Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1908)
- Date
- 1908-06-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Nr Der Israelit. 4. Juni 1908. j!olche nenne er vor allem den Schutz der nö'ntf Institution, sodann wichtige pädagogische Fragen z. B. welchen Standpunkt man gegenüber den nicht seminaristisch gebildeten Lehrern vertreten müsse, wie die Entfremdung der Zöglinge höherer Lehranstalten von ihrer Religion erfolgreich bekämpft zu werden vermag, wie man sich einen -ielbewußten Einfluß auf die Wohlfahrtseinrichtungen der Provinz zu sichern habe, ferner wie mau Bezirksrabbinate weiter ausbauen oder neugründen könne. Wie einst den die Erstlinge Darbringenden der'Willkommengruß zu gerufen wurde, so entbiete auch er der Versammlung, die im Rahmen dieser neuen Organisation« Erstlingsarbeit verrichte ein DlW*? ddkis. Die Versammlung tritt nunmehr in die eigentlichen Verhandlungen ein. Es entspinut sich eine ausführliche Debatte über die Frage, «ich eine festgefügte Organisatton oder eine zwanglose Konferenz der Posener Rabbiner angestrebt werden soll, an der sich sämtliche Anwesende lebhaft beteiligen. Schließlich kommt man fast einstimmig zu folgender Verabredung: Die Organisation soll den Namen erhalten : „V e r e i n i g u n g v o u R a b b i n e r n d e r Provinz Posen zur Wahrung des überlieferten Judentums". Bei der Wahl werden die Herren: Oberrabbiner Dr. Feilchenseld-Posen zum Ehren- > Vorsitzenden, Cohn- Rawitsch, Theodor- Bojanowo, Wreschner-Samter in den Vorstand gewählt. Als jährlicher Beitrag sollen 3 Mark erhoben werden, die Sitzungen sollen vierteljährlich u. z. an den in jeder Versammlung neu zu bestimmenden Orten stattfinden. Die Statuten sollen vom Vorstand ausgearbeitet und in der nächsten Sitzung vorgelegt werden. Für die erste Versammlung waren bereits zwei Vorträge angemeldet, ein halachischer von Weyl- Czarnikau und ein pädagogischer von SilberbergzÄhrimm über das Thema: Jüdischer Religionsunterricht in den oberen Klassen höherer Lehranstalten. Silberberg-Schrimm verzichtet bei der vorgerückten Sturze für dieses Mal auf seinen Vortrag, Weyl-Czarnikau behandelt sein rv««nfi rave rhO bv l'bsin imb N*p*SD p£D betreffe des Thema und führt in scharfsinniger zur Dissbrssion lebhaft anregender Weise die Frage ihrer Äsung zu, wonach die Versammlung geschlossen wird. Der Bereinigung sind bereits .16 Rabbiner als Mitglieder beigetreten. Oesterreich. Wien, 21. Mai. Die jüngste öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde brachte einige interessante Einzelheiten. Vor allem erstattet Kultusvorsteher Max Frank das Referat über den Rechnungsabschluß für das Jahr 1907, der Gesamteinnahmen von K. 2.645.677 70 und Gesamtausgaben von K. 2 578.150.77 ausweist. Der Referent, verweilte besonders bei dem Posten „Spital". Die» ordentlichen Ausgaben dieses Kapitels weisen, abgesehen von den Gehaltserhöhungen per K. 7000 —, eine Steigerung von ca. K. 27.000 — gegen das vorhergehende Jahr aus. Herr Frank erkennt voll und ganz die segensreiche Wirksamkeit dieser Institution an, sowie die Pflicht der Gemeinde, alles, was in ihren Kräften steht, fiir dieselbe zu tun, hält aber die Ziffer für zu weit über die Leistungsfähigkeit der Gemeinde hinausgehend (!!) und macht einige Vorschläge, um Ersparnisse auf diesem Gebiete zu erzielen. In der herauf eröffneten Debatte weist Vizepräsident Dr. Gustav Ko hu daraus hin, daß das Steigen der Ausgaben für das Spital mit der Errichtung des Röntgeninstituts, ferner mit der G Haltsregulierung und der Lebensmittelteuerung Zusammenhänge. Er ist auch der Ansicht, daß in der Spitalsverwaltung einige Ersparnisse gemacht werden könnten, was übrigens der Obmann der Spitalkommission auch in Aussicht gestellt habe. Dr. Markus Spitzer möchte nicht die Meinung aufkommen lassen, daß es um die finanziellen Verhältnisse der Gemeinde so schlecht bestellt sei. Wenn von allen Seiten darauf hingewiesen werde, daß die Gemeinde noch Einnahmequellen suchen müsse, so warnt er vor einer Erhöhung^der Kultussteuer, da man diesbezüglich schon an die Grenzen des Möglichen gegangen sei und wegen zu hoher Besteuerung