Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1908-05-28 · Heft 22 (28.5.1908) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 22 (28.5.1908)
Date
1908-05-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449298-2449321--64519-2507114
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 12. No. 21. Lieber den Beginn von Titfn'TTbv. Der unter obiger Uebcrschrift in Ihrer jüngsten Nummer veröffentlichte Artikel, welcher zweifelsohne von einem sowohl talmudisch als astronomisch gelehrten Korrespondenten abgefaßt wurde, veranlaßt mich, Sie höflich zu ersuchen, mir eine kurze Bemerkung gestatten zu wollen. Wenn Ihr geehrter Herr Korrespondet den im Talmud und □'poiO angegebenen Tagesanbruch, der als m&n "HDy bezeichnet wird, mit der in unseren Tabellen für jeden Tag berechneten astronomischen Dämmerung indentistzierte und demzufolge zur Entscheidung gelangte, daß „man kaum einen Fehler begehe, wenn man für Deutschland zu dem Beginn der astronomischen Dämmerung am Morgen 18 Minuten hinzugefügt, um der neuen Definition desnplVN T)Dy Rechnung zu tragen" —: so würde,diese neue Methode, soweit meine schwache Beurteilnngskraft hinreicht, zn bedeutenden Schwierigkeiten führen. In Ihrer Stadt Frankfurt, welche unter dem nO° növbL Breite liegt, wird im Juni der Sonnenaufgang um 8 Uhr 55 Min. stattfinden, die astronomische Dämmerung beginnt aber schon 33/4 Stunden vor Sonnenaufgang: — also zirka 10 Minuten nach Mitternacht ist der Beginn der Morgenröte. Was Ihr Herr Korrespondent als irupn“00# nach neuer Definition bezeichnet, wird im Juni in Frankfurt um halb 1 Uhr morgen$ eintretcn. Der Beginn der Nacht tritt bei der Llchtbarteit dreier nahe beieinander stehender Sterne von mittlerer Größe ein, wann sich alsdann die Sonne 7,5 Grad unter dem Horizont befindet: somit wird im Juni die Nacht gemäß religiöser Vorschrift um 9 Uhr und 5—7 Minuten in Frankfurt eintretcn. Die Tageslänge beträgt also für Juni 20 Stunden nnd' 35 Minuten. Berechnen wir mm die nach Rcligions Vorschrift bestimmte Zeit für das Schemah-lesen, nämlich bis drei Stunden — V4 der Tageslänge, von der astronomischen Dämmerung angefangen, so ergibt sich als Resultat, daß man im Juni schon um 5 Uhr 40 Minuten des Morgens in Frankfurt pj -oiy yDV nN'Hp fein würde! Ich glaube, daß die altherkömmliche Deutung von ~irwn "HDJJ dieser von Ihrem verehrten Herrn Korrespondenten vor geschlagenen „neuen Definition" vorzuziehen sein .dürfte. — Ich glaube sogar, daß es gegen das Religions- Gesetz verstoßen würde, die in Mischna Megilla (II, 5) «ufgezählten Gebote, welche nur bei Tag vorzunchmen find, schon bei Beginn der astronomischen Dämmerung vorzunehmen. Wie könnte man die Vorschrift der Torah, das Schemah des Morgens und Abends zu lesen, erfüllen, wenn man des Morgens schon um 12 1/» Uhr das Schemah lesen wollte, während es doch deutlich, heißt: „-pD'PUl" „zur Zeit Deines Anfstehens"? Hochachtend ergebenst London, 11 Mai 5668. Joseph Levy. ücherschau Systematische Bibliographie der Palästina-Literatur. Auf Veranlassung des Deutschen Vereins zur Erforschung Palästinas bearbeitet von euillelon tmt Der €nkel. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung) „Aber ich bitte dich, dem Kinde hättest du die Freude verderben wollen?" Er zuckle die Achseln. „Um einem Kinde eine Freude nicht zu verderben, darum weiche ich nicht vonl graden Weg." „Du übertreibst, bin ich denn vom graden Weg gewichen?" 