Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1908)
- Date
- 1908-06-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sette 12. Der Israelit. Di\ Von der alles Irdischen vergessenden and einzig und allein Gott zustrebenden Weihe und Heiligkeit des großen und furchtbaren Sühnetages scheint die Dame keine richtige Vorstellung zu haben. Dies alles setzt uns nicht in Verwunderung. Wir sind längst daran gewöhnt, in den Pflegern der sogenannten auch-jüdischen Belletristik Ignoranten erster Klasse kennen zu lernen. Wir bedauern bloß, daß ein jüdisches Weib so wenig jüdische Weiblichkeit besitzt, daß es die heiligen Ausgaben des ehelichen Lebens und den hehren Adel, womit eben das göttliche Thoragesetz das eheliche Leben der jüdischen Gatten zieret und schmücket, so völlig verkennt und mißdeutet. ■ (Fortsetzung folgt.) Nochmals über den Beginn von ■wn noy. Auf die Bemerkung des Herrn Joseph Levy in London in Nr. 21 des „Israelit" vom 28. Mai gestattet sich der Vers, des Artikels in Nr. 19 das folgende zu erwiedern Herr Levy glaubt, die altherkömmliche Deutung von nntrn "noy der neuen Definition vorziehen zu müssen, weil man sonst im Juni in Frankfurt schon um 12 V- Uhr das yotr lesen dürfte und um 5 Uhr 40 Minuten mit dem Lesen aufhören müßte. Beide Daten sind aber falsch. Nach der neuen Definition beginnt in Frankfurt am längsten Tage, dem 21. Juni int^n Tiay um l V2 Uhr — denn in jenem Artikel ist ausdrücklich bemerkt, daß die 18 Minuten sich nicht auf den Sommer beziehen, weil dann die Reduktion der Sonnentiefe von 18° auf 15'/*° bedeutend mehr ausmacht — die Zeit für das yvvk-Lesen beginnt aber nnx1? nur pmn nytto, nVnnr*? bekanntlich hnwo nivtt p’in'ia ■»vnn n«, und von diesem Moment war in meinem Artikel nicht die Rede. Nach meiner Rechnung würde man um 6 Vs Uhr tr"p -Qiy sein, aber nach pa'D rV'IK y"tir bis 8j/4 Uhr v"p mit den miro beten dürfen. Wenn Herr Levy 1 */« Uhr morgens im Sommer glaubt, nicht mit "jölpai bezeichnen zu dürfen, wird er jedenfalls 4 Uhr nachmittags im Winter auch nicht mit ■jaaafai ansprechen wollen, und doch darf man von dieser Zeit wohl auch nach seiner Ansicht in Stockholm rvsiy tr"p beten. Uebrigens verschweigt Herr Levy, die „altherkömmliche Deutung von ich kann daher darüber nicht mit ihm diskutieren. ücherscha«. Zum Moral-Unterricht. Ausgewählte Kapitel aus malischen Lehrbüchern. Ins Deutsche übertragen und mit einer Einleitung versehen von Emily Alt sch ul. Wien und Leipzig. A. Hartlebens Verlag. Noch ist die Einführung des Moralunterrichts eine offene Frage, und es ist deshalb wohl nötig, unserer Kritik einige Worte vorauszuschicken. Falls es sich um Moralunterricht als Ersatz für den Religionsunterricht handeln sollte, halten wir ihn für eine Verirrung des menschlichen Geistes. Falls es fich jedoch um Moralmtterricht als Stütze des Religionsunterrichts handelt, so können wir jenem nur das Wort reden. Bei unS Juden ist der Moraluni erricht eng mit der Religion verbundm. Bibel und Talmud mthalten unzählige Erzählungen, Gleichnisse und Aussprüche, deren Verwertung jedem Morallehrbuch zur Zierde gereichen könnte. Durch den Moralunterricht als Stütze des Religionsunterrichts wird sehr wirksam die Kmntnis des Guten, die Kenntnis der moralischen Gesetze, das Wissen des Gaten und Rechten, das Gewissen gebildet. Die größte Schwierigkeit beim Moraluntericht ist die, nicht in den Fehler zu verfallen, dem Schüler ein System aller Tugmden und Laster zu bieten, von dem ihm das messte