eine Mißstimmung in der Gemeinde herrsche. Uebrigens seien die A Sgaben, welche das Gleichgewicht des Gemeindehaushaltes so ungünstig beeinflussen, zumeist einmalige außerordentliche Ansgaben. Sicherlich ist ein neues, der größten Gemeinde Oesterreichs würdigeres Repräsentantenhaus notwendig, doch werde dies aus Gemeindemitteln allein nicht zu machen sein. Redner kommt auch auf den Bundestag zu sprechen, dessen Verlauf und dessen Resultate er nicht genug loben kann. Redner beanstandet es, daß der Lehrplan für den Religionsunterricht in deu Volks- und Bürgerschulen, sowie in den Mittelschulen noch nicht so we.'t fertig ist, um schon im nächsten Schuljahre in Kraft treten zu können. Dr. S p i tz e r bedauert, daß die Mikwah-Angelegenheit nicht zur Zufriedenheit aller Parteien erledigt werden konnte. Schließlich plaidiert er für eine Verwaltungs- und Steuerreform und betont, daß bei Aenderung der Statuten auch den modernen, politischen Bewegungen innerhalb der Gemeinde Rechnung getragen werden müsse. Der Präsident dankt zunächst für die ihm gewidmeten anerkennenden Worte des Vorredners und teilt mit, daß ein spezieller Bericht über den Bundestag dem Vorstande in den nächsten Tagen zugehen werde. Was die Mikwah betrifft, so sei das Bestreben der Kultusgemeinde gewiß, den Wünschen aller Gemeindemitglieder zu entsprechen. (Leider ist von diesem Bestreben in praxi wenig zu merken. D. Red.) Nachdem noch einige Redner über diese Angelegenheit zu Worte gekommen waren, wurde auf Antrag des Herrn Dr. Leopold Kohn der Rechnungsabschluß en bloc angenommen. Prag, 27. Mai. Zu der in Nr. 21 unseres Blattes erörterten Friedhofsangelegenheit von Prag schreibt man uns von dort, daß nunmehr berechtigte Hoffnungen vorhanden sin>, die Angelegenheit, wenigstens soweit im günstigen Sinne zu lösen, daß die Verwendung eines Friedhofsteiles für den beabsichtigten Neubau seitens der Beerdigungsbrüderschaft wird vermieden.werden können. Auch der jüdische Volksverein in Prag hat sich mit einer Eingabe *— deren Abschrift uns vorli> gt — im Sinne unserer Ausführungen an die Kultusgemeinde-Nepräsentanz, als die zuständige Behörde gewendet, worauf der Präses, Herr Dr. Rosenbacher, vorläufig die feste Versicherung gab, eine genaue Untersuchung der Angelegenheit anzuordnen. „Dieser Untersuchung — schreibt unser Korrespondent — können wir mit Vertrauen und Beruhigung entgegensehen, da wir in der Lage sind, alles, was vorgebracht wurde, unwiderleglich zu beweisen." Ungarn. vle Juden und der 6e[e6arfiftel xx vom Jahre 1848- (Bon unserem Korrespondenten.) Budapest, 24. Mai. Im Jahre 1848 wurde der Gesetzartikel XX in Sachen des Glaubens geschaffen, dessen §§ 2 und 4 folgendermaßen lauten: „Unter allen in diesem Lande gesetzlich anerkannten Glaubenssekten wird ohne Unterschied eine vollkommene Gleichheit und Reciproeität eingeführ'. (§ 2.) Der Kirchen- und Schulgebrauch aller gesetzlich anerkannten Glaubensriten wird aus allgemeinen Staatsmitteln bestritten und wird über die Detail-Anwendung dieses Prinzips das Ministerium mit der Berechnung der betreffenden Glaubensriten .der nächsten Gesetzgebung einen ausführlichen Gesetzesvorschaa unterbreiten. (§ 3.)" Die Verfügungen dieser §§ sind bis zum et« Neger von Ihrer Gesichtsfarbe Jude sqj. Johnson: Gs ist aber dennoch so; ich bin Jude, und lieber will ich hungern, als zum ersten Male in meinem Leben am Pessach Brot essen. Nun wurde der Obmann des Fürsorge-Vereins herbeigeholt. Auch dieser schenkte dem Arrestanten wenig Glauben, denn seine Gesichtsfarbe war so schwarz, wie die eines Negers, und außerdem sprach er den südlichen Dialekt. Als Johnson das Mißtrauen merkte, das seinen Behauptungen entgcgengebracht wurde, begann er in reinem Hebräisch dagegen zu protestieren, daß ihm nicht gestattet werde, das Fest mit seinen Glaubensbrüdern zu feiern. Er sprach nicht nur hebräisch, sondern schrieb auch in dieser Sprache. Er erzählte nun, daß er in Jerusalem geboren wurde, mit Jemen Eltern dann nach Virginia kam, wo er dann »en Dialekt und die Sitten der Neger sich aneignete. Sein ursprünglicher Name war Klowsky und er hat erst in Virginia