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Der Israelit · 1908-06-18 · Heft 25 (18.6.1908) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 25 (18.6.1908)
Date
1908-06-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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jenen Worten an. beten innerer Zusammenhang ohne weiteres Nachdenken sofort auf der Hand liegt. Hier war es nunmehr, wo Hirsch ein setzte. Er suchte das Gemeinsame einer solchen Wortfamilie und die charakteristische Bedeutung der Einzelworte festzustellen und wahrlich, wenn die Berechtigung zur Anwendung dieser Regel noch eines Beweises bedurfte, die überraschen den, von Hirsch zutage geförderten Resultate würden - diesen Beweis vollgültig erbringen.'') Außer dieser Regel der Lautvergleichung wandte er aber noch eine Reihe anderer Methoden an, um den Text aus sich selber zu erklären, so z. B. die verschiedenartige Stellung des Subjekts und Prädikats, feruer Die von den meisten 'm *)V'M M"£ abstrahierte Regel, daß die Grund bedeutung zweier Wurzelbuchstaben durch ein vorangesetztes X individualisiert wird'"), genaue Berücksichtigung der trennenden und verbindenden Accente. Außer den Feststellungen aus dieser eingehenden Analyse der Sprachinstrumente gilt als zweiter Prüfstein für die Richtigkeit der Gesamtauffassung die Halacha in ihrer Totalität und dies dürfte vielleicht das Charakteriftischste für seine Forschungsweise sein. Keine Erklärung einer sagt Hirsch zu, wenn nicht voll und ganz auch die kleinsten halachische Einzelbestimmung restlos in der Erklärung aufgeht. Ein allgemeines Beispiel für die Act und Weise seiner Forschung, das uns außerdem Gelegenheit gibt, ein viel angefeindetes Spezialgebiet seines Forschens zu betrachten, sei uns zu bringen gestattet. Seitdenr grämlich S. Stern in seiner „Geschichte des Judentums" die Symbolik „als eine unterscheidende Eigentümlichkeit des Ehristentums im Gegensatz zum Judentum" dahinstellte, hat man bis heute 9 10 ll) Hirsch's Symbolik als etwas ins Judentum wilkürlich hineingetragenes bekämpft. Hirsch selbst hat jene Aeußerung Sterns zum Ausgangspunkt einer Untersuchung über das Berechtigte oder Unberechtigte jenes Vorwurfs gemacht. Nachdem Hirsch zunächst das Wesen des Symbols, die Voraussetzung für das Verständnis eines solchen eingehend erörtert, beschäftigt er sich mit der Frage, ob der Begriff des Symbols im jüdischen Schrifttum bekannt ist. Zunächst sieht er sich im außergesetzlichen historischen Teil der Thora um „ob wir etwa auch dort der Tatsache begegnen, daß sich Gott des Symbols und der symbolischen Handlung als Werkzeug der Mitteilung bediene." 9) So z. B. rvo td rr»n ,n\n. 101 Bergt. Jeschurun, Band 8, S. 278. “) Borgt. Jahrbuch für jüdische Geschichte und Litteratur, 1907, bei der Besprechung des' Bd. III. der gef. Schriften von S. R. Hirsch. '*) Jeschurun, Bd. IV, S. 21/22. Die Einsetzung des Regenbogens als Bundes zeichen, der ma, o'-iron p rrna, eine ganze Reihe symbolischer Handlungen im Leben Jakobs, in der jüdischen Volksgeschichte, in den Sendungen der Propheten werden eingehend betrachtet, und somit die erste Vorfrage bejaht. Um diese Frage auch in Bezug auf den gesetzlichen Teil der Offenbarung beantworten zu können, wird als selbstverständliche Voraussetzung festgestellt, daß der symbolische Charakter eines Gesetzes in der Thora entweder direkt oder indirekt ausgesprochen sei. Daß dieses in der Tat bei einer ganzen Reihe von Geboten der Fall ist, wird nun ebenfalls nachgewiesen. Wir greifen zur Charakterisierung von Hirschs-sForschermethode die strenge Systematik bei dc-c Behandlung des (zuerst in der „Symbolik" bearbeiteten) n^'v-Gebotes heraus. Daß dieses einen symbolischen Cha rakrer trage, liegt in der von der Thora gebrauchten Bezeichnung n'~Q MM. Jetzt untersucht Hirsch die einschlägigen Einzelheiten der Halacha und beont daß Miloh und Perioh wesentlichsind, bü nb )b'ttB jnfi mV) bü, daß andererseits djydm^ n^D nyno mm Mb. Zwar ist die Miloh erst am 8. Tage nach der Geburt vorzunehmen, bei »102 m^vi rva aber schon am ersten Tag. Sie hat bei Tage, nicht bei Nacht zu geschehen. Als zweiter Baustein zur Erklärung folgt