unverständlich bleiben müßte, da ihm die nötigen psychologischen KennMisie naturgemäß abgehm. Wenn mit Umgehung des GemüteS direkt auf den Willen gewirkt wird, so ist es klar, daß dann von einem guten Erfolge des UMerrichts nicht die Rede sein kann. Wenn der Moralunterricht zweckentsprechend sein föii, so muß er dem Kinde die Tugenden und Pflichten durch Beispiele und Vorbilder veranschaulichen. Dadurch w-rden dann im Kinde fittliche Gefühle erweckt und wird das sittliche BewüßtseM gebildet. Ob ein Moralbüchlein in Form von einfachen Ge boten oder Regeln, oder eines Katechismus emzurichten sei, mag dahingestellt sein. Mit solchen Moralbüchlein aber muß ein geeignetes Lesebuch in Verbindung treten, dessen Stücke zu dem Moralbuch passen. Um ein solches Lesebuch handelt es fich in obengenanntem Werk, dessen Besprechung uns obliegt. Die Lesestücke desselben entsprechen in großem ganzen den hohen Anforderungen, die an ein solches Morallesebuch gestellt werden. Sie verbreiten sich nicht nur über moralische Untersuchungen, sondern auch auf das die Moral unterstützende grundlegende Wissen, besonders die Naturwissenschaften, die Menschenkunde, die Gesundheitslehrei und Wirtschaftslehre. Der ganze Moralunterricht muß als Haupthebel seiner Tätigkeit das Gemüt des Kindes benutzen, und das hat denn auch die Verfasserin zu tun fich befleißigt, indem sie entsprechende Kapitel aus englischen Morallesebüchern zusammengestellt und ins Deutsche übertragen hat. Jedes Kapitel hat den Zweck, diese oder jene sittliche Forderung dem Gemüte des Kindes einzuprägen. Immer wird der ethische Grundgedanke in den Vordergrund gestellt, ohne daß dies jedoch in allzu auffälliger Weise geschieht. Durch diese Geschichten voller Frische und Anschaulichkeit wird der Jdeenkreis des Kindes ganz merklich erweitert und das Innenleben vertieft. Alle Kapitel zeichnen fich durch einen liebenswürdigen Humor aus, an dem nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene ihre Freude haben. Es ist auch auf das Gerechtigkeitsgefühl des Kindes stark Rücksicht genommen, in "em in mehreren Erzählungen das soziale Empfinden stark ausgeprägt ist. Auch soll den Kindern beigebracht werden, welche Stellung der Mensch in der Natur einnimmt und welche Pflichten ihm aus dieser seiner Stellung erwachsen. Freilich ist das ausgesuchte Material, das dieses Buch enthält, durchaus nicht reichhaltig, was zu bedauern ist. Die Verfasserin will uns ja aber auch nur eine Anschauung von dem Stoff der englischen Morallesebücher geben und rät uns im übrigen, die englischen Originalbücher zur Hand zu nehmen. Nicht einverstanden sind wir mit. der Verfasserin, daß sie aus dem großen Schatz von Erzählungen, iie sie für ihr kleines Buch zur Verfügung hatte, just auch verschiedenes gewählt, was Bibelfreunde unsympathisch berüh en muß. Ich kann mir nicht denken, daß es auf Kinder einen . heilsamen Einfluß üben kann, wenn sie S. 45 über Ernst Renan erfahren: „Ich liebe die Bibel," sagte er zu sich, „aber ich kann nicht glauben, daß fich alles so zugelraaen, wie es darin geschrieben steht," wenn cs auch andererseits löblich ist, daß Renan daraus den Schluß zog: „und wenn ich nicht jedes Wort darin glaube, kann ich nicht Priester werden!" Ferner scheint uns, daß die Verfasserin bei ihrer Blumenlese mit einer gewissen Ostentation keine Erzählungen aus jüdischen und christlichen Quellen brachte, obgleich in verschiedenen modernen englischen Morallesebüchern deren in Menge ausgenommen sind. Was für Intentionen hierbei die Verfasserin auch geleitet haben mögen, sie handelt darin entschieden unrecht. Zumal aus dem sogen, alten Testament und dem Talmud lassen fich eine Reihe der schönsten Erzählungen, Ps lmen, Gleichnisse, Aussprüche der Weisen rc. als unübertreffliche Stoffe für die Jugendbildung verwerten. Wir find durchaus nicht so arrogant für ein Moralunterrichtsbuch nur Schöpfungen aus jüdischen Q'.