den Namen Johnson angenommen. Der Obmann des Vereines, Mr. Davidson, schien noch nicht ganz beruhigt und ließ sich die Geschichte von Pessach erzählen. Johnson alias Klowsky rezitierte nun auswendig fast die ganze Haggadah im Urtext. Nun erst schenke Mr. Davidsohn den Erzählungen des Arrestanten Glauben und versah ihn nicht nur für die nächsten zwei Tage mit Pessachrost, sondern veranlaßte auch, daß dre Ordnungsstrafe für ihn erlegt werde, damit er d^u Arrest verlassen könne. (Die Bergjude« im Kankasus.j Es ist bekannt, baß im Kaukasus ein kleiner armer Stamm von Juden lebt, über den selten einmal Nachrichten in die Oeffentlichkeit dringen. Dieser Stamm, die sogenannten ^Bergjuden", zumeist große, starke und breitschulrigeGestalten mit gebräuntem Gesicht und schwrazem $ttt, mag etwa 20,000 Seelen zählen. Ihre Sprache ist das Tat, die Sprache eines mohamedanischen Volksstammes aus dem Gouvernement Baku. Obgleich sie sich in Sitten und Gebräuchen wenig von den anderen Völkern ihrer Umgebung unterscheiden, werden sie'doch vielfach angefeindet. Früher waren die Bergjuden Sklaven der jeweiligen Herrscher des Kaukasus, während sie sich jetzt seit langer Zeit ihre Selbständigkeit erkämpft haben. Sie wohnen verstreut von der Provinz Wartaschin bis zum Kuban; ihre Hauptstädte sind Kuba und Derbent. Ueber die Vergangenheit dieses Stammes existieren bloß Sagen und Vermutungen. Die Bergjudcn selbst betrachten sich als Nachkommen der verlorenen zehn Stämme. Zur Zeit ihrer Sklaverei unter den mohammedanischen Herren mußten sie den mohammedanischen Arbeitern Monate lang Unterkunft und Verpflegung gewähren, und wenn die Arbeiter die Gegend verließen, so verlangten sie von den Bergjuden noch Belohnungen „für die Muhe des Essens!" Erträglicher wurde ihre Lage, als sie unter die Herrschaft der russischen Fürsten kamen. Der kaukasische Fürst Michael Nikolajewitsch hatte den Bergjuoen völlige Gleichberechtigung zuerkannt, diese blieb indes, wie anderwärts, nur auf dem Papier bestehen. In Rußland unterliegen sie heute allen für die Juden bestehenden Beschränkungen, die allerdings den Bergjuden gegenüber nicht so streng angewendet werden, z. B. werden sie an den Universitäten auch in höherer Zahl als die übrigen Juden ausgenommen. Man hielt sie ihrer herkulischen Gestalt wegen für besonders geeignet, Schutzleute zu werden. Mer sie lehnten diese Posten als ihrer Würde als freie Bergbewohner nicht entsprechend ab. wickelt wie in den Vereinigten Staaten von Nordamerika; freilich sind sie auch fast in keinem Lande so notwendig. Denn so großartig auch die Leistungen dieser Jnstititutionen find, — das Elend, das sie mildern sollen, ist noch immer größer. In Newyork allein existieren 75 große Wohltätigkeits-Gesellschaften. Me größte und bekannteste von ihnen, die „United Hebrew Charities", besitzt ein Haus im Werte von 250,000 Dollars. Das allgemeine Einkommen dieser Gesellschaft beträgt jährlich 320,000 Dollars. Der Bau des Krankenhauses „Mount Sinai Hospital" hat drei Millionen. Dollars gekostet, und die jährlichen Einkünfte dieses Krankenhauses belaufen sich auf 350,000 Doll. Die Zahl der Leute, die sich an den Spenden für diese Wohllätigkeitsgesellschaften beteiligen, ist natürlich eine sehr große, denn dre reichen Juden allein könnten die Rresensummen nicht aufbringen, die von den verschiedenen Gesellschaften alljährlich eingenommen und ausgegeben werden. Man berechnet, daß die Summe der hrer alljährlich für wohltättge Zwecke ausgegebenen Gelder in die Zehnmillionen hineingeht. Die Namen der Spender wurden eine Keine Enzyklopädie füllen. (Die Kolonie Sichron Jaakob.j« Me Kolonie „Sichren Jaakob" gehört gegenwärtig' zu den gesichertsten und leistungsfähigsten Kolonien von Palästina. Me Kolonie nimmt ihren Anfang bereits an der Landstraße, die von Chederah nach Sichron Jaakob führt. Zu beiden Seiten dieser Straße ziehe» sich auf dem von der Jewisb Colonisation Association für die Kolonie angekauften Boden Getreidefelder iw» großer Fruchtbarkeit hin. Die Kolonie selbst ist auf nnem Berge gelegen, von dem aus lich eine wundervolle Aussicht auf das Karmelgebirge und auf