gleichwohl einige antikritische Bemerkungen zu Ihren kritischen. Der göttliche Parallelismus! Befürchtete ich nicht eine zwei e noch stärkere Erschütterung, so würde ich nicht anstehen 2U sagen, daß ich an dessen Göttlichkeit, wie Sie ihn vergöttern, rieht glaube. Wohl giebt es Fälle, wo der zweite Satztheil dem ersten ähnelt, aber in den meisten Fällen, vielleicht in den allermeisten wird der zweite Theil eine besondere Seite des ersten Gedankens noch tiefer in das Gemüth des Hörenden prägen, gewöhnlicher noch eine Seite hervorheben sollen. Und so ist’s in der Regel Moses Mendelson. immer Gedankenfortschritt, selbst wo im Affekt nur dieselben Worte wiederholt scheinen, ist dies nicht müßig, selbst in Ihren Beispielen, -piyi yiD1 spricht zuerst den Gedanken, den erhebenden aus, daß überhaupt noch Völker außer Israel einst Gott huldigen werden und erhebt dann diesen Gedanken zu dem erhabensten, daß zu diesem Ziele alle Völker einst gelangen. Ebenso . . . '•q’i rvnrL ''KV), ruft erst in der Seele das Bild von Strömen in Bewegung hervor und fügt dann das vollendete Bild des Laut Werdens dieser gährerden Masse hinzu So ist es überall Gedanken f ortschritt, nicht Wiederkauen des schon Gesagten, was gar nicht der Natur unseres Gedanken- und Gefühlvermögens gemäß ist. Nie wendet sich unsere Seele dem schon gedachten und gesagten wieder zu, es sei denn, es tiefer zu prägen, zu vervollständigen, entweder an innerer Kraft oder Begrifisumfang — und wäre es auch nur den Gedanken nochmals festzui alten ehe zu neuen geschritten wird und um ihn ganz durchzudenken — aber selbst Parallelismen zugegeben sehe ich in meinen Verstößen keine Sünden gegen ihn. Stehet da nicht ijs und ryi -1122 parallel? — ->p22 n^ni pH' scheint mir gerade deshalb umgekehrt das Wiederaufblühen aus Welken bezeichnen zu müssen, weil dies gerade im vorhergehendem p)CD ebenso ausgesprochen worden, T>2iP2 — *ip22 IW FOtP — OflDtt und darauf auch das ganze Kap. hinarbeitet. — v>^nc und ijnf ist gerade parallel, denn ich beziehe Beides auf Gott. — Mich dünkt d^'D "LIK "12) (2 sind hinreichend und deutlich in Kap. geschieden, jedem wird etwas Eige es ihm angemessenes gesagt. — t warum nicht einfach Ort d. h. Stelle wo man hingetört, T> — p-pbvniyi nm-usn - bellen Sie V'2n und y'N daselbst.— warum nicht wie -pyn ^2? zumal bei r^?n> das ja Vernichtung bedeutet, die letzte flüchtigste Spur der Vernichtung ist auch wahrlich verfliegender Rauch; überhaupt Auflösung in luftige Theile. — >2 DLyb Vergleichen Sie doch b.s'pjrp ib ,-,2y) — 'b vwyj. büV mich dünkt dessen Grundbedeutung ist Mühe, sich abmühen, daraus ging erst die Bedeutung über auf ein Streben, sich die Welt ohne Gott zu erbauen — Sünde usw. Ich schwöre gar nicht darauf, daß meine Erklärung die richtige se, vielleicht haben Sie Recht, :ch meine nur daß es noch so positiv nicht sei, daß ich unrecht habe. — Alle Ihre und andrer Freunde Bemerkungen und Ratschläge in Betreff meiner Versuche habe ich mit innigem Dank angenommen, erwogen, geprüft und mir zu Nutzen gemacht, und wenn nunmehr, wie sehr wahrscheinlich, sie dem Druck übergeben werden sollten, so darf ich mir wenigstens nicht vorwerfen, leichtsinnig darin verfahren zu sein. Gebe der Himmel Segen dem, was dem Wahren und Guten zum Segen gereichen vermag, und mögen wie Spreu die Winde verwehen, was Irrthum und Schwäche geboren. Und gebe uns der Himmel bald Männer, die mit hellerem Geiste, mit kräftigerem Wort, mit größerem Kenntnißschatz Israels Lehre erleuchtend lehren — daß arme Uhrbedürflige Jünger wie ich nur zu lernen brauchen, nicht zu lehren, zu trinken, nicht zu tränken aus dem Born unseres Heiles — wahrlich in diesem Gebete sollten wir uns alle demüthig, inbrünstig einen. Ich sage mein ernstestes Amen darauf. Leben Sie wohl, lieber Onkel, Gott erhalte Sie mit den I. Ihrigen, so wohl als es vom Herzen wünscht Ihr Freund und Neife Samson. Sei stark und fest. Aus einem Briefe S. R. Hirsch’s an Simon Mai in Hamburg. Oldenburg, d. 15. Dez. 1839. Mein lieber Simon! Wann aber, mein Lieber, werde ich nicht rur Dir, und Du nicht nur mir, wir Einzelne nicht nur Einzelnen, warn werden wir Alle einmal uns Allen zu einem Glücke Glück wünschen können, das jener großen heiligen Sache gekommen wäre, für die unser aller Herzen schlagen? „Unser Aller Herzen schlagen?