nunmehr eine eingehende Betrachtung und Kommentierung der Umstände und Aussprüche bei Einsetzung der Miloh-Jnslitution sGmesis. Kap. 17.). Als Resümee dieser Betrachtung folgert Hirsch, daß die Bedeutung der Miloh in zwei miteinander kombinierten Momenten des materiell-Sinnlichen und des geiftig-Sittlichen zu suchen sei. Als Drittes folgt nunmehr die sprachliche Betrachtung von Vita und von nS"iy sowohl in ihrer ursprünglichen als auch in ihrer unzweifelhaft öfters' gerauchten metaphorischen Bedeutung. Das Resultat dieser letzteren Untersuchung ist, daß wir unter nbnzi nb'ü die Überwindung einer Unfügigkeit zu verstehen haben. Eingehend wird nun nachgewiesen, daß auch der Akt der Miloh augenscheinlich die Bedeutung habe, die Begrenzung leiblicher Sinnlichkeit zu symbolisieren. Als in gewissen! Sinne das Gegenteil davon, als die positive Weihe des Sinnlich-Materiellen durch seine Unterstellung unter die von Gott gewollte Ausgabe und damit die Adelung leiblicher Sinnlichkeit wird nunmehr die symbolische Bedeutung der Perioh nachgewiesen und jede einzelne Halacha im weiteren Verlaufe als übereinstimmend, ja mehr als das. den Grundgedanken ergänzend gezeigt, vor allem die bereits anfangs als die Grundbestimmuna Bette seiner kranken Gattin wieder eingenommen. Die Kranke bewegte sich. „Bernhard, mein lieber Bernhard," flüsterte sie mit schwacher Stimme, „bist Du da?" „Gewiß, meine teure, geliebte Hulda, ich bin bei Dir, fühlst Du Dich wohler?" sprach er mit zitternder Stimme, der er vergebens Festigkeit zu verleihen sich bemühte. Ihrem scharfen Ohre war das Beben nicht entgangen. „Mein teurer Bernhard, rege Dich nicht auf und gräme Dich nicht so sehr, wenn ich nicht wieder genesen sollte. Denke an unser Kind, an unseren süßen, kleinen Joseph, ihm mußt Du den Vater erhalten." „Sprich nicht so, »kein gutes, liebes Frauchen, ich könnte nicht leben ohne Dich, Du wirst genesen und wieder stark und kräftig werden." „Ich wünsche es um Deinetwillen und um unseres lieben Kindes willen, und um alle derer willen, die mich lieben; wenn jeooch der Allgütige es anders beschlossen hat, so dürfen wir nicht murren und müssen uns in seinen heiligen Willen, fügen, denn, was Gott tut, ist wohlgetan. Ich habe viel frohe und glückliche Tage verlebt in meinem 26jährigen Dasein, und ich dantz meinem Schöpfer für all das Gute, das er mir erwiesen. Freilich, die letzten Jahre unserer Ehe waren nicht immer heiter, da verdunkelte mancher Schatten unser Glück." „Und nur durch meine Schuld", stöhnte der Gatte, indem er in bitterer Selbstanklage beide Hände vor das Gesicht hielt. „O, wie schlecht habe ich das Versprechen gehalten, das ich Dir und Deiner frommen Mutter gegeben, ich bin es nicht wert, eine solche gute und edle Frau mein eigen zu nennen J Unterbrich mich nicht, mein innigstgeliebtes Weib, laß mich sprechen und es Dir sagen, wie aufrichtig ich bereue, daß ich nicht immer nach den Satzungen unserer heiligen Religion gelebt und Dir, meine Geliebte, Kummer und Herzeleid verursacht habe, und Du hast mir nichts als Liebes und Gutes erwiese,«. O, wie undankbar und herzlos bin ich gewesen! Aber ich gelobe es Dir, ich schwöre es, und diesmal werde ich mein Wort halten, ich werde wieder genau nach den Vorschriften unserer Religion leben, wie ich es am Anfänge unserer Ehe getan. Kannst Du mir noch vertrauen, mein süßes Herz, meinen Worten noch einmal Glauben schenken?" Ein seliges Lächeln verklärte. ihr liebliches Antlitz. „Mein teurer Bernhard," tvrach sie „ich glaube, Dir. O, jetzt will ich wieder gesund werden, ich will leben, ich werde wieder glücklich sein an Deiner Seite, wie einst. Komm, laß uns - vereint zum Allgütigcn um meine Genesung beten." Sie wollte .sich erheben, doch die Kräfte versagten ihr, das Sprechen hatte sie zu sehr angestrengt. Vorsichtig legte er ihr die Kissen zurecht, und nahm seinen gewohnten Platz, den er seit acht Tagen laum verlassen, wieder ein. Heiße Gebete drangen aus der Brust des tiesbetrübten Mannes empor zu dem Herrn des Weltalls, dessen Hilfe in der Not am nächsten ist. Es war Abend geworden. Der Arzt kam wieder und fand die Kranke bedeutend ruhiger. Das Fieber hatte nachgelassen. „Wenn