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Der Israelit · 1908-06-04 · Heft 23 (4.6.1908) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 23 (4.6.1908)
Date
1908-06-04
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Seite »4. No. 23 „Israelit? 4. Juni 1908 v. r.- if' I E Überstellte und die Söhne Israels bat, nicht ten Watt zu kämpfen. JeroVeam hätte seinen zner bei der langen Rede nicht gestört; er te die Zeit benutzt, um mit Kerntruppen die »Ser M umgehen. Plötzlich stand er in ihrem icken. Der Sieg schien ihm sicher; aber er hatte nicht mit der moralischen Ueberlegenheit der Gegner gerechnet. Im Augenblick der höchsten Not begannen die Minner Judas ein herzerhübendes Flehen zu Gott; die Priester Metzen m die heiligen Trompeten. Und gestärkt durch daS felsenfeste Vertrauen aus die göttliche Hilfe warfen sich die Judäer auf ihre Feinde und Machten ihnen eine furchtbare Niederlage bei. »beam rettete sein Leben nur durch eilige Zn schnellem Siegeszug eroberte Abia enzstädte Ephraims, auch Betel brachte er in feine Gewalt. Das Geschick Jerobeams wäre Geregelt gewesen, wenn nicht ein früher Tod den Abia nach kaum dreijähriger Regierung ereilt hätte, zur Rettung — für Juda. Denn eine größere Gefahr hätte Inda kaum drvhen können, als die Wiedervereinigung mit Israel unter dem! Szepter eines Abia. Abia hatte es zwar glänzend verstanden, die Anhänglichkeit des Nordreiches an me Gotteslehre für seine politischen Zwecke auszunutzen, aber die Betonung seiner Eigenschaft als Davids Nachfolger, als König des Gottesvvlkes, die Gleichstellung seiner Sache »nt der Sache Gottes, war frecher Bettug, der; die GotteSgetteuen im Nordreiche Wenden sollte. Weiter war es nichts. Gr war nicht nur nicht VemÜht, den entsMichen Götzendienst, der seit de» legten Tagen Salontons das Land schändete, auszuvotten, nein, seine eigene Gattin verfer- . tigte ein Bild der Aschera. Eine Bereinigung »M dem nördlichen Reiche, dessen Bewohner gwßenteils seit 20 Jahrrn den Götzendienst als Mbstverständlich bettachteten, .hätte für Juda gar leicht die Folge gehabt, daß hier der Götzendienst das Volk noch mehr durchsetzt hätte, ja, daß sogar der Tempel durch Götzendienst geschändet worden wäre. Wie leicht konnten Ephrainriten, ohne sich dessen Überhaupt bewußt zu sein, im Tempel Gottes heidnische Sitten üben, vielleicht gar im Glaröben« etwas besonders Gottgefälliges zu tun, und ein Abia hätte es sicher nicht zugelassen, daß Nordisraeliten, um deren Zuneigung er sicherlich gebuhlt hätte, durch eine Zurechtweisung gekränkt würden. So wäre fast sicher der Tempel Gottes allmählich mit heidnischem Unwesen erfüllt worden. Doch Gott schützte Seinen Tempel nüd fein Volk'vor dieser Gefahr. Mia starb, ohne seinen Todfeind völlig vernichtet zu haben. Srin Sohn und Nachfolger Afa hatte gleich beim Antritt der Herrschaft im Innern des Reiches zu viel Wichtiges zu tun^ als daß er den Krieg hätte fortsetzen können. Ein herrlicher Beleg für den Begriff ist die Geschichte des Davidshauses. So oft die Nachkommen Davids "auch gesunken sind, immer wieder tteten unter ihnen Männer hervor, die mit Ueberschlagung mehrerer Generationen nicht Söhne ftnel Abia, eines Ahas, eines Amon fino, sondern nur Enkel Davids. Aus ttefster Versunkenheit hebt sich immw wieder die Datndische Dynastie zu den lichten Höhen ihres Begründers. Unbegreiflich möchte es scheinen, wie der Sdhn des Wia, der Enkel des Rehaheam so- 8leich beim Beginn der Herrschaft, wieder an ie besten Zeiten'Salomos und Davids anknüpfend, vor allem bestrebt ist, dem scheußlichsten Götzendienst, der unter Vater und Großvater sich ausgebreitet hatte, entgegenzutreten. Mit rückfichMoser Energie unterdrückt er alle Spuren »es Heidentums. Seine nächste Familie sieht er Kittet den Frevlern, aber urchekümmert um versönliche