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Der Israelit · 1908-05-28 · Heft 22 (28.5.1908) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 22 (28.5.1908)
Date
1908-05-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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28. Mai 1908. Der JSraeltt. Pefach zu verwenden. Der Hausbesorger rie^ die Polizei und als ein Polizeiinspektor in Begleitung eines Polizeiarztes erschien und das Mädchen aufforderte, ihnen die Wunde zu zeigen, wurde es erst verlegen und gestand schließlich, -aß ihr Dienstgeber sie gar nicht berührt habe. Auf weitere Fragen , des Polizeiinspektors gestand das Mädchen ferner, daß ihr „Bräutigam" ihr zuredettz, ihren Dienftherrn der Blutabzapfung zu beschuldigen, das Haus zu alarmiren, und er sei sicher, daß Zechowitsch angesichts der zu erwartenden großen Erregung gerne bereit sein werde, sie durch eine große Summe Geldes zum Schweigen zu bringen. Das Mädchen klagte weinend, daß es darauf gerechnet habe, der Hausbesorger werde nicht gleich zur Polizei laufen, sondern vor Allem die christlichen Parteien des Hauses und der Gasse gegen Zechowitsch alarmiren. Durch das frühzeitige Erscheinen der Polizei sei nun ihr und ihres Bräutigams großartiger Plan zunichte geworden. Lodz, 18. Mai. Ein schrecklicher Fall hält die Gemüter in unserer Stadt und besonders innerhalb der jüdischen Gemeinde in höchster Aufregung. Ein reiches und angesehenes Gemeindemitglied, namens David Alschir, Vater von 7 Kindern, ist, anscheinend vollständig unschuldig, vom Kriegsgerichte zum Tode verurteilt und dieser Tage trotz aller Bemühungen seitens seiner Freunde und der ganzen Gemeinde auch hingerichtet worden. Der Verdacht des Mordes, der sich auf ihn lenkte, gründete sich auf die sehr zweifelhafte Aussage einer Frau, deren Mann vor ewigen Wochen durch Mörderhände umgekommen ist. Die Mörder, die bis zur Stunde noch nicht ermittelt sind, sollten (nach Aussage der Witwe des Ermordeten) von Alschir zur Tat aufgestiftet worden sein. A. selber bestritt bis zur letzten Stunde jede Schuld und jedes Mitwisser! an der Tat. Allen Bemühungen und Anstrengungen gelang es jedoch nicht, das Opfer den Händen des Kriegsgerichtes zu entreißen. Bezeichnend für die Lage und die Art der kriegsgerichtlichen Verfahren ist die Tatsache, daß der nunmehr Hingerichtete A. während seiner ganzen Untersuchung sich gegen eine nicht allzu große Kaution auf freiem Fuße befand. Der Ermordete war ein Jude, der einem anarchistischen Raubanfall zum Opfer gefallen war, und die Richter wußten nichts besseres zu tun, als die Ermordung des Juden durch einen anderen Jndenmord zu sühnen. England. London, 15. Mai. In einem Berichte aus Jerusalem an das hiesige auswärtige Amt über die Landwirtschaft in Palästina und die israelitische Kolonisation führt Konsul Blech aus, daß die Geschicklichkeit und Ausdauer Bewunderuug verdienen, mit welcher die Landwirte in Palästina ihren Boden bewirtschaften. Der syrische Bauer arbeite mit der größten Sorgfalt und lasse nicht eine Zollbreite seines Eigentums unbeachtet. Die bemerkenswerte Fruchtbarkeit des Terrains um Jerusalem herum, welches den Anschein der Dürre hat, rührt von unterirdischer Feuchtigkeit her. Die Ebenen von Saron, die gleichfalls sehr fruchtbar sind, werden durch artesische Brunnen mit Wasser versorgt. Dieses System wurde insbesondere von jüdischen Kolonisten eingeführt, die sich dort angesieoelt haben. In der Nachbarschaft