-ellln zu verlangen, sondern wir sind der Ansicht, daß ein Moralbuch alles aufzunehmen hat, was auf die Höhe der Menschheit führt. Aus allen welthistorischen Moralurkunden muß das Schönste zusammengestellt werden, um io eine Blumenlese der edelsten Bildungsstoffe zusammenzustellen. Eben deshalb aber können wir Beiipiele aus den biblischen Schriften in einem M oralunierrtchtsbuch nicht missen, vielmehr verlangen wir, daß denselben die wichtigste Rolle zugeteilt wird, wie das denn auch seitens vieler Moralpädagagen in ihren Werken geschehen. l)r. M. A. Der Weg ins Freie. Roman von Arthur Schnitzler. Berlin 1808. S. Fischer Verlag. Das Buch bringt eine Enttäuschung, wenn man den Titel ernst nimmt und daneben noch die verlegensche Empfehlung hält, die in dem Romane eine künstlerische Gestaltung des zionistischen Problems erwarten laßt. In Wirklichkeit hal Schnitz er nichts anderes geschaffen als eine ins modern Wienerische übersetzte Gretchemragödie, die mit gewohntem Geschick komponiert unb mit feiner Stimmungsmalerei erzählt ist. Im Hintergrund treiben sich alle mWichen mehr oder minder problematischen Naturen der Wiener jüdischen Gesellschaft herum, die, vom Antisemitismus außer Fassung gebracht, jedes relig öscn Haltes bar, vergebens nach seelischem Gleichgewicht ringen. Die Stunde von dem Wiedererstehen eines nattonaljüdischen Kulturideals schimmert in diesen Kreis wie ein phantastisches Märchen hinein, aber eS bleibt bei diesem Hineinschimmern, und die dadurch angeregten psychologischen Probleme werden nicht weilerverfolgt. So _Nr. 24. 11. Juni 1908. ist von einem „Weg ins Freie" weder bei dem adligen „Faust", dessen Egoismus in ganz unverdienter Symphathie idealisiert wird, noch bei den innerlich gescheiterten Assimilationsjuden eine Spur wahrzunehmen, und es bleibt bei der weichen, wehevollen Stimmung,, die wir bei Schnitzler von seinem „Sterben" her gewohnt ist. — Elin, Elisa, Jona. Ein Beitrag zur Geschichte des IX. und VIII. Jahrhunderts von Wilhelm Erbt. Leipzig, 1907. Verlag von Eduard Pfeiffer. Die Schrift steht auf dem Boden der radikalsten Btbelkritik. Verfasser will den Nachweis erbringen, daß eine besondere Schrift „Prophetenspiegel" existiert haben müsse, daß die Erzählungen von Elia und Elisa ein besonderes Dasein gehabt haben" u. dgl. unb läßt natürlich schließlich einen unbekannten „Redaktor" das Ganze komponieren, doch so, daß man an den metrischen Eigentümlichkeiten die Quellen noch zu unterscheiden vermöge. So findet er 2 Prophetenkodizes, dann ein Zweiprophetenbuch (Elia-Elisa) und ein Dreiprophetenbuch (Elia-Elisa- Jona). Auf wie schwachen Füßen diese Hypothesen stehen, möge nur an einem Beispiel erörtert werden. Aus I Kön. 22 soll erwiesen werden, daß, weil Micha der Prophet nach der einen A ussage erst geholt wird, nach der anderen sich mit seinem Gegner Sidgijja unter den 400 Propheten befindet (wo steht das übrigens)" — dann, weil Micha von seinem Gegner gezüchtigt und von Ahad gefangen gesetzt wird, also Doppeltes erduldet, ein „doppelter Strang" der Prophetengeschichte existieren. Nun