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Der Israelit · 1908-06-04 · Heft 23 (4.6.1908) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 23 (4.6.1908)
Date
1908-06-04
Page
– (sequence 23)
Language
German
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4. Juni 1608. Der JSraelit. Nicht fürder sollten Israels Männer im Gotteshaus zu Jerusalem ihrem Gotte huldigen, vor Den Kälbern Jerobeams sollten sie sich neigen. Die Söhne Äharons und die Leviten verließen -äs götzendienerische Reich- und Jerobeam mußte sich aus den anderen Stämmen, aus der Hefe des Volkes, „Priester" suchen. Er selbst spielte in Betel den Oberpciester. Vielleicht weil es dem Volke der Weinernte wegen bequemer war, verlegte er das Sukkotfest in den achten Monat, oder richtiger: an Stelle des Sukkotfestes ließ er ein Götzenfest im achten Monat feiern. Die Bequemlichkeit ist ja das oberste Gesetz für jede volksverführende Reform. Eine ernste Warnung ward Jerobeam zuteil. Während der König als oberster seiner Pfaffen auf dem Mar opferte, erschien ein Gottesmann aus Juda und kam auf den Altar unheilverheißend zu: einst werde ein Nachkomme Davids, Josia, die Priester töten und Menschengebeine verbrennen; zum Zeichen, daß die Verkündigung eintreffen werde, solle der Altar sich spalten und die Asche verschüttet werden. Wutentbrannt streckt der König seine Hand aus gegen den Propheten und befiehlt den Schergen, ihn zu ergreifen. Aber o Wunder: die Hand des Königs verdorrt, der Altar spaltet sich, und die Asche wird verschüttet! Da uberkommt selbst den harten Volksverführer Entsetzen. Er fleht den Gottesmann an, für ihn zu beten. Der Prophet läßt sich erweichen und auf sein Flehen heilt die verdorrte Hand. — Doch Jerobeam ist einer Warnung nicht mehr zugänglich. Bald ist er wieder der harte, verstockte Verführer, der sich und sein Volk immer tiefer in Sünde verstrickt. — Noch bei Lebzeiten sollte er das schreckliche Geschick seines Hauses erfahren. Sein Sohn Abia war erkrankt. Ins einer Angst um das Leben des Kindes erinnert er sich des Mannes, der ihm einst den Thron vorausgesagt hatte. Er läßt sein Weib zum Propheten Ahia nach Silo gehen. Ahia war im hohen Alter erblindet. Um von der Bevölkerung nicht erkannt zu werden, hatte sich die Königin verkleidet. Als der Greis , ihren Schritt hörte, rief er ihr zu: „Weib Jerobeams, warum verstetlst Du Dich, ich habe eine schwere Botschaft an Dich." Und dann hält er ihr die Sünden Jerobeams vor. Furchtbar werde Gott sie ahnden. Der kranke Sohn werde sterben, sobald die Mutter zurückkehre. Er werde der einzige sein aus dem Hause Jerobeams, der in Ruhe sein Grab fände; denn die übrigen aus diesem fluchbeladenen Hause würden eine Beute der Hunde und der Vögel werden. Das ganze Geschlecht Jerobeams sei der Vernichtung geweiht; aber auch Israel werde die Strafe , treffen, einst würde es vertrieben aus dem Lande seiner Väter und in die Ferne ziehen.. Dies alles wegen der Sünden Jerobeams, der sündigte und Israel zur Sünde verführte. — Die heimkehrende Mutter kand die Leiche ihres Sohnes, als Wahrzeichen des schrecklichen Verhängnisses, das unabwendbar hereinbrechen mußte über das Haus Jerobeams ben Nebat. — Wenden wir uns wieder dem Geschicke des Südreiches zu. Durch die Verbindung mit Aegypten hatte Salomo geglaubt, die Machtstellung seines Reiches zu vergrößern. Und gerade von hier ging das Unglück aus, das zu Lebzeiten Salomos und unter Rehabeam über Juda hereinbrach. Durch Unterstützung Jerobeams war es dem Pharao Schischak gelungen, das Davidische und Salomonische Reich zu zerstückeln. Jetzt richtete sich sein Streben darauf, Juda zu vernichten. Und Rehabeam arbeitete ihm vor. Unter seiner Herrschaft verbreitete sich schändlicher Götzendienst in Juda; die Strafe folgte bald. Mit gewaltigem Heer fielen die Aegypter in das Land ein. Schon