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Der Israelit · 1908-06-11 · Heft 24 (11.6.1908) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 24 (11.6.1908)
Date
1908-06-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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UV. 24. Der JSraelit. »eile 3. 11. Juni 1908. zu übertragen 263 // 364 ' Freisinnige Volkspartei. 24 fl 24 Freisinnige Vereinigung 6 // 9 Zentrum ..... 100 96 Polen. 15 * 13 Sozialdemokraten . . 6 0 Bei keiner Partei . . 4 // 7 418 433 Stichwahlen 25 443 Das Gesamtergebnis wäre danach, unter Berücksichtigung des wahrscheinlichen Ergebnisses der Stichwahlen, daß die Volkspartei 3 oder 4 Mandate gewinnt, die Bereinigung eines verliert, daß in die 10 neuen Mandate sich Zentrum und Sozialdemokratie teilen, und daß die weitere allerdings nicht erhebliche Vermehrung des Zentrums und der Polen sich im übrigen auf Kosten der Freikonservativen und der Nationalliberalen vollzieht, die zusammen etwa 10 Mandate einbüßen dürften. Die politische Konstellation des Abgeordnetenhauses wird also keine Veränderung erfahren. Für uns bedeutet das erfreulicher Weise, daß die Bestrebungen zur Einführung einer Zwangsorganisation für die preußische Judenh'eit, wie sie der Gemeindebund plant, während der nächsten Legislaturperiode wohl nicht zur Ausführung kommen werden. Auch die Agitation der Schächtgegner dürfte bei dieser Zusammensetzung des Hauses auf einen Erfolg nicht zu rechnen haben. Ein erheblicher Teil der Konservativen, das ganze Zentrum und auch die liberalen Parteien werden für die Wühlereien dieser verbohrten Fanatiker nicht zu haben sein. Als besonders erfreulich darf noch hervorgehoben werden, daß die Antisemiten die beiden Mandate, die sie bisher im Abgeordnetenhause besaßen, durch die Neuwahl verloren haben. In Roten burg-Hersseld unterlag Werner (Reformpartei) dem konservativen Wettbewerb und in Kassel-Land, wo Dr. Lattmann (Deutschsozial) das Mandat inne hatte, wird an seine Stelle ebenfalls ein Konservativer treten. Bei diesen Verlusten haben die Antisemiten noch den Schmerz, in den neuen Landtag Juden in noch größerer Zahl einziehen zu sehen als bisher. Peltasohn, Cassel, Rosenow u.s.w. sind alle wiedergewähltzu ihnen gesellt sich noch ein Mitglied der sozialdemokratischen Partei, Herr Heimann-Berlin. Der jUdifche Klub in Oefterreidi. Die Wahrmundaffäre, die so viel Staub aufgewirbelt und so viel Zündstoff in die ohnedies allezeit kampfbereiten nationalen und politischen Parteien in Oesterreich hineingetragen hat, schien uns Juden unberührt zu lasten. Was sollten wir als Juden uns auch darum bekümmern, wie der katholische Professor Wahrmund über die Lehren und Dogmen der katholischen Religion denkt? Nicht einmal als unbeteiligte Zuschauer konnten wir dem sich auf uns so völlig fremden Gebiete abspielenden Religionshader irgendwelches Jntereffe abgewinnen. Nun aber hat der Wahrmundhandel wider Erwarten doch noch ein jüdisches Opfer gefordert — den jüdischen Klub. Der jüdische Klub, der erst vor einem Jahre sich aus d'kfl nationaljüdischen Mitgliedern des neuen Reschsrclres gebildet, ist nicht mehr. Diese jüdischnationme Miniaturfraktion ist — und darin liegt das Seltsame des Falles — dem konfessionellen Hader zwischen zwei Richtungen innerhalb des Katholizismus zum Opfer gefallen. — Und das ging so zu. — In einer in Lemberg erscheinenden Monatschrift für die jüdische Jugend, „Moriah" genannt, war es einem angehenden Jung-Juden gelungen, einen sonst überall abgelehnten Aufsatz über den Katholizismus unterzubringen. Diese Schülerweisheit, bestehend aus einigen Lesefrüchten aus der reichen Wahrmundpolemik und einigen allgemeinen Phrasen, die auf ein etwas kindisch-krankhaftes Gehirn schließen lassen, wäre gewiß unbemerkt geblieben, wenn nicht ganz unerwarteter Weise die Polizei auf die von „Morijah" drohende Gefahr aufmerksam geworden wäre und die betreffende Nummer, die ihrer Meinung nach eine Schmähung der katholischen Kirche enthielt, konfisziert hätte. Selbst diese sonst immer gut bewährte Reklame von oben hätte noch lange nicht ausgereicht, dem