7>,Äas habe ich doch auch nicht gesagt, ich habe itüv deine Frage beantwortet, was ich getün hllbeü wurde. Aber die ganze 'Geschichte ärgert mich, ich hätte dem Gotthold ein derartig Der Israelit. Dr. phil. Peter T l 0 m » e n. I. Band. 1895 bis 1904. Leipzig unb 92 ctot) oxl 1908. Rudolf . . Haupt. Die gründliche Arbeit schließt an die bis znm . Jahre 1895 in oer Zeitschrift des Deutschen Palästina- Vereins jährlich veröffentlichten Uebersichten an und gibt ein erhebendes Bild von der gewaltigen Verzweigung uno Ausbreitung der Palästina-Forschung in unseren Tagen. Die sorgfältig aufgenommenen nahezu 3000 Titel erstrecken sich auf folgende' Gebiete: Geschichte, historische Geographie unh Topographie, Archäologie (in besonderen UnterchbMilungen die neueren archäologischen Funde, Inschriften, Münzen), Modernes Palästina (Kolonisation, Kulturelles, Sanitäres), Geographie (Geologie), Reisebeschreibungen. Das Buch wird sich all denen, die aus Beruf oder Neigung mit der Palästina-Arbeit verknüpft sind,, als unentbehrliches Nachschlagewerk erweisen. Der Verfasser beabsichtigt im Jahre 1910 die Bibliographie für den Zeitraum von 1905—09 folgen zu lassen. m. Ist Gott tot? Gott — Welt — Mensch. Drei Kernfragen der Weltanschauung, naturwissenschaftlich beleuchtet von I>r. phil. E. Dennert. Stuttgart, 1908. Mar K i c 1 m a n n. Preis 2 Mk. Der etwas sensationell aufgeputzte Titel, dem ein wenig geschmackvoller Umschlag entspricht, deckt bessere Ware, als man auf den ersten unangenehmen Eindruck bin erwartet. In klarer und doch gründlicher Darstellung entwickelt der Verfasser die Grundzüge des wissenschaftlichen Weltbildes, die Begriffe der Gesetzmäßigkeit und Zweckmäßigkeit, um darzutuu, daß jenes Weltbild, sofern man es voraussetzungslos betrachtet, die Wahrheit des Gottesglaubens in hohem Grade wahrscheinlich macht, keinesfalls aber in Widerspruch dazu steht. Es folgt dann eine eindringende Betrachtung des Entwicklungsged a n k e n s und es wird an den entscheidenden Punkten (erste Entstehung der Materie, des organischen Lebens, des bewußten Geistes) mit überzeugender Schärfe aufgezeigt, daß es schlechterdings unmöglich ist, mit den den Gottesbegriff ansschaltenden Erklärungshypothksen auszukonnuen. Der Verfasser will, das sei ausdrücklich bemerkt, nicht etwa das Dasein des Schöpfers durch Denkoperationen und Induktionen beweisen, sondern vielmehr die ttnwisscnschaitlichkeit jenes Fanatismus des Unglaubens zum Bewußtsein bringen, der den überlieferten Gottesglauben für unvereinbar hält mit den Ergebnissen der exakten Natncforschung. In der Auffassung dcs biblischen Schöpfungsberichtes können wir dem Verfasser allerdings nicht beipflichten: hier läßt er sich durch den Mangel einer gründlichen Kenntnis der Quellen und der jüdischen Ueberlieferung zu Konzessionen an die Bibelkritik verleiten, .die unseres Erachtens von seinem Standpunkte aus unnötig sind und -die ihn andrerseits dann dazu zwingen, alles positive religiöse Leben aus die Subjektivität freischwebender Stimmungen zu gründen. m. kitzgegaugene Bücher. (Besprechung.Vorbehalten.) „3um Moralunterricht" ausgpwählte Kapitel aus den englischen Lehrbüchern. Ins deutsche übertragen und mit einer Einleitung versehen von Emily Altschul. (A. Hartlebens Verlag, Wien und Leipzig. 1908.) inkorrektes Vorgehen nicht zugetraut, erst vor Kurzem Habe ich t$n gesagt, daß," obgleich Edwin doch jetzt frisch und munter ist, er doch immer so viel als möglich vor Aufregung geschützt werden muß und daher selbstverständlich auch vor Ueberraschungen. Muß da die exzentrische Frau hereinschneien —" „Er hat auch gleich nach dem Herzen gegriffen", sagte Gustav. „Das läßt sich denken, und wozu diese Ueberraschung? hat die Frau nicht früher sich anmelden können und Gotthold hat auch nicht schreiben können?" Es war an dem darauffolgenden Sonntag, Doktor Hasenfeld war eben im Begriff, das Haus zu verlassen und die Runde bei seinen Kranken anzutreten, als Gotthold ihm entgegentrat. Die Herren begrüßten einander aufs Herzlichste, der Arzt allerdings mit dem Ausdruck unverhohlenen Staunens, während Gotthold wie suchend um sich blickte. „Wo ist denn Edwin? er war nicht an der Bahn' er ist doch wohl?" - 7 „Sie haben Edwin an der Bahn erwartet?" „Nun ja freilich, ich habe ihm doch geschrieben, daß ich heute kommen werde — oder sollte er meinen Brief nicht erhalten haben?" Der Doktor war bis auf die Lippen erblaßt. 