Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1908)
- Date
- 1908-05-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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»WWW Kette 10. Nr. 22 »nächst müssen üür seststellen, daß Herr G._n fang seines ersten Aussatzes auf einen Zeitungssich stützend, sich nicht glücklich auf Herrn Dr. rk, Hamburg sozusagen als Eioeshelfer berufen Ln haLen scheint. Dieser Labe öffentlich bekundet, „daß oqr «n meisten angefochtene Mfikel Hurovitz's sein religiöses Empfindew in keiner Weise verletzt hat." Km hatte das einfach sät undenkbar. Herr Hnrobitz veröffentlicht in Nr. 4 Md 5 des zwei Artikel Über „Chassidismus und HaSÄloh." In diesen Artikeln werden zwar die .Größen der taltnudi- Wen Gttehrsmnkeit im gan^n glimpflicher und achtungsvoller behandelt als die Mrbbis des Ehassidis- «ÜS. Abvr, so heißt eS ll , Nr 4, S. 51, erste Spalte.' „Darin find sie gleich, daß sie die jüdische Welt biS zum Halse in einem Sumpfe von «nventiondllen Lügen und trügerischen Glaubenslitzen haben stecken lassen." Man Tomate mir aber «cht damit, daß ich diesen Sech in sinnentstellender Weife aus dem Zusammenhänge herausgerissen habe, fe bildet tMMehr einen objektiv zusa nmenfasfenden Abschluß eines Abschnittes. Herr Dr. t nt wird nicht Wgeü, daß dieser Satz „sein religiöses Lmpfinden in Mier Weise verletzt hat", ich Meine, er wird es Vvn dem Inhalte dieses Satzes nicht sagen rönne«. Aber er, wie wir alle können sagen, daß wir von diesen Anschauungen eines nicht am dem Boden der Tradition stehenden Schriftstellers nicht über- Wicht find. Darin ferner können wir He-:n Dr. Fink Hlchmmren, wenn er sagt: „Die Gegner ut.' ihre KamtzfeSart kennen zu lernen, ist aber immer von Wichtigkeit." Die Kampfesart unserer Gegner scheint bmnnqch auch Herrn Dr. Firtk, wie.lch übrigens bet ihm für selbstverständlich hielt, nicht zu gefallen. Allerdrngs, Herr Dr. Fink tröstet sich damit, daß „Hao- Mm" höchstens ein „einziger Zuflnßarm" unter den tausend Kanälen bilde, aus denen „religions- und traditionsfeindliche Lehren ins Volk strömen und dort in alle Schichten eindringen." Aber, frage ich, lvarum sollen Mir denn diesen Arm speisen? Wir, die wir untersuchen sollen im Quell der lebenspendenden Gewässer, wir dürfen diesen einen schadhaften Brunnen auch nicht graben helfen. Herr Dr. Fink meint ferner, daß die der hebräischen Sprache kundigen Leser des „Haolam", „sofern sie überhaupt auf dem Boden des traditionellen Judentums stehen, gegen das von einem Epikuros pro- Musterte Toxin durch ihre Kenntnisse sehr wirkungsvoll immunisiert sirw." Ich meine das nicht. Tausende von Jünglingen unter unseren östlichen GlaubenSbrüdern werden ganz intensiv mit dem Inhalt «nseres jüdischen Schrifttums vertraut gemacht, und die hebräische Sprache beherrschen sehr viele von ihnen wie eine Muttersprache. Will Herr Dr. Fink behaupten, daß diese gegen die antireligiösen Toxine, um in seiner Ausdruckweise zu bleiben, immuunisiert Md? Gewiß nicht, denn nirgends ist der religiöse Abfall erschreckenderals gerade unter diesen kenntnisreichen Jünglingen des Ostens, wenn sie mit der westeuropäischen Kritik in Berührung kommen. Und woher schöpfen diese ihre Zweifel? Zweifel? Nein, Dhre antireligiösen Dogmen? Woher bekommen sie die mit dem Tone der Unfehlbarkeit, mit der Geberde wissenschaftlicher Autorität vorgetragenen Dogmen des Unglaubens? Größtenteils aus den hebräischen Zeitsihriften! Diese Tatsache, die Herr Dr. Fink nicht be- «ceiten wird, dürste diesen doch davon äbbringen, die des Hebräischen kundige und mit dem jüdischen Schrrfttume vertraute Jugend des Ostens gegen religiös zerfetzende Einflüsse für gefeit zu halten. Und wenn mein-- Darstellung richtig ist, so widerhole ich: die Misrachisten müssen darauf bestehen, daß offizielle zionistische Zeitungen religionskritischer