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Der Israelit · 1908-06-18 · Heft 25 (18.6.1908) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 25 (18.6.1908)
Date
1908-06-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Crzie^ung und E»el? Heil Plutim als Unferricbtsstoff am Seminar. Die Zeit, welche dem Piutim unterrichte gewidmet werden kann, ist sehr beschränkt. Regelmäßig wird' ein Teil der für Schiurvorträge bestimmten Stunden in Anspruch genommen werden können, auch von anderen Unterrichtsdisziplinen, z. B. jüdische Geschichte, jüdische Grammatik, Propheten (y':n) wird hie und da ein halbes Stündchen abgetreten werden, alles in allem dürften für das Schuljahr kaum 15 Stunden herauskommen. Es gilt also, mit der Zeit haushälterisch umzugehen, um möglichst weit zu kommen. So ergibt sich von selbst die Notwendigkeit, äußerste Sorgfalt bezüglich Stoffauswahl und Anlehnung an andere Unterrichtsgebiete walten zu lassen. Die Piutim des iimd sind vielfach übersetzt, teils wortgetreu, teils frei, teils poetisch. Bon ihnen kann der größte Teil für die schulmäßige Behandlung zunächst ausscheiden und der späteren Selbstfortbildung zugewiesen werden. Einige Stücke allerdings werden behandelt werden müssen, sei es wegen sprachlicher Schwierigkeiten, sei es wegen inhaltlicher Wichtigkeit und Schönheit, so niönpK von niyntP die Paraphrasen zu w £TWn am nDS, besonders D'"itPND ytP' nin, den pi^D vom 2. Tage nmn ‘wn mit den 10 Prüfungen Abrahams u a. m. Das Hauptgewicht wird auf die Piutim der n^Ln, dann auf eine Anzahl mrp und nilT*?D zu legen sein und auch hier wird — immer in Anbetracht der zur Verfügung stehenden Zeit — eine sehr sorgfältig begrenzte Auswahl getroffen werden müssen. Ob es nicht wünschenswert wäre, die Zeit auf Kosten anderer Unterrichtsfächer zu erweitern, mag zunächst unerörtert bleiben, da ich nicht weiß, welches jüdische Fach noch Kürzung vertragen könntedie Stundenzahl der Prof nfächer aber ist ja behördlich festgelegt. Zu erwägen wäre, ob nicht schon in der Präparandie hie und da der Piutim gedacht werden könnte. Manche Partie des iirnv von D’HSDn dv ließe sich leicht an die mtPD in LM1' anschließen, einzelne Gesänge vom natr und nDS *yv W OV fanden ihren Platz schon in der nDS bv rnari, die ja in der Präparandenschule -burchgearbeitet wird, an die Behandlung der 10 Plagen, sei es nun in Geschichte, Vvin oder '"ttn läßt sich leicht unter dem Motto mo mo naaa das issvr pn vom 2. Tag nDS anschließen u. dgl. m. Vielfach wird dies wahrscheinlich schon geschehen, da ja unsere jüdischen Präparandenschulen nicht ausschließlich Borbereitungsanstalten für den Lehrberuf sein wollen, sondern in der Hauptsache eben min "iiv^n auf ihre Fahne geschrieben haben. Als Fachanstalt kommt eben doch nur ausschließlich das Seminar in Betracht. Der Lauf des Festjahres wird im allgemeinen den Rahmen für die Stoffverteilung abgeben. Das entspricht ja überhaupt jüdischer Gepflogenheit KDVn NDVH 'ray. So ist es ganz natürlich, daß an einem unn eno rav ein Teil der diesbezüglichen Piutim zur Besprechung kommt, daß um die Chanukazeit das nxr von rDi:n n:HP behandelt wird usw. Da die Seminarzeit sich über drei Jahre erstreckt, kann der Stoff ja entsprechend verteilt werden. In sehr vielen Fällen wird Anlehnung an andere, bereits erwähnte Unterrichtsfächer wünschenswert, ja notwendig erscheinen Der Besprechung des 1. Teils der Piutim von n"i muß eine Behandlung des jüdischen Kalendenvesens vorausgegangen sein. Ebenso setzt der DVS von D’SptP 'S Kenntnis der jüdischen Maße und Gewichte voraus. Es ist nun ganz gleichgillig, ob diese Kenntnis in der Mischnah- Raschi- oder Religionslehrstunde vermittelt wurde, immer kann sich der bvs anschließen. Wurde in der jüdischen Geschichte von den Judenverfolgungen zur Zeit der Kreuzzüge gesprochen, so mttffen poetische Darstellungen, wie die 40. ~ip in unserer Gebetsordnung vom 9 Av, verfaßt von Rabbi