Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1908)
- Date
- 1908-06-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Lette 121 No. 35. _ - agenten würdigt den Stand nicht herab, denn auch christliche Kollegen befassen sich unter Zustimmung ihrer Vorgesetzten Behörde danlit. Und wenn ein Lehrer Muße findet, die Tagesblätter mit Nachrichten über welterschütternde Ereignisse seiner näheren Umgebung zu versehen, so wird kein vernünftiger Mensch etwas daran auszufetzen haben, vorausgesetzt immer, daß er sein Hauptamt nicht vernachlässigt.*) Ueber die Stellung des Referenten zur ntO'niP resp. zur Bereinigung des Lehramts mit dieser Tätigkeit wollen wir bei anderer Gelegenheit berichten. Ueber den recht problematischen Wert seines statistischen Materials war sich der Referent ziemlich klar und weist mehrmals auf die Unzuverlässigkeit der Angaben hin. Bei der Sammlung des Materials wurden nämlich recht schwere Fehler begangen. Der Verband umfaßt ja nicht alle jüdischen Lehrer Deutschlands; aber innerhalb des Gebiets der ihm angegliederten Vereine hätte er mit nicht allzu großer Schwierigkeit vollständig zuverlässiges Material erhalten können. Um aber den Schein zu erwecken, als ob sich seine Erhebungen gleichmäßig über das ganze deutsche Reich erstreckten, hat er auch Bayern und Emdens-Oldenburg hinzugezogen. Das wäre nicht schlimm, wenn man sich nur die Mühe gegeben hätte, gleichmäßig zu verfahren und sich die Zahlen etwas genauer anzusehen. In dem einen Verein wurden alle Mitglieder — Rabbiner, Oberkantoren, Elementar- und Religionslehrer — berücksichtigt, anderwo, wie in Bayern, nur die Religionslehrer. Für Berlin werden 12, für Hamburg-Altona gar nur 1l Lehrer aufgeführt, für die Reichslande 28 usw. So erhält man doch kein annähernd richtiges Bild. Aber die Angaben selbst halten auch einer oberflächlichen Prüfung nicht stand. Für Bayern, wo seitens der Bereinsleitung peinlich genaue Erhebungen stattgefunden haben, werden 45 Religionslehrer mit einem Gehalt von mehr als 1595 Mark angegeben, nach der „Denkschrift", Seite 29, sind dort nur 23. vorhanden, die über 1300 Mark hinausgehen. Rheinland-Westfalen besitzt nur einen einzigen nicht seminaristisch gebildeten Lehrer — natürlich nur nach den Ermittelungen des Verbandes; in Westpreußen soll es nur 14 ungeprüfte Relegionslehrer geben, während Herr Kollege Mannheim-Graudenz dort 25 ermittelt hat. Bedenklicher ist ein anderer Fehler. Es galt bisher fast als ein Glaubenssatz, daß die weitaus überwiegende Mehrzahl unserer Gemeinden mit ihren Steuerverhältnissen bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit geht, daß sehr viele ganz enorme Opfer bringen, um einen Kultusbeamten zu unterhalten, daß Kultussteuern von 200—300 Prozent gar keine Seltenheit find und alles, was bisher an zuverlässigem Material veröffentlicht worden ist, bestätigt diese Annahme. Aus dem Vortrag werden wir eines Besseren belehrt; „in 411 von 811 Fällen konnten die Gemeinden die Lage ihrer Lehrer aufbessern (!); es ist nicht geschehen". Die böswilligsten Gemeinden sind selbstverständlich die darmhessischen; von 59 tun 40 ihre Schuldigkeit nicht. Auch die Westpreußen, denen Herr Mannheim jüngst so große Opferwilligkeit nachgerühmt hat, scheinen ihre Taschen fest zuhalten zu wollen; von 31 waren es noch 19, die ihren Lehrer in böswilliger Weise knapp hielten. Es liegt llar auf der Hand, daß hier die ganz subjektiven Meinungen der betreffenden Kultusbeamten ohne jede Nachprüfung als feststehende Tatsache hingenommen worden ist. Bevor man aber gegen die Majorität der deutschen Gemeinden einen solch schweren Vorwurf erhebt, müßte man doch erst die eingehendste Untersuchung anftellen, ob er in Wirklichkeit gerechtfertigt ist. *) Tatz wir im Mischen Lehrcrstande so viele „S ch r i f t st e 11 e r" haben — in Hessen-Darmstadt in dem dem Verbände angegliederten Verein allein ein halbes Dutzend — ist eine sehr erfreuliche Kunde, die mir dem Vortrag verdanken. - __Der Israelit. So erfahren wir aus dem Vortrag eigentlich nur das, was längst bekannt war: daß die wirtschaftliche Lage der jüdischen Lehrer eine unbefriedigende