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Der Israelit · 1908-06-11 · Heft 24 (11.6.1908) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 24 (11.6.1908)
Date
1908-06-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Nr. 24. Der J-raeltt 11. Juni 1908. schaft" in sich fühlt, so wenig Grund hat sie auch, sich bei den gegenwärtigen Zuständen zu beruhigen. Eine Besserung dieser Zustände nach verschiedenen Richtungen wird mit aller Macht zu erstreben sein. In erster Linie ist auf eine größere Mitwirkung der breiten Massen der jüdischen Bevölkerung bei der Verwaltung der Landessynagoge hinzuwirken . Der größte Schaden, den die gegenwärtige Form der badischen Organisation dem Judentum zugefügt hat, ist die Ertötung der Selbständigkeit. Man hat sich, namentlich in den kleinen Gemeinden, daran gewöhnt, alles Heil von oben zu erwarten und die Folge ist ein Jndifferentismus, wie er im gleichen Maße wohl selten in Deutschland anzutreffen ist. Dieser Jndifferentismus kann nur bekämpft werden, wenn man die latenten Kräfte weckt und zur lebendigen Mitarbeit heranzieht. Wie dieses Interesse erwacht, sobald die Massen das Bewußtsein haben, daß sie für ein bestimmtes Ziel arbeiten, das haben die letzten Wahlen gezeigt. Man hat der Bevölkerung klar gemacht, daß die Frage, ob altes oder neues Gebetbuch, ob Judentum oder Assimilation, in letzter Instanz von ihrem eigenen Sßotnm abhängt, und die Holge war eine Wahlbeteiligung, wie man sie kaum für möglich gehalten hätte. Deshalb muß auf eine Beschränkung des bureaukratischen Regimes und eine Erweiterung der Rechte der Synode hingearbeitet werden. Die Synode tritt jetzt nur alle drei Jahre für wenige Tage zusammen; dann tritt eine Ruhepaule ein, während deren niemand an sie denkt. Es existiert zwar als permanente Kommission der Synodalausschuß, der bei einzelnen Fragen vom Oberrat zur Abstimmung veranlaßt werden muß. Wer erstens besitzt dieser Ausschuß keinerlei Recht einer gesetzgeberischen Initiative, er hat nur zu den ihm vorgclegten Fragen ja oder nein zu sagen. Und dann liegt es sogar im Belieben des Oberrats, diese Abstimmung auf schriftlichem W^ge vornehmen zu lassen, so daß nicht einmal eine Diskussion möglich ist. Rur wenn drei von vier Ausschußmitgliedern es verlangen, muß die Abstimmung in Karlsruhe erftKgen. Der Oberrat braucht also nur über zwei Stimmen zu verrügen, und er kann sich einen unbequemen Synodalausschuß während der ganzen Tauer seiner Amtsperiode vom Halse halten. Man wird verlangen müssen, daß die Synode alljährlich einberufen werde; dann wird sie imstande sein, eine wirksame Kontrolle auszuüben und zugleich das Interesse der Bevölkerung für die jüdischen Angelegenheiten wachzurufen. Tic Budgetdebatte wird dann Gelegenheit bieten, alle Angelegenheiten der Landessynagoge zu besprechen, Wünsche vorzubringea unser ganzes Sonnensystem Atome enthält, denn auch die Anzahl dieser Atome ist immer noch eine endliche. Welche Bedeutung haben bei solcher Betrachtung die „fernsten Winkel des durchforschten Raumes"? Noch nicht cinnral das kleinste Tröpfchen eines Weltmeeres, ja nicht einmal ein einziges Atom ist bisher „durchforscht", wenn man vom unendlichen Kosmos spricht! Ja, ja! Das Wort „unendlich" ist leicht ausgesprochen und schnell niedergeschricbcn, besonders, trenn man sich recht wenig dabei denkt und nur den Wunsch hat, effektvolle Worte aneinander zu reihen und den Leser durch tönende, aber leere Phrasen zu überrumpeln und zu blenden. Da kann man es sreilch wagen, voni „durchforschten" Wekraurn den Sprung zum unendlichen Kosmos zu machen, ohne befürchten zu müssen, daß der Leser sich für einen solchen Lsito mortale bestens bedanken wird. Ob es übrigens Leser gibt, die sich bei den Worten „kosmische Einheit der Natu r" etwas zu denken imstande sind, weif; ich nicht; ich gehöre nicht zu diesen glücklichen Leuten, da mir die Gegenüberstellung von „Kosmos" und „Natur" total unverständlich ist. Doch wollen wir uns bei dieser Kleinigkeit nicht toeiter aufhalten: handelt es sich doch auch hier yur um eine der bekannten, gruseligen,. aber zum Glück unschuldigen Wortkombinationen, hinter denen es streng verpönt ist, einen Sinn zu suchen. VI Die