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Der Israelit · 1908-05-28 · Heft 22 (28.5.1908) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 22 (28.5.1908)
Date
1908-05-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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tt cy m% Sem öebetbncbe. Von Rabbiner Dr. Kaatz in Zabrze. p Zch will in folgendem eine interessante ge- Notiz behandeln, die sich an das beim usheben der Thora an den drei Wallfahrtsfesten zu sprechende Gebet D^iy bv 13133 knüpft. In -er „Geschichte der israelitischen Gemeinde Halberstadt" von B. H. Auerbach ist in einer Beilage iS. 181) ein aus dem Hebräischen übersetzter Brief abgedruckt, denSalomonDubno *m Wolf Heidenheim in Rödelheim richtete. Darin befindet sich folgender Passus: . „Wenn S e den Q^iy bw 13133 drucken, welchen rüan in sehr vielen Gemeinden bet Oeffnung der heiligen Lade an den 3 Hauptfesten betet, dürfte es vielleicht -angemesien sein, die Stelle 21H3V Ä3pD 133 □"Ip'n vn nn vty nrui Ott? folgendem Grunde ganz auszulassen. Schon als Jüngling war mir die ganze Phrase auffallend. Nur einem Meffias hat Gott verheißen 'n ni3 vhy nn31 nur dem einzigen Messias, aber nichr. allen Israeliten. Welche Vermessenheit, wenn jeder einzelne verlangt, Gott solle i n zu seinem Meffias machen: 'n i'ty nmi 1^3 D’,,1p1V Ich ftug deshalb meinen Jugendlehrer R. Naphtali Hirz. Dieser sagte Mir, sein Vater dec Gaon dt. Hirsch Biale von Halberstadr habe ihm versichert, die Stelle nmi 133 0"lp'l sei interpoliert. Nachdem nämlich der falsche Messias Sabbathai Zewi gefäng ich eingezogen war, reiste der sabbatSiche falsche Prophet Nathan überall umher, schwatzte den Leuten vor, der Messias wäre wegen der Sünden des Volke? auf einige Zeit verschwunden und f rderte auf zur Buße und Sünentilgung und besonders zum B ten auf das baldi e Erscheinen des Meffias in seiner ganzen Glorie, und durch diesen Nathan ward in den eingeschoben □r'ip’3 Jn nn vby nmi 31N3V rrip013 d. h. ,an Sabbatai Zewi soll sich erfüllen diese göttliche Verheißung", inmm dieser von Gort zum Messias auserkoren, nur durch die schweren Sünden des Volkes in seiner Wirksamkeit ge emmt sei. Als nun später die Rabbiner Diese verderbliche rk e verfolgt und in den Bann getan, und jede Bolkserinneru g an dieselbe auszurotreu bemüht waren, hat man, weil e« schwer fiel, ohne Aufsehen zu erregen in den gedruckten Gebetbüchern die ganze Phrase yty$ nmi 31H3W iOpD 13 O^ipn zu streichen, für weislich gehalten, bloS das 12 in 132 zu verwandeln. R. Hirsch Biale aber habe diesen ^133 O^iy bw gar nicht sagen lasten." Dieser Brief ist auch die Quelle der Mitteilung von G r ä tz „Geschichte der Juden" (Bd. 10, 215 und Note 3), welcher schreibt: „Nathan Ghazati hatte den Gemeinden vorgeschrieben. em eigenes Gebet an den Feiertagen mrd bei feierlichen Handlungen für ihn hinzuzufügen; „und es bewähre sich an ihm das Wort des Propheten: g ruhe auf ihm der Geist.Gottes, der Geist der ejsheit usw." Es wurde angenommen und in Gebetbüchern mit abgedruckt". „Später ist diese Formel 13 in 122 verwände»! morden." Die Worte „bei feierlichen Handlungen" lind von Grätz eigenmächtig hinzugefügt. Im Briefe Dirbin)'s, auf den Grätz (Note 3) sich keruft, steht nichts davon, ein typisches Beispiel, wie notwendig es ist, bei Zitaten immer me Quelle zu vergleichen. Die Grätz'sche 9tötiz wurde von tendenziösen Auch-Historikern weiter verarbeitet und entstellt. So war z. B. in sJlr. 25 der „Mitteilungen des liberalen Vereins sHr die Angelegenheiteir der jüdischen Gemeinde m Berlin" folgendes zu lesen: „Um die Zeit, als die Sabbatai-Zewi-Bewegung im siebzehnten Jahrhundert ihren Höhepunkt erreicht hatte, wuroe in vielen Gemeinden die Anordnung getroffen, daß während des Gottesdienstes am Sonnabend und an den Feiertagen bei offener Lade ein Gebet für den „Messias", ähnlich dem für den Landesherrn, gesagt würde. Geschäftstüchtige Buchdrucker beeilten sich, das von dem Apostel des Messias, Nathan aus Gaza, verfaßte Hutdigungsgebct in die neu aufgelegten Gebetbücher aufzunehmen. Sabbatai-Zewi hat in den letzten Jahren seiner „messianischen" Tätigkeit auf die Zerstörung des Judentums hingearbeitet: er ist später zum Islam übergetrcten und hat Tausende von Juden zum Abfall vom Glauben Israels verleitet; sein Andenken wurde von den frommen Juden verwünscht. Aber das Gebet für ihn, für den Abtrünnigen uno längst Verschollenen, ist