Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1908)
- Date
- 1908-06-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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«Me 4. Kx. C4 Der JSraeitt die ganz andere Sorgen haben, bleiben jedoch im Reichsrate nnvertreten, so lange sie nicht eine festgefügte Organisation besitzen, die inlstande wäre, geeignete Vertreter aus der eigenen Mitte ins Parlament zu schicken, Vertreter, die ihre eigentliche Aufgabe darin erblicken, die vitalen wirtschaftlichen und religiösen Interessen ihrer Wähler zu vertreten. Ob man durch solche Schäden endlich auch in Galizien klug wird? ßalali i 8. Zwar ist in den Leserkreisen dieses Blattes dieser Ruf ein wenig bekannter, aber trotzdem wüßten wir kein Wort, das der im folgenden geschilderten Sachlage besser entspricht. Wenn nämlich bei einer Parforcejagd das grausam gehetzte Wild gefangen ist oder sich selbst gestellt hat, dann ertönt unter zeremonieller Haltung der Jagdgesellschaft die Fanfare Halali. Dieses wenig erquickliche Bild trat uns vor das Auge, als wir vom Verlauf der diesjährigen Tagung des bayerischen Landesvereins verworrene Künde vernahmen. Authentisches hörten wir nicht, wird wohl auch kaum zu hören sein, da auch der Landesverein, wie seine Mutter, die ehrwürdige Rabbiner - Konferenz, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit zu tagen pflegen. So müssen wir uns derrn auf dasjenige beschränken, was man teils aus Andeutungen erfuhr, teils aus den Mienen oer z. T. sehr deprimierten Teilnehmer lesen konnte. Wer aber war das Wild, dem die Jagd gegolten? Waren es die Orthodoexn? Wir glauben, nein, wenigstens jetzt noch nicht! Waren es die Neologen? Ach nein, wirklich nicht, denn ^N' iahen sehr zufrieden aus. Nein, wir wollen die Leser mehr rmt p»iem Rätselspiel ermüden, denn auf der Strecke blieb weiter nichts, als ein — Traum, eine lang gehegte und liebevoll gepflegte Illusion, welche einst wie eine gute Fee an der Wiege des Landesvereins stand. Man dachte ja wirklich, dieser Landesverein könne nur Gutes wirken, beruhend aus der wohlverstandenen und anerkannten Entwicklung der bayerischen Verhältnisse, welche Än Großen und Gailzen die religiösen Interessen und deren Plage dem Rabbiner überantwortet, über di:ke hinwiederum die religiösen Institutionen als eonäitio sine gunnvn stellt. Ans dieser Grundlage hatten sich Rabbiner und Verwaltungen, halten sich zesetzestreue Kreise zusammengefunden mir solchen, die ihre religösen Ideale anders gestaltet hatten, um zunächst den kleinen kämpfenden und sterbenden Gemeinden entweder längere Lebensdauer zu gewährleisten oder wenigstens den letzten Dodeskampf zu erleichtern. Wäre es dabei geblieben, dann hätte es sicherlich niemals eine Störung in dem einträchtigen Zusammenwirken der oben bezeichneten Faktoren gegeben und der Landesverein hätte sich immer mehr Dank und Liebe erworben. Aber es kam ganz anders; der Landesverein fühlte sich - vielleicht unbewußt — als Protoplasma einer Organisation, als der Inbegriff der bayerischen Notabeln, als das Forum aller die bayerische und die deutsche Judenheit bewegenden Fragen. Wir erinnern uns dabei an das Stimmungsbild, welches vor zwei Jahren in diesen Blättern bezüglich des Verhältnisses zwischen Landesverein und Verband deutscher r Juden gezeichnet wurde. Damals schon begWy. die Jagd, und heute — Halali! >r- Aber wie ist es denn geschehen? Es fing ganz unschuldig an. Im Laufe des vorjährigen Konfliktes innerhalb der Kultusgemeinden München und Nürnberg hatte sich fast bei allen beteiligten Kreisen die Ueberzeugung festgesetzt, daß die zur Zeit in Bayern noch geltenden Bestimmungen für Regelung der jüdischen Verhältnisse — das Judenedikt von 1813 und spätere Ministerialentschließungen interpretierenden Charakters — für solche Fälle versagten und daher wohl eine Revision am Platze sei. Zwei einflußreiche Münchener Herren, der Vorstand der Gesamtgemeinde und der Vorstand der. im Ohel Jakob geeinten Orthodoxie, stellten deshalb den Antrag, der Landesverein möge diese Revisionsbedürftigkeit anerkennen und eine Kommission einsetzen, welche einen Gesetzentwurf ausarbeite. (Wir können hierbei die Bemerkung nicht unterdrücken, daß es uns von vornherein als verfehlt erscheint, diesen Antrag dem Landesverein zu unterbreiten, nachdem durch diese Kompetenzerweiterung der ohnehin schon vorhandene Keim der Zentripetalbestrebung neue Nahrung erhielt- — der Verlaus der Sitzung bestätigte bic*.