Schmerzen, tritt er auch hier dem GötzenlienU entgegen. Die eigene Mutter, die sich am Götzendienst beteiligt batte, entsetzte er ihrer Stellung als Königin-Mutter. Nur so war es »lich, das Heidentum auszurotten. — Aber wm nach der inneren Reorganisation suchte Asa nicht den Sieg seines Baters austzmmtzen und das Nordreich wiederzugewinnen. Zwei Gründe mögen ihn davon zurückgehalten haben. Einerseits war er sich bewußt, daß die Gotteslehre in Juda noch nicht wieder so befestigt war, daß man ohne eigene Gefährdung es wagen konnte, sich mit dem stark heidnisierten Nordreiche zu vereinigen. Schwer genug mochte es fallen, die von seinem Bater gewonnenen israelitischen Städte nicht zum Men Beispiel werden zu laffen. Anderseits war die Grenze Judas gegen südliche Feinde noch nicht geschützt genug,, um die Streitkräfte im Norden festleaen zu dürfen. Sv war nun das politische Streben Asas fürs erste, sein Land durch Festungen zu Witzen und die Kriegsfähigkeit feines Volkes zu heben. Er war imstande, ein krieasgeübtes Heer von bald 600.000 Mann ins Felo zu führen. Daß diese Kriegsrüstungen nicht überflüssig waren, beweist der furchtbare Kampf mit den Kuschiten unter Serah, die mit 1.000.000 Mann in das Gebiet Judas einfielen. Man hat früher, gemeint, diese seien Aethiopier gewesen, die unter Führung des Serah vielleicht ihres einheimischen Königs oder des Herrschers von Oberägypten, den Einsall gemacht hätten. Doch ist dies raum anzunehmen — wären es selbständige Aethiopier gewesen, so hätten sie doch erst Aegypten durchziehen müssen, und wenn es ihnen wirklich gelungen wäre, die Aegypter zu besiegen, so wären sie doch vernünfttgerweise in dem viel reicheren Aegypten geblieben. Sollte es sich aber um Aethiopier handeln, die im Aufträge der Aegypter Syrien erobern wollten, so wäre doch die ungeheure Zahl kaum zu verstehen. Hilfstruppen von solcher Stärke wären dem Pharao wohl etwas gefährlich gewesen. Mit Recht versieht man wohl in neuerer Zeit unter den Kuschiten, Südaraber, deren gebräunte Hautfarbe die Bezeichnung rechtfertigt. Es handelt sich danach Um eine jener gewaltigen Völkerwellen, durch welche die großen Völkerwanderungen hervorgerufen wurden. Wahrscheinliche suchte eine ganze Reihe arabischer Stämme durch Uebervölkerung oder durch nachdrängende Völker aus den Stammessitzen getrieben, eine neue Heimat. Und!äwinenarttg anschwellend warf sich diese Völkermaffe auf das nächstgelegene Kulturland, auf Südpalästina. Für Juoa handelte es sich um Sein oder Nichtsein. Denn was der Feind suchte, war Land, Land auf dem er wohnen konnte. Für beide gewährte Juda nicht genug Raum; der Schwächere mußte nach dem bitteren Gesetz der Notwendigkeit vernichtet werden. Eine Niederlage hätte nicht Unterwerfung bedeutet, sie wäre das Ende gewesen. Aber Asa war mit beidem gerüstet, mit dem ein Könia von Inda Gefahren entgegentreten mutz: mit Gottvertrauen und mit einem nach Möglichkeit gerüsteten Heere. Und Gott erhörte das flehende Gebet. Die Kuschiten wurden besiegt und aus dem Kulturlande herausgetrieben: der Hunger vervollständigte ihre Niederlage. Ihr ganzer Viehreichtum siel den Siegern in die Hände. Die Gefahr war abgeweiwet. var Eied der Cfeder. „Wahrhaft große Männer sind nach ihrem Tode größer als bei ihren Lebzeiten." „Ihre Lippen reden noch im Grabe." „Ihre Worte find ihr schönstes Denkmal." Die Erinnerung an sie bringt Schöpfungen hervor. Ihre Schaffensfreude wirkt über chr Grab hinaus. Die Erinnerung an Samson Raphael Hirsch V't, die mit der hundertjährigen Wiederkehr seines Geburtstages am 23. Siwan 22. Juni besonders lebhaft im Kreise aller wahrhaften Juden auf dem Erdenrund in dankbarer Gesinnung gegen den riesenftarken Geisteshelden des vorigen Jahrhunderts geweckt wird, erzeugt eine Literatur. Das erste Lied der Lieder, die auf ihn