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Der Israelit · 1908-06-18 · Heft 25 (18.6.1908) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 25 (18.6.1908)
Date
1908-06-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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18. tzüM 1SV8. Der Israelit. g-TWJ'WÜ Rr. ^5. Seite 7 und brachte mir Grüße von Ihnen. Zu meiner großen Freude hörte ich von ihm, wie Sie mit ungebrochener rüstiger Kraft ganz wie früher t ei den hohen Würdenträgern der Regierung die Sache unseres Volkes vertreten, möge es Ihnen ungezählte, ungetrübte Jahre vergönnt sein, in voller Fr.sche diese segensvolle Wirksamkeit zu entfalten! Im Laufe der Unterhaltung entfuhr dem jungen Manne eine Neuster.Hg, die Sie getan haben sollen, und die er mir wie in Ihrem Namen mitteilte: „Die Gegner in Wilna werden alle Kosten tragen müssen!" Ich war von diesen Worten betroffen, denn es war mir sofort klar, daß es sich um die Gegner der hiesigen Rabbinerschule handle und daß diese ihre Gegegnerschaft zu büßen haben sollen. Es bewegt mich schmerzlich, wie hier Wahrheit und Recht unterliegen und Lug und Trug triumphieren sollen. Ich sage mir, daß dies alles nur möglich ist, weil uns hier niemand Gehör schenkt und wir keinen Vertreter sür unsere Sache haben. Da ich nun selber zu den Vorstehern der Gemeinde Wilna gehöre und auch zu den Gegnern des ganzen Gebahrens der hiesigen Mabbinerschule zähle, so holte ich es für meine Psticht, Ihnen, geehrter Herr, die ganze Führung der in Rede stehenden Ansta.t von ihrer Eröffnung bis heute darzulegen. Eil ige vereinzelte tu Landstätten woh: ende Familienvälter schickten, als sie von der Gründung der Anstalt hörten, ihre Söhne dahin. Aber selbst diese kamen von ihrer ursprünglichen Absicht zurück, als ihre Kinder eins, zwei Jahre später in den Ferien nach Hause kamen und es sich null herausftellte, daß sie sich allerdings die Kenntnis fremder Sprachen und allgemeiner Bildung angeeignet hatten, — Dinge, die sie auch in den Schulen der Landstädten hätten lernen können — aber daß von spezifisch jüdischen Kenntnissen auch keine Spur bei ihnen vorhanden war. Die jungen Leute waren geradezu verwildert und setzten sich über die primitivsten Forderungen von Gesittung und Ansland hinweg, sie standen ihren eigenen Eltern und ihrem Volke fern und fremd gegenüber. Die Eltern ließen ihre Kinder nicht weiter die Anstalt besuchen, sondern ließen sie entweder ihren Unterricht wie früher fortsetzen oder ließen sie Kaufleute und Handwerker werden. So machte es sich ganz voit selbst, daß die Schule nur von Kindern aus der Hefe des Volkes besucht wurde. Das jüdische Lehrerpersonal der Anstalt, das sich niemals durch Charakterfestigkeit und Selbständigkeit hervorgetan hatte, verlor von Tag zu Tag seinen Einfluß mehr und mehr.*) Sie wurden zuletzt nicht einmal mehr zu den Lehrerkonferenzen zugelassen, mußten aber deren Protokolle dennoch unterschreiben, ohne sie auch nur gelesen zu haben. So kani es, daß die Zöglinge nur die Autorität der christlichen Lehrer kannten und anerkannten und ihnen ganz überlassen waren, und je länger sie die Schule besuchten, um so nachhaltiger ihrem Volke entfremdet wurden, ihrem Volke, an deffen Mark sie zehrten und von dessen Schweiß sie lebten! Gingen sie in den Erholungspausen über die Straße, so wichen sie geflissentlich ihren Volksgenoffen aus. Gerieten sie aber, ohne es zu wollen, doch hie und da mit ihnen zusammen, so verhöhnten und verspotteten sie die Juden und alles, was zum Judentum gehört, wie die ausgelassensten