von Jaffa werden Brunnen von großer Tiefe gegraben. Es befinden sich dort etwa 500, aus denen das Wasser mit Petroleum-Motoren geschöpft wird. Die Kolonien von russischen, polnischen und rumänischen Juden, die von Baron Rothschild gegründet und im Jahre 1900 an die Jca abgetreten wurden, treiben zumeist Weinbau und'haben unter der Weinkrise etwas gelitten. In dem Gebiete von Saron und Jericho hat man mit der Kultivierung der Baumwolle begonnen und gute Erfolge erzielt. Im Distrikt Gaza wurden große Orangenpstanzungen angelegt, die bereits ein Ergebnis von 630000 Kisten liefern. In wenigen Jahren wird man eine Million Kisten erreicht haben. HJaläfkitta* Jaffa, 15. Mai: Nach der Absetzung des letzten Kaimakams, der bekanntlich wegen der von ihm willkürlich provozierten Krawalle zwischen Juden und Arabern seinen Posten verlassen mußte, sahen die hiesigen Juden mit einiger Besorgnis dem neu zu ernennenden Kaimakam entgegen. Es stellt sich aber erfreulicherweise mehr und mehr heraus, daß diese Besorgnisse durchaus unbegründet waren. Der neue Kaimakam, der aus einer angesehenen türkischen Familie in Damaskus stammt, gilt als ein Mann von großer Bildung und vornehmem Charakter. In den letzten Tagen hat er eine Deputation der hiesigen jüdischen Gemeinde empfangen und dieser Deputation die Zusicherung gegeben, daß er alles tun wolle, was die Juden in seinem Bezirk zu fördern geeignet sei. Wenn von seiten der Juden irgendwelche Pläne gehegt würden, so möge man dies ihm stets ohne Besorgnis vorlegen und versichert sein, daß er sie immer mit Wohlwollen prüfen würde. Diese überaus freundliche Haltung des neuen Kaimakams wird hier mit um so größerer Befriedigung ausgenommen, als es heißt, der Kaimakam habe auch am Hofe des Sultans großen Cinstuß, und mehrere seiner Verwandten seien in Konstantinopel in hohen Stellungen. vermischter. Arad, 22. Mai. Die drei christlich-jüdischen Abgesandten der englischen Mission, die, wie in voriger Nummer aus Budapest gemeldet, dort keinen Boden für irre Lehren fanden, versuchten ihr Glück in Arad, wo sie die Juden mittels Flugzettels zu' einem öffentlichen Bortrag einluden. Ohne Böses zu ahnen, war auch eine Menge Juden der Einladung gefolgt. Als aber die Anwesenden die Absicht der Vortragenden merkten, erhob sich ein Lärm im Saale, der besonders bei der Rede Leventoffs, der offen zur Taufe aufforderte, in eine allgemeine Verwirrung ausartete.. Schließlich richtete ein Zuhörer an das Auditorium die Aufforderung, jeder, dem der Borttag nirl t gefalle, möge sich entfernen. Hierauf verließen alle den - aal und der Bortrag war zu Ende. vereiusweren. Berlin, 25. Mai. Der „Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina" sucht zunächst für seine Tätigkeit die Gebiete auf, > ie den Frauen am nächsten liegen, vor allem Haushalt und Krankenpflege. Der Verband will Haushaltunasschulen gründen, um die jungen Mädchen für den Beruf in ihrem späteren Heim vorzubereiten. Abteilungen für ländliche Wirtschaftsführung sind 5ür später vorgesehen Der zweite Punkt der Berbandstätigkeit be'risst die Errichtung eines Krankenpflegedienstes. Es gibt zwar eine Anzahl jüdischer Krankenhäuser, in Palästina, in Jerusalem allein deren >nerdoch reichen sie längst nicht aus, auch nur einen Bruchteil der Hilfesuchenden aufzunehmen. Da ka n die gut ausgebildete Pflegeschwester vieles leisten, deren Mitarbeit die Aerzte in Dorf und Stadt mit Freude begrüßen werden. Eng damit verknüpft