Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1908)
- Date
- 1908-05-28
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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28. Mai 1908. Der JSraeltt. Seite 13. Sk. 32 „Was?" rief diese, „Herr Gvtthold weiß nicht, daß Edwin mit seiner Mutter verreist ist? Großer Gott im Himmel, da hat der Vater wieder Recht gehabt, wir hätten ihn nicht sortlassen dürfen! wie wird das gehen? wie wird das gehen?" „Herr Gotthold!" rief sie, „meinen Mann trifft keine Schuld, wenn er zu Hause gewesen wäre, wäre das Unglück nicht geschehen, ich allein habe alles verschuldet und ich bitte Sie, verzeihen Sie mir, Herr Gotthold!" Diesem war es doch bereits gelungen, seine Fassung wenigstens einigermaßen wieder zu erringend „Ich habe Ihnen nichts zu verzeihen, gnädige Frau", sagte er, „ich begreife vollkommen, daß Sie, ohne Kenntnis der besonderen Verhältnisse, sich nicht berechtigt hielten, der Mutter Ihres Zöglings denselben zu verweigern." „Uebrigens kann man auch nicht von einem Unglück reden", fiel der Doktor ein, „ärgerlich ist die Geschichte, das gebe ich zu, denn es ist immer ärgerlich, wenn man erkennt, daß man überlistet worden ist, aber daß es dem Jungen irgendwie schaden könnte, vier Wochen unter Aussicht seiner Mutter, die in Wirklichkeit interessante Reise gemacht zu haben, das sehe ich auch nicht ein. Heute oder morgen über drei Wochen wird er vermutlich schon wieder hier sein, und was er da alles zu erzählen haben wird! Ich hoffe auch> daß seiner Gesundheit der längere Aufenthalt auf der See recht wohltun wird." „Hoffen wir das Beste," sagte Gotthold, indem er sich erhob. Da er seinen Enkel nicht getroffen hatte, ließ er sich nicht zurückhalten, den nächsten Zug zur .Heimreise zu benutzen und schon in den späteren Nachmittagstunden hatte er seinen Wohnort wieder erreicht und begab sich vor allem zu dem Vater seiner Schwiegertochter, um ihm die seltsame Entführung ihres Enkels durch die eigene Mutter zu berichten und mit ihm zu überlegen, was jetzt geschehen solle. hold, wenn Malwine zu Ihnen gekommen wäre, und Ihnen gesagt hätte, sie möchte mit Edwin die Gesellschaftsreise nach Norwegen machen, hätteu Sie das nicht zugegeben?" „Schwerlich", erwiderte Gotthold, den Kopf schüttelnd, „und das hat sie gewußt, denn gleich damals,' als sie mir ihren Entschluß mitteilte, sich taufen zu lassen, um den Baron Braudow zu heiraten, gleich damals habe ich ihr erklärt, daß ich ihrem Sohne den- Verkehr mit ihr nicht mehr gestatten könne." Schröder atmete wie erleichtert auf. „So, das haben sie ihr' gesagt — na, dann braucht die Geschichte doch nicht so arg zu sein, wie ich im ersten Augenblick gefürchtet habe. Man darf ja nicht vergessen, sie ist ja doch Mutter und er ist in Wirklichkeit ein liebes, herziges Kind — wenn sie demnach gewußt hat, daß Sie ihr freiwillig den längeren Verkehr mit ihrem Kinde nicht gestattet haben würden, so darf es eigentlich nicht so sehr überraschen, daß sie ihn sich für einige Wochen mit Gewalt angeeignet hat. — Wissen Sie, ich war im ersten Augenblick hauptsächlich darum so konsterniert, weil ich mir eingeredet habe, der verfluchte Kerl, der Brandow, müsse dahinter ftecfeu aber so — wie Sie sagen —" „Sie werden sehen, sie führt nichts Böses gegen ihn im Schilde, in drei Wochen, will's Gott, werden wir ihn gesund und wohlbehalten wieder bei uns haben. Und ich glaube, den Baron dieser Tage gesehen zu haben, glaube es mit Bestimmtheit, werde mich aber morgen durch einen Zuverlässigen erkundigen lassen und Ihnen das Resultat mitteilen. Bis