sie so die Nacht hindurch schläft," meinte der Arzt, „so ist dies ein Schlaf der Genesung, dann ist sie bis morgen gerettet." Wie Engelssttmmen drangen diese trostreichen Worte dem schwerbedrängten Manne ins Ohr. „Doch nun gehen auch Sie zur Ruhe," sagte der Arzt, „und überlassen Sie die Pflege der Wärterin." Doch daran dachte - . ■ --vs-' der Halacha genannten mivv nnM Wft ovi iriM or» iriM -rjDD nipDi rra yfyo bon cpdv - Auch hier wollten wir nur den Weg zeigen, den Hirsch gegangen ist, ohne auch nur im entferntesten die Gedankenfülle zu resümieren, die von ihm bei jeder neuen Mappe seines Forschens entwickelt wird. Man hat bei aufmA:ksanren Studium solcher Gedankengänge, von denen der soeben gebrachte nur ein Beispiel war, dieselbe Empfindung wie der Bergsteiger, denr jeder neuerklommenen Höhe immer mehr sich der Fernblick weitet bis er auf dem Gipfel angelangt, er all das, was er beim Aufstieg nur bruchstückweise gesehen, jetzt in harmonischen! Zuscrnnnenstinnnen erblickt. Noch Vieles wäre über Hirsch's Schaffen zu sagen, so über die seltene Einheitlichkeit seiner Werke: von den „Neunzehn Briefen" an bis zum Tefillokommentar zeigt sich ein und derselbe Grundgedanke mit allen seinen Ausstrahlungen. Es wäre auch zu sprechen von der noch selteneren Entäußerung subjektiven Meinens und der bescheidenen Objektivität seines doch so gewaltigen Gedanken - flugs, ferner über die Bestätigung seiner Forschungsresultate durch die Erfolge im Leben und Wirken, über die Originalität und Fülle seiner gschichrsphilos ophischen Gedanken. — Doch wir wollten mit vorstehenden Ausführungen ja keineswegs ein vollständiges Bild von dem Inhalt der Hirsch'scheu Werke geben, sondern nur gleichsam die einzelnen Punkte seines Systems nennen, um die vielen Verehrer und Anhänger des großen Meisters, daran zu erinnern, daß auch hier das Lessing'sche Wort gilt: „Weniger zu loben und mehr zu lesen", und kennen zu lernen jenes so einzigartige jüdische Gedankensystem, dessen Grundzug r/'zpn pw rninw r.^ro rrmi to „daß die ganze Thora nichts als Gottesnamen enthalte, nichts anderes sei, als d; e Ausprägung u nd Ausprägung des Gotes-Namens auf das ganze Mensch e n d a s e i n in Natur und Geschichte als die Entwicklung und Gestaltung des ganzen Menschendaseins unter d e r S e g n u n g u n d H e r r s ch a f t d e s g ö erlich e n N a ui e n s". - 8. E. der» Bankier nicht. Hier war sein Platz, hier wollte er ausharren, bis er sein heißgeliebtes Weib wieder genesen in seine Arme schließen konnte. Den Kopf in die Hand gestützt verfiel er in Grübeleien, und Bilder der Vergangenheit stiegen vor seinem inneren Auge a,lf. Er dack'te zurück an seine ftüheste, ach, so freudlose Jugend, an seine Eltern, die er kaum gekannt hatte. Schon als vierjähriger Knabe verlor er seinen Vater und einige Monate später folgte die Mutter dem Gatten ins Grab. Ein älterer Bruder seiner Mutter nahm den verwaisten Knaben zu sich. Der Onkel, ein Junggeselle, hatte ein großes Bankgeschäft, das ihn voll und ganz in Anspruch nahm. Er widmete sich nur selten seinem kleinen Neffen, der ganz den Händen fremder Personen überlassen war. Ter Onkel war immer gütig und freundlich gegen ihn, er ließ es ihm an nichts fehlen, aber das, was dem zarten KMdcrgemüt so wohltuend ist, die L»ebe, die wahre, innige Liebe, wie sie Eltern sür ihre Kinder empfinden, lernte er nicht kennen. So vergingen die Tage seiner Kindheit. Dann, als er das Gymnasium absolviert hatte, nahm ihn der Onkel zu sich in sein Geschäft. Er zeigte sich auch hier geschickt und anstellig,' und schon nach wenigen Jahren, nach des Onkels frühem Tode, wurde er alleiniger Inhaber des großen, weitverzweigten Geschäftes. Er war reich, angesehen, allgemein geachtet, er hätte alle Ursache gehabt, glücklich und zufrieden zu sein, doch er ivar es nicht. In seinem Innern gähnte eine Leere und Oede, die nicht durch die heiteren Splisse seiner Freunde, nicht durch rauschende Vergnügungen ausgefüllt werden konnte. Er arbeitete vom frühen Morgen bis Zum späten Mond, aber ohne Lust, ohne Daseinsfreude. Es war an einem Sonntag Nachmittage gewesen,

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