ist die Sorge für Wöchnerinnen und Säuglinge. Der letzte Punkt ist die Errichtung eines Frauenheims für Kran'enschweier, Lehrerinnen und andere gebildete Damen. Der Verband, der im Jahre 1907 begründet worden ist, hat seine Tätigtet bereits ausgenommen. Lokalkomitees eistieren schon in Berlin, Hamburg Köln. Auch in Holland und Belgien sind Lokalkomitees in Gründung begriffen, und es ist begründete Hoffnung vorhanden, daß die übrigen Länder bald folgen werden. Personalien. Hardheim (Baden), 24. Mai. Am 16. d. Mts beging Herr Lehrer Wertheimer das Jubiläum seiner 25jährigen Wirksamkeit in der hiesigen Gemeinde. Schon am Vorabend über brachten der Bürgermeister und die gesamte Gemeindevertretung, der katholische Pfarrer und das Lehrerkollegium ihre Glückwünsche, wobei besonders der Geistliche herzliche Worte der Anerkennung und Wertschätzung fand. Herr Wertheimer dankte in bewegten Worten und versprach, auch fernerhin mit seinen becheidenen Kräften beizuttagen zu dem Fortschritt der Gesamtheit. Am darauffolgenden rOT begleiteten Herr Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein V'} aus Mosbach, der Vorstand und der Synagogenrat den Jubilar in die festlich geschmückte Synagoge, woselbst der Herr Rabbiner, anknüpfend an die piv'vvk und ^^'Institution, zu der Veranlassung der Feier überging. In einer nach Inhalt und Form gleich meisterhaften Rede schilderte er die großm Verdienste des Jubilars, den er als Muster eines Lehrers in bezug auf Gewtffenhastigkeit, Frömmigkeit und Tüchtigkeit bezeichnete. Er verlieh ihm vor versammelter Gemeinde als Zeichen der Anerkennung Öen altjüdischen Ehrentitel eines -on. Herr Wertheimer dankte in längerer Seite ». Ro. 23 Rede zunächst dem Lenker aller Geschicke, daß er chn gewürdigt, die Saat der göttlichen Lehre in das Gemüt der ihm anverttauten Jugend zu streuen, ferner seiner Vorgesetzten Behörde und seiner Gemeinde für die ihm dargebrachte Ehru g und gelobte, sich zeitlebens des "QIT Titels würdig zu zeigen, hinweisend auf den PsalmverS: "pipB nDEtf 1 TWT. "iaw "an- Nachmittags fand ein Bankett statt, wozu sich nicht nur die gesamte jüdische, sondern auch die Spitzen der politischen Gemeinde einfanden. Der Sohn des Jubilars, Herr Lehrer Felix Wertheimer in Malsch, brachte den ersten Toast auf den Landesherrn aus, der gleich seinem verewigten unvergeßlichen Vater seinen jüdischen Untertanen die wärmsten Sympathien entgegenbringe. Herr Bürgermeister Eirich feierte in längerer Ansprache die Verdienste des Jubilars. Die jüdische Gemeinde, so ungefähr führte er aus, könne stolz auf ihren Lehrer sein, der nicht uur ein gewissenhafter, tüchtiger Jugenbbildner, sondern auch ein flecken: loser Charakter uns allgemein beliebter Mitbürger sei, der bei jeder Gelegenheit mit gutem Beispiel vorangehe und dem in erster Lmte das schöne Verhältnis, das in Harbheim zwischen Juden und Christen herrsche, zu danken sei. Herr Bezlrksrat Rede! hob die umfassende Nächstenliebe und den ausgeprägten humanitären Siny des Jubilars hervor, Namens der früheren Schüler bankte Herr Urspringer. Herr Bezirksravbiner Dr. Löwenstein feierte seinen geistlichen Kollegen, Herr« Pfarrer Stephan, dessen Toleranz und Menschenfreundlichkeit. Tischlieder und Vorträge von chülern verschönten die Feier, die einen harmonischen Verlauf nahm. Bon den vielen Geschenken, womit Herr Wertheimer anläßlich seines Jubiläums bedacht worden ist, schätzt er am höchsten zwei wertvolle Werke, welche chm