wird aber gerade hier, ganz abgesehen davon, daß die Erzählung des Kapitels in seiner Vollständigkeit absolut folgerichtig sich darstellt, die Scheidung völlig unlogisch. Es ist begreiflich, wenn angesichts der 400 Baalspropheten der König Josafat auch nach einem Gottcspropheten fragt. Wie aber läßt sich die Folge erklären, wenn es heißen soll: „Befrage doch Gott - und er sprach zu ihnen". Ja — zu wem denn? „Sie sprachen" — ja, wer denn? Noch viel willkürlicher ist die Scheidung betr. den Berichts über Achabs Tod. Nach der Schrift wird Achab angeschossen, läßt sich aus der Schlachtreihe fahren, zwingt fich aber anwesend zu bleiben, bis er abends stirbt. Die Scheidung läßt völlig willkürlich in einem Bericht vi. fallen, im anderen standhalten, übersetzt dann „er fiel bei Sonnenuntergang, läßt das Heer im ersten Bericht sofort nach dem « chuß ein ssuve qui peut ausrufen und eliminiert hier einfach, das VVVkl XGDt macht dafür wieder anderswo eigenmächtige Zusätze, ist also selbst so eine Art „Redaktton". Wenn nun gar schließlich nach den Anschauungen Winckler s eine „Motivherausstellung" in mythologischer Beziehung versucht wird, wir also hier vollständig im Bibel-Babel-Fahrwasser schwimmen, wenn Elia dem Sonnengotte Samas, der „hinter ihm her" wandelnde Elisa dem Mondgotte Sin und Jona dem Jstar entsprechen sollen, w^nn die „neue" Schüssel Elisas die schmale Sichel des Neumcnds bildlich darstellen muß, wenn der Ruf: ,Jehu ist König geworden", nur der Widerklang des „Marduk ist König" sein kann, wenn der Stab Elisas auf seinen Mondcharakter hindeuten und sein Aue sirecken auf den toten Knaben der Sunamit die Konjunktion der Sonne und des Mondes versinnbildlichen sollen u. s f. ad infinitum, so sind das Gedankensprünge, denen wir bei ruhiger, sachlich u voreingenommener Betrachtung im Ernne nicht mehr zu folgen vermögen. Wie sagt doch Mephisto zum Schüler? „Wer will was Lebendig's erkennen und beschreiben, Sucht erst den Geist herauszutreiben, Dann hat er die Teile in seiner Hand, Fehlt, leider! nur das geistige Band." L. A. 12 id ''NOK Uebersetzungsbüchlein von B. Taube Basel Brin & Co. Just zur rechten Zeit, mit Beginn des neuen Schuljahres erschien bei Brin & Co. Basel ein niedliches Uebersetzungsbüchlein in Deutsch und Französisch von B. Taube in Biel. Der Verfasser, ein tm Dienste der jüdischen Religionsschule ergrauter Lehrer baute auf Grund seiner Erfahrungen. Das Werkchen, das der praktischen Schularbeit seine Entstehung verdankt, darf .sich auch als praktischer Leiter und Wegweiser für Lehrer und Schüler sehr eignen. Dadurch, daß der hebräische Text eine wörtliche und leicht übersichtliche deutsche und französische Uebersetzung emhält, wird das Büchlein namentlich in der Schweiz und im Elsaß, wo man der Zweisprachigkeit auch in der Religionsschule Rechnung zu tragen hat, fich bald Eingang verschaffen. 3. Die heilige Schrift in Bildern. Nach Originalentwürfen von Robert Leinweber. Verlag Hans Köhler &. Co., München. Die erste Serie dieser Künstlerpostkarten umfaßt-die Urgeschichte bis Joseph. Sie mögen als Lehrmittel für Schule und Haus recht gut geeignet sein. Die künstleriche Auffassung zeugt fast durchweg von gemütvollem Empfinden. Auch auf die Ausarbeitung der Ka ten ist große Sorgfalt verwendet. Sie sind sowohl hinsichtlich der Form, als der Farbenwahl geschmackvoll ausgeführt. Die Sammlung ist daher nicht nur als Anschauungsmittel für unsre Kleinen geeignet, sondern wird auch Gereifteren Freude bereiten. M.