Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1908)
- Date
- 1908-06-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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11. Juni 1908. Der Israelit. Nr. 24. Sette 5 selben Zlngenblicke gezeigt würde, da man außerbayerische Institutionen ans den in Bayern gesammelten Beiträgen so reichlich speise, für seinen Kurs und namens seiner Lehrer auf die bereits bewilligte Zuwendung öffentlich zu verzichten. Bedauerlicherweise kamen die offiziellen Vertreter der Lehrerschaft durch das Eingreifen des Vorsitzenden, der mit einem Machtspruch jede fernere Debatte abj'chnitt, nicht zum Worte. Indessen ist uns nicht zweifelhaft, daß auch die an den anderen Kursen beteiligten Lehrer ihre Ehre zu hoch halten, um solche aus maom — wäre es wenigstens das rvucm der altjüdischen Bruderliebe - hinqeworfene Almosen anzunehmen. Hätte der Landesverein nicht vielmehr, wenn er wirklich als Vertreter der jüdischen Interessen sich fühlte, mit Freuden das Streben der Lehrer nach Fortbildung begrüßen und unterstützen müssen und ihnen Dank wissen, daß sie mit großem Aufwand an Zeit und Mühe durch ihre Konferenzen über die formale Verpflichtung hinaus der Schule, der Zukunft des Judentums einen nicht geringen Dienst leisten? Und ist er die beruieue Instanz, ernsten und gereiften Männern Ziel und Weg für freiwillig gewählte Beschäftigung vorzuschreiben? Wenn der Landesverein sich heute schon als Inquisitor der Lehrer fühlt, wie würde es um Schule und Lehrer stehen, wenn deren Geschick seinen Händen ausgeliefert würde? Uns. interessiert daneben aber noch ein zweites. Wir kennen Programm mid Methode des Tr. Eckftein'fchen Kurses nicht. Es ist aber kaum anzunehmen, daß Herr Dr. Eckstein Mischna und Talmud von dem allerdings höchst einseitigen und verwerflichen „orthodoxen" Standpunkt doziert. Es ist also der Talmud an sich, dem hier von einer im Werden begriffenen jüdischen Behörde der Makel der Inferiorität anegheftet wird. Haben die Herren nicht bedacht, daß auch ihren Vorfahren gerade die Helle des Talmudstudiums die geistige Regsamkeit und die sittliche Höhe gerettet hat in dem nächtlichen Dunkel vergangener Jahrhunderte, und daß jedenfalls das Talmudstudium der Väter den Hauptanteil hat auch an der Söhne Verstandesschärfe, der sie ihre Erfolge verdanken und die sie jetzt verwenden zum Kampfe gegen dieses Heiligtum der Väter? Viel bedeutsamer noch erscheint uns allerdings der zweite Teil der Verhandlungen, der die Gesinnung der Majorität über die religiösen Grundlagen in unzweideutiges Licht rückte. (Wir behalten uns eine Betrachtung der innerpolitischen Lage im jüdischer! Bayern, wie sie durch die Beschlüsse des Landesvereins gestaltet ist, unsererseits vor. Red.) RttdrMidt auf die Tagung der badischen Synode. II. _ Wenn so das allacmeine Ergebnis der Lynodalver Handlungen nicht sehr befriedigen konnte, und die hochgespannten Erwartungen, die man nach dem Wahtausfall hegte, nicht erfüllt wurden, so haben doch in der Gebetbuchfrage die Abgeordneter: eine erfreuliche Festigkeit gezeigt^ Alle Versuche des Öberrats, noch in letzter Stunde durch ein Kompromiß wenigstens einen Teil seiner Vorlage zuzeiten, scheiterten. Wenn auch das dein Oberrat bei der Zurückziehung gegebene Vertrauensvotum viel zu weitgehend war, so legt doch diese Zurückziehung selbst dem Oberrat die nwralische Verpflichtung auf, die Vorlage irr absehbarer Zeit nicht wieder einzubringen. Denn wenn man irn Interesse des Friedens und der Beruhigung der Gemüter auf einen Gefetzentwuri verzichtet, so wäre es frivol den Frieden schon nach einer kurzen Weile wieder zu stören, Nichtsdestoweniger wäre es ein verhängnisvoller Irrtum, zu glauben, man dürfe nunmehr angesichts des errungenen Erfolges die Hände in den Schoß legen. Man wird im Gegenteil bemüht sein müssen, die Aufklärungsarbeit, die bei den Wahlen so vielversprechend eingesetzt hat, weiterzuführen und auf die Bevölkerung im Sinne des traditionellen Judentums einzuwirken. Es wird sich dabei nicht in erster Linie um Agitation, sondern um die Verbreitung jüdischen Wissens, um die Bekämpfung des Jndifferentismus und die Weckung des