Erörterungen sich vollständig enthalten sollen. Herr Dr. Fink gibt übrigens im Wesentlichen die Ungehörigkeit der von anderen und besonders von Herrn Dr. Feuchtwanger angefochtenen Stellen zu, wmmt allerdings zu einem anderen abschließenden Urteil, das wir als nicht folgerichtig nicht unterschreiben können. Aber unzweideutig und kräftig sind bie Worte der Mißbilligung, stellenweise sogar der Entrüstung und Empörung, die Herr Dr. Fink für gewisse Expektorationen im „Haolam" findet. Ich werde deshalb erst daran glauben, „daß der am meisten angesochtene Artikel Hurovitz's sein religiöses Empfinden in keiner Weise versetzt hat", wenn Herr Dr. Fink dies authentisch erklärt. Mit dem obigen, lvie ich glaube, von mir widerlegten Argument des Herrn Dr. Fink scheint auch Herr G.... n übereinzustimmen. Er meint, deutsche Misrachisten hätten kein Mandat bekommen, die russischen Juden zu erziehen, wenn diese selbst, die den „Haolam" doch lesen und verstehen, in ihm keine Gefahr erblicken. Woher weiß denn aber Herr G... n, daß man in der Tat in Rußland an gewissen Artikeln des „Haolam" keinen Anstoß nimmt? Wie kann man denn überhaupt solche negativen Behauptungen ausstellen? Eine Tatsache ist es, daß viele russische Rabbiner dem Zionismus feindlich oder wenigstens mißtrauisch gegenüberstehen. Und es läßt sich a priori cmnehmcn, daß solche Artikel ihr Mißtrauen nur rechtfertigen und bestärken müssen. Und die deutschen Misrachisten, die aus ihrem Gewissen das Mandat schöpfen zu müssen glauben, auch hier ihre Stimme der Kritik nud Verurteilung laut erschallen zuu lassen, werden der Sache-des Zionismus in den Augen seiner lauten Gegner oder stillen Beargwöhner mehr nützen, als dieienigen, die dem „Haolam" oder seinem Redakteur Gefolgschaft leisten und eine von Misrachisten gar Der Israelit. 88. Mai 1968 nicht erwartete Basallentreue bekunden. Daß manche unserer deutschen Gesetzestreuen bei der Lektüre des „Haolam" sich eines gednrckten oder lebendigen Wörterbuches bedienenkommt für dieses Mandat nicht in Betracht. Hat Herr Dr. Feuchtwanger richtig zitiert? Das ist die Frage, und wir sagen „Ja!" und Herr G.... n selbst hat die Frage auch nicht mit „Nein" beantwortet und darum hätte er besser getan, deutschd Misrachisten nicht erst einer Prüfung im Hebräischen zu unterwerfen. Wir saßen ferner, Herr Dr. Feuchtwanger hat nicht nur richtig, dem Sinne nach, übersetzt, sondern er hat auch ganz richtig das Bedenkliche u«d Gefährliche nicht nur dieser markantesten Stellen, sondern des ganzen Gerstes, der ans einer Reihe von Arttkeln in dem genannten Blatte spricht, signalisiert. .Ter Schreiber dieser Zeilen fühlt sich verpflichtet, ihm dafür an dieser Stelle seinen Dank aus^usprechen, und weiß sich in diesem Dankesgefühl einig mit vielen Misrachisten, die der Meinung sind, daß sein mutiges Auftreten der Sache des Misrachr ürw damit auch des Zionismus in weiten Kreisen unserer religiösen Gesinnungsgenossen insofern genützt hat, als sich diese doch /sagen müssen, die Misrachisten sind auf der Hut und wissen ihre heiligsten Güter zu verteidigen. Unter diesem Gesichtspunkte betrachtet, müssen, auch die zahlreichen Protestresolutionen, die von 'Kiönistischer Seite, besonders aber von den misrachistischen Organisationen in der traurigen Sabbat-Entweihungs-Angelegenheit gefaßt und veröffentlicht worden, unseren Gegnern in gesetzestreuen. Kreisen die Ueberzeugung beibringen, daß wir nicht gewillt sind, - von unserem religiösen Standpunkt in zionistischen Fragen das Geringste zu vergeben.;• Um so schmerzlicher berührt es uns daher, daß Herr G... n, der die Worte des Herrn Sokolow so gut versteht, wie irgend einer, und seinen religiösen Standpunkt genau so einschätzt tvie wir, sogar das Wagnis übernommen hat. dessen „Worte des Friedens und der Wahrheit, die in der „Welt" abgedruckt