waren die meisten Festungen erobert. Eine Frage von Tagen konnte es sein, bis der Tempel Gottes ein Raub der ägyptischen Krieger wäre. Da erschien der Prophet Schemaja vor dem Könige und den Fürsten Judas und hielt ihnen vor, das; das Unglück die Strafe sei für ihren Wfall von Gott. Die Worte des Propheten gingen den Fürsten und auch dem Könige zu Herzen. Reumütig erkannten sie ihre Schuld. So konnte der Prophet ihnen verheißen, daß wenigstens das schlimmste ihnen erspart werde. Ms Schischak vor Jerusalem erschien, ließ er sich durch Tributzahlung zum Abzug bewegen. Der Tempelschatz wunderte .als Tribut nach Aegypten. Das Reich Davids und Salomos war zum Vasallenstaat Aegyptens herabgesunken. Die Schwächung Judas durch Aegypten scheint Jerobeam zu Angriffen gegen das Südreich ermutigt zu haben; denn er führte fortwährend Krieg mit ihm. Daß aber Rehabeam der Angreifer war, ist nicht anzunehmen; denn er war ja in den Tagen seiner größten Machtstellung auf Befehl des Propheten Schemaja vor dem Bruderkrieg zurückgeschreckt. Es hatte Jerobeam allerdings nicht die Macht zu großen Unternehmungen, und so zogen sich die Grenzkämpfe zwischen beiden Staaten jahrelang hin, ohne einen anderen Erfolg zu . haben, als beide Parteien zu schwächen. Nach 14jähriger Regierung starb Rehabeam. Sein Sohn Abiam bestreg den Thron. Er nahm den Karnpf mit Jerobeam in verstärktem Maße au*. Mit 400,000 waffenfähigen Männern aus Juda und Benjamin fiel er in das Nordreich ein. Am Berge ZeMarajim cheln?! Diesen krassen Ausdruck dürfen Sie nicht dafür gebrauchen. Meinen Eltern zuliebe halte ich äußerlich alles, was sie wünschen. Sie wissen ja, daß ich den Teuren keinen Kummer machen will, und wie ich in anderen Kleinigkeiten ihnen nachgebe, so auch darin, natürlich nur fo lange ich in Sehweite bin; außerhalb tue ich, was mir paßt." „Ünd haben Sie uns früher auch schon getäuscht?" „Nein, als ich nach Frankfurt kam, lebte ich genau wie zu Hause in jeder Hinsicht, auch in religiöser. Dort erst kam mir zum Bewußtsein, wie unwürdig es eines denkenden Menschen ist, solche überlebten Dinge nachzutun und sich damit das Leben noch mehr zu erschweren. Aber ich hätte es nicht für möglich gehalten, daß ein fo kluges begabtes Mädchen wie Sie wirklich diese alten Geschichten noch so ernst nehmen Mürbe!" „Mein Herr, Ihr ganzes Verhalten in den letzten Tagen ließ mich glauben, daß Sie mich zur Lebensgefährtin wünschen . . . ." „Das ist in der Tat meine innigste Hoffnung." „Und da haben Sie nicht für nötig gehalten, mich über Ihre religiöse Gesinnung auHu klären?" ,Ha, das ist doch wohl nicht so wichtig. Schon meinen Eltern zulÄbe werde ich Schabbos GDW UMMNM AfMettHausMtW also könnten Sie doch nach Ihrer Fasson selig werden." „Wie, Sie reden sich nicht ein, daß ich unter diesen Verhältnissen die Ihre niemals werde?" rief ich erstaunt. Jetzt wechselte er die Farbe. „Lassen Sie das Ihr letztes Wort nicht sein: Sie wissen nicht, wie innig ich Sie liebe, und Sie ließen mich doch auch hoffen..bat er. In mir waren alle wärmeren Gefühle Plötzlich verschwunden. „Ich werde nie einen Mann heiraten ,der in der wichtigsten Lebensfrage nicht mit mir einig ist, dem das Nebensache ist, was mir Lebensinhalt. Sie wollen dulden, daß ich Schabbos halte und koscher wirtschafte, das ist ja sehr gnädig. Aber all die heiligen Gesetze, die erst das jüdische Eheleben ausmachen, wie kann ich sie erfüllen, wenn mein Mann sich nicht ireudia.fügt, glücklich ist, jedes Opfer auf sich zu nehmen, weil Gott es besohlen hat. Es ist besser, wir trennen uns heute. Leben Sie wohl. Möchte Gott Sie zurückführen." Ich verließ das Zimmer, mit meiner Kraft war es zu Ende; ich hatte ihn sehr lieb gehabt!" Tiefes Schweigen herrschte im Zimmer. Dina küßte der Tante die Hand. „Was mußtest du. erleben; und hast du deshalb nicht geheiratet?" ich