werden gesungen werden, liegt uns rat Druck vor. Es ist eine Erklärung des „Liedes der Lieder (o’Wn w von Willy Wolf.) Dieses 71 Seiten starke Merkchen ist im Beilage von Sänger u. Friedberg in Frankfurt a. M. soeben erschienen. Es liegen uns heute die drei ersten Bogen, vier und ein halbes Kapitel umfassend, vor. Eine Stimme aus dem Volk könnten wir die bescheiden austretende Broschüre nennen. Ihr Verfaffer ist ein schlichter Kaufmann in jugendlichen Jahren, der seine Erstlingsgabe auf den Altar seines Volkes niederlegen möchte. Er weiht sie dem stillen Andenken dessen, aus dessen Händen er sie empfangen, von dem ihm alles ward, Weltanschauung und Taurohverständnis. Eine Stimme von vielen, in deren Herzen der Funke gezündet, den Hirschs Feuer i)nen gespendet. Eine Sttmme aus den Rechen praktischer Berufe: das ist es, was Hirsch wollte. DVQ wollte er mit seiner Schule, mit seinem Wirken erziehen. Die geben sich ihre Führer und Lehrer dann schon selbst und erziehen diese beffer, als Führer und Lehrer die Gemeinden zu erziehen vermögen. Eine Sttmme aber auch des unbefangensten — weil nicht beabsichtigten — Urteils über die Methode der Exegese Hirschs. Da liegt vor uns der ausgesprochene Beweis der Richtigkeit, der Fruchtbarkett seiner Eigenart. Die Probe aufs Exewpel ist gemacht. Die Methode seines Systems auf Teile von T'nach übertragen, wozu Hirsch selbst uns keinen Commentar hinteriasien, und dort Geist und Leben dadurch gefunden, nicht nur Vergangenheit daraus ernannt, auch Gegenwart daraus verstanden und Zukunft daraus geahnt, Sinn und Bedeutung gewonnen. Das find lebendigere Zeugen für die Wahrheit und die Lebenskraft einer Geistesrichtung, als die Zustimmung wissenschaftlicher Autoritäten, die im besten Falle armselige tpyothesen nichtssagender Hirtenlieder und önigsfreuden aus dem Texte lesen, ohne Wirkung auf das Leben, ohne Bereicherung des Gedankenschatzes, ohne Veredlung der Empfindung, ohne Berichtigung und Bereicherung der Welt- und Lebensanschauung. Was der Verfaffer uns da geboten hat, gründet sich zunächst auf die hohe Auffassung unserer Weisen vom Inhalt und von der Bedeutung des hohen Lieds die sie eben in seinem Namen schon angedeutet fanden. Die höchsten und erhabensten Beziehungen Gottes zu Israel und zur Menschheit stellen sich ihnen im Bilde in diesem Lied der Lieder dar. Der Verfasser hat es verstanden, ohne Kunst, in einfacher natürlicher Deutung durch ungezwungene psychologische Vertiefung des Gedankens uns eine Ahnung von der geistigen und ethischen Entwickelung der Menschheit aus den Versen entstehen zu laffen. Spielend gewinnt er einen natürlichen Zusammenhang der Verse und in konsequenter Durchführung zeigt er uns das Rätsel des jüdischen Bolksdaseins das eng mit Gott und der Menschheit verbunden ist. Nicht vergangene Tage, eine zukünftige Zeit soll uns im Hohenliede geschildert werden. So singt ihm das erste Kapitel „von der Wiedererkenntnis der Tauroh aus der die gesetzlichen und geschichtlichen Vorzüge des jüdischen Volkslebens und desjenigen oer mit ihm im Lauf der Zeit vereinten Völker und feiert die Blüte des Taurohgeistes in seiner allseittgen Entfaltung in den Häusern der Menschen." Wir müssen es uns versagen, Proben der gediegenen und doch schlichten Worterklärungen und weitere Beispiele für die # edle Ethik des Gedankenganges anzusühren. * Den Lesern überlassen wir es, sich den Genuß an der Quelle zu verschaffen. Die schlichte Sprache ermöglicht jedem das Verständnis, und der geringe Preis die Anschaffung des Werkchens. Wir empfehlen es unseren Lesern auf das Wärmste und wünschen dem Merkchen die weiteste Verbreitung und dem jungen Verlage, den Mut, mehr Werke dieses Geistes erscheinen zu laffen, sowie dem Verfaffer, solche zu schreiben.

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