Interesses, also um positive Arbeit im besten Sinne des Wortes handeln. Besondere Aufmerksamkeit ist natürlich auch der von Karlsruhe aus zu Wahlzwecken gegründeten „Liberalen Vereinigung" zuzuwenden: denn von der größeren oder geringeren Tätigkeit derselben wird es abhängen, ob dieser friedlichen Arbeit die Hauptkraft'gewidmet werden kann. Die Aufklärung der Bevölkerung wird zugleich die beste Vorbereitung für die nächsten Wahlen sein, deren Bedeutung nicht geringer sein wird als die der verflossenen. Denn "darüber darf kein Zweifel sein, daß die Ablehnung des Gebetbuches uur den ersten Schritt bei der Bekämpfung des herrschenden Systems darstellt. Die letzten Wahlen haben bewiesen, daß in der badischen Judeuheit noch ein reicher Fond von Idealismus, von Anhänglichkeit für das überlieferte Judentum und von Gerechtigkeitssinn vorhanden ist, und auf dieser Grundlage muß weitergebaut werden. So wenig die badische Orthodoxie das ihr von den Gegnern immer wieder angedichtete Streben nach „Alleinherrder die Uferdämme zu durchbrechen droht. Scholl der Andrang der Delegierten, die der Saal kaum zu fassen vermochte, bereitete vor auf den Kampf, den so mancher Punkt der Tagesordnung anfachen konnte. Nach Erledigung des Rechenschaftsberichts kamen die Unterstützungen und Zuwendungen zur Beratung. Die Unterstützungsgesuche der Gemeinden, fast 100 an der Zahl, nahmen naturgemäß einen geraumen Teil der für die reichbesetzte Tagesordnung zur Verfügung stehenden Zeit in Anspruch; daher wurde beantragt, daß künftig die Gesuche von einer Kommission vorberaten werden sollten, um das Plenum zu entlasten. Von anderer Seite wurde allerdings daraus hingewiesen, daß eben diese Fürsorge für die Kleingemeinden der ursprüngliche Zweck des Landesvereins sei — vergebens. Seit der verhängnisvollen Umwandlung des „Landes rerems zur Unterstützung notleidender Kultusgemeinden in Bayern" zum „Landesvereiu für israelitische Kullusgemeinden in Bayern" wurde dieser berechtigte Zweck allseitiger gemeinsamer Arbeit irnmer mehr zurückgedrängt, und es ist dieses Kind der bayer. Rabbiner-Konierenz, der es als deren Hauptzweck sein Entstehen verdankt, schon längst seinen Eltern über den Kopf gewachsen, wie die Erörterung beim folgenden Punkte wieder einmal deutlich zeigte. Indessen muß Ihr Berichterstatter noch ein scheinbar unbedeutendes, aber doch sehr lehrreiches Intermezzo erwählten. Seit einigen Jahren wendet der Landesverein dem '„Deutsch- Israelitischen Gemeinde-Bund" jährlich 10 Mk. zu, ein Beitrag, den der Vorstand beantragt und der bisher alle die Jahre hindurch genügt hatte- Heute nun wurde die Erhöhung dieses Betrages auf 100 Mk. beantragt und fast widerspruchslos beschlossen. Als aber unmittelbar darauf Herr Rabbiner Dr- Eckstein-Bamberg für seinen Lehrerfortbildungskurs einen Zuschuß von 50 Mark erbat, erklärte der Referent, daß der Lan desverein die Mittel für den Fortbildungskurs nicht habe; als Hauptgrund für die Versagung. ließ er allerdings durchschimmern, daß die Lehrer sich dabei „einseitig mit Mischna und Talmud" beschäftigen, ein Verfahren, das auch der Vorsitzende, der Herr Geh. Hofulld Justizrat Josephthal, als einen „Mißbrauch" des vom Landesverein zur Verfügung gestellten Geldes geißelte. Wenn auch Herr Rabbiner Tr. Werner die Wichtigkeit des Studiums von Mischna und Talmud für die Lehrer betonte, als das Quellenstudium, das allein die feste Grundlage biete für Erfassung des Lehrinhalts des Judentums, so sah doch Herr Rabbiner Dr. Kohn- Ansbach sich genötigt, bei dem Mangel an Wohlwollen, das hier den bayerischen Lehrern und der von ihnen vertretenen Schule in dem- I sich sein leuchtender Dampf befindet. Line Aenderung der Temperatur, der Dampfdichte, des äußeren Druckes u. a. hat einen großen Einfluß, besonders auf die A n z a h l der Spetrallinien. .Es ist daher wohl möglich, daß viele von den bisher unerkannten Linen des Sonnenspektrums bekannten irdischen Stoffen angehören, die sich aber auf der Oberfläche ' der Sonne unter solchen Verhältnissen befinden, welche bisher experimentell nicht identifiziert wurden. Entscheiden läßt sich die Frage nicht; wir können eben nur sagen, daß etwa zwei