ftmiite es nicht überpnnden. Meme lMtgebung nannte es überspannt. Mer, ich in der Nähe Betels bezog er sein Lager. Jerobeam erkannte die Gefahr. Wohl war die Kraft des von ihm beherrschten Landes größer als Judas, aber seine eigene Stellung konnte keine» Vergleich aushalten mtt der seines Gegners. Jerobeam besaß unbedingte Anhänger wohl nur in seinem Stamme, in Ephraim. Wer auch in Ephraim galt er vielen sicherlich noch als der Usurpator. Biel weniger rroch konnte er sich auf die übrigen Stämme verlassen, denen die jetzige Vorherrschaft Ephraims kaum viel Vorteile bot vor der Judas, die man bei Siche« abgeschüttelt hatte. Und hierzu kam noch die Anhänglichkeit des besten Teiles des Volkes an das Gotteshaus in Jerusalem. Die Priester und Leviten hatten ja das Nordreich verlassen, geblieben waren aber zahlreiche Anhänger der Gotteslehre, die sich nicht entschließen konnten, ihren Grundbesitz in den Heimatftämmen aufzugeben. Nicht die Abneigung gegen Juda und noch viel weniger bewußter Gegensatz gegen das Thoragesetz war es gewesen, was sie zur Wkehr von Davids Hause getrieben hatte. Es war ja n» wesentlichen die Entrüstung über Rehabeams Antwort in Sichern, die Jerobeam so meisterhaft zu schüren verstanden hatte. Jetzt war Rehabeam tot, mußten da nicht unwillkürlich die Erinnerungen an die früheren Zeiten wieder rege werden? Jetzt nach bald zwei Dezennien erschien die Herrschaft Salomons als die ^goldene Zeit des Volkes. Damals war man' ein geachteter ünd gefürchteter Staat. Die Reichtümer der fernsten Nationen waren ins Land geströmt. Und nun! Zwei Keine Vasallenstaaten von Aegypten! Das war die Frucht der Politik Jerobeams. Mußte sich nicht aller Grimm -ege» den Mann kehren, der Israel um sein Glück betrogen hatte! Was konnte sich Glücklicheres ereignen, als der Sturz des Verführers unfr die Wiedervereinigung des ganzen Volkes! Jerobeam war sich der Gefahr wohl bewußt. Hier handelte es sich für ihn um alles. Krone und Leben hatte er gegen den Enkel und Sohn feiner Todfeinde zu verteidigen. Einst hatte er sich als Jüngling gegen den greisen Salomo erhoben, nun mußte er sich als Greis gegen dessen Enbck schützen. Mit einem an Zahl doppelt so starkem Heere zog er dem Wiam entgegen. 800,000 waffenfähige Männer aus dem Nordreiche standen den 400,000 Judäern gegenüber. Wiam kannte die Stimmung in Jerobeams Heere. Mr der Spitze seines Heeres ließ er die Priester Stellung nehmen. Mit weithin schallender Stimme hielt er an das Heer Jerobeams eine Ansprache, die in zündenden Worten den Werdegang Jerobeams schilderte, den schmählichen Kälberdienst dem Tempeldienst in Jerusalem gegenhatte eine zu hohe Auffassung von der Ehe, um meinen Gatten nur Halbes bieten zu wolle». Und meine Liebe zu diesem Manne war wie zu einem Verstorbenen. Ich hatte keinen Mut mehr zur Ehe. Mein Leben ist befriedigend ausgesüllt, ich hoffe, daß es nicht nutzlos ist. Hat Gott mir eigene Kinder versagt, so kann ich doch solchen nützen, denen die Eltern genommen lind. Gott sei Dank zur strümpsestrickenden, hetzenden, bösen, alten Jungfer bin ich doch nicht geworden." „Du bestes Tantchen, unser zweites Mütterchen." „Laß gut sein, Dina; wir wissen, was wir aneinander haben." „Und. hast du von ihm no chetwas gehört, Tantchen?" fragte Dina. Die Tante schwieg einen Augenblick. „Der Käskuchen hat mich in jeder Beziehung vor Unglück bewahrt. Nach dem Tode der Eltern öffnete er Schabbos fein Geschäft. Seine Frau — er hat doch eine Tochter religiöser Eltern heimgeführt — war schwächlich genug, nicht zu widerstehen. Einige Jahre ging es glänzend, dann mißglückten einige Spekulationen; nun arbeitete er immer wilder, schließlich griff er Depots an, konnte sie nicht ersetzen und aus Furcht vor Entdeckung erschoß er sich — gerade am Schabbos." i

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