Judenfeinde es nicht ärger treiben. Auch die Gegenwart von Ehr sten hinderte sie nicht, ihr eigenes Volk zu schmähen, alle jüdischen Anliegen im schlechtesten Licht erscheinen zu lassen und die religionsgesetzlichen Bräuche, die allen Juden heiligen Gesetze in verächtlicher Weise herabzuwürdigen. Kurz, in der Schule wurden sie für den Abfall erzogen und beim Verlassen derselben waren sie richtige Judenfeinde mit hcfttottm tjq saV}' moitre imt rtpitßiuusGE onb aibh , .WßnuL .1 mo ölv ,nsöismrso uz vslsm m ärrsgstzmtt nszirog gniasUönV schplochar dttu ganzer Seele und aus vollem Herzen, würdige Genoffen eines Eisenmenger und Konsorten, ja noch schlimmer als diese. Denn wenn erst ein Jude ausartet, kennt er, nach der Lehre der Weisen, ja gar kein Rücksicht mehr. Auch fehlte es nicht an Fällen, in welchen einzelne ihrem Judentum vollständig den Rücken wandten und sich taufen ließen! Und das Volk, das diesem Gebühren einer solchen Anstalt mit offenen Augen gegenübersteht und jeden Schritt mit Aufmerksamkeit verfolgt, sollte allem dem gegenüber seine Ruhe bewahren und das alles mit ansehen können, ohne daß sich das Herz krampfhaft zusammenzieht? Wenn das Volk diese Dinge mit ansieht, wie sie in Wirklichkeit sind, soll es zu dieser Sorte Bildung noch ehrerbietig emporblicken, ihr Kränze winden und sie als Joeal anstauneu? Als vor drei, vier Jahren die beiden ersten Zöglinge ihr Pensum in der Rabbinerschule absolviert hatten, fungierte als hiesiger ntnm ITv>Q Rabbi Israel Günzburg. Ihn hatte der Gouvernementsrabbiner R. Israel Gordonals denjenigen Rabbiner designiert, in dessen Haus und unter dessen Leitung sich die Ziglinge für die praktische Handhabung des Rabbinerberufs vorbereiten sollten. Sie verließen also die Rabbinerschule, mieteten sich eine Wohnung in der Nähe ihres Inspektors und ebenfalls nicht weit vom Hause des Rabbiners Günzburg. In dem Hause des Inspektors ist eine Synagoge, in der auch ich, det7 Schreiber dieser Zeilen, seit vielen Jahren bete. In diese Synagoge pflegten auch diese zwei Kandidaten zu kommen. Bon einer Andacht beim Gebete, von irgend einer Bekundung von Gottesfurcht war bei ihnen keine Rede, sie erregten sogar den Unwillen der Mitbetenden durch ihr ungebührliches Benehmen, d^r sich nicht selten in kaum verhaltenem Groll äußert. Ich selbst habe ihnen einige Mal zu Herzen geredet, sie möchten doch ihr Tun und Lasseil im Hinblick auf ihren künftigen Lebensberuf ändern. Das war aber alles umsonst, ich war wie ein Prediger in der Wüste. Damals besuchten sie, wie bemerkt, auch das Haus von R. Israel Günzburg. Dieser hatte in seiner Wohnung ein kleines Bes vamidrasch, in welchem 10—12 junge Leute seinen Vortrag hörten und ihrem Thorastudium oblagen. In diesen! Haufe hielten es die beiden Rabbiner-Kandidaten keinen Moment aus. Als nun die Zeit herankam, daß sie ihr Monats-Zeugnis erhalten sollten, das Rabbiner Günzburg über ihre Führung und ihren Fleiß dem (christlichen) Direktor der Rabbinerschule auszustellen hatte, wollte dieser der Wahrheit gemäß berichten. Da mit Gewalt, Drohung und Verleumdung bei diesem Mann nichts zu erreichen ivar, so verlegten sie sich aufs Bitten. Rabbiner Günzburg ließ sich erweichen und gab eine gewundene Erklärung, welche ohne eine direkte Anerkennung auszusprechen, die beiden Kandidaten wenigstens nicht bloßstellte und sie unmöglich machte. Aber als im folgenden Moment ihre Unwissenheit in allen talmudischen Disziplinen und ihr zügelloses Leben immer mehr zu Tage trat und er ein beschönigendes Zeugnis nicht länger mit seinem