> Ni»n hatten sich auch die Rabbiner Bayerns versammelt, um zu diesem Antrag. Stellung zu nehmen; es freut uns aufrichtig, daß bei dieser Gelegenheit wenigstens ein Eckchen von dem Schleier der Vertraulichkeit gehoben wurde, welcher sonst die Verhandlungen dieser ehrwürdigen Körperschaft deckt. Es ftent uns umsomehr, als der Wortführer der Rabbiner-Konferenz als einmütigen Beschluß derselben folgendes verkünden konnte. Die Rabbiner Bayerns rönnen ihre Mitwirkung nur dann in Aussicht stellen, wenn erstens die grundlegenden Bestimmungen der Ministerialentschließung von 1863, d. h. die Forderung der -religiösen Institutionen für jede Gemeinde, als Voraussetzung der Revisionsarbeit akzeptiert werdenwenn fernere den Rabbinern der den historischen Verhält- Beispiele dienen können, besonders, wenn erst durch eine feinere Analyse der in ihnen versteckte Unsinn klargelegt werden kann. Ich mache nun alle Verfasser von Lehrbüchern der Logik ans einen köstlichen Satz aufmerksam, welcher wohl wert ist unsterblich weiter zu leben und durch die in ihm kunstvoll aufgehäuften Denkfehler als belehrendes, zugleich aber auch als abschreckendes Beispwl zu oicnen. Das große Verdienst, diesen Satz zusammengestellt zu haben, gebührt dem Generalsekretär des Deutschen Monistenbundes, Dr. Heinrich Schmidt in Jena. Um jenen Satz regelrecht analysieren zu könne», tvill ich an einige Tatsachen erinnern, deren Darstellung man in jedem, auch dem e l e ,n c n t a r st? n Lehrbuche der Physik finden kann. Wenn man das Licht eines glühenden f e st e n oder flüssigen Körpers durch eine Prisma hindurchgehcn läßt, so erhält man auf einer weißen Wand oder im Fernrohr eines sogenannten Spektroskops ein farbiges Band, welches Spektrum genannt wird; deutlich lassen sich in ihin die Farben: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Violett unterscheiden. Nimmt man aber einen leuchtenden Dampf (oder ein Gas), so erhält man ein Spektrum, das aus einzelnen, verschiedenfarbigen, Hellen Linien ans dunklem Hintergründe b.steht. Die Anzahl, die Lage und die relative Helligkeit dieser Linien ist für den Stoff des Dampfes charakteristisch: jeder leuchtende Dampf hat also sein besonderes, ihm eigentümliches Spck rum. Unter gewissen Bedingungen, über die man in jedem elementaren Lehrbuche der Physik Nachlesen kann, erhält man ein Spektrum, in welchem dieselben Linien nicht hell aus dunklem, sondern umgekehrt dunkel auf hellem Hintergründe erscheinen. Die Spektra der aus der Erde vorkommenden Stoffe sind sehr genall untersucht worden, so daß es möglich ist, beim Anblick des Spektrums eines leuchtenden Dampfes zu bestimmen, wiche Stoffe sich in dem Dampfe besindeu. Die Wissenschaft, welche sich mit den hierher gehörigen Untersuchungen beschäftigt, wird Spektralanalyse genannt. 1 Diese Wissenschaft hat ein Mittel in die Hand gegeben, auf der Erde neue, d. h. bisher unbekannte, einfache Stoffe (Elemente) zu finden und zwar auf folgendem Wege. Wenn wir ein kleines «türk eines Körpers, z. B. eines Minerals, in einer leuchtenden Flamme, z. B. in einer Spiritusflamme, oder im elektrischen Lichtbogen verdampfen lassen, so erhalten wir ein aus Hellen Linien bestehendes Spektrum, welches uns zeigt, welche Stoffe (z. B. Metalle) sich in jenem Körper befinden. Nun ist es aber auch vorgekommen, daß sich in dem auf solche Weise erhaltenen Spektrum Reihen von Linien zeigten, die keinem der bisher untersuchten, bekannten Stoffe entsprachen. Man folgerte hieraus, daß sich in jenem Körper ein bisher unbekanntes, d. h. noch nicht entdecktes. Element befindet. An den Forscher trat in diesem Falle die rein chemische Ausgabe, jenes Element aus dem untersuchten Körper abzusondern, irgend eine bestimmte chemische Verbindung dieses Elementes in möglichst reinem Zustande herzustellen und aus diese Weise seine reale Existenz zu beweisen. Ans solchem Wege fand Bnnsen die ncuen Metalle Cäsium und Rabidium und fanden andere Forscher das Thallium, Indium, Gallium