“ Sagt ich so? Das wäre ja aber schon ein solches Glück, zu dem wir uns dann nur Glück zu wünschen hätten, ja eben das scheint mir das erste und einzigste Glück zu seyn, ^as wir uns wünschen müssen, um uns dann zu ihm zu beglückwünschen. Bis dahin aber ist es gewiß schon ein Glück, daß es, wenn auch nur Einzelne, einzelne Gemüther doch ziert, die so fühlen, wie rr.ein Simon, und die über das Streben der Einzelbeglückung nicht das Herz dem Gesammtgefühle schließen, und die gerne ihr anscheinend, altersmüdes Volk an die junge Brust drücken möchten. — Der Schmerz, den Du fühlst und Deine wenigen Gesinnungsgenossen fühlen, ist das Heeroldsdunkei vor dtm tagenden Morgen, ist der Schwalbenfittigschlag vor dem knospenden Lenz, Dein eigener Schmerz, mein Simon, ist sein eigener Balsam. Daß nach dreitausend Jahren, nach dreitausend solchen Jahren, noch eine Jünglingsbrust mit Schmerz sich bey dem Gedanken füllt, das Judenthum könnte schwinden, das selber bürpt für i eine Ewigkeit, bürgt für seinen ewigen Jugendgeist, der von Geschlecht zu Geschlecht über Israels Zerstreute schwebt, und dem es noch nie ganz an Trägern gefehlt und der sich stets neue weckt — und wecken wird, trolzseires Verkanntseyens in der Gegenwart. Wahrlich, und sähe es noch hundertfältig trüber aus in der Gegenwart, als es wirklich ist, dessen Brust sieht keine Nacht und füllte sich mit Hoffnungsreichem Morgenroth, der einginge in dieses Judentum und sähe, wie dort, nach schon fast 3% tausendjährigem Triebe, noch so unendliche Fülle von noch nicht, noch kaum aufgekeimten Geistessaaten berge, die alle noch erst des Lebens warten, warten auf einen Frühlingsmorgen, um zu keimen und zu knospen, und zu blühen und Früchte zu tragen wie noch sonst nie. Auf diesen Geist blicke hin, mein Simon, und Du wirst keine Sorge kennen um Israels Zukunft. Wohl ist cs trübe in unseren Kreisen, und euch, die Ihr, nicht nur wie wir, die Opfer zu lehren habt, sondern zu bringen, und selber Opferthier und Priester zugleich zu seyn, und, wenn gleich reiches Aequivalent in eurem innern Btwußtseyn tragt, doch auch in demselben Außenleben, wo die Opfer gebracht werden, mindestens auch einen Nachhall von diesem im Innern lebenden Aequivalent suchet — und nicht findet, ihr sehet euch um nach den Genossen eueres Opferlebens — und findet deren so wenige, ihr suchet dessen Ausdruck im Tempelwort — und findet es nicht würdig — wer dürfte eurer Klage zürnen! Und doch, nicht auf dem Judenthum lastet die Klage, sondern auf den Juden, die einerseits die Weihe des Lebenpriesterlebens in ihrer Schwachheit abgeworfen, die anderseits — schlafen! Denn was soll das Judenthum seinen schwachen Söhnen gegenüber? Es kann nur auf stärkere Enkel warten. Sind seine Anforderungen göttlich sanktioniert — welche Handdüifte sie und könnte sie modificieren, sind sie es nicht, so bedürfen sie ja dessen nicht und verdienten das Wort nicht. Und was bliebe über vom Judentums, wenn Du es für diese appretiren wolltest? Aber unser Gottesdienst, unser Gottesdienst — jawohl, mein Theuerer, sind hier Deine Klagen gerecht, und ach, um so gerechter, da eine Abhilfe so leicht so gar leicht wäre. Aber wiederum — so scheint es mir wenigstens von jeher und auch jetzt noch — nicht, durchaus nicht um jener Schwachen willen, denn mir dünkt, nicht einer dieser Schwachen würde auch nur um einen Fiberwerth mehr Jude seyn, wenn unser Gottesdienst würdiger gehalten würde. Wenn Du Dir einmal die Lebensgefährtin bräutlich zugesellen wirst und Dir dann die Braut nur in Galla lieb, aber in Negligee und im Staube der Häuslichkeit nicht hold und theuer erschiene, wenn Deine Liebe von dem Stoff ihres Kleides bedingt wäre — dann wehe um die Geringfügigkeit Deiner Liebe. Aber wer schon ronst seine Braut liebt, wird ihr auch schönen Schmuck wünschen, und je mehr er sie liebt, desto schöneren, und nicht um § einet-, sondern um ihretwillen ganz allein. Und so auch hier, mein Lieber, wer das 18

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.