Pamphlet zu einer Popularität zu verhelfen, als es plötzlich einen Protektor in Parlamentskreisen erhielt. Herr Dr. Gabel, der Junior des jüdischen Klubs, brachte wegen dieser Konfiskation eilte, auch mit den Namensunterschriften seiner Kollegen versehene Interpellation im Reichsrate ein, die an sich unlogisch und unberechtigt nun auch noch als eine Fälschung in öffentlicher Sitzung von-dem christlich-sozialen Präsidenten gebrandmarkt wurde, weil die Abgeordneten Straucher und Mahler gegen den Mißbrauch ihrer Namen für eine ihnen gänzlich unbekannte und von ihnen nicht gebilligte Interpellation energische Verwahrung" bei ihm ein gelegt hätten. Es liegt viel des Unbegreiflichen, ja des Unglaublichen in dieser Kette von bedauerlichen Ereignissen. Was hat in aller Welt eine Monatschrift, die als „Organ für die jüdische Jugend" gelten will, sich in interne Religionsangelegenheiten einer anderen Konfession hineinzumischen? War es aber andererseits seitens der Behörde nicht etwas übertrieben, in einer Auslastung irgend eines unreifen Jünglings eine Gefahr für den Altar zu erblicken und dadurch erst einem unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinenden Blatte eine ganz unverdiente Bedeutung zu verleihen. Wie kommt denn aber in aller Böelt ein jüdischer Abgeordneter auf den unglücklichen Gedanken, sich kraft seines Mandates als Verteidiger eines allem Takte und aller Sitte Hohn sprechenden Auffatzes zu gerieren, und dieses löbliche Verteidigungswerk noch gar durch eine starke Unkorrektheit zu krönen? War aber die Verwahrung der anderen Abgeordneten, die die beleidigenden Bemerkungen des Präsidenten und die Auflösung des Klubs herbeigeführt haben, unbedingt notwendig? Bon all diesen Fragen, die sich uns unwillkürlich aufdrängen, müffen wir vor allem die letzte mit einem entschiedenen Ja beantworten. Die Verwahrung der Abgeordneten Straucher und Mahler und die Bloßstellung ihres Kollegen war nicht nur berechtigt, sie war nach Lage oer Dinge leider unvermeidlich geworden, wenn sie auch den bereits angerichteten opn nicht mehr gut zu machen imstande war. Es war doch immerhin besser, den Kollegen und den ganzen Klub zu opfern, als sich die Schmach anhesten zu laffen, Mitschuldige eines unheilvollen Streiches zu sein, den man dann der ganzen österreichischen Judenheit in die Schuhe geschoben hätte. Frei von aller Schuld sind freilich auch die Herren Straucher und Mahler nicht. Warum ließen sie die Sache soweit kommen? Warum benutzen sie nicht ihren Einfiuß, der gerade auf diese sogenannten jung-jüdischen Kreise sich so stark geltend macht, um gute, gesunde jüdische Gesinnung zu pflanzen und zu pflegen? Und konnte dem Fehler der „Moriah" nicht vorgebeuo^ so hätte derselbe noch *«*4 «lnen einfachen Protest des Slrtbcs vor oder nach dem polizeilichen Eingriff teilweise wett gemacht werden können. Bor allem aber, wie konnte es kommen, daß, nachdem die Sache an die weite Oeffentlichkeit gelangte, die Mitglieder des jüdischen Klubes sich nicht in vertraulicher Besprechung über ihre Stellung zu derselben einigten und so bei dem jüngern Kollegen die Meinung aufkommen laffen, als sei er berechtigt in ihrem Sinne und ihrem Namen die- Taktlosigkeit der Moriah durch eine rreue Taktlosigkeit seinerseits zu übertrumpfen. Für uns ergibt sich aus dem allem nur die drastische Bestätigung für die von uns bei verschiedenen Gelegenheiten wiederholt ausgedrückten Ansicht über die jüdische Vertretung in Oesterreich und die an sie zu knüpfenden Erwartungen. Der Eine sieht seine Aufgabe darin, die Denk- und Redefreiheit der Herren Mittelschüler zu vertreten, die andern dagegen zu protestieren. Die gesetzestreuen jüdischen Massen in Galizien aber, pteren, wo Fc sich sammeln und finden. a'3O UJTV di e heilige Stätte des GotteSgefetzes ist es, die sie eint und verbindet und sie zu einer nna NI'Dll, zu einem unzertrennlichen und unverwüstlichen Granit zusammenfügt. Und lägen stets die richtigen, aus der jüdischen Seelen- und Familienzählung gewonnenen Zahlen unserer Lagerordnung zu Grunde! Wie kampflos und un fe hlba r müßte sich dann'dtese von selber