in unserer Liturgie geblieben. Man hat nur daran einen Buchstaben geändert, wodurch es noch obendrein sinnlos' wurde." Nun, ich glaube, daß, wenn der Ausdruck „sinnlos" angewandt werden soll, der anonyme Skribent selber, der solche verlogene Wissenschaft von sich gibt, treffend mit dieser Bezeichnung charakterisiert werden kann. Seine Worte sind lauter Trug und Torheit. Wie steht es nun aber in Wahrheit mit dem herrlichen G bete D*?iy bv 13133? Es dürfte nicht überflüssig sein, im Hinblick auf den zitierten Brief Dubno's den Gegenstand einer kurzen Prüfung zu unterziehen. Ich habe die Ueberzeugung, daß in diesem Briefe ein Irrtum obwaltet, was ja an sich nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, daß der Brief im Jahre 1789 geschrieben ist und das Auftreten Nathan Ghazatis in das Jahr 1666 fällt, daß also ein Zeitraum von 123 Jahren dazwischen liegt, der Verwechselungen erklärlich macht. Salomvn Dubnv hat die Mitteilung als junger Mensch, vielleicht als Knabe, von seinem Jugendlehrer, und dieser wiederum von seinem Vater Hirsch Biale empfangen, der 1718—1748 in Halberstadt als Rabbiner amtierte. Von wem der Vater, bei dessen Amtsantritt mehr als 50 Jahre seit Nathans Auftreten verflossen waren, die Mitteilung erhalten hat, wird nicht gemeldet. Er hatte schon die Lesart 133 a^lpn. Trotz aller Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit der Gewährsmänner muß sich im Laufe der Jahre ein trrtum in den Bericht eingeschlichen haben. Der ergänz kann nicht so gewesen sein, wie er im Briefe Dubrrö's dargestellt wird. Denn dem in Frage stehenden Passus geht voran: „Begnade uns, daß dein Gottesglanz in unserer' Mitte walte, und laß über uns strahlen den Geist der Weisheit." Daran schließt sich aufs Engste an: „daß sich an uns erfülle das Wort u.s.w." Es scheint mir so gut wie ausgeschlossen zu sein, daß darin eine geheime Anspiäung auf Sabbathai Zewi liegen solle. Man sieht auch nicht ein, warum man in einer Zeit, in der man sich offen zu Sabbathai Zewi bekannte und, wie Grätz a. a. O. mitteilt, eine Segensformel mit ausdrücklicher Namensnennung Sabbathais emführte, hier gerade in einer so versteckten, ja sogar ganz unverständlichen Art für ihn gebetet haben soll. Der tatsächliche Vorgang war vermutlich der, daß allerdings die ursprüngliche Lesart lautete: 13 v"ip'i, daß dies aber z« übersetzen ist: „damit dadurch sich erfülle das Wort." Daß dieses 13 von sabbathäischen Gläubigen fälschlicher Weise auf Sabbathai Zewi bezogen wurde, kann zugegeben werden. Es war dies dann ein Mißbrauch und eine Mißdeutung, an der der Verfasser des Gebetes unschuldig ist. Um nun aber allen Mißdeutungen $u begegnen, wurde die ursprüngliche Lesart 13 in 123 umgewandelt. Was nun das Bedenken Dubno's betrifft daß ein Satz, der sich auf den Messias bezieht, nicht aus alle Israeliten angewandt werden kann, so ist dem entgegenzuhalten, daß in diesem Satze nichts enthalten ist, was nicht von allen Israeliten erbeten werden kann: Weisheit, Einstcht, Rat, Kraft, Erkenntnis, Gottesfurcht. Da daS Güter sind, die für alle Israeliten erstrebenswert sind, so hat der Verfasser des Gebetes den Satz des Jesaja aus dem ihn umgrenzende« Rahmen herausgehoben und zu einem selbständigen Gedanken gemacht. Es ist übrigens bemerkenswert, daß nicht nur Wen Esra, sondern auch das Targum Jonathan diesen Satz des Jesaja auf Hiskia bezieht. Das Targum übersetzt nämlich den vorausgehenden Satz Jes. 11. 1 folgendermaßen: „Es wird ein König hervorgehen aus Jsais Söhnen und ein Messias erblühen aus seinen Kindeskindern." Darnach wäre hier ein Doppeltes geweissagt, erstens, daß ein König aus dem Stamme Jsais erflehen werde, nämlich Hiskia, und zweitens, daß von ihm in einer späteren Zukunft ein Messias kommen werde. Die Verse 2—5 beziehen sich danach auf Hiskia, während von Vers 6 an vom Messias geweissagt wird. Daher schaltet das Targum in Vers 6 einige Worte in seiner Uebersetzung ein, die nicht im Text stehen, nämlich: „Jn den Tagen des Messias Israels wird groß sein der Frieden auf Erden", ein Beweis, daß nach ihm die vorausgehenden Verse, darunter auch Vers 2 „es ruht auf ihm der Geist Gottes us.w.", sich nicht auf den Messias beziehen. Vielleicht ist der Verfasser des O^iy '2133 aiefer Auffassung des Targum gefolgt, eine Annahme, durch welche das erwähnte Bedenken Dubno's vollständig beseitigt wäre.

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