usw. Es ist also klar, daß man aus spektralanalytischenr Wege einen neuen Stofs nur dann „finde n" kann, wenn man ihn bereits buchstäblich in Händen hat, d. h>. wenn nian einen Körper vor sich hat, in welchem ____ll.ffimi 1908 nissen und den religiösen Interessen entsprechende Einfluß in der zu wählenden Kommission gewährleistet werde, wenn drittens endlich die Kommission als erste, binnen Jahresfrist zu erledigende Aufgabe die Lösung der an den obligatorischen Religionsunterricht sich knüpfenden Fragen zuerteilt erhielt. Damit nun schien das Signal zur Jagd und zur — Desavouierung gegeben zu sein'. Hu, — so mag es gelautet haben — da sieht man das schwarze Gespenst, die Machtgelüste der Rabbiner, die infolge der politischen Konstellation Morgenluft wittern. Frischauf zum fröhlichen Jagen, nie und nimmermehr dürfen diese „schlauen", friedliebenden" Herren ihre Macht behalten, sonst wäre ja das ganze Revisionswerk eine Torheit. Merkt Jhr's, Ihr edlen Träumer? Erinnert Ihr Euch des sehr — taktvollen Hohnlächelns, mit dem die Aeußerung eines der Wortkargsten begleitet wurde, als er sagte, es handle sich bei den Rabbinern um heiligste Ueberzeugung? Klang Euch das nicht wie Halali? Glaubt Ihr nicht, was ein Anderer gesagt haben soll, daß das ganze Reviftonsbedürfnis mehr ein Ausdruck der Machtgelüste der — Verwaltungen zu sein scheine? Hat Euch die fast einmütige Ablehnung des von der Rabbiner-Konferenz gestellten Antrags nicht gezeigt, wohin der Weg geht? Nun, Ihr edlen Träumer, wir möchten Euch einen Rat geben. Weinet eine heiße, heilige Träne am Grab Eurer Illusion; Ihr befindet Euch dabei in bester Gesellschaft. Denn von allen . Teilnehmern dieser denkwürdigen Sitzung haben wir einer freudigen Empfindung Widerhall vernommen, das ist die Anerkennung der wirklich vornehmen Art, mit welcher der Vorsitzende die Verhandlungen leitete und sich an denselben beteiligte, vornehm auch dann, als die Delegierung eines Vertreters des Vorstandes der Adaß Israel verlangt wurde. Aber auch hier hieß es seitens der siegbewußten Majorität schonungslos — Halali! Wenn Ihr aber genugsam geweint habt, dann gehet traumlos auf Euern Posten und sirchet Antwort auf die Frage, welche mit Jesaia alle ernsten Kreise Bayerns an Euch stellen: „W achter, was soll werden aus banger Nacht?" y /- * * * Von anderer Seite wird uns zur der Tagung des bayerischen Landesvereins geschrieben: „Ein ungewohntes Bild boten die diesjährigen Verhandlungen des bayerischen Landesvereins. Während sonst seine Wasser gemächlich dahinplätschern, glichen sie heuer einem hochgehenden, reißenden, sturmgepeitschten Strome, die Anwesenheit des neuen Stoffes durch das Spektrum seiner Dämpfe verraten wird. Das Licht der Sonne gibt ein Spekrtum, in welchem sich viele Tausende von dunkeln Linien befinden (Fraunho forsche Linien); die Spektra der Steine sind äußerst mannigfaltig und enthalten ebenfalls zahlreiche dunkle oder auch Helle Linien. Eine große Anzahl dieser Linien sind genau identisch mit den uns bereits bekannten Linien irdischer Stoffe, so daß die Existenz dieser Stoffe aus den entsprechenden Himmelskörpern nicht dem geringsten Zw'.ifel unterliegen kann. Auf diese Weise hat man auf der Sonne Wasserstoff und die meisten uns bekannten Metalle, aus den Sternen ebenfalls verschiedene irdische Stoffe gefunden. Es ist aber klar, daß man auf den Himmelskörpern nur solche Stoffe s i n - den kann, die man bereits kennt, d. h. ans der Erde studiert hclt und daher in den Spektren der Himmelskörper wieder erkennen kann. Etwa ein Drittel der Linien des Sonnenspeltrums sino bis jetzt identifiziert worden, d. h. nran weiß, welchen uns bekannten Stoffen sic ihren Ursprung verdanken. Die übrigbleibenden zweiDrittel der Linien sind nnbekann ten Ursprungs; sie fallen mit keinen brr uns bekannten Linien irdischer Stoffe zusammen. Dies kann sehr verschiedene Ursachen haben. 1. Diese Linien können von Stoffen herrühren, die auf dc:r Erde gar nicht vorhanden sind. / 2. Sie können durch Stoffe erzeugt sein, die zwar r auch auf -er Erde Vorkommen, aber bisher noch nicht entdeckt wurden. - 3. Das Spektrum eines Stoffes hängt .von den «g - physikalischen Bedingungen ab, unter denen määsilm