vierte, schönste, daher auch am tiefsten vergrabene Perle steckt darin, daß der leitende Gedanke, aus dem der ganze Satz aufgebaut ist, sich bei näherer Betrachtung als vollkommen falsch erweist. Für die Frage nach der Einheitlichkeit des Kosmos ist es nämlich vfillkommen gleichgültig, ob sich auf den Gestirnen nur Stoffe befinden, die auch und Anregungen zu geben. Die Vorlagen aber, die der Oberrat zur Beratung stellt, dürfen nicht, wie es dieses Mal der Fall war, den Abgeordneten ein paar Tage vor der Eröffnung zugehen, so daß von einein gründlichen Studium nicht die Rede sein kann, sie müssen vielmehr so zeitig bekannt sein, daß nicht nur die Synodalen sie genau durchzuarbeiten vermögen, sondern auch die Öffentlichkeit dazu Stellung nehmen kann. Durch eine stärkere Teilnahme der Bevölkerung wird die Autokratie des Oberrats von selbst eine Beschränkung erfahren. Die verschiedenen religiösen Anschauungen werden mehr zur Geltung kommen, und dann wird sich auch jedem die Unhaltbarkeit eines Zustandes zeigen, der einer neologen Behörde das Recht gibt ln die religiösen Angelegenheiten einer andersgesinnten Minderheit hineinzuregieren und einen vmv, den ein gesetzestreuer Rabbiner für unwürdig erklärt, wieder in sein Amt einzusetzen. Der Oberrat muß in eine reine Verwaltungsbehörde umgewandelt und zu diesem Behufe vor allem von der anachronistischen, Konflikte geradezu heraufbeschwörenden „Religionskonferenz" befreit werden. In religiösen Angelegenheiten aber muß den Gemeinden vollste Autonomie gewährt werden, und die Entscheidung ihres religiösen Vertrauensmannes, des Rabbiners, muß für die Gemeinde unbedingte Geltung haben. Dabei sollen aber auch innerhalb der Gemeinde die Rechte Andersdenkender geschützt werden. Daß jedermann gezwungen ist, bei religiösen Funktionen den Gemeinderabbiner in Anspruch zu nehmen, auch wenn er einen ganz anderen religiösen Standpunkt einnimmt, ist alles andere eher als Gewissensfreiheit. Wenn er dem zuständigen Rabbiner seine Gebühren entrichtet hat, so muß es jedem gestattet sein, auch einen anderen badischen Rabbiner, dessen religiöse Richtung ihm zusagt, bei religiösen Amtshindlungen heranzuziehen. Wenn danach auch der Einfluß des Oberrats sehr verringert werden wird, so muß man dennoch verlangen,. daß auch die gesetzestreuen Juden, die der Landessynagoge angehören, darin vertreten seien. Das erfordert schon die Gerechtigkeit. Und der Geist, der in der Verwaltung herrscht, wird dadurch auch ein anderer werden, man wird die Angelegenheiten der Landessynagoge mehr von allgemcinjüdischen als voll anderen Gesichtspunkten betrachten. Dann werden auch Bestimmungen, wie der Ausnahmeparagraph gegen die Ausländer in Zukunft unmöglich sein. Das alles bedeutet, wie immer wieder betont werden muß, kein Ausgeben der einmal vorhandenen Organisation,' sondern nur die Beaus der Erde vorhanden sind, oder noch unzählige andere. Um sich dies klar zu machen, dazu gehört nur eine geringe Ueberlegnng. Denken wir uns, der durchforschte Teil des Kosmos, oder meinetwegen auch der ganze unendliche Kosmos (für das Weitere ist dies gleichgültig!) sei materiell einheitlich, habe sich also, wenn auch zu sehr verschiedenen Zeiten, aus demgleichen Nebel gebildet, in welchem sich die einfachen Stoffe (Elemente) befanden, Nehmen wir nun an, daß cs eine ganz bestimmte Anzahl solcher einfachen Stoffe gibt, also z. B. dreihundert. Aus jenem Urnebel bildeten sich nun unzählige Milliarden von Sternen, eine noch viel größere Anzahl von Planeten, Kometen, Meteorschwärmen usw., wobei irgend ctn einzelner Planet, wie z. B. unsere Erde, faktisch nur ein Stäubchen jenes Urnebels bildet. Ist es nun zu erwarten, ja auch nur wahrscheinlich, daß auf jedem einzelnen von den unzähligen Milliarden Sonnen- und Planetenstäubchen sich durchaus alle jene 300 Stoffe befinden müssen? Offenbar ist nicht der geringste logische Grund zu dieser Annahme vorhanden! Denn unmöglich läßt sich behaupten, jene 300 Stoffe seien ursprünglich so wunderbar durcheinander gemischt gewesen, daß auch im kleinsten Stückchen des Urnebels alle 300 Stoffe vorhanden lvarcn. Unendlich wahrscheinlicher ist' es doch wohl, daß hier der Zufall eine Rolle spielte, daß