Kalonymus b. Jehuda aus V'jnn rn-N oder das n*?ir des Sabbaths vor dem Wochenfest und vor dem 9. Av, verfaßt von dem bekannten Elieser b. Nathan aus Mainz, dem ja auf die wichtigste Urkunde aus jener trüben Zeit und über sie zugeschrieben wird, gleichsam die Illustrationen liefern. Es ist nicht möglich im Rahmen dieser Arbeit alle Spezialfälle aufzuzählen, die Hinweise dürften genügen. Die Kunst des Lehrers bestehe darin, für einzelne Fälle typische Beispiele herauszusinden und nach Behandlung eines solchen Stückes die Schüler zur eigenen Durcharbeitung verwandter Stücke anzuregen. Die 10 nis^>i2 "ynn sind ein sehr häufig verwendeter Piutimstoff. Es genügt. wenn eine solche Bearbeitung unterrichtliche Behandlung gefunden hat, z. B. das tm) *inD l?Nycir'' des Versöhnungstages - in ten anderen Piutim, S'lichoth und Kinoth gleichen Inhalts finden sich die Schüler leicht zurecht. Hat der Lehrer so immer auf die sachlichen Grundlagen einzugehen, seien sie null geschichtlicher, wissenschaftlicher, oder ethisch - moralischer Art, so erschließt sich dem Unterrichte in Piutim ein weiteres schönes Ziel in der Erweiterung und Vertiefung der Kenntnisse aus "j"jn. Ich habe bereits wiederholt meinen Standpunkt — im Gegensatz zur Redaktion dieser Blätter — dahin präzisiert, daß ich die „Durcharbeitung" von ganz *]"in in den 6 Lehrerbildungsjahren für unmöglich halte. Da bieten nun die Piutim mit ihrem Reichtum an Zitaten aus wertvolles Material zur Erzielung eines gewiffen niK'pn. Zitierte Stellen sind nachzuschlagen und ihr Zusammenhang im Urtext sestzustellen. Tropen und Figuren im Piutimtext, die sich an biblische Ausdrücke an lehnen, sind entsprechend aufzulösen und zu erklären. Ein vortreffliches Hilfsmittel bietet hier der großen Siddur von PTQy "HD sowie auch teilweise der bekannte Siddur Für die Piutim des nimv enthalten die älteren Ausgaben von Heidenheim sowie auch die alten Folioansgaben Sulzbach, Amsterdam re. ganz wertvolle Fußnoten. (In älteren Sulzbacher Ouartausgaben ist in der Regel jedem Abschnitt eine kurze Jnhalts- und Tendenzangabe iD”sn naiD vvrgedruckt.) Die eigenartigen Redewendungen, Wortstellungen, syntaktischen Sonderheiten erfordern mitunter grammatische Erklärungen und so kann ein Pint auch zuweilen recht wohl int grammatischen Unterricht Verwertung finden, ganz abgesehen davon, daß er i i gewissem Sinne die jüdische Sprache als lebende Sprache zeigt. Daß auch die jüdische Poesie ihre Metrik hat, ist ja wohl schon ans der Präparandie an poetischen Stellen des Siddur so weit als möglich gezeigt wortzen. In erweitertem und vertieftem Maße hat es bei dem Piutim zu geschehen. So bietet der Piutim-Unterricht ein weites Feld der Tätigkeit, ein reiches Maß von verschiedenartigen Anregungen! War es im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich, mehr als allgemeine Gesichtsvunkte zu bieten, so dürfte vielleicht ein kurz skizziertes, spezielles Unterrlchtsbeispiel die nötigen Einzelheiten klar erscheinen laffen. Ich behalte mir vor, ein solches aus dem Vorrat meiner Präparationen demnächst folgen zu laffen. -A- Die wirtschaftliche Lage der jüdischen Eebrer. (Fortsetzung.) Wenn man wenigstens einen Korreferenten bestellt hätte! Herr Andorn ist Lehrer an einer Volksschule in einer Großstadt und hat den Gegenstand von seinem Standpunkt aus behandelt; so erklärt sich manche Einseitigkeit in der Auffassung und in der Durchführung des Themas. So tadelt er beispielsweise mit beißendem Spott die Bielgeschästigkeit der württembergischen Kollegen, findet es eines Kulturstaates unrühmlich, daß ein Lehrer zugleich Kantor, Schächter, Prediger, Sekretär, Rendant, Kirchenpfleger und Agent ist. Wer sich auf den ~ Boden der realen Verhältnisse stellt, wird es ganz natürlich finden, daß in kleinen Gemeinden der Lehrer alle Aemter in sich vereinigt. Auch die Tätigkeit eines Lebensversicherung^-

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