Charakter vereinbar hielt, legte er sein verantwortungsvolles Amt freiwillig nieder! Damit war der letzte Schimmer von Hoffnung geschwunden, die man für die in dieser Rabbinerschule ausgebildeten Rabbiner noch etwa hegen konnte. Um diese Zeit lebte hier ein junger Mann, der eines der vielen Bes Hamidrasch (Klausebesuchte und dort Thora lernte. Er verheiratete sich; aber durch die ärmlichen Verhältnisse, in welchen er lebte, kam es zu fortwährendem Zank und Streit mit seiner Frau, dem er dadurch ein Ende machte, daß er die Ehe durch einen Scheidebrief löste, den er ohne Wissen und gegen den Willen der Frau ihr von seiner Heimat aus Ms MWisRM Simsd smulönrchnV nsffsö xi9itard»tfw frucrriin ganze Welt aufgeregt, man veranlaßte damals seine Verhaftung und schickte ihn hierher zurück. Man unterzog dann den Scheidebrief einer Prüfung und dieser stellte sich als so vollkommen ungenügend heraus, daß seine Ungiltigkeit offen dalag. Dieser Mensch — sein Name ist L ibe Antikalier — verkehrte hier viel bei dem Inspektor der Rabbinerschule, Rabbi Zewi Hirsch Katzenellenbogen, der ihn als Nachfolger des Rabbi Israel Günzburg empfahl! Dieser sollte von nun an die Zöglinge der Rabbinerschule für die praktische Führung des Rabbinerberufs ausbilden um sie dann als Rabbiner zu autorisieren! Aber um dieses Amt bekleiden zu können, mußte dieser Mensch selbst als Rabbiner ordiniert und in einer Gemeinde angestellt sein. Durch Drohungen, Erpressungen und Verleumdungen der nichtswürdigsten Art brachten es der Inspektor und die beiden Zöglinge dahin, daß die Gemeinde seines Geburtsortes sich zu dieser Täuschung nach langem Widerstreben endlich bereit finden ließ, so wurde dieser Mensch regierungsseitig angestellt ' Jetzt brauchten die zwei genannten Zöglinge ihn nicht mehr in seiner Wohnung aufzusuchen, er suchte sie in der ihrigen auf, stellte ihnen für den christlichen Direktor der Rabbinerschule allmonatlich die glänzendsten Zeugnisse aus. Sie verließen dann die Rabbinerschule und wurden von ihm als gebildete, aufgeklärte Rabbiner autorisiert-—" Soweit der Brief. — Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß diese beiden „Rabbiner" nun wieder neue ordinierten, die allein von der Regierung als wirkliche Rabbiner anerkannt würben. Sie und ihre wahlverwandten Nachfolger wurden als Zensoren für jüdische Druckwerke angestellt, kurz sie schufen eine Verwirrung und übten einen Druck auf die Gesamtheit aus, der heute noch fortdauert und der allein genügt, die der russischen Judenheit auf solche Weise gewaltsam aufgepfropste „Bildung" an diesen ihren Früchten zu erkennen. (Fortsetzung folgt.) Samson Raphael fiirsch Jubiläums-Rummer. Die zu Ehren des hundertsten Geburtstags Samson Waphaet Kirschs zu veröffentlichende SonSernummer Ses „Israelit“ gelangt am Montag, den 22. Juni zur Ausgabe. Das in elegantem steifen Umschlag broschierte Heft umfaßt 56 Seiten in Israelit-Format auf feinstem Kunstdruckpapier. Der Preis der Nummer ist unter Berücksichtigung der sehr bedeutenden Selbstkosten wie folgt normiert: Mk. 2.50 für das broschierte Exemplar Mk. 3.50 für das gebundene Exemplar. Tie Versendung erfolgt in der Reihenfolge der eingegangenen Bestellungen innerhalb Deutschlands und Oesterreich-Ungarns p o st fr e i, ins Ausland unter Berechnung der 20 Pfg. übersteigenden Postgebühr. Der in unfern früheren Veröffentlichungen genannte Subskriptionspreis ist erloschen. s'NÜ:m i?Tfj/VfjfX''f» w ~ HnochtHuarK .lO ~0cx85£l .55GP 0f:f'_J i:o(J jfifp/riiJ? vnb mfcwd J

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