Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1908)
- Date
- 1908-06-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Kt. 25. Bette 10. Der JSmütt. i< Jütttrsoch spruch nehmen, zeigen, wie das Bedürfnis nach weltlicher Bildung und modern-ästhetischer Führung auch in den innersten Kreisen unseres orthodoxen russisch-polnischen Elementes fühlbar geworden ist Und daß die Methode, der der „Israelit" konsequent das Wort redet TpK *]m oy min die einzige ist, um das brennende Problem erfolgreich zu lösen. Die pnbü pnx' 'Dl HD'W' ist wohl die strengst-orthodoxe und typischste der drei hiesigen Jeschibot. Die Leiter der Anstalt haben dieselbe stets nach strengstem russisch-polnischen Herkommen geführt. Die Bachurim, etwa fünfzig an Zahl, durften keine öffentliche Schule besuchen, und auch innerhalb der Jeschiba durfte Mn Unterricht in profanen Gegenständen erteilt werden. Nunmehr wurde auf den immer dringender gewordenen Wunsch der Bachurim und anderer einsichtsvoller Jeschibagönner in der Jeschiba auch eine Abteilung für weltliche Bildung eingerichtet und auch der jüdische Lehrkursus wird nach pädagogischen Grundsätzen reorganisiert. Es handelt sich, wohlaemerkt, dabei durchaus nicht um irgend eine Reform oder Lehranstalt. Die Bachurim stehen selbstverständ- Üch auf streng-orthodoxem Standpunkt. Doch fühlten sie die Notwendigkeit einer breiteren, allgemeineren Erziehung als die, die sie bisher erhielten und ließen sich von ihrem Verlangen nicht abbringen. New-Aork, 12. Mai. Die hiesigen Arbeiterorganisationen haben eine Untersuchung über die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten veranstaltet. ' Nach den nunmehr znsammengestellten Berichten der lokalen Organisationen wurde ermittelt, daß gegenwärtig 3,160(000) Arbeitslose in den Vereinigten Staaten vorhanden find.-- Aus vielen Orten wird der New Aorker Zentrale berichtet, daß eine Reibe von Fabriken die Produktion erheblich verringert, die Zahl der Arbeitstage eingeschränkt worden sei, und daß infolge der großer Zahl der Arbeitskräfte natüri lich auch der Lohn entsprechend gesunken sei. Selbstverständlich spiegelt sich diese traurige Lage auch und ganz besonders in den jüdischen Vierteln New Aorks wieder, ein großer Teil der Arbeitslosen zu suchen ist. Die Emigration aus Amerika ist infolgedessen neuerdings im Wachsen! Nicht viel tröstlicher lauten die Nachrichten aus Kanada. In Toronto, wo ungefähr 750 Emigrantenfamilien leben, ist die Hungersnot unbeschreiblich. Den ganzen Winter hindurch quälten sich die Armen ohne Brot und ohne Heizmaterial für ihre elenden Wohnungen. Hilfe gab es von keiner Seite. In Montreal und Quebek ist die Lage nicht bester. Der größte Teil der Arbeiter ist seit langem arbeitslos. Vor Monaten hatte bereits die Regierung eine Warnuug vor der Einwanderung nach Kanada erlasteu, aber die gewissenlosen Anpreisungen von Schiffahrtsagenten und die vor längerer Zeit sogar von einer jüdischen Organisation erfolgten Empfehlungen Kana das haben geradezu verhängnisvoll gewirkt^ und eist jetzt beginnt die Einwanderung nachzulassen, vor der gegenwärtig nicht dringend genug gewarnt werden kann. vermlrrdter. Kiel, 10. Juni. Am 1. Juni trat der einzige Jude, der bis dahin bet der Marine als Dcckoffizier diente, der Oberverwalter B. Frank nach 25jährigcr tadelloser Dienstzeit mit gesetzlicher Penfion in den wohlverdienten Ruhestand, nachdem er seit vier Jahren den höchsten Rang, de.r ein Jude bis dato bei der Marine bekleiden kann, erklommen hatte. — Es ist anzuerkennen, daß die Martnebehörden in dieser Beziehung vorurteilslos find und jeden, der als Schlosser, Maschinenbauer usw., Lust pnd Fähigkeit bat, sich der Marine zu widmen, ohne Rücksicht aus die Konfession die besten Aussichten auf Fortkommen eröffnen. £eti$ )z VMyvalcstMchU DKRbu>htMl- »cndwr tiDmvtzFhnrrrö sin-umlDNesWvagygsn rsö chjlyüzsö zstin BuÄckVeMstVttNlnt. rMchwinM' Wjde»jswbm,«tchiemmn ffiHb trefft bei'tSMttWWhrf* dieser Stadt die folgenden Ziffern : jüdische Bevölkerung 44890 *-= 16,6% 70 227 ---- 19,7 „ 1-2377 -- 21,0 „ 176198 23,6 „ 186047 --- 23,6 „ im Jahre Gesamtbedölkerung 1869 270 476 1880 355682 1890 486661 1900 703448 1906 791 748 Die Zahl der Juden im Verhältnis zur Gefammtbeoölkerung ist also ms zum Jahre 1900 andauernd gestiegen, um im Jahre 1906 