sind, in Schutz zu nehmen und' dem zweideutigen Satze des Herrn Sokolow: „Die Sabbathruhe ist absolut!" gewissermaßen Beifall zu klatschen. Herr G.... n weiß so. gut wie wir, daß dieser Satz in dieser Fassung und in diesem Zusammenhang irreführend ist. Durfte der Misrachist, Herr G....N, den unsere deutschen misrachistischen Orthodoxen mit höhnischer Verachtungbehandelnden, HerrnSokolow in einem misrachistischen Blatte reinwaschen wollen? Und hat er es fertig gebracht? Und mußte er nicht bei dem Versuche, es zu tun, ganz unwillkürlich auch in dieselbe Kampfesmethode verfallen wie sein Schützling? Und brauchte Herr Sokolow die Anwaltschaft des Herrn G.n? Und hat Herr Sokolow, um mich der Ausdrucksweise des Herrn G.n zu bedienen, diesem dazu das Mandat erteilt? Und hat Herr G.n in feinem Plaidoyer die Sache der gekränkten und verfolgten Unschuld geführt? Diese Fragen drängen sich auf, und ich überlasse es Herrn G.n, sie sich zu beantworten. Im stillen Zweigespräch mit sich wird er keine andere Antwort auf unsere Fragen finden als wir selbst. Die Misrachisten sollen nach Herrn G.n und Herrn Dr. Fink, wie ein wahres Jnquisitionstribunal über Ketzer zu Gericht gesessen und allerlei Strafen verhängt haben: nach letzterem „mit und ohne Spezialisierung seiner (Haolams) Sünden — eine Disjunktion, die mir of,en gesagt, nicht recht verständlich ist, nach erstcrem gar in Verbindung mit der übrigens bis in den Grund und Boden verurteilten^ Orthodoxie Verbrennungen diktieren, „gleichviel ob physisch (?), materiell oder moralisch." Nein, so blutdürstig sind wir nicht, und glauben Sie nicht, daß wir mit der heiligen Einfalt im Wetteifer Holzscheite sammeln wollen, um den dampfenden Rauch aus dem schmorenden Fett unserer Gegner mit Wohlgefallen aussteigen zu seh.n! Wer hat denn von Strafen gesprochen? Und können wir strafen? Hat nicht das ganze Bild von einem Strafprozeß wegen eines Kapitalverbrechens, das wir nach jüdischem Rechte angeblich strafen wollen, eine ganz unlogische Analogie? Wenn ein Kaufmann einen seiner Angestellten wegen Veruntreuung entläßt, hat er da im juristischen Sinne des Wortes eine Strafe verhängt? Er verzichtet nur auf seine weiteren Dienste, was dem Betroffenen natürlich als ein schwererer Schlag und nur insofern, nämlich im übertragenen Sinne, als eine Strafe erscheinen mag. Welche Sühne nun auchdie Misrachisten wegen des fortgesetzten Sabbathfrevels — denn dieser ist ja doch die flagranteste und das unmittelbare religiöse Empfinden weiter Kreise am meisten empörende von allen Verfehlungen gewesen — und wegen der theoretischen und polemischjen Verletzungen und Verhöhnungen unserer Ueberzeugungcn und ihrer Verfechter verlangen werden: es kann sich meiner Meinung nack nur darum handeln, Bürgschaften zu erlangen, daß solche Dinge, in Zukunft nicht mehr Vorkommen. Und da wirst Herr G....N mit Worten um sich, wie Ketzergericht und Ketzerriecherei und leistet sich verallgemeinernd der deutschen Orthodoxie gegenüber, eine Standrede und hält ihr einen Spiegel vor, in dem sie ihre abschreckenden Züge genau studieren kann. Apropos, Herr G-n. Ein deutscher Misrachist soll sich um dasSeelercheil russischer Juden nicht kümmern, wer ah er h a t I h ne n d a s M a n da t g e q eb e n, dr e deuNchen Gesetz es treuen auf den richtigen Weg zu führen? Mer Sie sagen: „Wer «m seinem Sohne die Züchtigung spart, der haßt ihn." Und wenn nun die deutschen Misrachisten für ihre russischen Brüder ein eben so warmes Gefühl der Liebe Legten wie Sie für die deutschen Gesetzestreuen? Aber lassen wir das endlose Fragen, denn ich möchte Nicht in den Ruf eines unklugen Fragers kommen^ besonders auch nicht bei Herrn G... n, den ich selbst? für einen klugen Kopf halte und für einen Mann von Kenntnissen und Fähigkeiten. Ich füge noch hinzu, eS fei fern vott nnr, rhn in religiöser