ist, „völlig unzureichend", wie die Resolution ebenso schön als richtig sagt. Die Verbände aber, an deren Mithilfe die jüdische Lehrerschaft appelliert, werden sich voraussichtlich den Kopf nicht darüber zerbrechen, wie die gerechten Forderungen der Lehrer erfüllt werden sollen. Wenn wir nicht befürchten müßten, daß eine von uns ausgehende Anregung bei der Verbandsleitung keine Berücksichtigung findet, so würden wir ihr entschieden raten, bei den unabhängigen Bayern in die Lehre zu gehen; diese führen zwar keine großen Worte im Mund, dafür machen sie aber praktische, bis in die Details hinein ausgearbeitete Vorschläge, wie wir das nächstens zeigen werden. (Fortsetzung folgt.) ver Jahresbericht der Penstonskasse für jüdische Religionslehrer und Kultusbeanite in Ostpreußen pro 1907 (7. Berwaltungsjahr) zeigt wieder einen recht ansehnlichen Fortschritt, denn das Vermögen ist von ca. 51000 Mk. in 1906 auf ca. 61000 Mark angewachsen, zeigt also eine Zunahme von ca. 10 000 Mk. Im übrigen find die Verhältnisse unverändert eblieben und wir könnten uns mit der Konstatierung er erfreulichen Tatsache begnügen, daß die Ostpreußen ihren Kollegen im ganzen deutschen Reich in Bezug auf Reliktenversorgung bedeutend „über" find, denn nirgends wurde in so kurzer Fri't und trotz des Fehlens einer Karenzzeit ein fo ansehnlicher Reservefonds — mehr als 1560 Mk. pro versicherter Beamte — angesammelt. Damit aber diese Kasse vorbildlich wirren kann, ist es nötig, immer und immer wieder auf die Gründe für ihre Prosperität hinzuweisen. Sie ist bekanntlich auf einem von den übrigen Lehrerpenfionskassen ganz abweich! nden Prinzip aufgebaut: fie verlangt von ihren ordentlichen Mitgliedern — jetzt 41 Gemeinden und 39 Beamte — verhältnismäßig hohe Beiträgediese letzteren aber, resp. die Zuschüsse, die von der Kasse aus anderweitigen Einnahmen als Beihilfe grwäl,rt werden, richten fich nach der Leistungsfähigkeit der Versicherungsnehmer. So erreichten die diesjährigen Beiträge der ordentlichen Mitglieder die Höhe von 4836 Mk.- ihnen steht eine Einnahme von 6847 Mk. gegenüber, die aus Sinsen, Beiträgen außerordentlicher Mitglieder, Spenden, ubventionen u. s. w. stießt, insgesamt also 11683 Mk. So erklärt fick, trotzdem schon jetzt 1700 Mk. an Pensionen gezahlt werden — 500 Mk. an einen Lehrerinvaliden und je 300 Mk. an 4 Witwen — das rasche Anwachsen des Reservefonds. Der Kasse gehören außerdem diejenigen Beamten nicht an, die seitens ihrer Gemeinde Penfionkberechtigung besitzen, hier also die der Grobgemeinde Königsbergdaß st trotzdem für ihre minder günstig gestellten Kollegen in hervorragender Weise tätig find, verdient um so größere Anerkennung. Die Verwaltung deaöstchtigt aber auch, sobald fie die Pensionen auf eine angemessene Höhe gebracht hat, die Kasse zu einer Art Schulfonds in der Weise auszugestalten, daß fie leistungsschwachen Gemeinden ZuschMe leistet damit sie das Gehallsminimum von 1200 Mk. zahlen können. Wie man steht, will ste da§, was der bayrische Lehrerverein vom „Landesverein" erwartet, aus eigenen Kräften zu erreichen suchen Schreitet fie in der bisherigen Werse fort, so unterliegt es für unS keinem Zweifel, daß fie ihr Ziel auch in absehbarer Zeit erreicht. Wir dürfen uns hier wohl den Hinweis erlauben, daß Sei Bewerbungen um vakante S ellen weniger öte Höhe der einst zu erwartenden Pension als die des fixen Gehalts entscheidend ist. Je früher deshalb die Kasse daran geht, ihre Abficht auszuführen, desto früher wird >hr auch die Sanierung der dortigen Lehrerverhältuisse, die allmähliche Ausmerzung unqualifizierter Lehrkräfte und ihre Ersetzung durch seminarisch gebildete gelingen. Dann rvirö hoffentlich auch eine EMentümlichkeit des Ostens verschwinden, die ja mcht von Bedang, aber doch charakteristisch ist. Unter den Mitgliedern der >rasse zählen wir nämlich 1 Rabbiner, 3 Prediger, 36 Kontoren, aber nicht einen einzigen Lehrer! eorresponaevren u. Nachrichten, Frankfurt a. M., 17. Juni. Wie uns der „Bund gesetzestreuer jüd. Lehrer Deutschlands" mitteilt, findet während der Sommerferien bei genügender Beteiligung, ein Kursus für Kantoren statt. Kollegen, die sich