feine Bezirkskollegen als Zeichen ihrer Wertschätzung überreichten. Möge es ihm vergönnt sein, noch recht lange tätig zu sein im Sinne unserer heiligen Thora, zum Wähle seiner Gemeinde und zur Ehre des Judentums. Reichenhall, 27. Mai. Das seltene Fest ihrer goldenen Hochzeit feiern am 14. Juni d. I. in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit, Herr Heinrich Gundelfinger mit seiner Gemahlin Frau Karoltne geb. Maier aus Utm a. D., z. Zt. in Reichenhall, umgeben vor einer Schar Kindern und Enkeln. Mö e dem Jubelpaare, welche noch wahre, tteue Jehudim find, ein freudenreicher, schöner Lebensabend beschicken sein. Zprecdraal. Frankfurt a. M., 26. Mai 1908. hochgeehrter Herr Redakteur'. Ter beifolgende Artikel: „Kritische Bemerkungen w." sollte meiner Ansicht nach im hiesigen „Israelitischen Familienblatt" erscheinen, da die beiden „Stürmer' überschriebenen Aufsätze in Nr. 16 und Nr. l 7 des genannten Blattes, gegen die mein Ärtitel sich wendet, sowohl ihrem - Inhalte wie auch ihrer Form nach in misrachistischen .greisen scharfe Mißbilligung erfuhren. Tein Unterzeichneten wurde von einer stattlichen Anzahl von Gesinnungsgenossen der A u s t r a g zuteil, unseren Widerspruch gegen jene Auslassungen zum Ausdruck zu bringen. Es ist mir trotz mehrfach seit 14 Tagen wiederholter und bis zurr: letzten Augenblick fortgesetzter Verhandlungen nicht gelungen, für meinen Artikel die Aufnahme iu jenen: Blatte zu erwirken. Ich erlaube mir daher, hochgeehrter .Herr Redakteur, an Sie die ergebene Bttte, mctticti „Bemerkungen" nebst diesem begleitenden Briese in Ihrem geschützten Blatte Ausnahme gewähren zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung Professor Adolf W e y l. K r i 11 f di c B e m erkungen z u de n „S t ü r iu c r"-A rtikeln i m „Frankfurter Israelitischen F a m i l i e n b l a 11. Haben die beiden „Stürmer" überschriebenen Aufsätze im „Frankfurter Israelitischen Familienblatt" Nr. 16 und Nr. 17 in dem Kern ihrer Ausführungen das Kunststück fertig gebracht, die beiden zum Teil aus der zionistischen Parteikasse unterhaltenen Wochenblätter des Herrn N. Sokolow, die „Welt" und den „Haolam" zu rechtfertigen? Ist es ihnen wirklich gelungen, die Bedenken, Vorwürfe und Anklagen des Herrn Tr. Fenchtwanger und anderer Misrachisten zu widerlegen? Nimmermehr.' Und da es sich für Misrachisten um eine heilige Sache handelt, so dürfen jene Ausführungen nicht unwidersprochen bleiben. Freilich hätten wir es lieber gesehen, wenn Herr Tr. Fenchtwanger selbst noch einmal in diesen Blättern das Wort zur Erwiderung genommen hätte. Da dies, bis setzt aus gewissen, für die weitere Oeffentlichteit gleichgültigen Gründen nicht geschehen ist, und auch eine Erklärung aus der Feder des Angegriffenen z u n ä ch st nicht zu erwarten ist, so sehe ich mich genötigt, in dieser Angelegenheit das Wort zu ergreifen, und zu erklären, das; meiner Meinung nach Herr Tr. F. nicht widerlegt, seine Bedenken und Vorwürfe, soweit sie sich auf „Haolam" beziehen, nicht entkräftet und daß der Misrachi nicht ruhen darf, bis Garantien dafür erlangt sind, daß praktische Verfehlungen, wie die von unseren Resolutionen verurteilten, nicht mehr Vorkommen können, und der „Haölam" grundsätzlich darauf verzichtet, seine Spalten religionskritischen Artikeln zu öffnen. Aber kurz wollen wir doch auf einige kritische Bemerkungen der „Stürmer"-Artikel des Herrn G.. n eingeben.

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