ergeben. Denn auch in der alten von '>"wn getroffenen Lagerordnung erblicken unsere We sen ein glänzendes Zeugnis jüdischer Familientreue, das durch die späteren Ereignisse noch tausendfache Bestätigung erhielt. «Als Gott Moses geboten hatte, den Zug Israels nach Fahnen zu ordnen — so wird in Rabba Bamidbar 82 erzählt — wurde diesem sehr bange. Wie, sprach er, soll ich dieses schwerste aller Wunder, Ordnung ins jüdische Lager zu bringen, vollführen? Werden sich die Stämme ohne Weiteres meinen Anordnungen fügen? Wie, wenn Jehudia der Süden besser gefällt als der Osten, und Reuben gerade auf dem Westen besteht usw.? Mit Nichten! antwortete Gott. Deine Furcht ist unbegründet. Die Ordnung ist bereits > etroffen, von ihrem Vater Jakob und die besteht heute noch zu Recht pvP'l DiTDN 3pV'D |ra V- Das Testament des ster benden Vaters, das den Platz jedes Sohnes an seiner Bahre bestimmte, ist noch da. Halte ihnen dieses Dokument vor und Du wirst sehen, eS findet jeder ohne Suchen und ohne Widerspruch seinen Platz. Die Aufftellung, die damals die zwölf Söhne an der Bahre des Vaters nahmen, sei auch heute für die Zug- und 'Lagerordnung ihrer Nack kommen bestimmend und vorbildlich." Auf mehr als einen Heimgegangenen Vater werden wir uns heute berufen können, um die geschloffene, ein-. hettltche, Zug- und Lagerordnung Israels in der Zerstreuung zu wahren. Wer sich von der Gemeinschaft losgetrennt und sich ltnksab so weit entfernt, daß er das 1V1Q briN die Stätte der über dem Gesetze thronenden Gottesherrlichkett als gemeinsamen Sammel- und Lagerpuntt aus dem Auge verloren hat, der hat auch die jüdische Familientreue gebrochen und gehört dem Lager Israels nicht mehr an. Heil dreimal Heil uns, wenn unsere Volkszählung onina DmnDWD^ sich allezeit vollzieht, unsere Lagerordnung stets aber so getroffen wird, daß a^ao um "und b.irrb. euillelon. Der moni$t<nbund und die Logik. Bekanntlich hat der berühmte Petersburger Physiker, Pros. C h w o I s o n, zu Anfang des Jahres 1906 eine kleine Schrift unter dem Titel „Hegel, Haeckel, Kossuth und das zwölfte Gebot" veröffentlicht, die eine vernichtende Kritik des in Haeckels Schriften benutzten oder besser mißbrauchten physikalischen Materials enthielt und die den Physiker — damit zugleich den Philosophen — Haeckel in erbarmungsloser Schärfe ad absurdum führte. Haeckel antwortete darauf durch eine Broschüre „Monismus und Naturgesetz" ln semer bekannten! massiven Art, die den Mangel an wissenschaftlicher Besonnenheit durch eine Ueberfulle von Schimpfwörtern und Beleidigungen an die Adresse des Gegners zu ersetzen sucht. Nun ist — verspätet — Chwolsons Replik erschienen *), nn in seiner logischen Klarheit köstliches Büchlein, das m launiger Wetze die für den w.onistenbund nicht sehr ehrenvollen — Ursachen des verspäteten Erscheinens der Chwolsonschen Erwiderung erzählt, mit Haeckel nochmals gründlich abrechnet und endlich den Generalsekretär des Monistenbundes Dr. Heinrich Schmidt in Jena aufs Korn nimmt. Es handelt sich dabei um die Prüfung eines einzigen von Schmidt in den Flugschriften des Monistenbundes (Heft 2) aufgestellten guasi wissenschaftlichen Lehrsatzes, der auf den ersten Blick plausibel aussieht und den Chwolson mit den Waffen eines sicheren und logisch geklärten Wissens in seiner ganzen Hohlheit erweist. Als eine Probe für die leichtfertige Aick und Weise, in der die monistischen Religionsstifter die wissenschaftlichen Grundlagen ihrer himmelstürmenden Systeme zimmern, geben wir im Folgenden das ganze hierauf bezügliche Kapitel aus der Chwolsonschen Schrift wieder: 8 1. Der Generalsekretär und die Logik. In den Lehrbüchern der Logik findet man zahlreiche Beispiele von Sätzen, durch welche diese oder jene Methode logischer Gedankenverknüpfung illustriert wird. Zuweilen werden aber auch Sätze angeführt, die durch total falsche „Logik" als wertvolle und belehrende *) Zwei Fragen andie Mitglieder des Deutschen Monistenbundes. Bon O. D. Chwolson, Professor ord. an der Universität zu St. Petersburg. Bräun schweig 1908. Fr. Viewcg & Sohlt»

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