Beziehung m verdächtigen. Er selbst hat sich durch seinen Eintritt in den Misrachr praktisch auf die Seite d«k 'entschiedenen Hüter und Pfleger und Vorkämpfer des religiösen Moments innerhalb des Zionismus gestellt Wie konnte er bei diesem Standpunkte seiye „Stürmers- Artikel schreiben? Wie konnte er feinen eiWren ntisrachistischen und den religiösen Gesinnungsgenossen in wetteren Kreisen solch heftige und harte und gewiß nicht durchaus gerechte Borwürfe ins Gesicht schleudern? (Ich komme schon wirrer' ins Fragen, das ich mir vor wenigen Sekunden ab gewöhnen wollte!) Für mich gibt es nnr eine Erklärung; Verbitterung und persönliche Empfindlichkeit haben ihm die Worte in die Feder diktiert. Nicht die Liebe z» Herrn Sokolow, der wohl auch in den Augen des Herrn G... ni kein Mordechai ist, sondern der Groll Und persönliche Gegensatz gegen einen von mir wiederholt genannten Herrn, der aber darum noch kein Hamcm Ist, hat ihn seine Feder rin Galle tauchen und ein verzerrtes (T rakterbild von den Gesetzestreuen und von — sich selbst zeichnen lassen. „Aber, Ihr Klugen," heißt es, „seid vorsichtig in Euren Worten, daß nicht die Jünger vergiftetes Wasser trinken, damit der Name Gottes nicht entweiht iverde!" Diesen Spruch, hat Herr G . . . . n aus o en Augen verloren, als er in diesem misrachistischen Organ gegen seine zionistischen und religiösen Gesinnungsgenossen mit allzu heißer Vaterliebe die Zuchtrute schwang. Liebe und Haß^ möchte ich, ein Wort unserer Weisen umschreibend sagen, haben ihnvon dem geradlinigen Denken abgebracht. Herr G.... n entwickelt, wo er positive Vorschläge für die Tätigkeit des Misrachi macht, -ganz, wie ich es von ihm erwarte, überlegte und annehmbare Gedanken, in der Abwehr dagegen — und in diesem Zustande befinden wir uns gegenwärtig — versagt er vollständig. Darum müssen wir, denn ich spreche hier in Uebereinstimmung und im Aufträge vieler Gesinnungsgenossen, vor den weiten Kreisen derer, die ohne mit uns in zionistischen Dingen Hand in Hand zu gehen, doch den religiösen Boden mit uns teilen, wie auch derer, die in diesem Blatte (dem Frankfurter Israelitischen Familienblatt) seit Jahren ein misrachistifches Organ zu erblicken gewohnt waren, zusammenfassend erklären, daß der Verfasser der „Stürmer"-Artikel mit seinen Darlegungen weder dem Zionismus noch dem Misrachi noch diesem Blatte noch sich selbst einen guten Dienst geleistet hat. Professor Adolf-Mehl. Sabbat-Anfang u. Ausgang. *i:i03 ORT: Anfang Uttum Ausgang Uhr Hin. 1908 5668 Ubrisnttt. 30.Mai. 29. Jjar Frankfurt a. M 7 m 9 20 Berlin .... — — 9 12 München . 7 15 8 50 Strastbnrg . 7 30 9 10 Stuttgart. . . 7 15 9 06 Pose« ... — — 9 15 Nürnberg, . — — 9 05 Hamburg . . . - — 9 40 Prag. — — 8 55 Tamilicnnacbricbten. Geburten: Gerfon P osen» Frankfurt a. M.. Sandweg 44, einen Sobn. Verlebte: Jeanne Levy, JuleS Bollack, Straßburg i. Els.-Weißenburg i Elf. Verstorbene : Fron Sara Schopflocher, Fürth i.B., 73 Jahre. Für de« Reklamenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene» Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angabe« religionsgesetz« licheu Charakters ans 'ihre Znverlüsfigkeit zu prüft». Ich gehe durch einen grasarünci, Wald aber die Böglein hör' ich kaum singey, da mich ein abscheulicher Husten quält. Die ganze Brust tut mir weh und der Hals ist mir ordentlich roh. Wenn ich nach Haus« komme, versuch ich's auch einmal mit Fays ächten Sodener Mineral-Pastillen —- dieriollen ja bei allen Erkältungen, bei Husten nnb Verschleimung ausgezeichnet wirken» Bon anderen Mitteln habe ich überger und ich mag sie nicht mehr scheu. — ächte Sodener sind fett beinahe einem teljahrhundert erprobt gegen alle katarr lifchen Erscheinungen bejf ^Halfer und Atnrungsorgane. Me Schachtel kostet JJ5JS und man kann sie in Mer Apotheke, O gerie und MinevalwMerhanhMng yichen.