auf dem einen Stern sich gewisse, sagen wir 240, auf dem zweiten nur 80, aus d"m dritten 160 usw. von den überhaupt vorhandenen 300 Stoffen erwiesen. Da nun die Erde auch eines von jenen Milliarden Stäubchen ist, so müssen wir erwarten, daß auch auf der Erde nur ein gewisser Teil der 300 Stoffe sich vorsindet, die übrigen aber zufällig fehlen. Damit wird aber das Fundament der H. Schmidtschen nt;- - f.i.i'ST fttit ttad erst sten war ,Ue seitigung der Härten, die sich aus der Verschiedenheit der religiöserr Anschauungen ergeben. Was von den Anhängern der Organisation immer wieder als ihr Hauptwert hingestellt wird, die Vertretung der jüdischen Gesamtheit und die Verteidigung ihrer Jntexessen nach außen hin, das wird auch nach der Durchführung' der erwähnten Reformen genau so wie bisher bestehen bleiben. Aber der Geist der Verwaltung wird ein freiheitlicherer sein, es wird jeder Anschauung die Möglichkeit selbständiger Entwicklung gesichert werden. Wenn die leitenden Männer von wirklichem Liberalismus erfüllt wären, dann dürften sie all diesen Forderungen keinen ernstlichen Widerstand entgegensetzen. Aber wenn sie auch mit allen Mitteln dahin streben werden, sich im ungeschmälerten Besitz ihrer Macht zu erhalten, so werden doch die Wähler dafür sorgen, daß 'Auswüchse, die dem demokratischen Empfinden unserer Zeit widersprechen, möglichst bald beseitigt werden. orrespondenzen und WLcrchrichten. Deutsches Kelch. Frankfurt a. M., 9. Juni. Herr Stadtrabbiner Dr. Appel sendet uns zu unsren Ausführungen in Nr. 22 wiederum eine „Berichtigung", in der er behauptet, es sei ihm unbekannt gewesen, daß der Urheber des von ihm zurückgewiesenen Dispensgesuches Mitglied der Israelitischen Religionsgesellschaft ist,' auch habe der Herr in seinem Dispensgesuch nicht von Gewissensbedenken, sondern von Ueberlastung seines Sohnes gesprochen. Herr Dr. Appel vergißt aber merkwürdigerweise hinzuzufügen, daß das Gesuch durch ein Zeugnis des Rabbiners der Israelitischen Religionsgesellschaft begründet wurde, in dem dieser bestätigt, „daß K. die Religiosschule besuche und somit für genügenden Religionsunterricht gesorgt sei". Daß K. also Mitglied jener Gemeinde war, hätte Herr Dr. Appel demnach unter Aufgebot eines wesentlich geringeren Maßes von Scharfrt* abei wen box ten erst rm von bish ist mit vor scher lrche Ball muß diese der Q das die § Gese zum zoger selbst wenr sondr Hand glicbi scher und und auch bliebe doxer stens neolo 3 Dr. 5 vehen der i das unsre zu kö sequer kann. vele D Bereit 18. I Rechts Das Warb: D. Referc regunc Berich' auf d „Jüdst „die \ Dr. ( „Kulte Sacher angelec die soll Deduktion vernichtet und der ganze effektvolle Satz fällt in nichts zusammen! Aus den Weltkörpern mögen beliebige Hunderte, ja selbst Tausende von Elementen vorhanden sein, die auf der Erde fehlen — für den von H. Schmidt gewünschten Zweck, der ja trotz der unklaren „kosmischen Einheit der Natur" vollkommen klar ist, wäre dies absolut gleichgültig. Resümieren wir nochmals alles, was wir in jenem, wie gesagt, sehr wertvollen Satze gefunden haben: Der Autor spricht in souveränem Tone von der Spektralanalyse, deren Aufgaben und Methoden er so wenig versteht, daß er glaubt, man könne mit ihrerHilfeaufdenGestirnenneueStoffe finden. Er stellt die falsche Behauptung aus, > die Spektraanalyse habe bewiesen, daß sich aus den Gestirnen nur Stoffe befin den, die auch auf der Erde vorhanden sind. Er macht den Sprung von dem durchforschten Kosmos-Atom zum unendlichen Kosmos. Er stützt den zu beweisenden Satz aufj ein Fundament, welches für den Sa vollständig gleichgültig und daher auch^ wertlos ist. Bier Fehler in vier Zeilen und das Ganze ein> Blendwerk für naive Leute, ein knatterndes Feuerwerk, das mit Aplomb losgebrannt wird! Und solche! Leute stehen an der Spitze einer wichtigen Geistes-' bewegung, wollen das Volk belehren und werden tatsächlich als Verkünder einer neuen Offenbarung, als! Apostel einer neuen „Religion" verehrt! .Ein er! giebiges Thema für zukünftige Doktordissertationen! - 1- - rannt, zu Kölr gedenk« Mederh II. reit, da: ein Zus< 2. Kong tcrnimm Judentu > uidarauf 2j sich von

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