an dem Kursus beteiligen wollen, werden ersucht sich baldigst, mit Angabe ihrer Ferienzeit, an £>crrn Oberkantor Pesachowitsch, Frankfurt a. Main, Ostendstraße 29, zu melden. Reisezuschuß wird gewährt. __ Cö ln a. Rh., 2. Juni. Am Sonntag, 31 Mai, fand hier die erste Generalversammlung des Zweigvereins Rheinland des Bundes g. j. Lehrer statt, die gut besucht war. Auf der Tagesordnung standen die beiden wichtigen Punkte: Statutenberatrmg und Vorstandswahl. Nach eingehender Beratung wurde der von einer Kommission bereits sorgfältig, vorbereitete Statutenentwurf mit geringen Aenderungen angenommen. Die Statuten werden baldigst durch deu Druck veröffentlicht werden. In den Vorstand wurden gewählt: Seminarlehrer Gut- Cöln als 1. Vorsitzender, Seminarlehrer Harth- Cöln als stellvertretender Vorsitzender, Lehrer David - Kettwig als Schriftführer, Seminarlehrer Stern-Cöln als stellvertretender Schriftführer und Lehrer Heimann-Brühl, als Kassierer. Für die nächste Versammlung übernimmt Kollege Freimark-Cöln einen Vortrag über das Thema: „Wie lehrt der Lehrer die jüdischen Religionsgesetze ohne die Schüler in Konflikt mit den Eltern zu bringen?" Möge dem jungen Verein fröhliches Wachsen und Gedeihen beschieden sein! Kaiserslautern, 29. Mai. Die freie Vereinigung israelitischer Lehrer und Kantoren der Pfalz hielt gestern hier im Lokale der Julius Plotke-Loge ihre Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende Lehrer Waldbott in Speyer eröffnete die Versammlung, die von etwa 30 Mitgliedern besucht war, mit Dankesworten an die Verwaltung der Loge für die Ueberlaffung ihres Lokales zur Abhaltung der Versammlung, begrüßte alsdann die anwesenden Vertreter der Loge, sowie der israelitischen Kultusgemeinde Kaiserslautern, welche durch den Bezirksrabbiner Dr. Landsberg und ein Vorstandsmitglied vertreten war. Das Andenken der im Laufe des Vereinsjahres verstorbenen Kollegen Eigner-Oberlustadt undWeil- Eöenkoben ehrten die Anwesenden durch Erheben von den Sitzen. Rechtsanwalt Dr. Rheinheimer begrüßte hierauf die Versammlung im Namen der Julius Plotke-Loge, Bezirksrabbiner Dr. Landsberg namens der israeliten Gemeinde. Der Jahresbericht des Vorsitzenden erwähnte zunächst die Umwandlung der israelitischen Lehrerstelle in Edenkoben in eine Berweserstelle, was weder den Interessen noch den Erwartungen der israelitischen Lehrer der Pfalz entspreche. Die Erhaltung der israelitischen Lehrerstelle in Haßloch sei durch große Opfer der dortigen Synagogengemeinde erfreulicherweise gesichert. Dagegen harren die Verhältnisse in Kaiserslautern noch immer der definitiven Entscheidung. Das Bestreben der israelitischen Lehrer auf Wiedererrichtung der früheren konfessionellen israelitischen Volksschule stieß auf den Widerstand der israelitischen Gemeinde, die vielmehr trotz wiederholter Ablehnnung ihrer Eingaben an der Anstellung eines israelitischen Lehrers an der Simultanschule noch jetzt festhält. Bei Ablehnung der Anstellung eines israelitischen Lehrers wolle die Stadtverwaltung Kaiserslautern eine israelitische Religionslehrerstelle gründen, deren Inhaber gleiche Rechte hinsichtlich Gehalt und Pension zugesichert werden, wie den städtischen Volksschullehrern. Der Bericht über den am 24. und 25. Dezember v. I. in Hannover abgehaltene Verbandstag gab Veranlassung zur Stellungnahme zur Frage des Verbaudsorgans. Ueber Jugendliteratur und Schülerbibliotheken referierte in ganz vortrefflichen Ausführungen Lehrer Kuhn in Rülsheim. Zur Durchführung der gegebenen Anregungen wird eine dreigliedrige Kommission gewählt, bestehend aus den Lehrern Kahn-Rülzheim, Haymann-Albersweiler und Rosenwald-Steiubach am Glan. Unter „Wünsche und Anträge" gelangte ein Antrag auf Eintritt der freien Vereinigung in den israelitischen Lehrerverein in Bayern zur Annahme. Der zum Verbände der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche zu zahlende Jahresbeitrag wird auf 2 Mk. festgesetzt. Nach dem Kassenbericht ergaben sich an Einnahmen 137,96 Mk., an Ausgaben 108,36 Mk., sonach einen Kaffenbestand von 29,60 Mk. Die Wahl des Ausschusses ergab einstimmige Wiederwahl der bisherigen Mitglieder.