21. Mai 1908 „Dre religiöse Auffassung der Weltgeschichte". Eine geschichtsphil. i tubic dem Andenken Alexander Schweizers zu feinem 100jährigen Geburtstag gewidmet von Prof. P. Schweizer. (August Frick, Zürich II. 1908.) ‘ „Das Judentum am Scheidewege" Ein Wort zur Schicksalsfrage an die Starken' und Edlen des jüdischen Volkes von Dr. Max Joseph, Rabb. in Stolp. (Poppelauer, Berlin 1908.) „Hinauf »um Idealismus!" Schelling - Studien von Dr. phil. Otto Braun, (Fritz Eckhardt, Leipzig. 1908.) „Konfirmationsreden". Bon Jacob Freund. (Jacob B. Branbeis, Breslau. 1908.) „More Newuchei Hador". (Führer der irrenden Zeitgenossen.) Von Moses Salamon Arensohn, Kowna. (Buchdruckerei „Witwe & Gebr. Romm", Wilna. 1908.) VON- Die fünfMeg'loth BandII Ruth von Dr. Raphael Breuer. A. I. Hofmann, (Frankfurt a. M. 1908.) Die Legende dcs Baalfcbem von Martin Buber. (L terarische Anstalt Rülten & Loening, Frankfurt a. M. 1908.) Eine unrichtige Lesart. Im Pirke Abot V, 2 heißt es zweimal: Nv2 y"iir6 VäSbv q-bk 1*18 („um kund zu tun, wiev et Qangmut vor ihm waltet"). In allen mir zugänglichen Ausgaben der Pirke Abot, auch ^8*ib* nny 'v von S. Bär, in der Mischna-Ausgabe von ^Dr. D. Hoffmann und dem Rödelheimer Gebetbuch findet sich durchweg die Punktation v'LN *^8 und mit diesen Vokalen wird das Wort auch allgemein ausgesprochen. Es wird aber dabei übersehen, daß in unsrem Satze durchaus ein Substantiv erforderlich ist und zwischen nvr und voeS ein Adjektiv keinen Raum hat. Die Form "">8, die in der Bibel an 15. Stellen erscheint, ist nur Adjektiv und zwar der Status konstruktus zu px oder D« (die Maskulin-Form kommt nicht vor), daher die häufige Zusammenstellung mit "wn-sn# “idh-Sh: usw. (Nur in Jerem. 15, 15 könnte cs zweifelhaft erscheinen, ob das "JE# "p»1? als Substantiv oder Adjektiv gedacht ist). Die Konstruktus-Form *spK zu “*18 (oder ijl») ist analog der Konstruktus-Form D) zu °ni' zu T5» ^.13 zu ‘ro. Es muß da er an unsrer Stelle unbedingt i^v7tpv'v8 'pH Nv2 punktiert und gelesen werden. Hiernach ist auch in Monde lkernS Konkordanz die Form “">8 nicht zum Substantiv ip.8, sondern zu der Femtninform des Adjektivs N2nu zü stellen. Die Verbindung CBK ■p« findet sich übrigens in „Sprüche Salomo" 25, 15. Rabb. Dr. M. Petuchowski-BerliN- „Herr, du mein Gott!" flüsterte er, indem er sich mit der Hand über die Stirn fuhr. „Um's Himmelswillen, was Ms mit dem Kind? — So reden Sie doch, wo ist Edwin?" „Wie können Sie mich das fragen!" rief der Andere, „er ist doch auf Ihren ausdrücklichen Wunsch mit seiner Mutter nach Norwegen gereist/'' „Wa — wa — w as?" stammelte Gotthold, „nach Norwegen? —" Aschfarbene Blässe hatte sein Antlitz überzogen, der Doktor fürchtete, ihn zusammenbrechen zu sehen und faßte stützend seinen Arm. „Es ist also nicht wahr. Sie haben nicht Ihre Zustimmung gegeben?" „Ich bin doch gar nicht darum gefragt wor-- den — und überdies, was soll er in Norwegen?" „So sind wir betrogen worden, schändlich betrogen —- aber es wird nichts zu sagen haben, sie ist ja doch seine Mutter — Kommen Sie, Herr Gotthold, kommen Sie herein!" „Dieser schien jedoch vollständig fassungslos, aus den Wink seines Vaters stützte Gustav den Wankenden von der anderen Seite und beide geleiteten ihn in das Wohnzimmer. Inzwischen war Emil zu der Mutter geeilt und hatte sie von dem Besuche in Kenntnis gesetzt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.