Drittel der Linien des Sonne ns p e k t r u m s unbekannter Herkunft sind. In den Spektren der Sterne schwankt die Anzahl der bekannten Linien, je nach dem sog^ nannten Typus des Spektrums, etwa zwischen einem Drittel und der Hälfte aller Linien. Von den etwa 75 Linien, die bisher in den Spektren der Nebel s l e ck e beobachtet wurden, sind bisher nur 12 identifiziert, die übrigen 63 find unbekannter He r k u n f t. Nach dieser kurzen Einleitung wollen wir uns den oben erwähnten wunderschönen Saß des Herrn Generalsekretärs näher betrachten und durch eine genaue Analyse desselben seine hervorragende Bedeutung als leuchtendes Beispiel von Unlogik klarstcllcn. Dieser Satz, dem wir vom Anfang unserer kleinen Schrift den gebührenden Ehrenplatz eingeräumt haben, steht deutlich gedruckt in „Monismus und Christentum" (Flugschriften des Deutschen Monistenbundes, Heft 2) von Heinrich Schmidt (Jena), 1906, S. 28. Er lautet: „Tie Spektralanalyse wies nach, daß auch im fern st c n Winkel des Weltrau in es, soweit d i e s c r d u r ch s o r s ch t w e r d e n k o n n t e, kein Stoff sich fand, der nicht auf der Erde vorhanden w a r. T a m i t war die kosmische Einheit der Natur begründet." Wir wollen nun alle die Perlen, die in diesen wenigen Worten kunstvoll zusammengebracht sind, heransschälen. I. Die erste Perle steckt in dem Worte „ f a«b". Wie denkt sich wohl der Herr Generalsekretär das Finden eines auf der Erde nicht vorhandenen Stoffes auf einenr der Himmelskörper? Wie denkt er sich das praktisch ausgeführt? Wie wir sahen, kann man z. B. in einem Stückchen Mineral, das man in d e n Händen hält, auf ch e m i s ch e m W c g e einen neuen Stoff finden, dessen Anwesenheit die Spektralanalyse durch das Auftreten neuer, bisher unbekannter Linen verraten hat. Die Sonne und die Sterne sind .aber unseren Händen und unseren Retorten unerreichbar; ein Stückchen vom Syrius können wir nicht herunterkriegen und chemisch analysieren. Wenn also H. Schmidt triumphierend ausruft, daß inan bisher auf den Himmelskörpern nichts unbekanntes gefunden hat, so sagt er damit nur, daß es bisher nicht gelungen ist, Stücke von biefcit Himmelskörpern in unsere Retorten zn bringen. Ist das nicht ein etwas sehr naiver Grund zum Triumphieren? Was sich der Autor dabei gedacht hat? Na, einfach gar nichts! Er hat sich, wie üblich, auf populäre Schriften gestützt, die er nicht verstanden, und ruhig von einem Finden gesprochen, wo selbst ein Suchen unmöglich ist. II. Die zweite Perle steckt in der Behauptung, daß ans den Himmelskörpern nur solche Stoffe vorhanden sind, die »vir auch auf der Erde antreffen. Erstens sahen wir oben, daß von den Sonnenlinien ettva z»vei Drittel, von den Sterncnlinien fast ebensoviele, von den Nebellinien ettva sechs Siebentel unbekannter Natur sind. Die Behauptung ist also einfach falsch, einfach aus der Lust gegriffen! Die Spektralanalyse hat nur gezeigt, daß von den ans der Erde vorkommenden Stoffen sich viele auch deri Gestirnen befinden. Auf die Frage, ob es auf den Gestirnen auch andere Stoffe gibt, vermag sie keine Antwort zu geben; die Gründe sind oben angegeben. Zweitens gibt uns die Spektralanalyse nrlr über diejenigen Stoffe Auskunft, welche sich im Zustande leuchtender T ä in p f e befinden, lieber diejenigen Stoffe aber, die den festen oder flüssigen Kern der Himmelskörper bilden, vermag die Spektralanalyse nicht die leisesten Andeutungen zu machen. III. Die dritte Perle steckt in den Worten „ auch i »n fernsten Winkel des W eltrau me s". Ten, für menschliche Begriffe ungeheuer großen Raum, welcher unserer Beobachtung zugänglich ist, wollen wir kurz die „astronomische Welt" nennen. Diese „astronomische Welt" verhält sich nun zu dem ««endlichen Kosmos noch lange, lange nicht so, wie ein winziges Tröpfchen zu dem Wasser des ganzen Stillen Ozeans. Denn obwohl der Stille Ozean eine sehr große Anzahl von Tröpfchen enthält, so ivürde die Annahme, der Kosmos enthalte nur so viel „astronomische Velten", als der Stille Ozean Wassertröpfchen enthält, sofort zu dem Begriff eines endlichen Kosmos führen! Ter „unendliche" Kosmos muß ja unendlich in e h r „astronomische Welten" enthalten, als