etwas zu fallen. Ob es fich hier um einen Stillstand im Wachstum oder gar um einen beginnenden Rückgang der jüdischen Bevölkerung handelt, werden die künftigen Zählungen erweisen. In einem günstigen Verhältnis zur Zahl der Juden steht ihre Sterblichkeit. Die Kindersterblichkeit betrug bei der Gesamthevölkerung 34,1 Prozent, bei den Juden nur 26,6 Prozent. Die Sterblichkett infolge Tuberkulose bei der Gesamtbevölkerung 19,8 Proz., bet den Juden 15,5 Proz. An den Selbstmorden waren die Juden nur mit 13 Proz. beteiligt, während fie 23,5 Proz. der Gesamtbevölkerung ausmachten. Uminswmn. Wie«, 14. Juni. Anläßlich des 60jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers wurde am 1. Tage des Wochensestes im Bethause Talmud Thora eine Huldtgungsfeier unter großer Beteiligung abgebalten. Nach einleitender Rezitation des Psalm 61, wurde ein Jubiläumsgesang: PjjftiO ymiQ 'IT durch den Kantor Weiß vorgetragen. Darauf folgte eine Festrede von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Schenk, der die Bedeurung des Tages vom religiösen und patriotischen Standpunkte geziemend beleuchteten. Nach dem üblichen Kaisergebete schloß die würdevolle Feier mit begeisterter Abfingung der hebräischen Bolksyhmmne. Personalien. Frankfurt a. M, 16. Juni. Einen wackeren Jehudi, der still, im Schmucke bescheidenen und doch rastlo en Wirkens durchs Leben geschritten, haben wir vor Eingang des Sabbaths zu Grabe getragen: Jsaac Rapp, Gründer und Mitinhaber der bekannten Firma Aumann KRapphier. Das dreiundfünfzigjährige irdische Dasein, das da seinen Abschluß gefunden, weist keine Spur von Sensationellem, kein reiches äußeres Erleben, keinen jähen Wechsel des Geschickes auf und ist doch ein typisches Beispiel für die adelende Kraft der jüdischen Lebenslehre. Daß Jsaac Rapp als Kaufmann vorwärts kam, daß er in rüstigem redlichen Schaffen zu erstreben, zu erwerben und zu erhallen wußte, den Vorzug teilt er mit Hunderttausenden von Mitbewerbern, ^ber die rührende Ehrfurcht, mit der er, der erfolgreiche Mann der Tat, allem Jüdischen gegenüberstand, der Respekt ror mm und niÜD/ der ihn erfüllte und der ihn in bewundernswerter Feinfühligkeit Gefahren für die Erhaltung des jüdischen Pstichtbewußtseins ahnen ließ, wo andere l lind an Abgründcn wandeln, die bescheidene Freudigkeit seines von echtem getragenen Wohltuns, das jeden unnützen Lebensgenuß als eine Art Raub an den Rechtsansprüchen der armen jüdischen Brüder ansay — das alles find Charakterznge, die ihn hoch emporheben aus der Menge feiner Genossen. An seiner Bahre trauert keine Gattin; allein ist er durchs Leben egangen, und was an warmer Liebe in ihm wohnte, einen Geschwistern, Verwandten, Freunden, wie den Armen at er's in steter Sorgfalt zugewandt, und auf alle 'edürstigen, die ihm nahekamen, fiel ein Sttahl dieser seiner Menschenliebe. So bleibt ihm hienieden das Gedenken aller derer treu, denen er Freund und Berater gewesen, und droben winkt seinem stillen Streben der Segen des göttlichen Wortes: otSM 1' ND1N21 'H'DD orfc Wttl --nuaDi ü'sdd aua •na^in Budapest, 15. Juni. Hier ist am 9. d. Mts. Herr S. Blau nach ku>zer Rankheit gestorben. Der Verstorbene war weit über die Grenzen Ungarns bekannt, nicht bloß durch seine seit vielen Jahren bestehende streng "IBO geführte Restauration, sondern auch durch seinen wahrhaft biederen Charakter und seine große Wohltätig'eit. Seine Beerdigung gestaltete fich zu einer allgemeinen Traucrkundgebung. Rabbi Perez Neumann schilderte in beredten Wort,n die edlen Eigenschaften des Verstorbenen. ■n"ax:n m. Briefkasten. E. L. in D. Ist wegen späten Eintreffens nicht mehr unterzubringen. L. U. in B. Das Gedicht eignet sich für uns nicht. I. M. in S. Für uns unverwe idbar. M« B. Pf. Bon einem rituell geführten Hotel am betreffenden Platze ist uns nichts bekannt. D K. in N. Wie einige Zeitungen Oesterreichs berichten, verhält fich die Sache so. Näheres ist uns nicht J3>J jivjvj jU(ij J,U ,ii| .... .mdnJi ajmafntTaQjcri ßmiiioumtf fanriWennaebrid>ten/' % . BLfel,MWM8Z.vrl3tzlas rrnmosjcrt ijmoci jnontf nn3¥ie»gbi»«*64: jtofiMfüD AdMsnMsäah jMitnmrni, Wolf, Schnaittach-Würzburg. Labbat-Anfang u. Ausgang. ■tnWia OBT: Anfang Datum AuSgattg MrlMln. 1908 5668 Uhr Im SV.Jum. LI.Siwan Srarrkfurt a. 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