dahin, ich bitte Sie darum, lassen Sie die Sache auf sich beruhen." Gotthold versprach es und schon im Lause des nächsten Vormittags erhielt er ein Schreiben des alten Schröders, der ihm mitteilte, daß Baron Brandow nach eingezogenen Erkundigungen, sich auf einer Reise um die Welt befinde und vor zwei Jahren nicht zurückerwartet werde. „Wir haben daher für unseren teuren Edwin nichts zu fürchten uub wiederhole ich meine Bitte, seine Heimkunft ruhig abzuwarten, in spätestens drei Wochen haben wir ihn wieder hier." Die Zeit verging in gewohnter Tättgkeit, für die Familien Hasenfeld, Gotthold und Schröder dennoch ungewöhnlich langsam. Die Ferien hatten bereits begonnen. Schröder hatte sich erkundigt, wann der Dampfer Roland von der Nordlandfahrt zurückerwartet werde und hatte darauf den Doktor Hasenfeld gebeten, er möge seinen Söhnen erlauben, auf seine Kosten ihrem Kameraden bis zum Landungsplatz entgegen zu fahren und sofort nach Edwins Ankunft seinen Großvater telegraphisch zu benachrichtigen. Der Doktor hatte seinen Söhnen gern gestattet der Schrulle des reichen Mannes, wie er es nannte, zu entsprechen und die jungen Leute waren überglücklich über ihre Reise. Doch der für die Heimkunft des Dampfers bestimmte Tag war gekommert, voll Ungeduld sah Schröder oer Depesche entgegen, die ihm die Nachricht bringen sollte, daß sein Enkel wieder auf dem Festland sei. Jetzt schellte es in uttgeftümer Weise, wie die Telegraphenboten häustg zu schellen pflegen. Das mußte die erwartete Depesche sein, er zweifelte nicht daran. — Er war aufgesprungen und dem Boten bis zur Tür entgegengegangen, persönlich die ersehnte Depesche entgegen zu nehmen. Richtig! sie kam aus Bremerhafen. Hastig riß er sie auseinander und las: „Dampfer Roland angekommen, Edwin nicht. Danrpfers Kapitain versichert, keine Frau Gotthold und Sohn hätten die Gesellschaftsreise mitgemacht. Gustav Hasenseld. Wie entgeistert starrte der alte Mann auf das Blatt, das in seinen welken Händen zitterte, er konnte den Inhalt der Depesche nicht fassen, sein Enkel, das einzige Wesen, auf das sich alle seine Gefühle konzentrierten, was war aus ihm geworden? — Der alte Herr geriet in höchste Erregung. ' „Sagen Sie mir aufrichtig, Herr Gott¬ (Fortsetzung folgt.) FQr den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es anssehliessiiehSache der Leser, die I» Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonst ge Angaben religio [»gesetzlichen Charakters anf ihre Zuverlässigkeit zn prüfen. Wir bitten um gefl. Aufgabe von Vakanzen, speziell in folgenden Branchen - Kolonial-, Kurz-, Spielwaren, Manufaktur waren, Bankbranche- -i.-/--—~ Isr. 8teilenvermittlungs-Centpale, Frankfurt a M, Schützenstrasse 14 10507) TammSstr. 49 WlSSllSllBD TaunuSstr.49 (am Kochbrnnnen.) w'w> Pension u. Mittagstisch w EW I Ranges. W f 2 Lift, Zentralheizung, Bäder im Hanse. n 3 8 «nt.Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabb.vr. Kahn WieS- SS» baden.— Zur Saison i. Swinemünde Restr. »Berolina." g t (9577) Inh. s. Karpin. ~ Freudenstadt VOrttemlh SchmrapzwaM« Hotel and Pension s™* TOD A. KULB. (10272) Telefon No. 86. Villa Germania herrliche Lage am Walde, bedeutend vergrössert. Herrenalb “ieo Hotel Lion mit Dtptaiuct Villa Senfs Wiedereröifhnng: Pflggstsonntag. u. A. s. E. H. Dr. Schiffer. (10443 SUCHARDs MILKA VELMA NOISETTINE BELIEBTE ESS-CHOCOLAOEN, GARANTIRT REIN. Suchard “'s«»!. Bad Neuenahr Hotel Landskron. Einzig, «nt. Aufs. steh. Hotel von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Cökl. 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